Möglicherweise mache ich mir mit meinem heutigen Beitrag nicht nur FreundInnen. Aber in Zeiten von "Fit statt fett", den Alarmsignalen, die allgemein ausgesendet werden in bezug auf Übergewicht, ungesunde Ernährung und zuwenig Bewegung möchte ich mich einfach nicht zurückhalten. Um aber Frustrationen der geschätzten LeserInnen im Vorfeld möglichst auszuschließen, ein paar Warnungen vorweg:
- Lesen Sie nicht weiter, wenn Sie übergewichtig und der Ansicht sind, Sie könnten nichts dafür.
- Lesen Sie nicht weiter, wenn Ihr Kind übergewichtig ist und Sie sich das überhaupt nicht erklären können.
- Lesen Sie nicht weiter, wenn Sie glauben, McDonalds, BurgerKing und Co. böten vollwertige Schonkost.
- Lesen Sie nicht weiter, wenn Sie SportlerInnen für geistesgestört halten.
- Lesen Sie nicht weiter, wenn Sie aus Krankheitsgründen übergewichtig sind bzw. seien Sie sich beim Lesen bewußt, dass Sie wirklich nichts dafür können.
- Lesen Sie nicht weiter, wenn Sie Sport treiben, sich einigermaßen gesund ernähren, aber trotzdem ein paar Kilos zuviel mit sich herumtragen bzw. seien Sie sich bewußt, dass Sie und Ihr Lebensstil vollkommen in Ordnung sind.
- Lesen Sie nicht weiter, wenn Sie mit persönlich werdender Polemik ein Problem haben.
- Lesen Sie auf gar keinen Fall weiter, wenn Sie Oliver Pocher nicht mögen!
So. Das muss reichen. Ist da noch jemand???
20.05.07 (eigentlich schon der 21.05.07)
Am Fluss stehen Stühle. Haufenweise. Naja, ist vielleicht ein ganz klitzekleines bisschen übertrieben. Aber viele Stühle gibt es wirklich. Ich meine diese in jedem Baumarkt käuflich zu erwerbenden Plastikstühle, die einigermaßen bequem sind, wenn man noch ein Kissen auf die Sitzfläche legt, das in der Regel den doppelten Wert des Stuhles hat. Diese Stühle allerdings waren ohne Sitzkissen. Man könnte meinen, dass sie von eifrigen, aber nach des Tages langer Sitzerei ermüdeten Anglern zurückgelassen worden sind. Ich kenne einige Angler und kann mir das nicht vorstellen. Eher tippe ich darauf, dass eine übergewichtige deutsche Familie während des gemeinsamen Picknicks deutlich zugenommen und deswegen den Stuhl nicht mehr im Auto unterbekommen hat. Das Sitzkissen haben sie wahrscheinlich mitgenommen und auf dem Schoß des am wenigsten Vollgefressenen zwischengelagert. Der Stuhl war ersetzbar.
Ausgehend von dieser Hypothese bedeutet das ein erhöhtes Fressaufkommen an deutschen oder sogar europäischen Gewässern, denn ich gehe nicht davon aus, dass dieser spezielle Fluss ein Einzelfall ist.
Manche der Übergewichtigen mit dem Wunsch nach mehr finden sich allerdings auch in den Ausflugslokalen längs des Flusses. Das sind die Personen, die sich gerade mit einer bereits fettigen Serviette zierlich die Mundwinkel tupfen, während Nichtfettwerdenwollende auf Fahrrädern, Inlinern oder laufenderweise an ihnen vorbeidefilieren. Die Tupfenden schauen in der Regel etwas mitleidig, so, als wollten sie sagen: „Lauft Ihr nur, uns geht es besser. Wir haben nämlich zu essen, und wir genießen es!“ Noch, meine lieben Fresssäcke, noch! Wenn das sogenannte „schlechte“ Cholesterin erst einmal seinen Weg in die Blutbahn gefunden hat, die Arterien verstopft sind und die lebenswichtigen Organe im Bauchraum mit einer adäquaten Fettschicht umhüllt wurden, gibt es die Rechnung.
Sie dachten, Sie hätten Ihre Rechnung gezahlt, als sie dem Kellner ein von einem leisen Rülpser begleitetes „Stimmt so!“ zugeraunt haben? Ich sage Ihnen, der Preis liegt deutlich über den zwanzig Euro, die sie im Lokal, bei den diversen amerikanischen Systemgastronomen oder Aldi, Lidl, Penny, Plus gelassen und für die sie als Gegenwert eine quasi nicht vorhandene Nährstoffdichte, stattdessen einen Fettanteil, der deutlich über dem Wochenbedarf eines Normalgewichtigen liegt (über Ihrem auch, aber das glauben Sie ja niemandem…), einkettige Kohlenhydrate und sonstige Schweinereien erhalten haben. Sie werden ein Vielfaches zahlen mit Atemnot, Arthrose und Bluthochdruck, einem frühen Schlaganfall oder Herzinfarkt, eingeschränktem Bewegungsradius (die Puste reicht einfach nicht mehr!) und mit Glück für die Solidargemeinschaft der Kassenversicherten einem frühen Tod.
Warum ich so garstig bin, fragen Sie mich? Sollte ich freundlich umgehen mit Personen, die einem ganzen Land langfristig mit ihrer Disziplinlosigkeit massive Schäden verursachen, weil unter anderem das Gesundheitssystem unter den Kosten für Zivilisationskrankheiten zusammenbricht? Sollte ich nachsichtig sein mit Eltern, die an ihren eigenen Kindern Körperverletzung begehen, indem sie sie mit minderwertigem Mist vollstopfen? Soll ich Verständnis haben für dringend erforderliche Sonderausgaben der Krankenhäuser, weil die fettleibige Klientel nicht mehr auf eine normale Krankenwagenpritsche oder ins normal große Bett passt? Sie tragen große Teile der Verantwortung für Gammelfleisch- und sonstige Skandale, weil Sie ausschließlich nach Quantität, nicht aber nach Qualität suchen. Ist ja auch nicht nötig, wird ohnehin nur eingeatmet und mit Glück irgendwann wieder ausgeschieden, der Dreck!
Intolerant? Ich? JA!!! Bin nämlich direkt betroffen, weil ich statt einer wunderschönen Geschichte über einen Prinzen, der von einem einsamen Stern auf die Erde gefallen ist, nichts weiter bei sich hat als seinen Thron, und der dann, als sich der Thron in einen billigen Baumarktsessel verwandelt, die Liebe einer jungen Joggerin gewinnt, mit ihr zusammenzieht und in Freude und Liebe bis an beider seliges Ende lebt und als Zeichen für dieses unbeschreibliche Glück seinen Thron am Fluss stehengelassen hat, damit alle wissen, dass Träume und Liebe möglich sind, eine über dicke Menschen beim Picknick schreibe. Es gab keine Prinzen auf dem Weg, aber es hätten welche dort sein können. Das macht mich zugegebenerweise unleidlich.
Trotzdem wünsche ich Ihnen allen einen gesegneten Appetit!
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