Es war einmal ein kleiner Prinz, der lebte zusammen mit seinen Eltern und Geschwistern in einem sehr großen und mächtigen Königreich. Leider war der Prinz sehr oft allein, weil seine Eltern viel regieren mussten. Seine Geschwister waren schon groß und hatten nicht immer Lust, mit ihm zu spielen. So stromerte der kleine Prinz im Schloss umher, unterhielt sich mit der Dienerschaft und den anderen Königen und Adligen, die manchmal zu Besuch kamen. Alle mochten ihn gern, denn er war ein sehr freundlicher und hilfsbereiter kleiner Prinz, vor allem aber war er für sein Alter schon sehr vernünftig. Der König und die Königin liessen ihm viele Freiheiten, weil sie wussten, dass er ihr Vertrauen nicht missbrauchen würde. So hätte er ruhig und in Frieden mit sich und der Welt aufwachsen und irgendwann einmal mit der Prinzessin seines Herzen ein glückliches Leben führen können. Immerhin war er in der Thronfolge erst der Dritte und brauchte keine Sorge haben, einmal regieren zu müssen.
Eines Nachts aber sollte sich alles ändern. Der kleine Prinz lag seit Stunden in seinem Bettchen und schlief tief und fest, bis er auf einmal einen fürchterlichen Albtraum hatte. Als er erwachte, konnte er sich zwar nicht mehr an den Traum erinnern, hatte aber immer noch sehr große Angst. Also tapste er im Dunkeln (die Kerzen waren schon vor langer Zeit heruntergebrannt) los, um seine Eltern zu suchen und vielleicht im königlichen Ehebett Unterschlupf und Trost zu finden. Doch der König und die Königin waren noch gar nicht im Bett. Ausgerechnet an diesem Abend gaben sie ein großes Fest, zu dem alle wichtigen Adligen angereist waren, manche aus großer Entfernung. Das hatte der kleine Prinz in seiner Angst jedoch ganz vergessen, und so setzte er sich weinend auf die große Freitreppe des Schlosses und wartete darauf, dass seine Mutter käme, um ihn in die Arme zu schließen.
Nach langer, langer Zeit, der kleine Prinz war inzwischen völlig durchgefroren, ging die Königin tatsachlich zufällig vorbei, sah ihren weinenden Sohn, streichelte ihm kurz über den Kopf und sagte: "Mein armer Schatz, ich weiß zwar nicht, was Dich traurig macht, und Du tust mir auch leid, aber Du musst Dich um Dich selbst kümmern. Ich habe heute abend überhaupt keine Zeit. Du siehst ja, was los ist im Schloss."
Der kleine Prinz, der sehnsüchtig die Arme nach seiner Mutter ausgestreckt hatte, zog sie wieder zurück, legte sie um sich selbst und weinte. So saß er die ganze Nacht auf der Treppe, die Tränen flossen und wollten überhaupt nicht weniger werden. Und während dieser langen Stunden verhärtete er sein Herz. Niemals wieder sollte sein Wunsch nach einer tröstenden Umarmung so enttäuscht werden! Niemals wieder wollte er sich so zurückstoßen lassen! Niemals wieder wollte er eine solche Nacht verbringen müssen! Nein, von heute an würde er alle seine Gefühle für sich behalten, und niemand sollte jemals wieder eine Träne oder ein Lächeln von ihm bekommen.
So wuchs der kleine Prinz zu einem großen Prinzen heran. Der König und die Königin merkten zunächst nichts von der Veränderung, denn sie waren noch immer sehr beschäftigt mit dem Regieren. Einzig die Dienerschaft spürte, dass etwas anders war. Der Prinz half zwar noch immer aus, wenn seine Hilfe gebraucht wurde, er war noch immer freundlich zu allen, aber er schien nicht mehr mit dem Herzen dabei zu sein.
Eines Tages nahm eines der Stubenmädchen all seinen Mut zusammen und bat um eine Audienz beim König, die ihm auch gewährt wurde. "Herr König, etwas ist mit Eurem jüngsten Sohn nicht in Ordnung." sagte sie schüchtern. "Er scheint recht traurig zu sein, und an nichts mehr recht Freude zu haben. Schon lange hat ihn niemand von uns mehr lächeln sehen. Vielleicht könnt Ihr einmal mit ihm reden?"
Der König besprach sich mit seiner Gemahlin, die zwar gespürt hatte, dass etwas anders war mit dem kleinen Prinzen, sich aber wegen der schwierigen Regierungsgeschäfte nicht darum hatte kümmern können. Sie beschlossen, eine kleine Regierungspause einzulegen und nach ihrem Sohn zu sehen. Gemeinsam betraten sie die Gemächer des Prinzen, um mit ihm zu reden.
"Mein lieber Sohn," begann die Königin das Gespräch, "uns ist zu Ohren gekommen, dass Du Dich verändert haben sollst, und auch ich habe das Gefühl, dass etwas nicht in Ordnung ist. Willst Du uns nicht Dein Herz ausschütten?" "Liebe Frau Mutter, lieber Herr Vater, mir geht es gut!" antwortete der Prinz. "Es gibt überhaupt keinen Grund zur Sorge. Geht beruhigt wieder an Eure Regierungsgeschäfte." "Aber lieber Junge, wir sehen doch, dass Du nicht mehr der Gleiche bist wie früher!" sagte der König. "Du bist nicht mehr so ausgelassen, und Dein Lachen haben wir schon lange nicht mehr gehört." "Mein Lachen hättet Ihr auch nicht gehört, wenn ich einen Grund zur Freude gefunden hätte! Ihr wart doch viel zu beschäftigt in all den Jahren! Ich lache und weine jetzt seit fast fünfzehn Jahren nicht mehr, und erst heute kommt Ihr, um mit mir darüber zu reden? Jetzt brauche ich Euch auch nicht mehr, geht zurück in Euren Thronsaal!" rief der Prinz wütend. "Ich werde nicht mehr lachen und nicht mehr weinen, also könnt Ihr tun, was Ihr während der letzten Jahre auch getan habt. Lasst mich in Ruhe!"
Obwohl seine Rede sehr respektlos war, dachten seine Eltern überhaupt nicht daran, den Prinzen zu bestrafen. Sie waren sehr traurig und auch schuldbewußt, dass sie sich sowenig um ihren Jüngsten gekümmert hatten. Aber sie wollten versuchen, ihm zu helfen.
Also liessen sie im Land die Nachricht verbreiten, dass sie eine Frau für ihren jüngsten Sohn suchten. Sie brauchte nicht von Stand oder ein Mitglied des Hochadels zu sein; die einzige Bedingung war, dass es ihr gelang, den Prinzen zum Lachen und zum Weinen zu bringen.
Da der Prinz ein sehr liebenswerter und gutaussehender Mann war, reisten die Kandidatinnen von weither an, um ihr Glück zu versuchen. Doch keine hatte Erfolg. Er scherzte zwar mit den Mädchen, manch eine konnte ihm auch einen Kuss stehlen, doch zum Lachen, geschweige denn zum Weinen brachte ihn keine.
So ging es einige Jahre, bis auch das letzte Mädchen aus der hintersten Ecke des großen Königreiches erfolglos wieder nach Hause zurückgekehrt war. Der Prinz blieb allein, er lachte nicht, und er weinte nicht. Allerdings wurde er immer unglücklicher, denn eigentlich wünschte er sich nichts sehnlicher, als wieder fühlen, von Herzen lachen oder laut schluchzen zu können. Aber er hatte zuviel Angst, dass er ein weiteres Mal zurückgewiesen werden würde.
Und so setzte er sich wieder auf die Treppe, schlang die Arme um sich und blieb sitzen. "Wenn ich nicht fühlen kann, hat das Leben doch gar keinen Sinn." dachte er bei sich.
Auch ich hatte vom Unglück des Prinzen gehört und war eines Tages von weither in das Königreich gereist, um nach ihm zu schauen. In dem Moment, in dem ich ihn zum ersten Mal sah, verliebte ich mich in den Prinzen. Aber ich hatte große Angst davor, ihm nicht helfen zu können und wieder davongejagt zu werden. Also setzte ich mich nur neben ihn auf die Treppe, ohne etwas zu sagen oder zu tun. Vielleicht würde er mich irgendwann bemerken und das Wort an mich richten. Ganz egal, was geschehen würde, ich war in seiner Nähe, konnte ihm meine Gedanken schenken und all meine Liebe, auch wenn er mich nicht denken hören und meine Liebe nicht spüren konnte. Nachts war es kalt, manchmal regnete es, doch ich blieb neben dem Prinzen sitzen und wärmte mich mit dem Gedanken, wie ich seine Hand halten würde, wenn er mich liesse.
Gern würde ich erzählen, dass der Prinz eines Tages den Kopf hob, mich ansah, lächelte und weinte und wir glücklich bis ans Ende unserer Tage lebten, einander liebten und fühlten!
Aber das wäre gelogen. Ich sitze noch immer neben ihm auf der Treppe. Er sieht mich nicht.
Eines Nachts aber sollte sich alles ändern. Der kleine Prinz lag seit Stunden in seinem Bettchen und schlief tief und fest, bis er auf einmal einen fürchterlichen Albtraum hatte. Als er erwachte, konnte er sich zwar nicht mehr an den Traum erinnern, hatte aber immer noch sehr große Angst. Also tapste er im Dunkeln (die Kerzen waren schon vor langer Zeit heruntergebrannt) los, um seine Eltern zu suchen und vielleicht im königlichen Ehebett Unterschlupf und Trost zu finden. Doch der König und die Königin waren noch gar nicht im Bett. Ausgerechnet an diesem Abend gaben sie ein großes Fest, zu dem alle wichtigen Adligen angereist waren, manche aus großer Entfernung. Das hatte der kleine Prinz in seiner Angst jedoch ganz vergessen, und so setzte er sich weinend auf die große Freitreppe des Schlosses und wartete darauf, dass seine Mutter käme, um ihn in die Arme zu schließen.
Nach langer, langer Zeit, der kleine Prinz war inzwischen völlig durchgefroren, ging die Königin tatsachlich zufällig vorbei, sah ihren weinenden Sohn, streichelte ihm kurz über den Kopf und sagte: "Mein armer Schatz, ich weiß zwar nicht, was Dich traurig macht, und Du tust mir auch leid, aber Du musst Dich um Dich selbst kümmern. Ich habe heute abend überhaupt keine Zeit. Du siehst ja, was los ist im Schloss."
Der kleine Prinz, der sehnsüchtig die Arme nach seiner Mutter ausgestreckt hatte, zog sie wieder zurück, legte sie um sich selbst und weinte. So saß er die ganze Nacht auf der Treppe, die Tränen flossen und wollten überhaupt nicht weniger werden. Und während dieser langen Stunden verhärtete er sein Herz. Niemals wieder sollte sein Wunsch nach einer tröstenden Umarmung so enttäuscht werden! Niemals wieder wollte er sich so zurückstoßen lassen! Niemals wieder wollte er eine solche Nacht verbringen müssen! Nein, von heute an würde er alle seine Gefühle für sich behalten, und niemand sollte jemals wieder eine Träne oder ein Lächeln von ihm bekommen.
So wuchs der kleine Prinz zu einem großen Prinzen heran. Der König und die Königin merkten zunächst nichts von der Veränderung, denn sie waren noch immer sehr beschäftigt mit dem Regieren. Einzig die Dienerschaft spürte, dass etwas anders war. Der Prinz half zwar noch immer aus, wenn seine Hilfe gebraucht wurde, er war noch immer freundlich zu allen, aber er schien nicht mehr mit dem Herzen dabei zu sein.
Eines Tages nahm eines der Stubenmädchen all seinen Mut zusammen und bat um eine Audienz beim König, die ihm auch gewährt wurde. "Herr König, etwas ist mit Eurem jüngsten Sohn nicht in Ordnung." sagte sie schüchtern. "Er scheint recht traurig zu sein, und an nichts mehr recht Freude zu haben. Schon lange hat ihn niemand von uns mehr lächeln sehen. Vielleicht könnt Ihr einmal mit ihm reden?"
Der König besprach sich mit seiner Gemahlin, die zwar gespürt hatte, dass etwas anders war mit dem kleinen Prinzen, sich aber wegen der schwierigen Regierungsgeschäfte nicht darum hatte kümmern können. Sie beschlossen, eine kleine Regierungspause einzulegen und nach ihrem Sohn zu sehen. Gemeinsam betraten sie die Gemächer des Prinzen, um mit ihm zu reden.
"Mein lieber Sohn," begann die Königin das Gespräch, "uns ist zu Ohren gekommen, dass Du Dich verändert haben sollst, und auch ich habe das Gefühl, dass etwas nicht in Ordnung ist. Willst Du uns nicht Dein Herz ausschütten?" "Liebe Frau Mutter, lieber Herr Vater, mir geht es gut!" antwortete der Prinz. "Es gibt überhaupt keinen Grund zur Sorge. Geht beruhigt wieder an Eure Regierungsgeschäfte." "Aber lieber Junge, wir sehen doch, dass Du nicht mehr der Gleiche bist wie früher!" sagte der König. "Du bist nicht mehr so ausgelassen, und Dein Lachen haben wir schon lange nicht mehr gehört." "Mein Lachen hättet Ihr auch nicht gehört, wenn ich einen Grund zur Freude gefunden hätte! Ihr wart doch viel zu beschäftigt in all den Jahren! Ich lache und weine jetzt seit fast fünfzehn Jahren nicht mehr, und erst heute kommt Ihr, um mit mir darüber zu reden? Jetzt brauche ich Euch auch nicht mehr, geht zurück in Euren Thronsaal!" rief der Prinz wütend. "Ich werde nicht mehr lachen und nicht mehr weinen, also könnt Ihr tun, was Ihr während der letzten Jahre auch getan habt. Lasst mich in Ruhe!"
Obwohl seine Rede sehr respektlos war, dachten seine Eltern überhaupt nicht daran, den Prinzen zu bestrafen. Sie waren sehr traurig und auch schuldbewußt, dass sie sich sowenig um ihren Jüngsten gekümmert hatten. Aber sie wollten versuchen, ihm zu helfen.
Also liessen sie im Land die Nachricht verbreiten, dass sie eine Frau für ihren jüngsten Sohn suchten. Sie brauchte nicht von Stand oder ein Mitglied des Hochadels zu sein; die einzige Bedingung war, dass es ihr gelang, den Prinzen zum Lachen und zum Weinen zu bringen.
Da der Prinz ein sehr liebenswerter und gutaussehender Mann war, reisten die Kandidatinnen von weither an, um ihr Glück zu versuchen. Doch keine hatte Erfolg. Er scherzte zwar mit den Mädchen, manch eine konnte ihm auch einen Kuss stehlen, doch zum Lachen, geschweige denn zum Weinen brachte ihn keine.
So ging es einige Jahre, bis auch das letzte Mädchen aus der hintersten Ecke des großen Königreiches erfolglos wieder nach Hause zurückgekehrt war. Der Prinz blieb allein, er lachte nicht, und er weinte nicht. Allerdings wurde er immer unglücklicher, denn eigentlich wünschte er sich nichts sehnlicher, als wieder fühlen, von Herzen lachen oder laut schluchzen zu können. Aber er hatte zuviel Angst, dass er ein weiteres Mal zurückgewiesen werden würde.
Und so setzte er sich wieder auf die Treppe, schlang die Arme um sich und blieb sitzen. "Wenn ich nicht fühlen kann, hat das Leben doch gar keinen Sinn." dachte er bei sich.
Auch ich hatte vom Unglück des Prinzen gehört und war eines Tages von weither in das Königreich gereist, um nach ihm zu schauen. In dem Moment, in dem ich ihn zum ersten Mal sah, verliebte ich mich in den Prinzen. Aber ich hatte große Angst davor, ihm nicht helfen zu können und wieder davongejagt zu werden. Also setzte ich mich nur neben ihn auf die Treppe, ohne etwas zu sagen oder zu tun. Vielleicht würde er mich irgendwann bemerken und das Wort an mich richten. Ganz egal, was geschehen würde, ich war in seiner Nähe, konnte ihm meine Gedanken schenken und all meine Liebe, auch wenn er mich nicht denken hören und meine Liebe nicht spüren konnte. Nachts war es kalt, manchmal regnete es, doch ich blieb neben dem Prinzen sitzen und wärmte mich mit dem Gedanken, wie ich seine Hand halten würde, wenn er mich liesse.
Gern würde ich erzählen, dass der Prinz eines Tages den Kopf hob, mich ansah, lächelte und weinte und wir glücklich bis ans Ende unserer Tage lebten, einander liebten und fühlten!
Aber das wäre gelogen. Ich sitze noch immer neben ihm auf der Treppe. Er sieht mich nicht.
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