Es ist Montagabend, und ich habe mir bereits einen derartigen Muskelkater beigebracht, dass ich fast eine Flasche "Antimuskelkateraromaöl" auf meinen diversen Wehwehchen verteilt habe. Dabei habe ich gestern gar keinen Sport gemacht, sondern "nur" NLP. Aber wahrscheinlich haben all die Personen in meinem Kopf, die während des Wochenendes wild herumgesprungen sind mit dem einzigen Ziel, mich zu verwirren (Herzlichen Dank, Jungs und Mädels, es ist Euch gelungen!), mir eine Art mentalen Muskelkater beschert, der sich heute in mangelhafter Leistungs- bzw. Leidensfähigkeit niedergeschlagen hat.
Übrigens bin ich nur ein ganz kleines Bißchen
Einschub: Da treffen sich jetzt gleich diverse neue Rechtschreibregeln, und ich bin zugegebenermaßen völlig überfordert: Früher, als alles, also auch Rechtschreibung und Grammatik, noch nach dem Denken intelligenter Menschen ausgerichtet war, konnte ich die richtige Schreibweise vor meinem inneren Auge sehen. Heute sehe ich eine 25-jährige Grundschullehrerin mit grünen Haaren, die sagt, es käme auf den Inhalt und nicht auf die Form an. Mit solchen Wesen, die eine Intelligenznivellierung in Richtung Analphabetismus anstreben, damit sie nicht mehr soviel denken müssen, habe ich mich schon vor zwanzig Jahren während der Lernerei für das Große Latinum herumgestritten. Sie (die Grünhaarigen) waren nämlich der festen Überzeugung, Auswendig- oder Überhauptlernen sei schuld an echt fiesen Psychosen, Neurosen und anderen -osen.
Früher also wurden nominalisierte Wörter groß geschrieben. Ein ß war ein ß, egal, ob scharf, weich, gezischt oder gesäuselt. Heute muss ich mich entscheiden (bei "muss" übrigens auch), ob es sich um ein scharfes oder ein weiches sss handelt und ich demzufolge auch weiterhin ß schreiben darf oder ss schreiben muss. Inzwischen habe ich mich eigentlich für ss entschieden. Kann ja sein, dass ich eines Tages mit amerikanischer Tastatur schreiben muss, die seit ewigen Zeiten ohne ß auskommt.
Was bin ich nur ein ganz klein wenig (gut herausgelogen aus dem Dilemma!)? Da habe ich doch über dem Philosophieren (nein, das werde ich NIEMALS mit F schreiben!!!!) den Faden verloren. Ich entschuldige mich, beende mein Schulterklopfen, mit dem ich mich bis eben für mein Durchhaltevermögen während des vergangenen Wochenendes gelobt habe, und trete mir stattdessen kräftig auf den Fuß (Ups, ein ß!), weil ich nicht in der Lage bin, einen Satz zuende zu bringen. Muss mich also wieder mit meinem Familiennamen anreden. Das mache ich immer dann, wenn ich nicht besonders zufrieden mit mir bin.
Ich sage oft "Scholze" zu mir, und Höflichkeiten wie "Frau Scholze" schenke ich mir.
Viel ist es ja auch nicht, was ich zu leisten in der Lage bin. Da habe ich nach dreissig Minuten Schattenboxen schon keine Luft mehr und sage Trinkpausen im Fünf-Minuten-Rhythmus an, schlafe, als gäbe es eine Menge Geld pro bewusstloser Lebensstunde, entschuldige heftigste Gewichtsschwankungen mit meinem Nahrungsbedürfnis (die Neandertaler wären den Weg der Dinosaurier gegangen, wenn sie soviel Schokolade und Fabrikeis gefressen hätten) und der Tatsache, dass ich mich schließlich (keine Ahnung, warum da jetzt ein ß sein soll, es fühlt sich irgendwie richtig an) dafür belohnen muss, ganz allein meine Autotür geschlossen zu haben. Und meine einzige Entschuldigung ist die Erschöpfung nach mentaler Anstrengung während des Wochenendes. Wobei ich bis vor NLP niemals gedacht hätte, dass "mental" und "Anstrengung" in einen Satz gehörten.
Scholze, Du schwafelst. Halt die Klappe und geh ins Bett.
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