24 Mai 2007

Wollen. Können. Sollen. Müssen. Wünschen.

Ich sollte. Dringend sollte ich. Aber will ich auch? Falsche Frage: Kann ich auch? Habe ich den Mut zu wollen oder zu sollen oder zu können? Kann die Frau können, die angesichts eines Nachtfalters nicht mehr konzentrationsfähig ist? Darf die Frau wollen, die sich nicht aufopfern will für einen anderen Menschen, egal, wie verwandt er/sie ist? Soll die Frau müssen, die bis heute gewartet hat mit der Erfüllung ihres Lebenstraums?

Auf einem Klassentreffen träfe ich auf ÄrztInnen, LehrerInnen, ProfessorInnen, DoktorInnen, Erfolgreiche, Reiche, Erfolgte. Deswegen bin ich auch nicht hingegangen. Habe kein Haus, kein Auto, kein Boot, keine Pferde. Wollte sie auch nie. Wollte etwas anderes, das möglicherweise in greifbare Nähe gerückt ist. Kann ich jetzt auch? Bremse ich mich an mir selbst? Werde ich verstanden werden können, und wenn, werde ich das dann auch glauben wollen? Können? Werde ich haben und merken, dass es da ist? (Ich "habe" nicht, will auch nicht haben, will sein. Bin ich? Und wenn ich bin, bin ich es mit Dir? Oder mit mir? Oder mit gar niemandem?) Was bin ich? Fünf Mark ins Schwein für alle, die es herausfinden wollen! Es geht nämlich nicht um die Erkenntnis, sondern um das Interesse daran. Es geht um mich. Aber nicht nur. Es geht um Veränderungen, den Wunsch nach Erkenntnis, den Wunsch nach Erfüllung der Träume. Der dann, wenn die Träume zum Greifen nahe kommen, ein Alptraum werden kann. Denn was ist ein erfüllter Wunsch? Das Erreichen eines Zieles, das dazu zwingt, neue Ziele zu formulieren.

Mein Leben und ich - werden wir miteinander alt? Wie wird es sich, von nachlassender Hautspannung und gelegentlichem Überdruss abgesehen, anfühlen? Werden dann noch mehr jüngere Menschen "Sie" zu mir sagen? Mir mein Gehwägelchen nachtragen? Oder werde ich im GEO zitiert als Hoppseoma? Auch wenn ich wirklich unglaublich gern hoppse und feststelle, dass ich noch immer sehr, sehr viel Energie dafür habe - ich wäre lieber die ... (Sag ich nicht, bin abergläubisch!). Ich weiß, was ich mir wünsche. Werde ich es bekommen? Wird derselbe Gott, der Tausende von Menschen sterben lässt (und ich gestehe ihm/ihr vernünftige Gründe zu), überhaupt die Zeit haben, auf mich zu achten? Möglicherweise ja, denn ich bin interessant, weil ich an einen rächenden, dogmatischen, strafenden Gott nicht glauben mag; ich suche die Sinnesfreude.

Aber trotzdem: Werde ich alt? Mit Dir? Will ich überhaupt alt werden? Will ich nicht viel lieber vor den Trecker fahren mit 30 km/h und dem Gefühl, dass es mir großartig geht? Dass ich nicht einmal weiß, wo die Gehwägelchen wohnen? Holzhackenderweise vielleicht?

Ich möchte sterben, während ich etwas Schönes tue oder geschehen lasse. Nicht beim Sex, denn ich möchte nicht, dass mein Liebster sich erschreckt. Aber wie wäre es beim Laufen? Bergauf, 12% Steigung, Hitze, viel Lust, der Wald riecht wunderbar, und dann... Pengpüfftot. Das fände ich schön.

Eigentlich will ich aber im Moment überhaupt nicht sterben. Ich will meine Wege verfolgen, wo immer sie hinführen mögen. Ich will brotlose Künstlerin sein, will ohne Netz und doppelten Boden arbeiten, auch mit der Gefahr, abstürzen zu können. Aber ich weiß, dass ich kann. Ich werde können wollen. Ich will können. Ich muss nicht mehr sollen, und ich will nicht mehr müssen. Ich will nur noch wollen.

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