12 Mai 2007

Im Regen versunken sind Felder und Bäche...

Und schon wieder Regen... Warum muss es das Wetter neuerdings (oder war das schon immer so, und ich habe es nur nicht gemerkt?) so übertreiben? Im April, kalendarisch gesehen ein klassischer Frühlingsmonat, wird es so heiss, dass der normale Mensch nach Bagger- oder Nordsee lechzt, sich dort aber nicht abkühlen kann, weil ja erst April ist und der normale Kaltwasserhasser nicht in einen maximal 15° kalten Pfuhl steigen will. Also ab auf den Balkon, Blumenspritze in die Hand und selbst für Abkühlung gesorgt. Ich kann mich nicht genau erinnern, glaube aber, dass es seit Ostern relativ konstant und deutlich wärmer als 20° war. Ostern war am ersten Aprilwochenende.

Natürlich schrie alles nach Regen, einmal, weil Regen wirklich nötig war, aber auch, weil der Mensch an sich immer nach dem schreit, was er gerade nicht hat. Ich habe fein die Klappe gehalten und die Wärme genossen; Brot esse ich ohnehin nicht sehr viel, wenn also der Getreidepreis wg. Trockenheit gestiegen wäre, hätte mich das nicht sonderlich in meinem Lebensraum beeinträchtigt. Die Regenwünscher haben gewonnen, und seit Anfang der Woche regnet es. Nicht einfach nur mal so, ein paar Tropfen hier und da, damit der deutsche Bauer wieder ruhig schlafen und der Kleingärtner nicht immer mit der Gießkanne herumrennen muss, nein, sintflutartige Regenfälle sollten es doch mindestens sein! Auch, wenn das ausschließlich die von mir persönlich gefühlte Regendauer ist, mir scheint es, als würde mir seit fünf Tagen immer dann, wenn ich mich vor die Tür begebe, Wasser in nicht geringen Mengen auf den Kopf fallen. Muss das denn sein? Ich will laufen! Und ich will nicht schon beim Aufwärmen die nasse Katze geben. Das macht keinen Spaß und ist garantiert nicht gesund. Außerdem habe ich vor ein paar Tagen hingebungsvoll dargelegt, dass Dauerregen mich depressiv macht. Und auch ein wenig aggressiv. Natürlich weiss ich, dass ich an diesem Zustand nichts ändern kann, für meine Reaktionen auf das, was ich für die Welt halte, selbst verantwortlich bin und es demzufolge für mein Seelenleben besser wäre, ihn als gegeben hinzunehmen. Tue ich ja auch. Ich maule nur ein wenig.

Dann gab es noch Wind. Einen Wind, der meine frischgerettete Yuccapalme direkt wieder auf die Bretter bzw. Fliesen geworfen hat. (Sie erinnern sich? Das ist die Yuccapalme, der ich wg. Sonnenbrand diverse Blätter abschneiden musste und die jetzt mehr wie ein gerupftes Huhn denn wie eine stolze Palme aussieht.) Ich musste sie mühevoll wieder aufrichten, sie beruhigen, lange mit ihr sprechen und habe sie dann sicherheitshalber mit einem Stück Wäscheleine festgezurrt, damit sie nicht noch einmal umfallen kann. Herbststürme im Wonnemonat Mai - in Whausen und Umgebung sah es aus wie nach Kyrill light.

All das meine ich mit Übertreibung. Möglicherweise lesen die fürs Wetter zuständigen Götter und Göttinnen ja mit: Es ist gut jetzt! Der europäische Bauer hat wieder Wasser auf seinem Feld, die durch Dünge- und Insektenvertilgungsmittel auf den Acker gebrachten Gifte haben sich ordnungsgemäß verteilt und sind ins Grundwasser gesickert, die Flüsse sind voller Wasser, die Regentonnen auch, die Insekten, die an meinem Auto klebten, sind weg, und niemand stöhnt mehr darüber, dass es zu warm sei. Also macht bitte wieder schönes Wetter! Ich hätte gern 25°, blauen Himmel, Nachttemperaturen von 15°, damit ich meine wachen Nächte auf dem Balkon verbringen und frühmorgens in kurzer Hose laufen kann; und wenn es regnen will, darf es das nachts gern tun. Wegen der Bauern und der Kleingärtner. Ich mag das Geräusch des Regens auf meinen Dachfenstern - im Herbst und im Winter, wenn ich warm eingekuschelt mit einem guten Buch auf meiner Couch sitze oder in der Badewanne liegend Klavierkonzerte höre. Jetzt will ich splitterfasernackt auf meinem Balkon liegen, keine Strümpfe anziehen und meiner Petersilie beim Wachsen zusehen. Kann ich aber nicht, wenn Ihr sie ersäuft.

Also: Schluss mit Regen! Sofort!

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