17 Februar 2007

Sie können, aber nicht gut!

Heute bin ich zu St. Andreas übergegangen, ein unglaublich leckerer, leichter Rotwein aus der Ortenau. Glücklicherweise schmeckt er mir besser als dem Investor, und so kann ich wöchentlich das eine oder andere Fläschchen wegschleppen und in meine Höhle verbringen. Und das Virenersäufen macht gleich viel mehr Spaß.
Aber es scheint zu helfen; meine Wohnung ist geputzt, ich war ein paar Schritte an der frischen Luft; über die Optik wollen wir besser nicht reden. Mein Kopf fährt immer noch Karussell, da schwirren tausende von Gedanken herum, die sich einfach nicht fassen lassen wollen, Nanogedanken wahrscheinlich, rechtsdrehend. Ojemine, nein, ich bin weder Hooligan noch leugne ich den Holocaust - meine Gedanken drehen auch links, richtiggenommen drehen sie in überhaupt keine Richtung, sind völlig unpolitisch, wirklich! Ich gehe nichtmal wählen, weil mir das Affentheater zu blöd ist. Bitte nicht weitersagen, ich weiß, dass ich meine staatsbürgerliche Pflicht vernachlässige, finde aber diesen klitzekleinen Protest nicht so gravierend wie die selbstzufriedene Mästung der Damen und Herren Entscheidungsträger. Nein, ich denke, diese im stillen Kämmerlein und ohne unliebsame Zeugen (Sie sind die Einzigen!) getroffene Vereinbarung ist in Ordnung: Berlin bekommt das Geld der Lobbyisten, und ich behalte dafür meine Stimme. Ich schweife. Aber ich bin entschuldigt, hatte ich doch bereits angekündigt, dass meine Gedanken drehen, in welche Richtung auch immer.

Es ist Unruhe, ein Gefühl, als hätte ich irgendetwas vergessen, etwas Wesentliches, als sollte ich eigentlich etwas anderes tun als ich gerade tue. Ganz sicher sollte ich nicht FreeCell und Solitaire spielen. Tue ich aber. Hilft es beim Sortieren der Nanogedanken? Eher nicht, es packt nur einen sehr großen Deckel auf einen sehr kleinen Topf. (Irgendwie ist es großartig, ganz viel zu sagen, ohne etwas preiszugeben!) Es ist nur in meinem Kopf... Wo auch sonst?

Wird es Frühling? Es ist immer noch relativ kalt, aber immerhin scheint nach fast zwei Wochen Dauerregen endlich einmal die Sonne. In meinem Kopf ist noch nicht wirklich Frühling, mein innerer Bär befindet sich noch in tiefstem Winterschlaf, und das Eichhorn (ein weiterer meiner tierischen Anteile) hat noch nicht alle Nüsse aufgefressen. Soviel Zeit muss aber sein.

Gestern habe ich "Das Lied von Troja" gelesen, ein sehr schönes Buch, das die Sage des Krieges um Troja aus der Sicht der verschiedenen ProtagonistInnen erzählt. Helena war vielleicht eine blöde Kuh! Nichts im Kopf als Busen zeigen, sich flachlegen lassen und Haare kämmen! Dann möchte ich doch lieber Amazonenkönigin sein, auch wenn ich von Achilles erschlagen werden würde! Nein, ernsthaft, wie kann man sich nur damit zufriedengeben, Beiwerk und Vorwand zu sein? Erst wird man mit einem hässlichen König verheiratet, der jede Nacht das gemeinschaftliche Ehebett heimsucht, dann kommt so ein nichtsnutziger Schönling daher, es wird einmal gevögelt, und ab gehts in die Fremde, wo einen alle schrecklich finden und für eine Art Weltkrieg verantwortlich machen. Und was macht der Schönling? Geht stiften und vergnügt sich mit der nächsten Dame.
Nein, ich hätte das alles ganz anders gemacht: Vater abgemurkst (Warum sollte man einen Vater schonen, der einen nur um des Machterhalts willen mit einem rothaarigen Halbaffen verheiratet?), Brüder verjagt, Thron bestiegen, gut ist! Ab und zu kann man sich dann einen hübschen jungen Kerl in die Federn holen und nach vollbrachter Vergnügung wieder verjagen. Oder köpfen, wenn es nicht nett war. Auf diese Art gibt es Macht, Kinder, man muss nicht kochen, und niemand geht einem damit auf die Nerven, dass er einem die Welt erklären will. Naja, war wohl nicht dran damals. Oder es war eigentlich so, aber das Patriarchat hat einmal mehr zugeschlagen und die Geschichte kurzerhand gefälscht.

Das bringt mich auf Knossos. ArchäologINNEN gingen in der Mehrzahl davon aus, dass die minoische Kultur in/auf Knossos zumindest matriarchalische Züge gehabt hat. Dann erklären sich auch viele der Rätsel, die Mr. Evans in seinem Männerschädel nicht lösen konnte. Frauen sind nämlich ebenso über den Stier gesprungen wie Männer, ein Jüngling wurde geopfert, das Labyrinth könnte ebensogut als ein sehr alter Initiationsritus interpretiert werden.

Erstaunlich, was mein Kopf so veranstaltet, wenn ich ihn laufen lasse. Vor einer halben Stunde habe ich mich an den PC gesetzt mit der Idee, ein Märchen schreiben zu wollen. "Es war einmal..." hatte ich schon vorformuliert. Und jetzt springt er über irgendwelche Nanos (Kann sich das außer mir noch jemand nicht vorstellen?) zu vollgefressenen und korrupten Eliten, von dort zur schönen Helena (Zicke, dämliche!) und weiter nach Knossos und ins Paradies, denn nichts anderes kann das Matriarchat, das echte und unverfälschte, gewesen sein! Das war ein Witz, ehrlich! Ich finde Männer einfach großartig und bin der Ansicht, dass unsere derzeitige Gesellschaftsform keinerlei Verbesserungen bedarf.
Wo kämen wir denn auch hin, wenn eine siebenfache Mutter aus reichem Hause, die ihren Ehemann zur Erziehung der Brut verdonnert hat oder - noch schlimmer - diese (Brut und Erziehung) an FREMDE Menschen delegiert, das C im Parteilogo, der deutschen Familie vorschriebe, wie lange sie zu kommunizieren hat? Die tatsächlich die unglaublich revolutionäre, gesellschaftssystemstürzende Ansicht vertritt, dass eine Frau, die einen Beruf erlernt hat, diesen trotz Nachwuchs auch ausüben sollte? Wo soll das denn hinführen? ANARCHIE! CHAOS! Wer soll denn nachmittags die Gerichtsshows ansehen, wenn die Weiber jetzt auch noch arbeiten? Andererseits - die Frauen, die nachmittags Gerichts- und Talkshows schauen, sind wahrscheinlich keine Stütze des Bruttosozialprodukts, behaupte ich jetzt einfach ketzerisch. Zurück zum Thema: Gleiches Geld für gleiche Arbeit? Gleiche Aufstiegschancen? Väter- und Mütterzeit? Ja, wollt Ihr denn Mädels aus den Jungs machen? Wie sollen wir denn bei Pisa und Unicef hinten bleiben, wenn wir auf einmal anfangen, uns um den Nachwuchs zu kümmern? Und wie sollte der gemeine Mann dahingehend erzogen werden, dass er nicht nur weiß, was sich im Kühlschrank befindet, sondern auch, wieviele Kinder sich gegenwärtig im Haushalt aufhalten und welche davon von ihm höchstpersönlich unter Anstrengung und Herausgabe seines kostbarsten Gutes gezeugt wurden? Sollten wir nicht langsamer beginnen und ihn zunächst von all diesen anstrengenden Positionen befreien? Chef? Minister? Manager? Abteilungsleiter? Polier? Feldwebel? Sollten wir ihm nicht seine Freiheit zurückgeben, auf dass er im Wald herumstreifen, an wehrlosen Ästen rütteln und dabei ein wenig grunzen kann? Das täte z.B. den Herren der CDU, die sich so verängstigt über das Ende des klassischen Familienmodells äußern (Hallo, Herr Seehofer, wie sieht IHR Familienmodell aus? Muslimisch? Dann dürfen Sie noch 3, und dieser Kölner Kardinal muss die Klappe halten.), sehr gut. Nicht irgendwelchen unqualifizierten Mist in Mikrofone plappern, obwohl niemand sie gefragt hat, nein, Hosen hochgekrempelt und ab in den Wald, grunzen und rütteln! Lächerlicher können Sie sich nicht mehr machen, meine Herren!

Nein, ich meine nichts ernst. St. Andreas ist ein leckerer Wein, ich kann ihn allerwärmstens weiterempfehlen, zumal allein der Besuch des Weingutes ein Erlebnis ist. Die haben einen Glasfußboden, und man kann den Weinkeller sehen. Außerdem gibt es einen unglaublich netten Hund dort. Und die Weinberge sind schön, ganz besonders nach zwei Wochen Todesangst in den spanischen Sierras.

Ob Viren schwimmen können? Nicht so gut wie wild im Kreis drehende Gedanken.

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