28 März 2007

Es gibt so Tage...

Schön war es heute. Sonne, noch mehr Baumeier, von meiner Mutter habe ich einen wunderschönen, wildgeringelten Weidenstrauss geschenkt bekommen, den ich zu den geraden Forsytienzweigen getan habe, zwei Hörnchen und einen Schokoladenosterhasen mit Keks drin. Der Weidenstrauss ist mit Baumeiern versorgt (den restlichen, die ich im Oleander hatte; jetzt hat der Koala wieder Platz in seinem Heimatbaum), Osterhase und Hörnchen sind in meinem Bauch, zusammen mit einem Liter Nörten-Hardenberger Bier. Sehr lecker übrigens.

Mir schwirren alte und neue Gedanken im Kopf. Neu ist dieses Heimatgefühl, das ich immer dann bekomme, wenn ich auf die Dorfstraße einbiege, rechts das neu renovierte, wunderschöne Fachwerkhaus, die Steinbrücke über die Espolde (das ist ein Bach, der irgendwo im Solling entspringt), dann die Weide mit den Schafen, drei erwachsenen und einem Lamm, geboren im Januar, dessen Wachsen ich mit sehr viel Freude verfolge und das mir die Vorstellung, man könnte auf die Idee kommen, es zu essen, absolut unmöglich macht, weiter zum Reiterhof linkerhand, dort wohnt ein älterer Herr auf vier Pfoten, ein schwarzer Mischling mit grauer Schnauze, die Biegungen durchs Dorf, rechts und links Osterdekoration, bunte Primeln, Tulpen, Narzissen, alles, was jetzt blüht, dann "meine" Straße und "unser" (ist es wirklich für mich) Haus mit den Kunstwerken im Garten, freundlich, chaotisch, unaufgeräumt, lebendig. Wunderschön. Ich kann noch immer nicht fassen, dass ich solch ein Glück gehabt habe bei meiner Wohnungssuche.

Alt ist die Freude an meinen Kursen. Positive Resonanz, lächelnde Gesichter, die kleine Versammlung vor dem Kursraum, die niemanden ausgrenzt, sondern alle willkommen heisst, der Kaffee "danach".
Ebenfalls alt ist das Missfallen am Alterungsprozess. Bin ich so empfindlich, weil ich mich mit Riesenschritten auf das nächste Lebensjahr (das ich geflissentlich zu ignorieren gedenke) zu bewege? Beim Blick in den Spiegel fand ich, dass ich relativ junge Augen und einen beschissen alten Bauch habe. Nein, ich werde mich jetzt nicht über Schrumpel und Wöbber auslassen - bin alt genug, um es mit mir selbst auszumachen, ganz davon abgesehen, dass alte Frauen von Mitte dreissig, die ihr Leben vor dem Fernseher zu beschließen gedenken, neben dem Schrumpelbauch auch tote Augen haben. Mann, was habe ich es gut!

Eigentlich würde ich gern Henry Maske sehen am Samstag. Der ist auch alt, sieht aber im Verhältnis unschrumpeliger aus. Aber wer TV verweigert, muss ab und an den Preis dafür zahlen. In diesem Fall bedeutet es, das Ergebnis im Internet nachlesen zu müssen. Herzliche Grüße an die GEZ: Möglicherweise habe ich ein TV-fähiges Internet, aber weil ich zu blöd dafür bin, werde ich auch keinen Cent zahlen, es sei denn, die GEZ sponsert mir einen VHS-Kurs: "Fernsehen mit dem Notebook". Wenn das nicht passiert, werde ich mir beim nächsten Besuch eines GEZ-Wegelagerers die Bluse aufreissen, "Hilfe!" schreien, und ihn, bevor diese anrückt, ordnungsgemäß die Treppe hinunter- und in den Komposthaufen hineinwerfen. Vielleicht rufe ich aber auch "Überfall!" und erlege ihn mit meinem großen Küchenmesser. Oder dem Hammer. Oder ich zwinge ihn, all mein Trockenobst zu essen und mit den Reiskeksen zu spülen.

Wie komme ich jetzt darauf? Gerade war ich in der jüngeren Vergangenheit unterwegs, mit einer Mischung aus Erleichterung, Traurigkeit und Weißnichtwas. Bin unglaublich froh über alle ungelesenen Gedanken. Das Leben ist spannender im Ungewissen. Ohne Rituale, ohne Rhythmen. Im Off-Beat.

Ich habe heute Zitronenkerne eingepflanzt. 9 Stück. Bin gespannt, wieviele davon Bäume werden wollen - Platz genug habe ich ja...

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