Eigentlich wollte ich mich über Verluste auslassen. Aber dann haben die Vögel gezwitschert, und ich habe beschlossen, dass Vogelgesang etwas Wunderschönes ist, nicht traurig, nicht wehmütig, sondern lebenslustig. Sie machen das frühmorgens, und sie machen das abends. Es klingt wunderschön, und ich kann mich nicht erinnern, dass ich diesen Gesang früher so intensiv wahrgenommen hätte. Liegt das am Dorfleben? Sind die Vögel hier einfach lauter, weil sie nicht so sehr gestört werden wie in der Stadt? Ist die Ruhe stiller, und sie sind deshalb besser zu hören? Bin ich aufnahmefähiger für diese Musik?
Ich habe schon einige Male frühmorgens in meinem Bett gelegen, irgendwo zwischen Wachsein und Halbschlaf, dabei auf den Gesang der frühen Vögel gehört. Meine Mutter wollte mir eine CD mit Vogelstimmen schenken, damit ich weiß, welcher Vogel was singt. Ich habe ihr gesagt, dass es mir sch...egal ist, sondern ich nur genießen, schwelgen, horchen will, und sie schien irgendwie erleichtert zu sein. Keine CD. Ich will die Natur.
Ich frage mich, ob ich mich verabschieden muss. Habe ich mich bereits vor einiger Zeit gefragt. Ich wäre sehr gern auch weiter Tochter, aber ich fürchte, dass ich jetzt erwachsen werden muss. Sie braucht kein Kind, sie braucht eine Erwachsene, klaren Kopfes und entscheidungsfähig. Und das ist das Mindeste, was ich zurückgeben kann für ein Leben, das mir auf den Weg geholfen hat.
Also doch Abschiede. "Abschied" klingt nicht so traurig wie "Verlust". Das eine bedeutet, dass es etwas Neues geben kann, wenn das Loslassen gelingt. Das andere beinhaltet Trauer, Unglücklichsein und Einsamkeit. Abschied. Nicht Trennung, nicht Weggehen, Abschied.
Ob den Vögeln bewusst ist, dass sie mit ihrem Gesang den Tag verabschieden? Wissen sie, dass sie einen neuen begrüßen, wenn sie frühmorgens zwitschern? Vorhin haben zwei Vögel gezickt. War deutlich zu hören. Warum machen sie das? Zwitschern sie so, wie ich morgens das Bedürfnis nach Yoga habe? Und abends nach Bier? Oder ist das einfach genetisch, und sie machen, was Generationen von Vögeln vor ihnen gemacht haben?
Vor langer, langer Zeit war ich einmal mit meiner Mutter während eines Nordsee-Cuxhaven-Kurzurlaubs im Natureum Niederelbe. Dort gab es einen Raum, dunkel, ein paar Sitzgelegenheiten, wenn man auf einen Knopf gedrückt hat, haben die verschiedenen Vögel zu singen angefangen, und man konnte auf einer Leinwand verfolgen, welcher Vogel wann wach wird und den Tag begrüßt. Ich habe vergessen, welche Vögel Frühaufsteher sind und welche erst mit der Sonne wach werden. Aber es war schön. Sie erinnert sich auch gern.
Eine Abschiedswoche. Ich habe mich verabschiedet von Kreta (zumindest für längere Zeit), von einem unbewussten Ich, dass ich eigentlich immer recht sympathisch fand, weil es mich in Ruhe gelassen hat, von meiner Mutter als Mutter, von meiner Rolle als Tochter, von Lügen und Verschwiegenheit. Ich wünsche mir, dass sie meine Liebe spüren kann, dass ich ihr Kraft gebe und Halt.
Und ich habe eine unglaubliche Sehnsucht nach dieser Insel. Hoffe mit meinem ganzen Herzen, dass ich sie wiederfinden werde. Der Verzicht tut weh, auch wenn er vernünftig ist.
Die Vögel sind eingeschlafen. In ein paar Stunden werden sie den Freitagmorgen begrüßen. Und ich werde sie hören und genießen.
Leben ist schwierig, manchmal. Aber immer wunderschön.
Ich habe schon einige Male frühmorgens in meinem Bett gelegen, irgendwo zwischen Wachsein und Halbschlaf, dabei auf den Gesang der frühen Vögel gehört. Meine Mutter wollte mir eine CD mit Vogelstimmen schenken, damit ich weiß, welcher Vogel was singt. Ich habe ihr gesagt, dass es mir sch...egal ist, sondern ich nur genießen, schwelgen, horchen will, und sie schien irgendwie erleichtert zu sein. Keine CD. Ich will die Natur.
Ich frage mich, ob ich mich verabschieden muss. Habe ich mich bereits vor einiger Zeit gefragt. Ich wäre sehr gern auch weiter Tochter, aber ich fürchte, dass ich jetzt erwachsen werden muss. Sie braucht kein Kind, sie braucht eine Erwachsene, klaren Kopfes und entscheidungsfähig. Und das ist das Mindeste, was ich zurückgeben kann für ein Leben, das mir auf den Weg geholfen hat.
Also doch Abschiede. "Abschied" klingt nicht so traurig wie "Verlust". Das eine bedeutet, dass es etwas Neues geben kann, wenn das Loslassen gelingt. Das andere beinhaltet Trauer, Unglücklichsein und Einsamkeit. Abschied. Nicht Trennung, nicht Weggehen, Abschied.
Ob den Vögeln bewusst ist, dass sie mit ihrem Gesang den Tag verabschieden? Wissen sie, dass sie einen neuen begrüßen, wenn sie frühmorgens zwitschern? Vorhin haben zwei Vögel gezickt. War deutlich zu hören. Warum machen sie das? Zwitschern sie so, wie ich morgens das Bedürfnis nach Yoga habe? Und abends nach Bier? Oder ist das einfach genetisch, und sie machen, was Generationen von Vögeln vor ihnen gemacht haben?
Vor langer, langer Zeit war ich einmal mit meiner Mutter während eines Nordsee-Cuxhaven-Kurzurlaubs im Natureum Niederelbe. Dort gab es einen Raum, dunkel, ein paar Sitzgelegenheiten, wenn man auf einen Knopf gedrückt hat, haben die verschiedenen Vögel zu singen angefangen, und man konnte auf einer Leinwand verfolgen, welcher Vogel wann wach wird und den Tag begrüßt. Ich habe vergessen, welche Vögel Frühaufsteher sind und welche erst mit der Sonne wach werden. Aber es war schön. Sie erinnert sich auch gern.
Eine Abschiedswoche. Ich habe mich verabschiedet von Kreta (zumindest für längere Zeit), von einem unbewussten Ich, dass ich eigentlich immer recht sympathisch fand, weil es mich in Ruhe gelassen hat, von meiner Mutter als Mutter, von meiner Rolle als Tochter, von Lügen und Verschwiegenheit. Ich wünsche mir, dass sie meine Liebe spüren kann, dass ich ihr Kraft gebe und Halt.
Und ich habe eine unglaubliche Sehnsucht nach dieser Insel. Hoffe mit meinem ganzen Herzen, dass ich sie wiederfinden werde. Der Verzicht tut weh, auch wenn er vernünftig ist.
Die Vögel sind eingeschlafen. In ein paar Stunden werden sie den Freitagmorgen begrüßen. Und ich werde sie hören und genießen.
Leben ist schwierig, manchmal. Aber immer wunderschön.
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