Es war einmal ein junges Mädchen, nennen wir sie Kadya. Sie entstammte einer sehr alten Artistenfamilie, die schon seit Generationen um die Welt zog und im Zirkus oder auch einmal mitten in der Stadt ihre Kunststücke zeigte. Während ihre Brüder sich recht früh entschieden hatten, dass sie jonglieren, Einrad fahren oder zaubern wollten, zog es Kadya zu den gefährlicheren Disziplinen. Zunächst versuchte sie sich als Assistentin des Messerwerfer. Das wurde ihr jedoch nach kurzer Zeit langweilig, denn sie hatte nichts weiter zu tun als hübsch auszusehen, sich von ihm bewerfen zu lassen und ab und zu einen Apfel auf dem Kopf oder eine Zigarette im Mund zu tragen.
Dann fragten die Trapezkünstler, ob Kadya Lust hätte, in ihrer Gruppe mitzumachen. Sie hatte, und so zog sie nach Monaten harten Trainings mit den "Flying Dragons" um die Welt. Außer ihr gab es nur noch eine andere Frau, aber statt sich über die Gesellschaft zu freuen, war diese fürchterlich eifersüchtig und machte Kadya das Leben schwer, wo sie nur konnte. Immer wollte sie die Erste sein, die einen gefährlichen Salto von einem Trapez zum nächsten vorführte, die Erste, die die Manege betrat, und die Letzte, die sie verließ. Damit hätte Kadya leben können, wenn sie von den anderen anerkannt worden wäre. Aber sie fand schnell heraus, dass nur die Männer bestimmten, welche Nummern eingeübt und was für Trikots getragen wurden, sie machten die Verträge und verteilten die Honorare. Kadyas Ideen wurden ignoriert oder mit einer kurzen Handbewegung abgetan, und die Kunststücke, die sie mühsam trainiert hatte, durfte sie nicht vorführen, weil die Männer Angst hatten, sie könnte ihnen die Show stehlen. Nach einem Jahr verließ sie die Truppe und beschloss, von jetzt an allein weiter zu machen.
Nach einiger Zeit, die sie am Meer verbrachte, weil sie dort am besten nachdenken konnte, wußte sie, was sie tun wollte: Kadya würde Seiltänzerin sein.
Sie besorgte sich alles, was sie benötigte und begann mit dem Training. Da sie sehr talentiert und mutig war, hatte sie bald mehrere Shows im Programm. Sie trat im Zirkus auf, bei Festen oder Paraden und wurde bald weltberühmt. Selbstverständlich arbeitete Kadya immer mit einem Netz; sie war sicher, dass ihr Publikum trotzdem begeistert sein würde. Und so war es auch. Wo sie auftrat, erwarteten sie jubelnde Menschen, jedes ihrer Kunststücke wurde frenetisch gefeiert, und die Honoratioren der Städte, in denen sie gastierte, rissen sich um ein Foto mit ihr.
Von anderen Seiltänzerinnen unterschied sich Kadya durch ihren Wagemut. Sie vollführte Salti, Rollen, Sprünge, lief durch brennende Reifen, fuhr auf dem Seil mit dem Einrad, einmal hatte sie sogar ein Motorrad. Die Männer ihrer Zunft schlug sie durch ihre Eleganz und Anmut. Gleichgültig, wie gefährlich das war, was sie gerade tat, sie sah niemals so aus, als sei es anstrengend, sie flirtete mit ihrem Publikum, sie lächelte, und wenn sie einen besonders guten Tag hatte, tanzte sie auf dem Seil nach einer nur für sie komponierten Musik Ballett.
Kadya war glücklich. Sie hatte alles, was sie brauchte, verdiente gutes Geld und war berühmt. Sesshaftigkeit oder die Sehnsucht danach kannte sie nicht, und mit Männern wollte sie nach ihren Erfahrungen mit dem Messerwerfer und den Trapezkünstlern auch nichts zu tun haben. Einmal im Jahr machte sie einen langen Urlaub auf einer Insel im libyschen Meer, genoss die Sonne und den Wind und tat nichts außer schwimmen, lesen und Inselkatzen kraulen.
Es hätte für immer so weitergehen können, und eines Tages wäre sie dann, wie alle anderen in ihrer Familie, in eine leichtere Disziplin gewechselt. Kaninchendressur vielleicht, Jonglage oder Clownerie. Aber eines Tages spürte Kadya auf einmal eine gewisse Unlust. Sie hatte einen Auftritt in einer großen Stadt in Amerika vor sich, eine riesige Halle war allein für sie reserviert worden. Sie ertappte sich dabei, wie sie auf die Uhr sah und ausrechnete, wann sie wieder in ihrem Hotel sein würde. "Nun, jeder kann einmal einen schlechten Tag haben." sagte sie sich und kümmerte sich nicht weiter darum.
Aber es blieb kein Einzelfall. Sie freute sich überhaupt nicht mehr auf ihre Auftritte, hatte keine Lust, neue Nummern einzustudieren und zählte die Tage bis zu ihrem Urlaub. "Was ist nur los mit mir? Werde ich alt?", fragte sie sich.
In einer ruhigen Stunde dachte sie über ihr Leben, ihre Kunst und ihre Zukunft nach. Was wollte sie? Was sollte aus ihr werden, später, wenn sie zum Herumreisen und Seiltanzen zu alt sein würde? Wollte sie eine Familie? Einen Mann? Haustiere? Geld hatte sie bereits genug verdient, sie besaß ein schönes Haus auf ihrer Insel und konnte sich die besten Hotelzimmer leisten. Das Reisen machte ihr auch noch immer Freude, einen Mann wollte sie nach wie vor nicht, weil sie sicher war, dass dieser nur versuchen würde, ihr schönes, freies Leben zu beenden und über sie zu bestimmen, Kinder mochte sie zwar, für eigene fehlten ihr jedoch der Mut und die Zeit. Kadya grübelte und grübelte, sie machte lange Spaziergänge; fast war es ihr, als liefe sie vor etwas davon.
Und auf einmal, so, als hätte eine innere Stimme, die bisher immer ganz ruhig gewesen war, plötzlich allen Mut zusammengenommen, hörte sie sich sagen: "Ich will dieses verfluchte Netz nicht mehr!" Sie sagte diesen Satz mehrmals vor sich hin, und er fühlte sich gut an. "Ich werde ohne Netz arbeiten." klang noch besser.
Und da Kadya eine Frau der Tat war, rief sie den Bürgermeister einer großen Stadt in Europa an und erzählte ihm von ihrem Plan. Er war begeistert. "Hunderttausende werden Sie dabei sehen wollen, meine Liebe! Die Hotels werden ausgebucht sein! Alle Welt wird von uns sprechen! Ich kümmere mich sofort um Sponsoren." rief er.
Kadya blieb noch ein paar Tage auf der Insel, übte die eine oder andere Nummer ein und meditierte, um die innere Ruhe für ihren ersten Auftritt ohne Netz zu finden. Sie würde auf ihrem Seil quer über einen Prachtboulevard spazieren, und das Seil würde in sechzig Metern Höhe zwischen zwei Kirchtürmen aufgespannt sein. Ja, das war Leben! Ohne Sicherheit, ohne Bedauern, ohne Schutz!
Natürlich war ihr ein wenig mulmig, denn sie wußte, dass sie keinen einzigen Fehler würde machen dürfen, wenn sie ihre Show lebend beenden wollte. Aber was wollte sie mit einem Leben, das keine Risiken barg?
Als der große Tag gekommen war, meldeten sich andere Stimmen, die sie vorher noch nie gehört hatte: "Willst Du das wirklich tun? Deine Familie wird sehr traurig sein, wenn Du abstürzt.", "Überlege Dir alles noch einmal gut, denn Du wirst keine Möglichkeit der Rückkehr haben, wenn Du erst einmal dort oben bist!", "Wem willst Du denn etwas beweisen? Sie lieben Dich doch auch mit Netz!".
Kadya ignorierte die Stimmen. Sie wollte einmal in ihrem Leben etwas tun, wovor sie Angst hatte, und sie wollte diese Angst besiegen. Ja, sie hatte Angst! Sie würde sehr einsam sein dort oben, und sie wußte, dass die meisten Zuschauer gekommen waren, um sie abstürzen zu sehen. Menschen waren so, auch wenn sie sich das nicht eingestanden.
Sie schloss die Augen, verliess den Wohnwagen, in dem sie sich vorbereitet hatte und begab sich unter dem Jubel der Menge in Richtung des Hubschraubers, der sie auf dem Kirchturm absetzen sollte. Sie verbeugte sich, legte ihren Umhang ab und nahm mit einer eleganten Bewegung Platz auf der Schaukel, die an den Kufen des Hubschraubers festgemacht war. Schnell war sie in der Luft, winkend und lächelnd. Dann kamen die Kirchturmspitze und ihr Seil in Sicht. Sie stieg ab, hielt sich fest und ging langsam, immer noch winkend, auf das kleine Plateau am Ende des Daches zu.
Ein letzter tiefer Atemzug, eine Bitte an ihre Götter, sie zu beschützen, dann breitete Kadya die Arme aus und betrat das Seil. Die ersten Schritte war sie sehr vorsichtig, bis sie sich sagte, dass sich an der Beschaffenheit des Seils und ihrem Können nichts geändert hatte, nur weil sie ohne Netz und in größerer Höhe arbeitete. Nach ein paar Metern fühlte sie sich erleichtert. Ja, das war Leben! Dem Himmel näher als jemals zuvor, frei, von der Sonne beschienen und von der Menge bejubelt! Der erste Salto. Klatschen, Rufen von ganz weit unten. Sie stand wieder sicher auf dem Seil. Jetzt begann sie zu tanzen, hörte tief in sich eine Melodie aus "Schwanensee", vollführte Pirouetten, lächelte, lachte und rief ein lautes "Ich lebe!" in den blauen Sommerhimmel. Sie würde niemals mehr glücklicher sein als in diesem Moment.
Dann - eine Windböe. Kadya verlor das Gleichgewicht, ihre Hände griffen am Seil vorbei, und sie stürzte in die Tiefe. "Wenn das der Preis für diesen Moment ist, will ich ihn gern zahlen." war ihr letzter Gedanke, und sie schloss ihre Augen, während sie dem heißen Asphalt entgegenfiel.
Dann fragten die Trapezkünstler, ob Kadya Lust hätte, in ihrer Gruppe mitzumachen. Sie hatte, und so zog sie nach Monaten harten Trainings mit den "Flying Dragons" um die Welt. Außer ihr gab es nur noch eine andere Frau, aber statt sich über die Gesellschaft zu freuen, war diese fürchterlich eifersüchtig und machte Kadya das Leben schwer, wo sie nur konnte. Immer wollte sie die Erste sein, die einen gefährlichen Salto von einem Trapez zum nächsten vorführte, die Erste, die die Manege betrat, und die Letzte, die sie verließ. Damit hätte Kadya leben können, wenn sie von den anderen anerkannt worden wäre. Aber sie fand schnell heraus, dass nur die Männer bestimmten, welche Nummern eingeübt und was für Trikots getragen wurden, sie machten die Verträge und verteilten die Honorare. Kadyas Ideen wurden ignoriert oder mit einer kurzen Handbewegung abgetan, und die Kunststücke, die sie mühsam trainiert hatte, durfte sie nicht vorführen, weil die Männer Angst hatten, sie könnte ihnen die Show stehlen. Nach einem Jahr verließ sie die Truppe und beschloss, von jetzt an allein weiter zu machen.
Nach einiger Zeit, die sie am Meer verbrachte, weil sie dort am besten nachdenken konnte, wußte sie, was sie tun wollte: Kadya würde Seiltänzerin sein.
Sie besorgte sich alles, was sie benötigte und begann mit dem Training. Da sie sehr talentiert und mutig war, hatte sie bald mehrere Shows im Programm. Sie trat im Zirkus auf, bei Festen oder Paraden und wurde bald weltberühmt. Selbstverständlich arbeitete Kadya immer mit einem Netz; sie war sicher, dass ihr Publikum trotzdem begeistert sein würde. Und so war es auch. Wo sie auftrat, erwarteten sie jubelnde Menschen, jedes ihrer Kunststücke wurde frenetisch gefeiert, und die Honoratioren der Städte, in denen sie gastierte, rissen sich um ein Foto mit ihr.
Von anderen Seiltänzerinnen unterschied sich Kadya durch ihren Wagemut. Sie vollführte Salti, Rollen, Sprünge, lief durch brennende Reifen, fuhr auf dem Seil mit dem Einrad, einmal hatte sie sogar ein Motorrad. Die Männer ihrer Zunft schlug sie durch ihre Eleganz und Anmut. Gleichgültig, wie gefährlich das war, was sie gerade tat, sie sah niemals so aus, als sei es anstrengend, sie flirtete mit ihrem Publikum, sie lächelte, und wenn sie einen besonders guten Tag hatte, tanzte sie auf dem Seil nach einer nur für sie komponierten Musik Ballett.
Kadya war glücklich. Sie hatte alles, was sie brauchte, verdiente gutes Geld und war berühmt. Sesshaftigkeit oder die Sehnsucht danach kannte sie nicht, und mit Männern wollte sie nach ihren Erfahrungen mit dem Messerwerfer und den Trapezkünstlern auch nichts zu tun haben. Einmal im Jahr machte sie einen langen Urlaub auf einer Insel im libyschen Meer, genoss die Sonne und den Wind und tat nichts außer schwimmen, lesen und Inselkatzen kraulen.
Es hätte für immer so weitergehen können, und eines Tages wäre sie dann, wie alle anderen in ihrer Familie, in eine leichtere Disziplin gewechselt. Kaninchendressur vielleicht, Jonglage oder Clownerie. Aber eines Tages spürte Kadya auf einmal eine gewisse Unlust. Sie hatte einen Auftritt in einer großen Stadt in Amerika vor sich, eine riesige Halle war allein für sie reserviert worden. Sie ertappte sich dabei, wie sie auf die Uhr sah und ausrechnete, wann sie wieder in ihrem Hotel sein würde. "Nun, jeder kann einmal einen schlechten Tag haben." sagte sie sich und kümmerte sich nicht weiter darum.
Aber es blieb kein Einzelfall. Sie freute sich überhaupt nicht mehr auf ihre Auftritte, hatte keine Lust, neue Nummern einzustudieren und zählte die Tage bis zu ihrem Urlaub. "Was ist nur los mit mir? Werde ich alt?", fragte sie sich.
In einer ruhigen Stunde dachte sie über ihr Leben, ihre Kunst und ihre Zukunft nach. Was wollte sie? Was sollte aus ihr werden, später, wenn sie zum Herumreisen und Seiltanzen zu alt sein würde? Wollte sie eine Familie? Einen Mann? Haustiere? Geld hatte sie bereits genug verdient, sie besaß ein schönes Haus auf ihrer Insel und konnte sich die besten Hotelzimmer leisten. Das Reisen machte ihr auch noch immer Freude, einen Mann wollte sie nach wie vor nicht, weil sie sicher war, dass dieser nur versuchen würde, ihr schönes, freies Leben zu beenden und über sie zu bestimmen, Kinder mochte sie zwar, für eigene fehlten ihr jedoch der Mut und die Zeit. Kadya grübelte und grübelte, sie machte lange Spaziergänge; fast war es ihr, als liefe sie vor etwas davon.
Und auf einmal, so, als hätte eine innere Stimme, die bisher immer ganz ruhig gewesen war, plötzlich allen Mut zusammengenommen, hörte sie sich sagen: "Ich will dieses verfluchte Netz nicht mehr!" Sie sagte diesen Satz mehrmals vor sich hin, und er fühlte sich gut an. "Ich werde ohne Netz arbeiten." klang noch besser.
Und da Kadya eine Frau der Tat war, rief sie den Bürgermeister einer großen Stadt in Europa an und erzählte ihm von ihrem Plan. Er war begeistert. "Hunderttausende werden Sie dabei sehen wollen, meine Liebe! Die Hotels werden ausgebucht sein! Alle Welt wird von uns sprechen! Ich kümmere mich sofort um Sponsoren." rief er.
Kadya blieb noch ein paar Tage auf der Insel, übte die eine oder andere Nummer ein und meditierte, um die innere Ruhe für ihren ersten Auftritt ohne Netz zu finden. Sie würde auf ihrem Seil quer über einen Prachtboulevard spazieren, und das Seil würde in sechzig Metern Höhe zwischen zwei Kirchtürmen aufgespannt sein. Ja, das war Leben! Ohne Sicherheit, ohne Bedauern, ohne Schutz!
Natürlich war ihr ein wenig mulmig, denn sie wußte, dass sie keinen einzigen Fehler würde machen dürfen, wenn sie ihre Show lebend beenden wollte. Aber was wollte sie mit einem Leben, das keine Risiken barg?
Als der große Tag gekommen war, meldeten sich andere Stimmen, die sie vorher noch nie gehört hatte: "Willst Du das wirklich tun? Deine Familie wird sehr traurig sein, wenn Du abstürzt.", "Überlege Dir alles noch einmal gut, denn Du wirst keine Möglichkeit der Rückkehr haben, wenn Du erst einmal dort oben bist!", "Wem willst Du denn etwas beweisen? Sie lieben Dich doch auch mit Netz!".
Kadya ignorierte die Stimmen. Sie wollte einmal in ihrem Leben etwas tun, wovor sie Angst hatte, und sie wollte diese Angst besiegen. Ja, sie hatte Angst! Sie würde sehr einsam sein dort oben, und sie wußte, dass die meisten Zuschauer gekommen waren, um sie abstürzen zu sehen. Menschen waren so, auch wenn sie sich das nicht eingestanden.
Sie schloss die Augen, verliess den Wohnwagen, in dem sie sich vorbereitet hatte und begab sich unter dem Jubel der Menge in Richtung des Hubschraubers, der sie auf dem Kirchturm absetzen sollte. Sie verbeugte sich, legte ihren Umhang ab und nahm mit einer eleganten Bewegung Platz auf der Schaukel, die an den Kufen des Hubschraubers festgemacht war. Schnell war sie in der Luft, winkend und lächelnd. Dann kamen die Kirchturmspitze und ihr Seil in Sicht. Sie stieg ab, hielt sich fest und ging langsam, immer noch winkend, auf das kleine Plateau am Ende des Daches zu.
Ein letzter tiefer Atemzug, eine Bitte an ihre Götter, sie zu beschützen, dann breitete Kadya die Arme aus und betrat das Seil. Die ersten Schritte war sie sehr vorsichtig, bis sie sich sagte, dass sich an der Beschaffenheit des Seils und ihrem Können nichts geändert hatte, nur weil sie ohne Netz und in größerer Höhe arbeitete. Nach ein paar Metern fühlte sie sich erleichtert. Ja, das war Leben! Dem Himmel näher als jemals zuvor, frei, von der Sonne beschienen und von der Menge bejubelt! Der erste Salto. Klatschen, Rufen von ganz weit unten. Sie stand wieder sicher auf dem Seil. Jetzt begann sie zu tanzen, hörte tief in sich eine Melodie aus "Schwanensee", vollführte Pirouetten, lächelte, lachte und rief ein lautes "Ich lebe!" in den blauen Sommerhimmel. Sie würde niemals mehr glücklicher sein als in diesem Moment.
Dann - eine Windböe. Kadya verlor das Gleichgewicht, ihre Hände griffen am Seil vorbei, und sie stürzte in die Tiefe. "Wenn das der Preis für diesen Moment ist, will ich ihn gern zahlen." war ihr letzter Gedanke, und sie schloss ihre Augen, während sie dem heißen Asphalt entgegenfiel.
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