16 März 2007

Umbestellung des nächsten Lebens

Ich nehme alles zurück! Ich will im nächsten Leben doch lieber kein Bär sein, jedenfalls kein großer. Das Ärgerliche am Bärendasein ist, dass man immerzu gejagt wird, dauernd umziehen muss, weil man irgendwelchen menschlichen Ansiedlungen im Weg ist oder nichts mehr zu fressen findet, weil die Menschen schon alles weggefressen haben. Entweder ist man ein Bär, der auf die Rote Liste der aussterbenden Tierarten gesetzt werden muss, weil wir Menschen mit unseren Sprühdeos und der Großindustrie dafür sorgen, dass sein Jagdrevier kleiner und kleiner wird (der Eisbär nämlich), ein Problembär, der erschossen gehört, weil er die Unverschämtheit besitzt, in seinem Revier das eine oder andere Frühstück zu erlegen (nämlich Bruno) oder man wird eingefangen und zum Tanzbären, Gallenspender für potenzschwache Chinesen oder Attraktion eines Tierparks gemacht. Und mit Schlafen ist es sowieso vorbei, weil man andauernd auf der Flucht ist, Hunger hat oder mit Hubschraubern von A nach B gekarrt wird.

Nein, ich möchte bitte als Koala wiedergeboren werden, und zwar als naturgeschützter Koala auf Kangarooh Island in Australien, mit einem eigenen Eukalyptusbaum und regelmäßigen Streicheleinheiten des Wildparkwächters. Koalas halten nämlich keinen Winterschlaf, sondern schlafen jeden Tag 20 Stunden. Koalas haben es gut, vorausgesetzt, niemand nimmt ihnen ihren Eukalyptusbaum weg. Dann sind sie nämlich schlafstätten- und heimatlos und sterben. Und ich will ja nicht sterben, ich will schlafen. Und gefüttert werden, ohne mir Sorgen um meine Figur machen zu müssen.

Und damit kommen wir auf dem kleinen Umweg über Problembären und Australien zum eigentlichen Thema (hätte ich einen Therapeuten, dann wüßte er, dass ich gerade rote Heringe ausgelegt habe): Warum ist es so unglaublich schwer, sich in Ruhe zu lassen? Das ist auch so ein "Frauending". Frauen haben nie genug getan, sehen nie gut genug aus, gönnen sich keine Ruhe.
Verdammt, jetzt ertappe ich mich schon selbst bei meinen Vernebelungsversuchen... Also: Warum habe ICH nie das Gefühl, genug getan zu haben, renne mit riesigen "To-Do-Listen" in meinem Kopf herum und möhre mich an, wenn ich einmal länger als sechs Stunden schlafe? Glücklicherweise kann ich zumindest den letzten Punkt jetzt zu den Akten legen - ich habe nämlich gestern gelesen, dass Menschen, die nur fünf bis sechs Stunden schlafen, eher zu Übergewicht neigen. Ha! Ich DARF länger schlafen und tue damit gleichzeitig noch etwas für meine Figur! Großartig!
Ist ja auch logisch: Während ich schlafe, esse ich nicht, also esse ich umso weniger, je mehr ich schlafe. Ab ins Bett!
Trotzdem - ist es nicht irgendwie ein ganz klitzekleines Bisschen gestört, sich ausgiebiges Schlafen nur mit dem Argument zu erlauben, dass es gut für die Figur ist?

Eine Bitte an die LeserInnen: Wenn jemand einen Weg gefunden hat, den meisten Teil der wachen Zeit mit sich zufrieden zu sein, möge er oder sie mir bitte unbedingt eine Mail schicken - solange ich nicht kalt duschen oder in der Nordsee schwimmen muss, bin ich bereit, eine Menge zu tun, um diesen Zustand zu erreichen. Am liebsten wären mir allerdings Autosuggestion oder Selbsthypnose, dabei kann man so schön dösen...

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