11 Mai 2007

Nachtgedanken, regenfrei

Das Bett will mich heute nacht nicht. In meinem Kopf schwirren die Gedanken umher; die CD läuft zum wiederholten Mal. "Lord of the Dance", die Musik zur Show von Michael Flatley und Gruppe. Seine Tänze haben mich berührt, manchmal habe ich mit Tränen in den Augen vor dem Fernseher gesessen und mir nichts mehr gewünscht als noch einmal Kind sein zu dürfen mit der Möglichkeit, ein anderes Leben zu wählen. Leider war ich für eine Primaballerina erstens nicht diszipliniert genug und zweitens nicht rudelkompatibel, will heißen, in der Lage, mich einem höheren Ziel als meinem eigenen unterzuordnen. War also nichts mit Primaballerina.

Heute darf ich vorn stehen, manchmal herumstümpern, wenn ich mich von unglücklichen oder genervten Gesichtern irritieren lasse. Das macht die Nähe. Dort, wo es keine Nähe gibt, bin ich auch nicht irritiert. Manchmal bin ich richtig gut. Das ist immer dann der Fall, wenn ich bei mir bin, mich selbst loben kann und wenn das, was ich tue, vor meinem eigenen kritischen Auge besteht.
Es ist schön, dass ich morgen nahezu ausschlafen kann. So, wie ich während der letzten zwei Wochen oft vor dem Hahn wachgeworden bin, finde ich zur Zeit einfach nicht den Weg ins Bett. Ausnahme ist ein erhöhter Alkoholkonsum. Heute gibt es aber nur Rotwein in homöopathischen Dosen. Bin wach. Sehr wach. Ideen wirbeln durch meinen Kopf wie Atome durch die Brennstäbe (tun die das?). Ich sehe auf einmal unendlich viele Möglichkeiten, die geordnet werden wollen. Auf einmal ist da eine Zukunft, mit der ich nicht gerechnet hätte. Was wird aus meinem Haus auf Kreta? Brauche ich es noch, wenn ich den Strand habe? Oder kann ich mein eigenes Haus sein? Ein Wintergarten im Sommer neuer Gefühle? Muss ich noch? Oder darf ich jetzt? Soll ich? Oder will ich?
Manche Träume werden sich möglicherweise nicht mehr erfüllen lassen.(Liebe Grüße von hier an Susanne: Ich bin neidisch auf Dich! Und ich gönne Dir jeden 32er-Bogen, den die Menschen vor der Bühne mitschreiben.) Andere werde ich leben können, denn es liegt an und in mir. Ich sollte wirklich ins Bett gehen - morgen wird eine schöne Choreographie mit logischem Aufbau von mir erwartet. Von mir. Und den anderen. Will mir keine Blößen mehr geben, sondern eine adäquate Leistung abliefern.
Ob ich nachher wohl laufen werde? Oder doch eher ausschlafen? Was auch immer ich nach dem Aufwachen tun werde, vorher werde ich träumen. Schöne, warme, erfüllte, glückliche Träume.

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