11 März 2007

Schiller und Pans Labyrinth

Schiller singt gerade "Ein schöner Tag - wenn er zuende geht, ist nichts mehr, wie es zuvor war." Stimmt. Neue Bilder, Erfahrungen und Gefühle, die vielleicht ein ganz klein wenig anders sind als sie zuvor waren, ändern vieles.
Nach "Pans Labyrinth" sehen die Sterne auf einmal anders aus, die Kaninchen am Straßenrand scheinen aus einer anderen Welt zu kommen und nicht das zu sein, was sie zu sein scheinen, die Musik hat eine neue Bedeutung gewonnen.
Der Frühling steht direkt um die Ecke und hat schon einmal einige Sonnenstrahlen, blauen Himmel, die Ahnung von Grün an den meisten Bäumen, Krokusse, Tulpen, Schneeglöckchen, Buntes eben, vorausgeschickt. Ich habe in der Sonne gelegen, barfuß und mit freien Armen, die Augen geschlossen, ohne zu träumen. Warum auch träumen, wenn die Realität so schön ist? Auf einmal habe ich wieder das Gefühl, keine Kraft tanken zu müssen für die vor mir liegende Woche, weil ich keine brauche, sondern sie wieder in mir habe. Keine Stunden gezählt heute, seit langer Zeit einmal wieder "zeitlos" genossen, und zwar jeden einzelnen Augenblick. Jeder Moment dieses Wochenendes war etwas Besonderes, eine Uhr hätte die Zeit verkürzt.

Neuerdings berühren mich die Filme, die ich mir ansehe, viel mehr als früher. Liegt es daran, dass sie etwas Besonderes sind, weil ich nicht mehr übersättigt bin durch stundenlangen TV- und Videokonsum? Kann ich das, was ich jetzt sehe, mehr wertschätzen, weil ich berieselungsfrei bin, oder hätte ich diese Filme (Babel, Der weiße Planet, Rocky Balboa - und wehe, irgendjemand bezweifelt, dass dieser Film in genau diese Aufzählung perfekt hineinpasst!!! -, Pans Labyrinth) auch zu Zeiten erhöhten Fernsehverbrauchs ebenso besonders gefunden?
Schön war es heute auch, den Film mit jemandem zusammen zu sehen, der an den gleichen Stellen den Atem anhält, ebenso berührt ist und Tränen, wenn das Mädchen sein Leben opfert, um als Prinzessin eines unterirdischen Reiches wiedergeboren zu werden, nicht als peinlich, sondern als etwas Normales empfindet. Der Nachteil ist allerdings, dass man so einen Menschen nicht fragen kann, wann besonders schlimme Szenen vorbei sind, weil er selbst die Augen zukneift...

Ein schöner Tag - wenn er zuende geht, ist nichts mehr so, wie es vorher war. Denn er hat neue Spuren auf Herz und Hirn hinterlassen, die bleiben werden, er hat andere Formen des Lächelns erzeugt, neue Variationen des Geschmacks von Tränen auf den Lippen, und er hat möglicherweise Feuer gelegt in Hirnregionen, die bisher noch nichts gezündet hatten. Ein schöner Tag eben...

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