13 Juni 2007

Gedanken an Robbie Williams

Hatte eigentlich heute angekündigt, für mindestens zehn Tage nicht bloggen zu wollen, weil ich an meinem NLP-Testing schreibe. Aber Robbie ist inspirierend, und MAN kann ja nicht immerzu nur arbeiten...

Kann MAN nicht. Sollte MAN nicht. MAN muss doch auch mal Spaß haben! Muss MAN. Echt. Ich definiere mich jetzt kurzerhand als MAN. Wer sollte das auch sonst sein, wenn nicht ich? Immerhin geht es gerade um mich und nicht um Gesinnungs- und Höflichkeitsphantome.


Also. Robbie. Was habe ich den Fernseher angeschmachtet, als ich noch einen hatte, wenn es Interviews, Konzerte, Specials, sonstige Berichte über ihn gab! (M)Ein besonderer Höhepunkt war das Interview mit Charlotte Roche. Die Dame hat es tatsächlich geschafft, ihn völlig aus dem Konzept zu bringen. Nachdem er dauernd von irgendwelchen Frauen, Figuren und Busen geschwafelt hatte, bot sie ihm an, ihren Milchbusen anzufassen. (Sie war damals frisch Mutter geworden und hat noch gestillt, und Robbie war ob dieses Angebots mehr als nur irritiert.)
Nein, ich war niemals suizidgefährdet, als er sich von Take That getrennt hat; dafür war ich denn doch ein paar Tage zu alt.

Aber heute? Bin weit davon entfernt, ein Groupie zu sein, und trotzdem habe ich mich das eine oder andere Mal bei der Idee ertappt, seine Seele retten zu wollen. Zur Sekunde läuft "Feel" in meinem CD-Player. Er ist authentisch. Er ist unglücklich. Er ist Alkoholiker. Er ist Entertainer. Er ist unglaublich kreativ, exzessiv, depressiv, attraktiv, massiv gestört, denke ich.

Und trotzdem. Ich habe mir den Zorn meines Liebsten zugezogen, weil ich nicht mehr ansprechbar war, sobald Robbie im Radio, Fernsehen oder auf CD auftauchte. Habe ihn angetrieben, es doch etwas angestrengter anzugehen mit dem Berühmtwerden (Lieber Frosch, bitte vergiss das - so, wie Du es machst, ist es großartig!), bin in debiles Grinsen verfallen, wenn mir Freundinnen von ihren Konzertbesuchen erzählten. Fan halt. Irgendwie aber auch nicht. Ich habe kein Poster, keine Fotos in meiner Brieftasche, ein Autogramm wollte ich niemals haben, und 100 € für ein Konzert wären mir auch zu teuer. Aber trotzdem.

Robbie hat wichtige Phasen in meinem Leben begleitet. Bei "Angels" habe ich meiner kleinen Katze gedacht, Lätzchen hieß sie, war sehr lebenslustig, verspielt und vertrauensselig und ist vom Hund des Nachbarn totgebissen worden, der sich damit noch in der Umgebung gebrüstet hat. Er lebt noch. Der Nachbar. Leider. Friede sei mit ihm, und möge er in der Hölle schmoren, wenn es soweit ist. "Feel" hatte ich auf Kreta in meinem Ohr, andauernd, egal, ob ich gelaufen bin, am Strand gelegen oder auf meinem Balkon gesessen habe. Es hat dem letzten gemeinsamen Urlaub den Arsch gerettet, weil ich mich daran festhalten konnte. "It was a very good year" habe ich oft in der Badewanne gehört, über das Altern, die Vergangenheit und die Zukunft philosophiert und dabei Robbie und Frank Sinatra gleichzeitig genießen dürfen. "I come undone" war und ist eine Art Kampflied für mich, ähnlich wie "I wanna love somebody" auf der gleichen CD. Ich singe es laut mit, wenn ich es beim Laufen im MP3-Player habe, im Radio, wo auch immer. Ganz besonders die Stelle "Let's selling razorblades and mirrors in the street" hat es mir angetan. Ich mag aber auch "I'm not afraid of dying, I just don't want to." (EnglischkennerInnen mögen mir eventuelle Fehler verzeihen.) "I will talk and Hollywood will listen" ist mein Silvestermotivations- und Ich-weiss-dass-ich-es-kann-Lied. Und dann gibt es noch "Tripping" und "Advertising Space", die mich sehr berührt haben. "Rudebox" fand ich experimentell, wäre aber niemals auf die Idee gekommen, Robbie deswegen anzugreifen. Er hat etwas anderes probiert, und das ist gut so! Unwahrscheinlich, dass er den Blog einer deutschen Durchschnittshoppse liest, falls aber doch: "Robbie, diese CD ist großartig, weil sie mutig ist! Lass Dir nichts anderes einreden! Du hast genug Geld, um experimentieren zu können, und von mir aus kannst Du gern weitermachen. Ich würde mir wünschen, dass Du nicht mehr ganz soviel trinkst; aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es zwar kreativitätsfördernd, aber auch bauchweherzeugend ist, und dass MAN sich am nächsten Tag am liebsten mit Anlauf in den Hintern treten möchte. Also lass es. Und geh nicht in diese albernen Kliniken. Ruf mich an, ich könnte Dich coachen! I can not promise that I can heal you, but if you want to, I will try. Echt."

Eine Freundin von mir hat sogar schon einmal in Hamburg auf der Straße geschlafen, um noch an Karten zu kommen. Das würde ich nicht machen. Ich liebe ihn von hier aus und kaufe mir die jeweils neuesten CDs. Ich würde sie nichtmal brennen lassen, nein, ich will das Original!

Zusammengefasst: Lieber Robbie, ich danke Dir für die Untermalung größerer Teile meines Lebens, wünsche Dir nur das Beste und hoffe, dass Du Dich weder vom Alkohol noch von Take That unterkriegen lässt. Und ruf mich jederzeit gern an!

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