Ein unglaublich blauer Himmel. Schauen macht Frühlingsgefühle, Hinausgehen macht kalt. Trotzdem, es ist schön. Der Himmel färbt sich langsam dunkel, mein letzter Kurs ist ausgefallen, das erste Mal seit ein paar Tagen genehmige ich mir ein Feierabendbier statt Feierabendingwerwasser (Danke für den Anker, Bernd! Er funktioniert!). Vorhin, auf der Fahrt nach Hause, stiegen auf einmal unglaublich viele Flugzeuge auf. Ich denke, dass es eine optische Täuschung war, aber die Himmelsbilder, die den Aufstieg begleiteten, liessen mich an einen unverhofften Raketenangriff denken. Drei sich kreuzende Bahnen, die nicht waagerecht, sondern senkrecht nach oben zu verlaufen schienen. Und trotzdem saß ein Bussard auf einem Baum, flogen Vögel in Formation und ließ sich ein Rabe das frische Saatgut schmecken (ich hoffe für den Raben, dass es nicht zu sehr mit Pestiziden und Dünger verseucht war, sondern er sich das Feld eines Öko-Bauern einverleibt hat).
In meinem Kopf ist Gedankenwirrness. Ja, genau das! Wenn es Wellness, Fitness und Fairness gibt, warum nicht auch Wirrness? Ich kultiviere das schon seit langem, und es bedeutet nichts weiter, als allen Gedanken freien Flug zu erlauben, bis zu dem einen Stern, zu dem man in hoffnungsloser Liebe entbrannt ist, zu einem Ziel, von dem alle anderen glauben, dass es unerreichbar sei, vielleicht sogar zu Ruhe, Entspannung und Nichtstun. Wirrness heisst für mich, unzensiert zu denken, den einen Gedanken zu verfolgen, den anderen ziehen zu lassen. Eine Idee taucht vielleicht oben rechts auf, gerät kurz in mein Blickfeld und verschwindet dann nach unten links, eine andere kommt von hinten oben, springt über meinen Kopf und fällt mir in die Hände, andere Gedanken sind wie Geister, die im All verglühen.
Die Felder werden grün, und in kurzer Zeit wird alles gelb leuchten vom blühenden Raps. Leben wird sich durchkämpfen, und scheiß auf Klimawandel, denn noch gibt es Vögel, die morgens und abends wunderschön singen, noch gibt es einen kleinen Knut, der irgendwann ein Eisbär sein wird (auch wenn er meilenweit von seinem eigentlichen Zuhause entfernt und seine aktuelle Beute eine Klobürste ist), es gibt Sonnenuntergänge und Ringeltauben, die auf Nestsuche um das Haus herumfliegen. Es gibt mich, und wie es mich gerade gibt!
Ein guter Zeitpunkt zum Philosophieren, Winter into Spring, ich weiß nicht mehr, ob die Erhebung, die ich von meinem Dachfenster aus sehen kann, der Kirchturm des Nachbarortes oder ein hoher Baum ist. Ich höre seit zwei Tagen die gleiche Musik, immer und immer wieder, und ich überhöre sie mir nicht, weil sie genau zu dem passt, was ich fühle. Ich wünschte mir, dass alle meine Kurse bis nach Ostern bei vollem "Lohnausgleich" ausfielen und ich mich mit meinen Gedankensprüngen beschäftigen könnte, meiner ganz persönlichen Bilanz des vergangenen Jahres. Letztes Jahr um diese Zeit war ich sprachlos, im wahrsten Sinne des Wortes, durfte nicht laufen und konnte noch immer nicht glauben, dass ich mich in einem neuen Leben befinde.
Bin ich inzwischen angekommen? Ein wenig. Aber ich habe mir schon einen Routenplan für die weitere Strecke gemacht. Wenn ich nicht soviel Angst vor Ablehnung hätte, wären meine "Frauen denken. Männer nicht."-Aufzeichnungen schon auf dem Weg zu einem Verlag. Aber ich habe soviel Angst vor Ablehnung, egal, was meine derzeitigen MitleserInnen sagen. Glaube immer noch, dass ich nur so tue, als ob ich etwas könnte, aber eigentlich nichts richtig kann, weil das, was ich gut kann, mich nicht anstrengt, und wie kann etwas gut sein, wenn es nicht anstrengend ist? Wie kann etwas so Persönliches interessant sein? Wen interessiert Vögelgezwitscher in Wolbrechtshausen? Wen die Gedanken einer durchschnittlich begabten Hopse mit durchschnittlichem Studienabschluss und akrobatischem Lebenslauf?
Vom Himmel zum Durchschnitt ist es ein kurzer Weg, wie es scheint. Gerade heute habe ich gedacht, dass ich betrüge. Da bastele ich eine Stunde zusammen, ohne mich vorbereitet zu haben, und trotzdem scheinen alle Spaß zu haben. Warum? Sehen sie nicht, dass ich eigentlich eine faule Sau bin? Dass ich gelesen, geschrieben, gedaddelt habe? Dass es vierzigtausend und noch siebenhunderttausend mal mehr Menschen gibt, die es besser können? Dass ich kein x hoch 3, sondern ein a minus sieben bin?
Der Himmel ist jetzt dunkel, und es sind keine Raketenaufstiege mehr zu beobachten.
Ich könnte noch stundenlang weiterschreiben (eben, weil ich ein Schreibteufel bin), aber das würde in Abwärtsspiralen führen. Das will ich aber nicht, weil morgen Gründonnerstag ist. Läutet das nicht irgendwie Ostern ein? Ostern ist ja eigentlich ein trauriges Fest. Ich weiß jetzt nicht mehr, was am Gründonnerstag passiert ist, am Karfreitag (also übermorgen) ist Jesus getötet worden. Deswegen durfte früher auch keine Musik gespielt werden, was mich immer sehr geärgert hat. Und dann? Ist er schon nach zwei Tagen auferstanden? Macht Sinn, später hätte er unangenehm gerochen.
Für mich ist Ostern der endgültige Beginn des Frühlings, und ich hänge eher den heidnischen Ritualen wie dem Osterfeuer an, mit dem die bösen Geister des Winters vertrieben werden (oder?). Und viel wichtiger finde ich den 30. April, die Walpurgisnacht. Die hat etwas Mythisches, Geheimnisvolles, Verzaubertes.
Und dann gibt es noch ein paar Rituale. Aber die verrate ich nicht. Nur soviel: Ich kann zaubern. (Bitte nicht der Medizinischen Hochschule Hannover verraten, die diagnostizieren sofort eine paranoide Schizophrenie und sperren mich weg. Und das wäre schade!)
In meinem Kopf ist Gedankenwirrness. Ja, genau das! Wenn es Wellness, Fitness und Fairness gibt, warum nicht auch Wirrness? Ich kultiviere das schon seit langem, und es bedeutet nichts weiter, als allen Gedanken freien Flug zu erlauben, bis zu dem einen Stern, zu dem man in hoffnungsloser Liebe entbrannt ist, zu einem Ziel, von dem alle anderen glauben, dass es unerreichbar sei, vielleicht sogar zu Ruhe, Entspannung und Nichtstun. Wirrness heisst für mich, unzensiert zu denken, den einen Gedanken zu verfolgen, den anderen ziehen zu lassen. Eine Idee taucht vielleicht oben rechts auf, gerät kurz in mein Blickfeld und verschwindet dann nach unten links, eine andere kommt von hinten oben, springt über meinen Kopf und fällt mir in die Hände, andere Gedanken sind wie Geister, die im All verglühen.
Die Felder werden grün, und in kurzer Zeit wird alles gelb leuchten vom blühenden Raps. Leben wird sich durchkämpfen, und scheiß auf Klimawandel, denn noch gibt es Vögel, die morgens und abends wunderschön singen, noch gibt es einen kleinen Knut, der irgendwann ein Eisbär sein wird (auch wenn er meilenweit von seinem eigentlichen Zuhause entfernt und seine aktuelle Beute eine Klobürste ist), es gibt Sonnenuntergänge und Ringeltauben, die auf Nestsuche um das Haus herumfliegen. Es gibt mich, und wie es mich gerade gibt!
Ein guter Zeitpunkt zum Philosophieren, Winter into Spring, ich weiß nicht mehr, ob die Erhebung, die ich von meinem Dachfenster aus sehen kann, der Kirchturm des Nachbarortes oder ein hoher Baum ist. Ich höre seit zwei Tagen die gleiche Musik, immer und immer wieder, und ich überhöre sie mir nicht, weil sie genau zu dem passt, was ich fühle. Ich wünschte mir, dass alle meine Kurse bis nach Ostern bei vollem "Lohnausgleich" ausfielen und ich mich mit meinen Gedankensprüngen beschäftigen könnte, meiner ganz persönlichen Bilanz des vergangenen Jahres. Letztes Jahr um diese Zeit war ich sprachlos, im wahrsten Sinne des Wortes, durfte nicht laufen und konnte noch immer nicht glauben, dass ich mich in einem neuen Leben befinde.
Bin ich inzwischen angekommen? Ein wenig. Aber ich habe mir schon einen Routenplan für die weitere Strecke gemacht. Wenn ich nicht soviel Angst vor Ablehnung hätte, wären meine "Frauen denken. Männer nicht."-Aufzeichnungen schon auf dem Weg zu einem Verlag. Aber ich habe soviel Angst vor Ablehnung, egal, was meine derzeitigen MitleserInnen sagen. Glaube immer noch, dass ich nur so tue, als ob ich etwas könnte, aber eigentlich nichts richtig kann, weil das, was ich gut kann, mich nicht anstrengt, und wie kann etwas gut sein, wenn es nicht anstrengend ist? Wie kann etwas so Persönliches interessant sein? Wen interessiert Vögelgezwitscher in Wolbrechtshausen? Wen die Gedanken einer durchschnittlich begabten Hopse mit durchschnittlichem Studienabschluss und akrobatischem Lebenslauf?
Vom Himmel zum Durchschnitt ist es ein kurzer Weg, wie es scheint. Gerade heute habe ich gedacht, dass ich betrüge. Da bastele ich eine Stunde zusammen, ohne mich vorbereitet zu haben, und trotzdem scheinen alle Spaß zu haben. Warum? Sehen sie nicht, dass ich eigentlich eine faule Sau bin? Dass ich gelesen, geschrieben, gedaddelt habe? Dass es vierzigtausend und noch siebenhunderttausend mal mehr Menschen gibt, die es besser können? Dass ich kein x hoch 3, sondern ein a minus sieben bin?
Der Himmel ist jetzt dunkel, und es sind keine Raketenaufstiege mehr zu beobachten.
Ich könnte noch stundenlang weiterschreiben (eben, weil ich ein Schreibteufel bin), aber das würde in Abwärtsspiralen führen. Das will ich aber nicht, weil morgen Gründonnerstag ist. Läutet das nicht irgendwie Ostern ein? Ostern ist ja eigentlich ein trauriges Fest. Ich weiß jetzt nicht mehr, was am Gründonnerstag passiert ist, am Karfreitag (also übermorgen) ist Jesus getötet worden. Deswegen durfte früher auch keine Musik gespielt werden, was mich immer sehr geärgert hat. Und dann? Ist er schon nach zwei Tagen auferstanden? Macht Sinn, später hätte er unangenehm gerochen.
Für mich ist Ostern der endgültige Beginn des Frühlings, und ich hänge eher den heidnischen Ritualen wie dem Osterfeuer an, mit dem die bösen Geister des Winters vertrieben werden (oder?). Und viel wichtiger finde ich den 30. April, die Walpurgisnacht. Die hat etwas Mythisches, Geheimnisvolles, Verzaubertes.
Und dann gibt es noch ein paar Rituale. Aber die verrate ich nicht. Nur soviel: Ich kann zaubern. (Bitte nicht der Medizinischen Hochschule Hannover verraten, die diagnostizieren sofort eine paranoide Schizophrenie und sperren mich weg. Und das wäre schade!)
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