08 Februar 2007

Schnee und all sowas

Obwohl ich heute die unterschiedlichsten Stundenformate gegeben habe, ist von diesem Tag hauptsächlich die fünfzehnminütige Schneechaosfahrt hängengeblieben. Weitgehend schneefreie Strecke, leider blockiert von ein paar Schnarchtatzen, die wegen des Wintereinbruchs in Großbritannien sicherheitshalber schon im Landkreis Northeim Schrittgeschwindigkeit fahren. Nein, das Problem im Winter sind nicht fehlende Winterreifen, sondern fahrerisches Unvermögen! Warum machen die das? Warum setzt sich jemand hinter sein Lenkrad, riskiert eine Blockierung der Halswirbelsäule, einen Infarkt oder Tinnitus, um sich mit seinem Fahrzeug (den Blick starr geradeaus gerichtet, das Gesicht entstellt vom Entsetzen, das diese Fahrt in widrigen Witterungsverhältnissen in ihm auslöst) in einer Geschwindigkeit zu bewegen, bei der er Gefahr läuft, von einem Rentner, der seinen Rollator spazierenschiebt, überholt zu werden? Warum riskiert er, dass irgendein hinter ihm zum Langsamfahren gezwungener Mensch, der es eiliger hat als er, sein Fahrzeug auf der Landstraße parkt, in moderatem Lauftempo den Schleicher erreicht, ihn aus seinem Auto zerrt und dann vom Leben zum Tode befördert? Was hat dieser Mensch um diese Uhrzeit auf der Straße zu suchen? Er hat Angst, und er sollte zuhause bleiben, sich das lustige Flockengeriesel vom sicheren Fensterplatz aus anschauen und seine Wohnung erst im Frühling wieder verlassen.
Nein, ein Gesetz, dass das Aufziehen von Winterreifen vorschreibt, ist absolut überflüssig. Wir (und damit meine ich die FahrerInnen, die das Autofahren im Schnee gelernt und nicht wieder vergessen haben) brauchen keine Winterreifen, wir brauchen freie Straßen! Und wenn Sie sich jetzt angesprochen fühlen und beim Gedanken an den morgigen Weg zur Arbeit ein leises Zittern verspüren (für Mecklenburg-Vorpommern wurde bereits überfrierende Nässe angekündigt), nutzen Sie doch die Zeit bis zum Schlafengehen und informieren Sie sich über den Öffentlichen Personennahverkehr. Da werden Sie von einem Profi sicher und bequem chauffiert und blockieren MIR nicht die Straße.

Allein bei der Vorstellung, so ein nichtsnutziger Autoamateur wäre mir heute nachmittag entgegengekommen, als ich auf der Ortsdurchfahrt mitten in einer Kurve ins Schleudern geraten bin und dann doch beide Fahrspuren benötigte, um die Pirouetten, die mein Auto mit mir gedreht hat, auch wirklich genießen zu können, wird mir ganz schlecht. Bitte, bleiben Sie unbedingt zuhause!

Themawechsel. Heute durfte ich den Querschnitt durch fast alles, was Kurs ist, erleben. Vormittags Yoga mit einer Gruppe, die schon so trainiert ist, dass ich sie, von ein paar Korrekturen abgesehen, einfach machen und ihre eigenen Bewegungen genießen lassen konnte, die unglaubliche Freude darüber, wie innerhalb recht kurzer Zeit auch (falsch: gerade!) die älteren unter ihnen eine Beweglichkeit und einen Ehrgeiz an den Tag legen und die positive Rückmeldung nach dem Kurs.
Mein persönlicher Höhepunkt an diesem Vormittag: Entspannung. Ich habe von einer auf dem Wasser treibenden Luftmatratze erzählt, von der Sonne, die scheint, von warmem Wasser und blauem Himmel. Eine der Teilnehmerinnen sagte mir nach dem Kurs, sie hätte kurz gedacht "Verdammt, ich habe die Sonnenmilch vergessen!"
Nachmittags dann erst eine wilde Bande von 11 Jungen und 2 Mädchen, 8. Klasse, eine Art anarchistisches Durcheinander. Wir hatten trotzdem Spaß. In der nächsten Stunde durfte ich mich dann mit einer Gruppe von Kindern im Grundschulalter vergnügen. Sie haben mir Energie gegeben für den Rest des Tages. Kinder sind großartig! Sie sind kreativ, wild, ehrlich, rücksichtslos, (oft auch rücksichtslos ehrlich...), lauter kleine Herausforderungen auf Füßen.
Heute abend dann noch zwei Kurse, auf die ich mich zwar einerseits gefreut habe, die andererseits aber doch wie zwei Berge vor mir standen, über die ich noch zu klettern hatte, bevor ich in die Badewanne durfte. Habe mir dann auch prompt den Rücken verzogen und hatte für einen Moment ernsthaft Sorge, dass ich aus einer Position, die mich, hätte ich sie über längere Zeit nicht verlassen, der Lächerlichkeit preisgegeben hätte, nicht wieder in eine aufrechte Haltung komme. Nachher, in meiner Schlafhöhle, werde ich mich ganz klein zusammenrollen und genießen, dass ich gerade keine vorbildliche Haltung zeigen muss. Ich übe jetzt schon und bin weit von einer ergonomisch wertvollen Sitzposition entfernt. Egal.

Komisch. Abgenommen habe ich kein Gramm, dabei ist abnehmender Mond.
Ach, ich wäre so gern ein Bär!

Wie alle wissen, kann man ja Bestellungen beim Universum aufgeben. Ich habe mir schon Männer bestellt, Parkplätze (Was übrigens besser funktioniert hat; bei der Männerbestellung habe ich den kapitalen Fehler gemacht, alles das anzugeben, was ich nicht will. Sie fragen sich, wo das Problem ist? Bestellen Sie doch einmal bei Quelle keinen Pullover, bloß nicht grün, ohne Rollkragen und auf gar keinen Fall Größe 38! Was glauben Sie, was Sie bekommen?), Jobs und Gesundheit (geht auch für andere). Vor ein paar Tagen habe ich mein nächstes Leben bestellt: Ich werde ein männlicher Braunbär in einem Naturschutzgebiet sein, unbelästigt von Besuchern, Tierärzten, Forschern und Wanderern. Wenn die dann doch kommen, darf ich sie fressen. Oder totspielen. Mein Leben wird aus Honig, Lachs und Schlafen bestehen. Meine Liebste beeindrucke ich durch heftiges Rütteln an wehrlosen Bäumen, und um die Erziehung der Gören kümmert sie sich, während ich mein Leben lebe. Ich werde sehr alt werden, eines natürlichen Todes sterben und im übernächsten Leben eine Katze bei einem ordentlichen und verantwortungsvollen nackten Zweibeiner sein, der mich liebt, mir Thunfisch und Tartar mit Ei kredenzt, mich regelmäßig krault und in seinem Bett schlafen läßt.

"Bett" ist übrigens ein gutes Stichwort - ich wünsche allen eine geruhsame Nacht mit bunten Träumen!

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