03 Februar 2007

Eigentlich wollte ich doch...

Heute muss ich ein ernstes Wort mit meinem inneren Bären reden. Er boykottiert alle meine Vorhaben, indem er einfach weiterschläft. Gestern wurde mir eine sehr plausible Erklärung für diese anscheinend doch nicht so seltene Form der Schlafkrankheit angeboten: Es ist schon die Frühjahrsmüdigkeit. Das würde dann allerdings bedeuten, dass ich vom Winterschlaf nahtlos in die Frühjahrsmüdigkeit geglitten wäre, ohne auch nur einen Fuß aus meiner Schlafhöhle gesetzt zu haben. Und das ist nicht logisch. Bären wachen irgendwann auf, sind schlank, hungrig und gehen auf die Jagd.
Ich wache irgendwann auf, allerdings nur, weil der Wecker klingelt, stelle fest, dass es noch viel zu früh zum Aufstehen und meine Schlafhöhle so schön warm und kuschelig ist und snooze mich eine Stunde weiter. Dann bin ich hungrig und gehe auf die Jagd nach Kaffee. Glücklicherweise muss ich dafür noch nicht die Höhle verlassen. Schlank bin ich leider trotz Hunger nicht, weil ich am Abend vorher wildesten Fressattacken nachgegeben und sowohl ökologisch als auch politisch (transfair) korrekte Schokolade in größeren Mengen verdrückt habe. Das macht neben dem guten Gewissen neue Speckrollen um die Hüften, aber wenn es den Amazonasindianern hilft...
Eigentlich mag ich diese Schokolade überhaupt nicht, hatte aber irgendwann einmal die Hoffnung, dass sie meinen Hunger auf Süßigkeiten schneller stillt wg. höherem Kakaoanteil. Ist aber piepegal, wenn nichts anderes da ist, esse ich die ganze Tafel und frage mich, wieso ich so bescheuert bin, nicht die unglaublich leckere Vollmilchschokolade mit den Karamellstückchen drin zu kaufen oder wenigstens die mit Ingwer.


Wie bin ich jetzt darauf gekommen? Achja, der Abend vorher. Das ist auch so ein Thema. Da komme ich hochmotiviert, randvoll mit Kreativität und Willensstärke nach meinem letzten Kurs nach Hause, wild entschlossen, nichts mehr zu essen (Nach 21.00 Uhr wird man nämlich fett, das weiß doch jeder, und David Kirsch, seines Zeichens Personaltrainer von Heidi Klum und anderen Supermodels, hat es sogar aufgeschrieben!) und stattdessen bei einem Glas ökologisch angebautem Rotwein der Schriftstellerei zu frönen. Oder die Göttliche Komödie zu lesen. Oder das Requiem von Mozart zu hören. Oder mein neues Hörbuch, den einzigen Roman von Rainer Maria Rilke.


Ich betrete also meine Wohnung, entledige mich meiner Arbeitskleidung, lasse Badewasser ein und warte darauf, dass die Wanne voll wird. Und freue mich. Ich habe nämlich überhaupt keinen Hunger! Den Rotwein nehme ich mit, aus Mozart wird Keith Jarrett, schließlich ist ja niemand gestorben. Später dann, am Notebook angekommen, spiele ich mich erst einmal ein, ein wenig Solitär, ein bisschen FreeCell, dann Trainer- und Kretaforum nach Neuigkeiten durchsehen. Da grummelt etwas in meinem Bauch. Ein klitzekleines Stückchen Käse könnte ich vielleicht doch essen? Ich habe den Gedanken kaum zuende gedacht, da finde ich mich mit einem 500g-Stück Appenzeller in der einen und einer Packung Reiskekse in der anderen Hand an meinem Notebook wieder. Gefolgt werden sie von einer Tafel Schokolade (85% Kakaogehalt, pfui Teufel!), einer guten Handvoll Rosinen, und irgendwo waren doch noch diese unglaublich leckeren und fettreichen Makadamianüsse...? Örgh.


Bin müde. Irgendwie. Und beschließe, heute etwas früher ins Bett zu gehen, um dann morgen früh mindestens eine Stunde Yoga zu machen, anschließend zu laufen, meine Wohnung zu renovieren, einen Roman zu schreiben und ein vegetarisches und fettarmes Fünf-Gänge-Menue vorzubereiten. Die Göttliche Komödie und Herr Rilke müssen warten, Tess Gerritsen ist gerade so spannend. Nach einer Seite schlafe ich ein.

Fortsetzung folgt, vorausgesetzt, ich werde wach.

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