24 April 2007

PIEP!

Vor einigen Monaten erfuhr ich eher beiläufig, wie man ein sich verselbständigendes Gedankenkino stoppen kann - Danke, Anhard!!! Möglicherweise hätte ein zufälliger Mithörer ein wenig Skepsis entwickelt; ich war glücklicherweise allein.

Das Zauberwort heißt "PIEP!". Meist ist es ja irgendein Umstand, der irgendwelche alten Glaubenssätze aufweckt, die doch eigentlich erfolgreich verbuddelt gewesen sind, und irgendwie fangen die Gedanken an, sich zu verselbständigen. Ich jedenfalls konnte ihnen zuhören, und wenn ich eine unbeteiligte Gebührenzahlerin gewesen wäre, hätte ich das Hörspiel möglicherweise interessant gefunden. Ich habe weder gezahlt noch bestellt. Das Hörspiel lief trotzdem, und obwohl ich mir vollkommen bewußt darüber bin, dass ich eine ...jährige Frau mit gewisser Lebenserfahrung bin und über wesentlich mehr Möglichkeiten (100.000??) verfüge als das kleine Mädchen, das diesen Glaubenssatz entwickelt hat. Blöder Sender, den werde ich nie wieder einschalten und mich bei der Redakteurin beschweren. Später.

Erst einmal war es nötig, das Programm abzustellen, denn an ein neues war noch nicht zu denken. Und "PIEP!" ist eine großartige Möglichkeit. Wenn frau dann noch bei ca. 160 bei erlaubten 120 km/h in regelmäßigen Abständen "PIEP!" sagt, naja, nicht sagt, eher schreit, brüllt, singt, intoniert, wird recht schnell zwar nicht alles gut, aber besser. Ruhe kehrt ein. Außer dem PIEP! ist nichts mehr zu hören.

Ich habe das dann sicherheitshalber noch ein wenig erweitert: "Ich bin eine erwachsene Frau und habe alle Möglichkeiten, die ich mir wünsche. PIEP! Ich verfüge über eine Menge Handlungsalternativen. PIEP! Es geht mir gut. PIEP! Ich bin ein wertvoller Mensch. PIEP! Ich bin allein verantwortlich für meine Reaktionen auf die Umwelt (nochmal: Danke, Anhard!). PIEP! Gerade wurde ich auf das Allerwildeste von einem sehr jungen und sehr attraktiven Teilnehmer angeflirtet. PIEP! Undsoweiter. PIEP!"

Hat gut funktioniert, ich bin jetzt wieder konstruktiv. Immerhin schreibe ich. Gut, ich trotze auch ein wenig vor mich hin. Aber ein inneres, maulendes Kind ist ja wohl erlaubt, oder? Außerdem kann ich mich viel besser in meine StrongKids hineinversetzen, wenn ich auch ab und zu mal trotze. Und: TROTZEN MACHT SPAß! So. Jetzt habe ich es mir aber gegeben.

Ernsthaft: Ich bin wirklich wieder konstruktiv. Habe erst überlegt, meine Gefühlsräume zu klären und vielleicht einen Felsbrocken oder Ähnliches zum Platzen zu bringen (das macht auch ein großartiges, freies, weites, fast schon euphorisches Gefühl), aber das war dank des PIEP! überhaupt nicht mehr nötig. Ich sehe die Weite über mir, wenn ich aus meinem Dachfenster in den fast dunklen Himmel schaue, ich spüre sie in mir, wenn ich es zulasse und mir meiner selbst bewußt bin. Weite ist schön. Nähe auch. Und PIEP! ist überhaupt das Allerbeste.

Sie haben beim Lesen der Überschrift an Verona Feldbusch, Entschuldigung, Pooth gedacht? Kann ja mal passieren, wir haben alle unsere schwachen Momente...

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