31 August 2007

Das Loch - meine Version

Da ist ein Loch. Manchmal muss ich mit beiden Füßen hineinspringen, mutwillig sozusagen, muss mich verbuddeln in Schmutz und Lehm, hoffnungslos und ohne eine Idee, wie ich das Loch wieder verlassen könnte. Aus eigener Kraft? Ich? Niemals!

Da ist ein Loch. Manchmal sehe ich es vorher und kann ihm ausweichen. Dann gehe ich woanders entlang, habe aber irgendwie einen ängstlichen Blick auf eben dieses Loch gerichtet.

Da ist ein Loch. Ich weiss, dass es da ist, denn es ist schon immer da. Es wartet auf mich, und ganz egal, was ich tue, ich WERDE hineinfallen. Eines Tages. Früher oder später. Irgendwie so.
Und ich falle hinein. Manchmal falle ich so tief, dass ich den Himmel nicht mehr sehen kann und helfende Hände für Schaufelbagger halte. Manchmal bin ich so hilflos, dass mir sogar der Mut fehlt, um Unterstützung zu bitten, denn ich bin sicher, dass ich für niemanden interessant bin.

Da ist ein Loch. Und ich MUSS da hinein! Manchmal MUSS MAN eben einfach... Ich will leiden, will schwarz sehen, will den blauen Himmel und die Sonne ausschliessen. Dann nehme ich mir eine kuschelige Decke, vielleicht noch ein gutes Buch und lasse mich kopfüber hineinfallen. Und ICH entscheide, ob und wann ich wieder ans Tageslicht trete.

Da ist ein Loch. Ich könnte die Straßenseite wechseln. Ich könnte eine ganz andere Straße entlanggehen. Ich könnte ausweichen. Ich könnte es ignorieren. Ich könnte hineinfallen, ohne mich verantwortlich zu fühlen. Aber ich könnte es möglicherweise auch lassen.

Da ist ein Loch. Ich könnte es sehen, eine Entscheidung treffen und mich ein paar Tage oder sogar Wochen in meinem Loch verstecken. Irgendwann komme ich dann wieder. Möglicherweise hat der eine oder die andere geduldig auf mich gewartet. Vielleicht aber auch nicht. So, wie die in meinem Loch verbrachte Zeit meine Entscheidung ist, entscheiden andere, wie und ob sie am Eingang auf mich warten wollen oder nicht. Ich weiss, dass ich mich sehr freuen werde, bekannte und geliebte Gesichter zu sehen, wenn ich wieder auftauche. Aber ich weiss auch, dass ich das nicht erwarten oder verlangen kann.

Da ist ein Loch. Ich war mittendrin, ziemlich weit unten, und jetzt sehe ich Sonne, wo gar keine ist, spüre Wärme bei gerade mal 19° und grinse breit in mich hinein, denn ich bin heute 3 MINUTEN SCHMERZFREI GELAUFEN!!!

Da ist ein Loch. Ich springe lachend darüber hinweg.

25 August 2007

Konfrontationstherapie in brütender Hitze

Manchmal ist die Angst vor Nachtfaltern unglaublich lästig. Ich sitze in meinem Bett, den Laptop auf dem Schoß, schwitze mich halbtot, lasse aber das Schlafzimmerfenster geschlossen, weil ja sonst irgendwelche Tiere mit einem Augendurchmesser nicht unter einem Meter zwanzig mein Refugium entern könnten. Blöd. Extrem blöd. Mir ist höllisch heiss. Natürlich könnte ich jetzt das Rollo herunterlassen und das Fenster öffnen, aber dann ist es nachher, wenn es hell wird, dunkel, und ich werde nicht wach. Wäre auch blöd. Ausserdem besteht die Gefahr, dass sich eines dieser perfiden Biester zwischen Fenster und Rollo versteckt hat. Ich kann aber nicht mitten in der Nacht herumbrüllen, staubsaugen und hysterisch werden. Meine Vermieter schlafen unter mir.

Ich wünschte mir, dass ich das, was ich in meinen diversen Ausbildungen gelernt habe, auf mich selbst anwenden könnte. Phobietechnik wäre die Maßnahme der Stunde. Dann müsste ich nicht schwitzen, könnte die laue Sommernacht geniessen und horchen, was die Natur Südniedersachsens nach Einbruch der Dunkelheit zu erzählen hat.

Manchmal frage ich mich, warum es überhaupt Ängste gibt, vor allem aber, warum sie nicht gerechter verteilt wurden. Warum zum Beispiel haben nur so wenige Männer Angst vor Nachtfaltern (ehrlich gesagt, kenne ich keinen einzigen)? Dabei hätten gerade sie einen kleinen Dämpfer ab und zu nötig, ganz davon abgesehen, dass mir das Bild eines kreischenden und mit dem Zeigefinger auf einen in der Zimmerecke sitzenden Nachtfalter weisenden Fondsmanagers auch eine gewisse Freude macht. Aber wer Gerechtigkeit will, sollte um einen schnellen Tod und um die Erfüllung der biblischen Versprechen bitten. Ob dann auch eine Heilung von Nachtfalterphobien im Programm ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Bin nicht bibelfest.

Sogar mein PC schwitzt. Er brummt und kühlt. Schwitzen wir eben zusammen, wir haben ja Zeit und können beide morgen früh (nachher früh) ausschlafen.

Ich frage mich, was, rein rational gesehen, an einem Nachtfalter so fürchterlich ist. Es sind 6-füßige, flatternde Tiere mit Facettenaugen, die stauben und Flecke an der Wand hinterlassen, wenn man sie erschlägt. Unverbesserliche behaupten gar, dass sie Ähnlichkeit mit Schmetterlingen hätten. Blödsinn!
Selbstverständlich war dies eine rein rhetorische Frage, und ich weiss ganz genau, was das Grauen ausmacht: Wenn man im Sommer recht unbedarft die Straße hinuntergeht, möglicherweise nach einer netten Grillparty oder einem Sommerfest, an nichts Böses denkend jedenfalls, legen sie unbemerkt ihre Eier ins Rückenmark. Und eines Tages, wenn der Wirt (ICH) die Eier dann ausgebrütet hat, platzt der Rücken längs der Wirbelsäule wie der Reissverschluss einer Hose, die eine übergewichtige Hausfrau zu schließen versucht, auf, das Opfer stürzt bäuchlings zu Boden und Hunderte von kleinen Nachtfaltern verlassen den Wirt (immer noch ich) wild flatternderweise, um sich kurz darauf wieder auf ihm niederzulassen und für ein paar Tage von den kläglich dahingeschiedenen Überresten zu ernähren.
NICHT MIT MIR!! Ich bin gewarnt, habe schon im frühen Kindesalter John Sinclair gelesen und werde mein Fenster geschlossen halten, auch auf die Gefahr hin, dass ich in meinem eigenen Schlafzimmer ersticke. Immer noch besser, als zur Brutstätte von Monsternachtfaltern zu werden.

Gestern abend hat mir jemand von Konfrontationstherapie erzählt. Das stelle ich mir in meinem Fall ungefähr so vor wie eine verschärfte Version des Dschungelcamps. (Für diejenigen, die sich entweder dem TV-Schwachsinn entziehen oder aber ihm so sehr erlegen sind, dass sie sich an Formate, die älter als zwei Monate sind, nicht mehr erinnern können: Costa Cordalis, Daniel Kübelböck, Desirée Nick und einige mehr wurden hier dazu gezwungen, Insekten zu essen, auf bzw. bei ihnen zu schlafen und sich gegenseitig Schimpfwörter an den Kopf zu werfen. Am Ende wurde dann Costa Cordalis Dschungelkönig und sang "Fiesta Mexicana". Oder war das jemand anderes, der auch schon tot ist???)
Konfrontationstherapie. Ich ganz allein in einem Raum mit vielen, vielen unterschiedlichen Faltern. Kein Staubsauger. Kein Therapeut. Keine Waffen. Nur ich und der galoppierende (in diesem Fall flatternde) Wahnsinn. Da kann man mir gleich ein Zimmer im Landeskrankenhaus Göttingen, geschlossene Abteilung für hoffnungslose Fälle, reservieren, meine Wohnung ausräumen und die darin befindlichen Einrichtungsgegenstände einem guten Zweck zuführen. Ich werde da nämlich nicht mehr herauskommen. Ganz im Gegenteil, ich werde auf einem Stuhl sitzen, vor- und zurückschaukeln, ein debiles Lächeln im Gesicht und "Flapflap" sagen. Mehr nicht.

Habe gerade kontrolliert, ob mein Fenster noch geschlossen ist. Ich möchte meine Wohnung behalten.

24 August 2007

Entscheidungstreffen im rauchfreien Raum

Da bin ich deutlich und viel zu lange um mich selbst gekreist. Und habe keine Maus geboren. (Ja, ich weiss, der Berg "kreisste". "Sz" gibt es ja nur noch bei weichem "sss". Leider.) Ich kreise weiter.

In meinem Kopf finden sich wieder Geschichten ein, manche lange vermisst, andere unerwartet. Ich begrüße jede einzelne auf das Allerfreundlichste. Neben den Geschichten hat sich eine neue Perspektive in meinem Gehirn eingenistet. Noch sitzt sie auf einem der günstigen Ränge, aber ich habe so ein Gefühl, dass sie in absehbarer Zeit auf einem Logenplatz bestehen wird. Alles wird anders. Oder vielleicht wird auch alles so, wie es schon vor längerem hätte werden wollen, wenn ich es gelassen hätte. Manche Entscheidungen treffen sich selbst, wenn man zu lange wartet. Manchmal erwarte ich sogar, dass sich meine Entscheidungen treffen.

Natürlich stellt sich dann die Frage: Welche meiner Entscheidungen möchten sich denn treffen? Und hätten sie gern ein Bier dazu oder lieber Milchkaffee mit viel Zucker? Worüber reden sie, wenn sie gemeinsam am Tisch sitzen? Wird ihnen warm ob der zu treffenden ... Entscheidungen (???). Können Entscheidungen Entscheidungen treffen? Oder sorgen sie nur für deren Verwirklichung? Was ist mit meinen Entscheidungen? Haben sie sich selbst getroffen, oder warten sie noch immer darauf, dass ich mich zu ihnen geselle? Möglicherweise habe ich die eine oder andere bereits getroffen, aber meiner Umwelt gegenüber noch nicht kommuniziert. (So sagt man in Neudeutsch. Wirklich. Man sagt, wenn man will, dass Menschen/Angestellte/KundInnen irgendetwas tun, sie sich aber verweigern: "Das haben wir offensichtlich falsch kommuniziert.") Muss ich irgendetwas kommunizieren? Oder reicht es, wenn ich meine Entscheidung mitteile, entschuldigungsfrei? Schließlich bin ich meinen Entscheidungen wichtig. Vielleicht haben sie mich sogar lieb. Wir haben uns auch nicht für einen Bankraub entschieden, werden niemanden umbringen, kompromittieren oder ins Unglück stürzen. Vielleicht mache ich es mit meinen Entscheidungen der einen oder dem anderen ein ganz klitzekleines Bisschen unbequem. Müssen wir uns dafür entschuldigen?

Da sitzen also meine Entscheidungen in einem Café und sind von mir noch nicht kommuniziert worden. Werde ich nachholen. Schnell. Sonst trinken die einen Kaffee nach dem anderen, und ich muss zum Schluss die Rechnung zahlen.


Heute abend ist es undurchsichtig neblig. Allerdings scheint der diesjährige Sommer im Allgemeinen neblig zu sein. Mein Gehirn nebelt auch. Aber ich bin sicher, dass der Wetterbericht lügt und morgen die Sonne scheint. Wenn sich der Nebel aufgelöst hat.

21 August 2007

Die Los-Bude

Machtlos
schien ich vielen.
Kraftlos
bin ich noch immer.
Tatenlos,
weil
Sinnlos,
etwas zu tun.
Hoffnungslos
sowieso.
Traumlos
schlief ich.
Mühelos
scheinen einige.
Arbeitslos
sind so viele.

Leblos
sind wir,
wenn wir unseren Träumen
planlos folgen.

Das große Los
ziehen wenige.

Autofahren in Nordhessen

Vor längerem hatte ich mich über eine südniedersächsische Kleinstadt, nein, noch ein wenig unspezifischer, eine westdeutsche Kleinstadt, deren Eingeborene sich dadurch auszeichnen, dass sie ihre Twingos tieferlegen, ausgelassen und mir damit die eine oder andere Kritik eingehandelt. Keine Sorge, ich will nicht wieder davon anfangen, ich habe gelernt! Die Erinnerung an die tiefergelegten Twingos und ihre Beweger ist nur der Aufmacher für eine längere Klage über Fahrzeuge, deren Fahrer ganz offensichtlich einige zehntausend Euro für ihren Luxusschlitten, aber keinen Cent mehr für ein paar weitere Fahrstunden gespart haben (Obwohl die Fahrstunden nötig gewesen wären. Ich kann es bezeugen, ich bin hinter ihnen her gefahren. Unfreiwillig.), Ex-Kollegen und Spritsparer.

Aber ich will von vorn anfangen. Da sind also die tiefergelegten Twingos in dieser netten, kleinen, deutschen Stadt. Diese Stadt und das Äquivalent zu mit erheblichem Aufwand getunten Kleinwagen gibt es auch in groß. Stadt, Eingeborene und dazugehörige Fahrzeuge befinden sich in Nordhessen. Besagte Stadt ist gerade berühmt und international, weil viele KünstlerInnen und solche, die sich dafür halten, Reis- und Mohnfelder (wetterbedingt in Auflösung befindlich), Plastikgewächshäuser, Entschuldigung, "lichtdurchflutete Ausstellungsräume" und vielerlei politisch ambitionierte Exponate ausstellen und damit ein großes und kunstverständiges Publikum anziehen. Mehr sage ich nicht, sicherheitshalber. Man könnte mich erkennen, obwohl ich ja mit dem Kennzeichen dieser südniedersächsischen Kleinstadt herumfahre und somit zwar suspekt bin (da eilt mir ein gewisser Ruf des fahrerischen Unvermögens voraus), mich aber nicht als Nestbeschmutzerin verdächtig mache.

Heute hat es geregnet. Den ganzen Tag. Auch in Nordhessen. Ich habe absichtlich die Landstraße gewählt, da sich auf der Autobahn ganze Rudel überforderter Familienoberhäupter mit Tempo 80 auf der linken Spur tummelten und beim kleinsten Bremsmanöver des Vordermannes sofort die Warnblinkanlage betätigten. Auf der Landstraße waren ganz andere Menschen unterwegs. Direkt vor mir fuhr mein Traumwagen, ein Mercedes 500 SLK Baujahr ca. 1995, schwarz. Nordhessisches Kennzeichen. Dabei ist heute nicht Fronleichnam. (Dann haben die Hessen nämlich frei und fallen in das nächstgelegene südniedersächsische Mittelzentrum ein, verstopfen parkplatzsuchenderweise die Straßen und bringen das dort arbeitende Volk zur Verzweiflung.) SLK fähr 70 km/h. Gut, es regnet. Trotzdem hielte ich ein schnelleres Tempo noch immer für witterungsangepasst. Da! Eine Kurve! Mindestens 30°! SLK bremst auf Schrittgeschwindigkeit herunter, ich gezwungenermaßen mit, darauf wartend, dass der Fahrer sein Fahrzeug verläßt und es um die Kurve schiebt. Da es regnet, bleibt er sitzen, behält aber die Schiebegeschwindigkeit bei. Ich versuche mein Glück mit dichtem Auffahren, wildem Gestikulieren und giftigem Blick. Sieht er nicht, sein Blick ist starr auf die nächste Schikane, eine 90°-Kurve gerichtet. Ich hätte nicht gedacht, dass ein Mercedes SLK technisch in der Lage ist, langsamer als Schrittgeschwindigkeit zu fahren. Dieser kann.

Gerade Strecke. Ich setze zum Überholen an. SLK gibt Vollgas. Peugeot 206 kann nicht mithalten. SLK ist ein A... Kurz darauf: KEHREN! Das sind Kurven, die ein wenig Fahrkönnen erfordern, wenn man dem während der Fahrt einsetzenden Alterungsprozess ein Schnippchen schlagen möchte. SLK entscheidet sich erneut für Schrittempo. (Das dritte "t" habe ich bewusst weggelassen; ich weiss, dass die Rechtschreibreform derartigen Schwachsinn verlangt, gedenke aber, mich auch weiterhin zu verweigern.) Ich zitiere Tori Amos: "And it went on and on and on and on... And she died." Ich habe überlebt. SLK auch. Irgendwann konnte ich ihn überholen, warf einen Blick zur Seite und stellte zu meinem Entsetzen fest, dass der Fahrer noch Jahre von der Rente entfernt war. Seinem Fahrstil nach hatte ich einen älteren Herrn erwartet, der sich von seinem Ersparten endlich den ersehnten Sportwagen gekauft hatte, mit dem er schon in geistiger Hochform nicht hätte umgehen können. Nein, hier hatte ich es offensichtlich mit einem Angestellten des Öffentlichen Dienstes, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ver.di-Mitglied, zu tun! Schlafen im Amt mag ja üblich und tolerabel sein, Schlafen im SLK sollte mit Hollandradfahren nicht unter 20 Jahren bestraft werden!

Das Überholmanöver hätte ich mir schenken können. Der nächste Mercedes vor mir (Frage: Fährt irgendjemand in Deutschland ausser mir keinen Mercedes???) war ein Taxi. "Dann ist ja alles gut!" dachte ich. Als Ex-Taxifahrerin war ich mir sicher, dass der Kollege es eilig hätte. Ein anständiger Taxifahrer hat es immer eilig. Je schneller man den Fahrgast abgesetzt hat, desto eher hat man einen neuen. Ausserdem erhöht ein wenig Todesangst die Dankbarkeit, angekommen zu sein und damit auch das Trinkgeld.

Dieser spezielle Taxifahrer hatte Zeit. Und Angst. Auf einer Landstraße normaler Breite fuhr er mittig mit maximal 70 km/h, vollbremste bei entgegenkommenden Fahrzeugen und Kurven und Tempo-70-Schildern und gab Vollgas in geschlossenen Ortschaften. Wenigstens das identifizierte ihn als jemandem, dem zumindest ein erfahrener Kollege erklärt haben musste, worauf es beim Taxifahren ankommt. Bei der nächsten Möglichkeit setzte ich zum Überholen an. Er gab Gas. Ich drängte ihn hupend ab, zeigte ihm jeden Finger, der irgendwie anstössig war und überholte weiter. Freiheit!

Nach ca. einem Kilometer sichtete ich direkt vor mir einen VW Lupo. So ein Drei-Liter-Auto. So ein Auto, das von politisch und ökologisch korrekten Menschen in baumfreundlich gebleichtem Wollpullover und Birkenstocks gefahren wird. Die haben Zeit. Und Sendungsbewusstsein.

Da die Grenze meiner Belastbarkeit inzwischen überschritten war und ich keine Möglichkeit zum Überholen hatte, lenkte ich scharf links, direkt über den Hessischen Fernradweg R1 in die Fulda. Die hatte Hochwasser, und ich ging schnell unter. Jetzt bin ich tot. Ertrunken. Das, was Sie gerade lesen, ist nur ein Auswuchs Ihrer gestörten Phantasie. Knipsen Sie also besser Ihren PC aus und gehen Sie ins Bett, wenn Sie nicht so enden wollen wie ich.

08 August 2007

Der lange Weg vom Gedanken zum Falter

Manchmal kommen Wörter, ohne dass ich darüber nachdenken muss. Sie fallen mir sozusagen in den Schoß. Manchmal muss ich wie eine Berserkerin kämpfen, und trotzdem will sich kein einziges Wort aus den Klippen meines Gehirns abseilen zu mir, der Endverbraucherin. Sie klammern sich fest am Granit eingefahrener Gedankenrücksprünge, weigern sich, auch nur die Köpfe zu heben. Wörter können recht störrisch sein, und wenn sie Gedanken waren, bevor sie sich zu Sprache gemacht haben, wird es besonders schwierig, denn dann ist immer ein kleiner Zensor vorgeschaltet, der verhindert, dass sie sich aus ihrer Deckung trauen.

Sind sie dann jedoch draussen, haben sie sich einmal gezeigt, die wortgewordenen Gedanken, gibt es kein Halten mehr. Sie wollen sich verbreiten, wollen "Stille Post" spielen, und sie rennen zu jedem, der sie haben will oder auch nicht. Sie flüstern, sie wispern, sie kreischen, sie toben sich in fremden Ohrwindungen aus, ohne auch nur einen weiteren, möglicherweise noch abzuseilenden Gedanken an die Zuhörer zu verschwenden und daran, was bei ihrer Toberei herauskommen mag.


Denn das, was sich aus meinem Kopf heraus als Wort den Weg in die Welt bahnt, sozusagen ein Geschwisterkind des zuletzt Gedachten, wird selten bis niemals als das ankommen, als das ich es verschickt habe. Ich schicke einen Satz, und an kommt ein Gerücht, bestehend aus zwanzig Sätzen.
Beispiele? Ich schicke "Ich hätte gern ein Häuschen in...", und heraus kommt "Sie hält es hier nicht mehr aus und plant bereits ihre Flucht." Oder: Ich lasse "Ich esse selten Tiere." meinen Kopf verlassen, und nach ein paar Tagen und Zwischenstationen ist "Sie hat die Jagd aufgegeben, weil sie nicht in der Lage ist, ein erlegtes Wild auch auszunehmen." geworden.

Die Lehre? Schicke niemals unvorbereitet irgendwelche Gedanken auf die Reise - erstens kommen sie selten an dem Ort an, für den die Fahrkarte gekauft wurde, und zweitens wird unterwegs dauernd das Gepäck verwechselt. Oder anders: Sei Dir immer bewußt, dass jeder Gedanke, den Du als Wort auf diese Welt loslässt, möglicherweise ohne Arme und Beine zu Dir zurückkehrt. Oder schlimmer: Er flattert oder kriecht sechsfüßig auf Dich zu, obwohl Du doch einen Wurm entsorgt zu haben glaubtest!

Das bringt mich zum eigentlichen Thema: Nachtfalter. Ich hatte heute mittag einen Kampf mit einem. Augendurchmesser: 20 cm, Flügelspannweite: 3,20 m, Länge: 7 m, Reißzähne von einer Größe, die Knut vor Neid erblassen liessen. Ich fege, er fliegt auf, ich kreische, er nicht. Er sitzt auf meiner Fensterbank, und ich bin allein im Haus, noch für mindestens eine Woche. Ich stürze auf das Fenster zu, reisse es im Handstreich auf, aber das Biest bewegt sich nicht. Ich kreische nochmal, er nicht. Er sitzt einfach nur da und wartet auf die richtige Gelegenheit, seine Eier in mein Rückenmark zu legen, auf dass in ein paar Wochen meine Haut platzt und 729.346 kleine Falter aus meinem sterbenden Körper in die Nacht fliegen. Nicht mit MIR! Ich werfe meinen Hammer, den ich noch vor ein paar Minuten ausschließlich zu friedlichen Zwecken genutzt habe, auf den übermächtigen Gegner, wild entschlossen, mich auch sterbend noch mit allen Kräften zu wehren. Natürlich treffe ich ihn nicht. Glücklicherweise treffe ich auch das Fenster nicht; denn das hätte auf jeden Fall unendlichen Monsternachschub bedeutet und möglicherweise ein unangenehmes Gespräch mit meinen aus der Sommerfrische zurückkehrenden Vermietern.
Er (der Falter) fliegt auf. Ich kreische. Er nicht. Doch da naht Rettung in Gestalt von Natur! Ein Wind frischt auf, weht unter das Fenster, dreht sich, will wieder zurück in die Freiheit und nimmt den Falter dabei mit. Wild flatternd findet er sich draußen, im maximal 22° lauwarmen und sonnenarmen deutschen Sommer wieder. Ich springe auf das Fenster zu und schließe es. Dann mache ich mich auf zu einem Kontrollgang und sperre alles zu, was einem 7 m großen Falter Einlass gewähren könnte. Fenster auf Kipp? Ich bin doch nicht blöd! Licht? Geiz ist geil, Nachtfalter nicht, und deswegen bleibt das Licht aus! Aber ich habe Angst vor dem Einschlafen - möglicherweise hat sich ja eines dieser blutsaugenden und eierlegenden Exemplare in meinem Schlafzimmer versteckt und kommt erst heraus, wenn ich hilflos, weil schläfrig bin?

Sicherheitshalber bleibe ich wach. Immerhin bin ich arbeitslos und kann auch tagsüber schlafen. Dann schlafen DIE nämlich auch!

06 August 2007

03 August 2007

Das Leben - noch immer

Das Leben liebt mich,
glaubte ich.
Das Leben lacht sich tot;
es kennt mich nicht.

Manchmal scheint's
als fände ich
ein Leben,
doch ich irre mich.

Komm ick jetz inn Färnsähn?

Weiss nicht. Im Dorf hat tatsächlich jemand dieses Haus gekauft. Es liegt direkt in der ersten scharfen Rechtskurve, ist recht hässlich, vor allem aber wohnt gegenüber die Dame, die genau Bescheid weiss im Dorf. Das ist immer schlecht.
Als ich heute abend dort vorbeifuhr (Wie es sich gehört im Dorf, war um 22.15 Uhr das Straßenlicht schon fast ganz aus.), sah ich das klassische Fernseherflimmern.
Also. Verstehe ich nicht. Ich würde ja noch schrauben, Bilder aufhängen und Ideen ausleben, wenn ich denn jemals in diesem Leben das nötige Kleingeld für ein Haus hätte.


Übrigens: Noch vor ein paar Jahren waren kleine Häuser im kretischen Hinterland recht günstig zu bekommen.
Meines sieht so aus: Es liegt in Pitsidia (für Unwissende: Südkreta, die "Lehrerhauptstadt") an der Straße zum Kommos Beach, hat drei Zimmer, eine kleine Veranda und einen ebenso kleinen Garten. Und ein Schriftstellerinnenzimmer, hell, weit, klar, inspirierend eben. Und weil Kreta so magisch ist, kann ich wieder ganz normal laufen und tue es auch. Außerdem kann ich Yoga machen, jeden Tag, und tue auch das. Ich kann schreiben. Ich darf leben. Ich darf all das tun, was ich mir in meinem "normalen" Leben versage. Und inzwischen weiss ich auch, warum Kreta so wichtig für "sich Entscheidende" oder Kreative ist: Die Schwingungen sind dort anders. Wenn ich an die Melidoni-Höhle denke - ja, ich habe sie schreien hören. Und all die Menschen, die das spüren, aber nicht damit umgehen konnten, wurden sehr bald unerträglich laut.


Dann war da diese Schlucht, die ich nahezu fluchtartig verlassen habe. Und ich bin nun wirklich nicht so fürchterlich ängstlich veranlagt, jedenfalls nicht, wenn mir irgendwelche in die EU strebenden Jungtürken gegenüberstehen... Aber das ist eine andere Geschichte. In besagter Schlucht sagte mir eine innere Stimme "Lauf!". Habe ich gemacht. Schnell. (Damals war mein Knie okay.)


Jeden Tag danke ich den dort wohnenden Göttern dafür, dass ich die Insel finden durfte.
Jeden Tag danke ich Sven (WIRKLICH!), dass er vor 8 Jahren dort unbedingt hin wollte.
Und kein Tag vergeht, ohne dass ich die zuständigen GöttInnen bitte, mir dieses Jahr irgendwie wenigstens zwei Wochen zu schenken. Zwei Wochen am Red Beach. Zwei Wochen laufend. Nötigenfalls auch radfahrend. Zwei Wochen auf der Suche nach "meinem" Kraftort. Zwei Wochen, in denen ich SEIN darf. Zwei Wochen, aus denen vielleicht irgendwann der Rest meines Lebens wird...

Aber Wolbrechtshausen ist auch nett. Wirklich.

Achja, die Überschrift... Ich hatte Ingolf Lück vor meinem inneren Auge. Wochenshow, keine Ahnung, wie sein Alter Ego hieß, das, das "inn Fernsähn" wollte. Ich will jedenfalls nicht innn Fernsähn, ich will nach Kreta. Gern auch ohne Fernsehen. Dieses Blaugeflimmer kann auch nicht gesund sein...

Auch Simmershausen ist recht nett. Wirklich.

01 August 2007

Vollmond oder was?

Der August ist ganz neu. Vorgestern war Vollmond. Heute sehe ich einen Drachenflieger von meinem Dachfenster aus und frage mich, wie er auf diese vollkommen blödsinnige Idee kommen kann, Drachenfliegen zu wollen. Und ich höre die 3 Tenöre. Pavarotti (lebt der noch, oder ist er schon an Verfettung gestorben??), Carreras (der noch immer Geld einsammelt für irgendwelche Leukämiekranken, und den unwissende ModeratorInnen als "den Sänger, der aufgrund seiner sanften Stimme als der "Lyrische Tenor" bezeichnet wird" vorstellen. Dann war da noch Placido Domingo (keine Ahnung, was er tut oder wo er sich aufhält). Egal. Sie singen wunderschön. Ich schaue in den Sommerhimmel (ausnahmsweise kübelt es gerade nicht), genieße und hoffe auf bessere Zeiten.

Natürlich wird es bessere Zeiten nicht geben. Patrick Sinkewitz hat erhöhte Testosteronwerte und sagt, dass die B-Probe nicht geöffnet werden braucht, Putin ist ein lupenreiner Demokrat, in Afghanistan entdecken sie gerade die Entführungsindustrie, und der Drachenschirmflieger vor meinem Fenster stürzt bestimmt auch gleich ab und ist nicht versichert.


Zynisch? Ich? Nö!


Ich liebe den Vollmond. Gestern zum Beispiel war ich schon um 19.00 Uhr im Bett. Gestern war Vollmond. Dankeschön! Ohne ihn hätte ich möglicherweise bis 20.00 Uhr durchgehalten. Und für was? Für wen? Über lupenreine Demokraten kann ich auch später schreiben. Klar, Vollmond ist voll geil. Aber wenn ich doch schlafe...? Heute ist kein Vollmond mehr, und ich lebe immer noch. Also sch... auf Vollmond.


Es lebe Scientology!

Chronik eines...

...angekündigten Todes (Keine Ahnung, von wem, klingt nett, und keine Sorge - es geht mir gut! Ich suche nur schöne Wörter.)

...angekündigten Besäufnisses...sagte der Alkoholiker, bevor er fuselvoll unter die Brücke fiel.

...angekündigten Bankrotts...sagte der Immobilienhai, bevor er seinem Bankberater einen Milliardenkredit aus der Tasche leierte und dieser einfach nicht zuhören wollte.

...angekündigten Mordes...sagte der Versicherte, als seine Privathaftpflicht sich weigerte, den Schaden für einen Unfall mit einem Gefahrguttransporter zu zahlen.

...angekündigten Unwetters...sagte Jörg Kachelmann, bevor große Teile Deutschlands unangekündigt den Fluten zum Opfer fielen.

...angekündigten Regierungswechsels...sagte Angela Merkel, bevor sie die Regierungsgeschäfte an Schröder zurückgeben musste, weil der lupenreine Demokrat Putin mit dem Abdrehen des Gashahns drohte.

...angekündigten Selbstmordanschlags...sagte der Taliban, der regelmäßig Bushs Rasen trimmte, bevor er diesen und sich selbst mit dem Mäher ins Jenseits beförderte.

...angekündigten Fehlschlags...sagte ich, als ich mein Leben betrachtete...

Leben? Liebe? Blödsinn!

Das Leben liebt mich,

sagte ich.


Das war gelogen.


Es liebt mich nicht.