17 April 2007

Verwirrte Müdigkeit, Heiratsanträge und Glockenminiröcke

Der sonntagabendliche Schlafentzug hat sich seltsamerweise erst heute bemerkbar gemacht - gestern abend musste ich 4 (in Worten: VIER!!!) Bier trinken, um den Weg ins Bett zu finden. Heute habe ich dann zugeschaut, wie eine Dame, die ich beiläufig kenne, Kurse gegeben, telefoniert, noch mehr Kurse gegeben und irgendwas darüberhinaus gearbeitet hat. Beim Schlafen auf dem Balkon habe ich ihr nicht zugesehen, sondern offensichtlich selber die Augen zugehabt.

Außerdem habe ich heute einen Heiratsantrag gemacht. Da der Mann, der auf der Mülleimersuche meine Wohnung zerlegt hat, einer von der erfolgreichen Sorte ist, habe ich meiner Gratulation zum letzten Verkauf ein Angebot beigefügt: Ich und mein Körper für sein Geld. Hat nicht geklappt. Er will außerdem, dass ich putze, koche, bügle, wasche, nicht zicke und einen Glockenminirock trage. Putzen, kochen und waschen geht ja noch (und bei einem adäquaten Stundenlohn von 80 € oder der Überschreibung seiner goldenen American Express wäre ich auch bereit, mich hier ein Stück weit zu prostituieren), nicht zicken geht gar nicht, und Glockenminis finde ich grauenhaft. Hätte er den Stretchmini vorgeschlagen, mir erklärt, dass er meine Zickerei großartig findet und außerdem jemanden kennt, der bügeln kann, wären wir möglicherweise ins Geschäft gekommen. Jetzt muss ich weiter allein zusehen, wie ich reich und berühmt werde.

Nein, wirklich, Glockenrock geht überhaupt nicht! Möglicherweise will er dann noch, dass ich in diesen Schuhen herumstöckele, die erstens den Hintern nach hinten schieben und den Busen nach vorne, zweitens verhindern, dass frau sich in einer angemessenen Geschwindigkeit von mindestens 8 km/h vorwärtsbewegen kann, drittens für Knie- und Rückenprobleme sorgen und viertens überhaupt nur deswegen von irgendeinem Sadisten erfunden worden sind, weil diese verdammten Kerle uns unter Kontrolle haben wollen. NICHT MIT MIR!

Nicht zicken geht noch viel weniger. Wie, bitteschön, soll ich mein Missfallen an seinen Verhaltensweisen kundtun, wenn ich nicht zicken darf? Wie soll ich ihn ohne Zickerei unter meine Fuchtel kriegen? Männer haben Angst vor zickenden Frauen, und sie tun fast alles, um wieder ihre Ruhe zu haben. Zicken ist also das probate Mittel, um fast alles von ihm zu bekommen, was frau haben will. Anwesenheit vielleicht ausgenommen. Aber die ist auch nicht wichtig, wenn stattdessen die bereits erwähnte goldene American Express ihren Weg ins Portemonnaie der Zicke gefunden hat.

Wenn er nicht so unglaublich verbohrt, unflexibel, rechthaberisch und machohaft wäre, hätte alles so schön sein können...

Aber wenn er mich bloß wegen der paar Defizite nicht heiratet, wird er schon sehen, was er davon hat! Wenn ich nämlich irgendwann in den nächsten zwanzig Jahren reich und berühmt bin, bekommt er kein Autogramm, und statt Stretchmini ziehe ich ab sofort nur noch Cargohosen an. Mit überlangen T-Shirts in XXL darüber. Mit dem Hintern wird überhaupt nicht mehr gewackelt, und statt zu zicken werde ich ihm Vorträge über den Mythos vom vaginalen Orgasmus, die patriarchalische Geschichtsschreibung und die neuesten Artikel in der EMMA halten. Das hätte er einfacher und gemütlicher haben können. Selbst Schuld. ICH wollte ja heiraten, kochen und putzen!

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