Bevor ich loslege, möchte ich ein herzliches Dankeschön an die beiden motorsportinteressierten Herren in der 95°-Sauna loswerden, die mich zu großen Teilen des heutigen Posts inspiriert haben: Danke, Danke, Danke!
Die Sauna ist ein Ort der Ruhe und Entspannung. Man liegt oder sitzt im Warmen, gern auch mit geschlossenen Augen und träumt von Wasauchimmer. Ich liege fast immer an meinem bevorzugten Strand bei Matala, höre die Wellen rauschen und sehe das unglaubliche Blau des Libyschen Meeres und das unvergleichliche kretische Licht vor meinem inneren Auge. Das ist Urlaub. Ich mag Urlaub. Und ich mag Ruhe in meinem Urlaub, auch wenn er während der vier gebuchten und bezahlten Stunden in einer öffentlichen Sauna stattfindet.
Normalerweise werden meine Wünsche auch erfüllt, denn wir Deutschen sind außerhalb unserer Autos noch immer ein recht diszipliniertes Völkchen, und das ungeschriebene Gesetz "Halt in der Sauna die Klappe, draußen kannst Du wieder reden!" wird meist befolgt. Diejenigen, denen die ununterbrochene Kommunikation wichtiger ist als die Ruhe ihrer Sitznachbarn, lassen sich interessanterweise recht schnell dem (sozial-)pädagogischen Bereich zuordnen, gern auch mit Nachwuchs. Dieser sitzt dann still auf der untersten Bank und wartet auf die ersten Schweißperlen, während die Erzeuger für alle anderen hörbar laut flüsternd (es gibt da so ein ganz spezielles Flüstern, das Zischlaute erzeugt) darüber diskutieren, wielange die Brut unbeschadet in der Hitze sitzenbleiben darf. Manchmal bin ich versucht, das Kind zu bitten, Mami und Papi besser zu erziehen und sie auf die elementaren Höflichkeitsregeln hinzuweisen. (Das Kind scheint sie ja zu kennen.)
Ich schweife ab. Ruhesuchend begab ich mich also gestern Abend in besagte Maa-Sauna, 80 - 95°, holzbefeuert. Es stand nur ein paar Pantoffeln vor der Tür, und ich freute mich, viel Platz und ebensoviel Ruhe vorfinden zu dürfen. Einer der beiden Herren muss ohne Badelatschen gekommen sein, denn sie waren zu zweit, und sie unterhielten sich in normaler Kneipenlautstärke. Mir war vollkommen klar, dass sie jetzt damit aufhören würden, da sie ja nicht mehr allein waren. Aber das Thema war ihnen zu wichtig; es wurden Flugkosten nach Barcelona, Malle und das Geschäftsgebaren von Reisebüros im Allgemeinen diskutiert. Ich wollte keine Spielverderberin sein, atmete tief und hörbar ein und aus, legte mich auf eine der freien Bänke und schloss die Augen. Männer reagieren nicht auf Gesten, das ist in ihrem Programm so nicht angelegt, heißt es. Die beiden Herren waren in dieser Beziehung offensichtlich Durchschnittsmodelle, nicht aber, was ihren Redefluss betraf. Das kann ich einordnen, weil ich zu Weihnachten von meinem LAP (für Nichteingeweihte: Lebensabschnittspartner - Danke für das schöne Wort, Coautor!) ein Buch geschenkt bekommen habe : "Wie Männer ticken", und in diesem Buch ist neben vielen anderen hochinteressanten Einblicken in die Männerpsyche ein beispielhafter Dialog abgedruckt, der einen Eindruck von der Kommunikationsfähigkeit der Schöpfungskronen vermitteln soll.
Ich zitiere:
"(...) Zwei Männer an der Tanke. A sieht einen Porsche und schleicht drum herum. B gehört der Porsche.
Danach hätten "meine" beiden Herren ihren Dialog längst beendet haben müssen. Aber jetzt ging es um Testfahrten in Barcelona und wann es sinnvoll sein würde, sich diese live anzuschauen, immer noch in normaler Kneipenlautstärke. (Und ich spreche hier nicht von einer gehobenen Lokalität mit leisem Jazz im Hintergrund, sondern von einer echten Männerkneipe mit Formel 1 oder Bundesliga auf mindestens 3 Fernsehern und der entsprechenden Geräuschkulisse, die es zu übertönen gilt!) Ich seufzte vernehmlich, öffnete die Augen, sah sie missbilligend an und schloss meine Augen dann wieder.
Männer nehmen Gesten nicht wahr, wenn diese nicht mit Schwung in ihrem Solarplexus landen.
Inzwischen hatten weitere Besucher den Weg in die Sauna gefunden, und den beiden Motorsportfans war es endlich warm genug. Ihre Stimmen verhallten erst nach langer, langer Zeit. Die junge Frau, die vor mir saß, stieß einen Seufzer aus und sagte: "Dafür, dass Männer sich angeblich vorwiegend mit Grunzlauten verständigen, waren die aber recht eloquent." Frauen verstehen sich.
Trotzdem blieb ich mit einem Gefühl der Unzulänglichkeit zurück. Ich weiß doch, dass die meisten Männer nicht interpretationsfähig sind und klare Ansagen brauchen! Ich mache mich doch oft genug lustig über Geschlechtsgenossinnen, die lieber mit zusammengepressten Lippen und Oberschenkeln auf dem Beifahrersitz verharren als den Fahrer anzuweisen, an der nächsten Raststätte anzuhalten, weil sie noch immer glauben, er würde ihr Herumgerutsche als "Ich muss mal, und wenn Du mich liebst, siehst Du das und hältst an!" interpretieren! Ich hätte also sehr viel eher Ruhe gehabt, wenn ich freundlich, aber bestimmt darum gebeten hätte.
Glücklicherweise machen wir aber keine Fehler, sondern Erfahrungen, und es ist vollkommen in Ordnung, dass es auch für die Vorgesetzten der Schöpfungskronen noch immer etwas zu lernen gibt.
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