26 Mai 2007

Mäuse, Käse, Ängste und wildgewordene innere Katzen

Vor langer, langer Zeit habe ich einmal in meinem Tagebuch geschrieben: "Die Maus sitzt zwischen zwei fetten Käsestücken, kann sich nicht für eines entscheiden, frisst gar nicht und stirbt." Mausetot eben. Da braucht es gar keine Katze, die fünf Mäuse pro Nacht erlegt!

Ich sitze nicht zwischen Käsestückchen, sondern habe welche vor meinem inneren Auge. Möglichkeiten. Und weil ich mich anscheindend in irgendeiner unkomfortablen Komfortzone eingerichtet oder Angst vor dem Erfolg habe, tue ich gar nichts. Fresse den Käse nicht (was gelogen ist - ich hatte gerade zwei große Scheiben Gouda), und verfalle in blinden Aktionismus, der mit dem, was ich eigentlich tun will, eben nichts zu tun hat. Sollte das der Mäuseanteil sein? Und wenn ja, wie kann ich ihn wertschätzen und dazu bringen, seinen bepelzten Arsch zu bewegen? Oder ist es gar meine innere Katze, die Appetit auf ein wenig Maus hat und gleich alles wegfrisst, aus dem etwas hätte werden können? Der Räuber? Den gibt es auch, lesen Sie einmal "Die Wolfsfrau"; ist ein sehr interessantes Werk.

Das Wort VerZETTELN gewinnt neue Bedeutung. Ich könnte jetzt zu meiner Ehrenrettung anmerken, dass ich Kurs gegeben habe und ausserdem wochenendreif war. Wäre aber gelogen. Ich bin müde, das ist richtig, aber ich bin nicht müde, weil ich zuviel gearbeitet habe, sondern weil mich diese Müdigkeit davor schützt, ernsthaft zu arbeiten. Wenn die Festplatte sich selbst fragmentiert und nur noch mit einem dieser Fragmente kommuniziert, schneidet sie sich von ihren eigenen Informationen ab. Das ist jetzt nicht "ordentlich computerisch", mir aber egal, weil es meinen Zustand trifft. Was also habe ich heute getan? Gelaufen bin ich, eingekauft habe ich, trainiert habe ich, zweieinhalb Stunden Kurs gegeben habe ich, in der Sauna war ich, Brian Tracy habe ich gelesen, und jetzt sitze ich seit einer guten Stunde vor dem Laptop, und das, was Sie hier sehen, ist meine erste kreative Tat für heute. Ist ein bisschen wenig angesichts eines geplanten Bestsellers. Da wird die Wiese nicht grün! Sie wechselt nicht einmal von vertrocknet in einen Zustand, der Hoffnung machen könnte.

Was tun? Den bremsenden Teil finden, wertschätzen und in den Allerwertesten treten? Den bremsenden Teil bremsen lassen und den Antriebsteil suchen und stärken? Überhaupt irgendeinen arbeitswilligen Teil finden? Oder schlafen? Ich hätte gern ein wenig Input, aber ein inputgebender Teil befindet sich gerade ganz woanders. Angelt. Dorsche möglicherweise, jedenfalls keine Filets. Der Angler in mir sitzt bewegungslos am Ufer, zwei oder drei Ruten ausgeworfen, und starrt mit debilem Lächeln ins Wasser, voller Hoffnung auf Erlösung. Bin mir allerdings nicht sicher, ob ein Fisch meine Probleme lösen könnte. Da muss schon ein Armani-Anzug her. Und den bekomme ich nur, wenn... Und dazu muss ich endlich... Sch...!!! Einmal im Kreis gelaufen. Wenn ich nochmal losrenne, werde ich müde und kann ins Bett gehen. Morgen stehe ich dann früh auf und laufe. Schreibe vielleicht.

Wenigstens weiss ich, was ich brauche. Das und noch mehr. Einen Sträflingsgaleerenantreiber, der die riesige Pauke schlägt und mir mit seiner Peitsche eins überbrät, wenn ich nicht spure. Der müsste doch auch irgendwo in mir sein - vielleicht bekomme ich ihn aktiviert?

Knappe zweihundert Seiten warten auf Leben - und ich gehe jetzt schlafen. Morgen. Morgen ganz bestimmt. Ohne Mäuse, Käse und Katzen.

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