31 August 2007

Das Loch - meine Version

Da ist ein Loch. Manchmal muss ich mit beiden Füßen hineinspringen, mutwillig sozusagen, muss mich verbuddeln in Schmutz und Lehm, hoffnungslos und ohne eine Idee, wie ich das Loch wieder verlassen könnte. Aus eigener Kraft? Ich? Niemals!

Da ist ein Loch. Manchmal sehe ich es vorher und kann ihm ausweichen. Dann gehe ich woanders entlang, habe aber irgendwie einen ängstlichen Blick auf eben dieses Loch gerichtet.

Da ist ein Loch. Ich weiss, dass es da ist, denn es ist schon immer da. Es wartet auf mich, und ganz egal, was ich tue, ich WERDE hineinfallen. Eines Tages. Früher oder später. Irgendwie so.
Und ich falle hinein. Manchmal falle ich so tief, dass ich den Himmel nicht mehr sehen kann und helfende Hände für Schaufelbagger halte. Manchmal bin ich so hilflos, dass mir sogar der Mut fehlt, um Unterstützung zu bitten, denn ich bin sicher, dass ich für niemanden interessant bin.

Da ist ein Loch. Und ich MUSS da hinein! Manchmal MUSS MAN eben einfach... Ich will leiden, will schwarz sehen, will den blauen Himmel und die Sonne ausschliessen. Dann nehme ich mir eine kuschelige Decke, vielleicht noch ein gutes Buch und lasse mich kopfüber hineinfallen. Und ICH entscheide, ob und wann ich wieder ans Tageslicht trete.

Da ist ein Loch. Ich könnte die Straßenseite wechseln. Ich könnte eine ganz andere Straße entlanggehen. Ich könnte ausweichen. Ich könnte es ignorieren. Ich könnte hineinfallen, ohne mich verantwortlich zu fühlen. Aber ich könnte es möglicherweise auch lassen.

Da ist ein Loch. Ich könnte es sehen, eine Entscheidung treffen und mich ein paar Tage oder sogar Wochen in meinem Loch verstecken. Irgendwann komme ich dann wieder. Möglicherweise hat der eine oder die andere geduldig auf mich gewartet. Vielleicht aber auch nicht. So, wie die in meinem Loch verbrachte Zeit meine Entscheidung ist, entscheiden andere, wie und ob sie am Eingang auf mich warten wollen oder nicht. Ich weiss, dass ich mich sehr freuen werde, bekannte und geliebte Gesichter zu sehen, wenn ich wieder auftauche. Aber ich weiss auch, dass ich das nicht erwarten oder verlangen kann.

Da ist ein Loch. Ich war mittendrin, ziemlich weit unten, und jetzt sehe ich Sonne, wo gar keine ist, spüre Wärme bei gerade mal 19° und grinse breit in mich hinein, denn ich bin heute 3 MINUTEN SCHMERZFREI GELAUFEN!!!

Da ist ein Loch. Ich springe lachend darüber hinweg.

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