In einem der einschlägigen "Lifestyle"-Magazine (Verdammt, ich habe es getan, habe entgegen all meiner Überzeugungen ein englisches Wort benutzt! Gut, ich versuche es auf Deutsch: "Lebensstilberatungsmagazin". Puh, es geht!), die sich gern als Sportzeitschriften tarnen, kann die interessierte Leserin sich in der Dezemberausgabe über erfolgreiches Flirtverhalten informieren. Die Überschrift lautet: "Besser flirten. Körbe waren gestern..." Begierig stürzte ich mich auf diesen Artikel. Bin zwar glücklich verliebt und verbandelt, aber ebenso wiss- und lernbegierig, und man kann ja nie wissen, wozu so etwas gut ist.
Zunächst erfahre ich, dass frau zum erfolgreichen Flirten nicht einfach loszieht und eine Versuchs- und Irrtumsreihe in einer beliebigen Lokalität startet, nein, eine Flirt-Trainerin muss her! Und die informiert als erstes über das "Verpackungsdesign", also das, was die Flirtwillige anziehen sollte. Genau wie die Verpackung von x-beliebigen Waren hängt auch die der selbsternannten Ware Frau von der Zielgruppe ab. Männer sind bekanntlich leicht zu durchschauen, also wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch genau der, den ich ansprechen will, auf meine zu diesem Behufe ausgewählte Kleidung reagieren. (Als ob Männer auf Bekleidung achteten, wenn nur genug Bein und Busen sichtbar ist...)
Auf den nächsten Seiten hagelt es Tipps. Die Flirt-Trainerin scheint aus der Werbebranche zu kommen, denn sie legt nahe, das AIDA-Prinzip (Attention-Interest-Desire-Action) anzuwenden. Ich übersetze: Aufmerksamkeit-Interesse-Begehren-Tätigwerden. Darauf wäre ich jetzt nicht allein gekommen, das muss ich schon zugeben! Ich soll also tatsächlich zunächst die Aufmerksamkeit des zu Beflirtenden gewinnen, bevor ich in Aktion trete, und vorher muss er auch noch den Wunsch signalisiert haben, mich kennenzulernen! Der Stundensatz der Flirtexpertin würde mich brennend interessieren.
Doch ich lerne weiter. Unter der fettgedruckten Überschrift DEN KANNST DU HABEN! lese ich, dass die betreffenden Männer die Dame eine Sekunde zu lang angesehen haben. Eine Sekunde länger als was? Eine Sekunde länger, als ein Mann normalerweise braucht, um Brust-, Hüftumfang und Beinlänge eines weiblichen Wesens abzuschätzen und das Urteil "Höhlengeeignet oder nicht" zu fällen? Eine Sekunde länger, als er brauchte, um seine Brille zu putzen? Ich werde meine eigenen Studien betreiben müssen, um das herauszufinden, fürchte ich. Das Beantworten seines Blickes wird dann allerdings zum Zahlenspiel. Frau darf nämlich genau solange zurückschauen, wie sie braucht, um "21" zu sagen. (Ich wäre in Sorge, dass er meine Lippenbewegungen beim 21-sagen als Zeichen beginnender Senilität interpretieren und mich damit als ungeeignet für die Aufzucht seiner Brut befinden könnte...) Diese genaue Zeitangabe ist jedoch wichtig, damit er erstens bemerkt, dass sie ihn überhaupt meint und zweitens keine Angst bekommt, weil sie möglicherweise zu lange guckt. Das könnte dann nämlich als Starren interpretiert werden, und Starren ist nicht gut.
AID ist also schon abgearbeitet, jetzt geht es nur noch um ACTION. Ziel scheint übrigens zu sein, möglichst viele Telefonnummern zu sammeln. Was sie dann damit machen möchte, verrät die Verfasserin nicht. Eine Telefonnummer mit dazugehörigem männlichen Wesen wird übrigens charakterisiert als "Nicht ganz mein Fall, aber einer zum Um-die-Häuser-ziehen. Und die zweite (Telefon-)Nummer..." Na, der wird sich freuen!
Den wichtigsten Tipp des ohnehin schon lehrreichen Artikels möchte ich den geschätzten LeserInnen auf keinen Fall vorenthalten. Da schreibt die Chefredakteurin der Zeitschrift "Petra": "Kompetenz abfordern! (Klingt erstmal gut, ich will ja keinen Blödmann..) Finden Sie schnell heraus, was er beruflich macht, und bitten Sie um seinen Rat. (Aha. Was frage ich wohl den Gynäkologen? Den Schuhverkäufer? Den Rohrreiniger?) Männer freuen sich, wenn Frauen etwas von ihnen lernen wollen." (Großartig! Hatten wir das nicht schon vor 50 Jahren? Wenn das so wichtig ist, brauche ich ihn doch nicht nach seinem Beruf zu fragen - ich schenke ihm meinen unintelligentesten Augenaufschlag und sage mit zur Seite geneigtem Köpfchen in möglichst hoher Tonlage: "Ach bitte, erklär mir die Welt!")
Meine Damen, flirten Sie wild drauflos. Und damit Sie nichts falsch machen, fasse ich die Ratschläge noch einmal kurz zusammen:
- Überlegen Sie vorher ganz genau, welche Sorte Mann Sie beflirten wollen und wählen Sie danach die Garderobe. Soll es der Hells Angel sein, lassen Sie das Kleine Schwarze im Schrank, der Banker wird Sie im Neon-Dress nicht wahrnehmen, und für den Arzt könnten Sie sich ja in eine Krankenschwesternuniform werfen?
- Warten Sie, bis er Sie gesehen hat, bevor Sie loslegen!
- Schauen Sie ihm in die Augen, aber nicht zu tief! Lächeln Sie, aber nicht zu breit! Können Sie Gier in den seinen erkennen? Dann nichts wie ran - ACTION!
- Sammeln Sie Telefonnummern, auch wenn er eigentlich nicht ihr Typ ist - vielleicht hat er ja Geld?
- Und wenn Sie dann mindestens drei Nummern in der Tasche haben, ab nach Hause! Ins Bett! In Ihr eigenes! Allein!
Die hilfreichen Tipps habe ich der Fit for Fun 12/06, S. 138 ff. entnommen. Herzlichen Dank dafür!
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