Den heutigen Tag habe ich wesentlich ruhiger angehen lassen als eigentlich geplant: Lange geschlafen (ich habe einen unglaublich weichens, schönen, warmen und nichtloslassenwollendens neuen Bettbezug, der es mir sehr schwer macht, mein Bett morgens zu verlassen. Und heute morgen hatte ich Zeit, habe mich quergelegt, längs, meinen Kopf ins Kissen gebohrt, mein Bettzeug umarmt und genossen.
Dann Kaffee, Geschreibsel. Ich musste dringend auf das Pamphlet meines Coautoren über nestbauende Singlefrauen und Alice Schwarzer mit Bartwuchs antworten. Es liegt immer noch neben meinem Notebook, und ich bin noch lange nicht fertig! (Es ist schon überaus erstaunlich, wie ich mich über etwas erregen kann, das ich selbst ähnlich geschrieben hätte. Eloquent ist er jedenfalls. Und trotzdem...)
Viel gegessen habe ich, und ganz sicher nicht das, was Fit for Fun und Konsorten für die Jungen, Fitten, Schlanken und Schönen vorsehen. Lecker wars, und sch... auf Fettgehalt und Kalorien! Eigentlich hätte ich ja laufen wollen, spazierengehen zumindest, wegen der frischen Luft und dem Vitamin D, das der Körper braucht, wenn er sich nicht mit permanenten Schlafattacken herumplagen will. Habe mich dann entschlossen, dass mein Dachfenster über dem Schreibtisch für heute ausreichen muss und mein schlechtes Gewissen mit einer kalten Dusche beruhigt, der Abhärtung wegen. Es gibt halt so Tage...
Später dann Kino, das erste Mal seit langer Zeit, allein, und weil ich noch so pappsatt war, ausnahmsweise ohne Popcorn. "Babel" habe ich mir angesehen. Ein genialer, berührender, wunderschöner und gleichzeitig unglaublich trauriger Film! Drei Schauplätze, drei miteinander verwobene Handlungen, die alle irgendwie voneinander abhängig sind bzw. sich gegenseitig verändern. Leben eben. Ich sah mich mit meinen eigenen Vorurteilen konfrontiert, nicht nur in einer Szene, sondern in erschreckend vielen. Und obwohl ich keine(s) dieser Vor-ver-Urteil-ungen loslassen konnte, ist es dem Film mehr als nur gelungen, Schicksale unter verschiedenen Perspektiven zu zeigen.
Und es war mehr als das, teilweise waren die Gefühle, die dieser Film in mir hervorrief, kaum auszuhalten, das Dilemma der Handelnden schien unerträglich nahe zu sein. Bis heute war ich der festen und arroganten Überzeugung, dass die Menschen des 2. Jahrtausends keine herzergreifenden Filme mehr machen können, weil sie nur noch auf Blockbuster, schnelles Geld und computeranimierte Scheußlichkeiten aus sind. Ich widerrufe.
Wieder zuhause, war ich nicht in der Lage, irgendetwas anderes zu tun als alberne Quizfragen auf stern.de zu beantworten; der Film wollte sich nicht setzen, und ich hatte das Gefühl, alles, was mehr Aufmerksamkeit von mir erfordert als die Beantwortung so wichtiger Fragen wie "Wer war die Lehrmeisterin von Biene Maja?", "In welchem Alter wurde Konrad Adenauer Kanzler?", würde mich überfordern. Im Lindenstraßen-Quiz war ich besonders gut.
Und jetzt gehe ich noch ein wenig in Matala spazieren (für Interessierte: www.matala-kreta.de, www.matala-kreta.com oder ganz allgemein www.kreta-impressionen.de. Auch diese Bilder berühren; im Gegensatz zu "Babel" lassen sie mich allerdings nicht nachdenklich, wehmütig und sprachlos zurück, sondern inspirieren und bringen mich zum Lächeln. Nur noch 132 Tage! Nicht, dass ich falsch verstanden werde: Das, was ich hier tue, ist genau, was ich will und was ich brauche, ich freue mich über jeden Tag, und es gibt kaum etwas, was ich nicht genieße. Kreta ist meine Inspirations-, Eindrückesammel-, Staun-, Glücksgefühlekonservierungsinsel, mittlerweile ein Zuhause, ganz anders eben. Und ich habe Heimweh. So.
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