03 April 2007

Antischrumpelcremes und selbstgemachtes Übergewicht

Heute, beim Warten auf meinen Kurs, durfte ich einen Werbespot über eine neue Antischrumpel- und Speckrollenwegmachcreme anschauen. Glücklicherweise war der Ton ausgestellt. Gezeigt wurde eine junge Dame, deren kaum nennenswerte Röllchen über der etwas zu engen Jeans sichtbar waren. Der Freund der Dame (den ich, nebenbei gesagt, direkt auf den Mond geschossen hätte) kniff ihr in ebendiese, sie kiekste (das war deutlich zu sehen) und fing dann an, die vermeintlich überschüssigen Körperteile auf das Allerheftigste mit dieser Creme und dem sich auf der Tube befindlichen Roller zu bearbeiten. Einblendung: "Nach acht Tagen..." Der Freund kniff, die Dame kiekste. Nächste Einblendung (Ich glaube, jetzt waren es 3 Wochen): Freund kneift, Dame kiekst. Ist zwar nichts mehr da zum Kneifen, aber eine Frau, die von ihrem Freund in die Seite gekniffen wird, kiekst eben, wenn sie zu blöde ist, ihn auf den Mond zu schießen.

Die Moral von der Geschicht'? Erstens: Frauen, die kein Fett am Körper haben, können mit einer Antischrumpelcreme und aufgesetztem Roller auch das gedachte Fett in den Griff bekommen. Zweitens: Die Frau, die von einem wahrscheinlich männlichen Regisseur für diesen albernen Spot ausgesucht wurde und sich kieksenderweise kneifen lässt, ist ein Schwesternschwein. Hätte ich den Spot gedreht, dann hätte er gekniffen, sie hätte ihm eins über den Schädel gezogen und ihm eine Creme gegen Prostatabeschwerden an den dann ohnehin schon lädierten alternativen Denkapparat geworfen. Drittens: Wo, zum Donner, gibt es diese Creme???

Und dann gibt es noch Menschen (die nicht zwingend übergewichtig sein müssen, es aber häufig sind), die ihre mangelhafte sportliche Aktivität mit IHREN diversen Wehwehchen erklären. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass solche Menschen oft von all diesen körperlichen Einschränkungen reden, als hätten sie sie teuer erworben und jetzt in ihrem Schrank? Da höre ich von MEINEN Schulterproblemen, von MEINEM arthritischen Knie, von MEINEN Kreislaufproblemen und MEINEN körperlichen Einschränkungen im Allgemeinen. Ja, es sind die eigenen, weil viel zu häufig selbstgemachten Probleme! Wenn ich Übergewicht habe, bekomme ich möglicherweise Arthrose, weil meine Gelenke eben nicht dafür gebaut sind, 40 überschüssige Kilos mit sich herumzuschleppen! Und ich bekomme Kreislaufprobleme, weil mein Körper kaum eine Chance gegen meine Unbeweglichkeit hat. Was ich mir jetzt wünschte, wäre die Einsicht, dass all diese Probleme nicht von einem bösen Schicksal auf diesen armen, übergewichtigen Menschen geladen wurden, sondern dass er oder sie sich all dieses Fett höchstpersönlich und ohne darüber nachzudenken ANGEFRESSEN hat. Ja, es ist EIGENES Fett! Also warum, bitteschön, schreien sie jetzt nach einer Kostenbeteiligung ihrer Krankenkasse? Warum nehmen sie nicht das viele Geld, dass sie normalerweise zur nächsten Frittenbude tragen würden, für die Mitgliedschaft in einem Fitnessclub oder Sportverein? Ohne ihre Sachbearbeiterin bei der Kasse zu belästigen? Warum bewegen sie nur vorsichtig den großen Zeh hin und her und jammern dann, weil es Muskelkater im bisher unbewegten Fuß gibt? Warum, in Dreiteufelsnamen, BEWEGEN sie sich nicht???

Ich meine hier übrigens nicht die höchst vernünftigen Menschen, die sich regelmäßig sportlich betätigen und vielleicht ein paar Kilo zuviel auf den Hüften haben. Und um eventuellen KritikerInnen gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen: Nein, ich propagiere nicht das Schönheitsbild der Antischrumpelcremehersteller! Ein Körper sollte gesund sein, und der Mensch, der darin wohnt, sollte sich wohlfühlen und genießen dürfen. Keine Schönheitsdiktate, keine Einheitsfiguren, und auf gar keinen Fall Größe XXS. Aber eben auch nicht Kleidungseinkauf im Moppelladen bei gleichzeitigem Gemöhre über die Figur oder irgendwelche selbstangefressenen und nicht durch Bewegung ausgeglichenen Zivilisationskrankheiten.

Das musste mal raus. Und eigentlich kann man es auf das Leben übertragen:

Change it, love it or leave it. Und nerv nicht!

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