Manchmal kommen Wörter, ohne dass ich darüber nachdenken muss. Sie fallen mir sozusagen in den Schoß. Manchmal muss ich wie eine Berserkerin kämpfen, und trotzdem will sich kein einziges Wort aus den Klippen meines Gehirns abseilen zu mir, der Endverbraucherin. Sie klammern sich fest am Granit eingefahrener Gedankenrücksprünge, weigern sich, auch nur die Köpfe zu heben. Wörter können recht störrisch sein, und wenn sie Gedanken waren, bevor sie sich zu Sprache gemacht haben, wird es besonders schwierig, denn dann ist immer ein kleiner Zensor vorgeschaltet, der verhindert, dass sie sich aus ihrer Deckung trauen.
Sind sie dann jedoch draussen, haben sie sich einmal gezeigt, die wortgewordenen Gedanken, gibt es kein Halten mehr. Sie wollen sich verbreiten, wollen "Stille Post" spielen, und sie rennen zu jedem, der sie haben will oder auch nicht. Sie flüstern, sie wispern, sie kreischen, sie toben sich in fremden Ohrwindungen aus, ohne auch nur einen weiteren, möglicherweise noch abzuseilenden Gedanken an die Zuhörer zu verschwenden und daran, was bei ihrer Toberei herauskommen mag.
Denn das, was sich aus meinem Kopf heraus als Wort den Weg in die Welt bahnt, sozusagen ein Geschwisterkind des zuletzt Gedachten, wird selten bis niemals als das ankommen, als das ich es verschickt habe. Ich schicke einen Satz, und an kommt ein Gerücht, bestehend aus zwanzig Sätzen.
Beispiele? Ich schicke "Ich hätte gern ein Häuschen in...", und heraus kommt "Sie hält es hier nicht mehr aus und plant bereits ihre Flucht." Oder: Ich lasse "Ich esse selten Tiere." meinen Kopf verlassen, und nach ein paar Tagen und Zwischenstationen ist "Sie hat die Jagd aufgegeben, weil sie nicht in der Lage ist, ein erlegtes Wild auch auszunehmen." geworden.
Die Lehre? Schicke niemals unvorbereitet irgendwelche Gedanken auf die Reise - erstens kommen sie selten an dem Ort an, für den die Fahrkarte gekauft wurde, und zweitens wird unterwegs dauernd das Gepäck verwechselt. Oder anders: Sei Dir immer bewußt, dass jeder Gedanke, den Du als Wort auf diese Welt loslässt, möglicherweise ohne Arme und Beine zu Dir zurückkehrt. Oder schlimmer: Er flattert oder kriecht sechsfüßig auf Dich zu, obwohl Du doch einen Wurm entsorgt zu haben glaubtest!
Das bringt mich zum eigentlichen Thema: Nachtfalter. Ich hatte heute mittag einen Kampf mit einem. Augendurchmesser: 20 cm, Flügelspannweite: 3,20 m, Länge: 7 m, Reißzähne von einer Größe, die Knut vor Neid erblassen liessen. Ich fege, er fliegt auf, ich kreische, er nicht. Er sitzt auf meiner Fensterbank, und ich bin allein im Haus, noch für mindestens eine Woche. Ich stürze auf das Fenster zu, reisse es im Handstreich auf, aber das Biest bewegt sich nicht. Ich kreische nochmal, er nicht. Er sitzt einfach nur da und wartet auf die richtige Gelegenheit, seine Eier in mein Rückenmark zu legen, auf dass in ein paar Wochen meine Haut platzt und 729.346 kleine Falter aus meinem sterbenden Körper in die Nacht fliegen. Nicht mit MIR! Ich werfe meinen Hammer, den ich noch vor ein paar Minuten ausschließlich zu friedlichen Zwecken genutzt habe, auf den übermächtigen Gegner, wild entschlossen, mich auch sterbend noch mit allen Kräften zu wehren. Natürlich treffe ich ihn nicht. Glücklicherweise treffe ich auch das Fenster nicht; denn das hätte auf jeden Fall unendlichen Monsternachschub bedeutet und möglicherweise ein unangenehmes Gespräch mit meinen aus der Sommerfrische zurückkehrenden Vermietern.
Er (der Falter) fliegt auf. Ich kreische. Er nicht. Doch da naht Rettung in Gestalt von Natur! Ein Wind frischt auf, weht unter das Fenster, dreht sich, will wieder zurück in die Freiheit und nimmt den Falter dabei mit. Wild flatternd findet er sich draußen, im maximal 22° lauwarmen und sonnenarmen deutschen Sommer wieder. Ich springe auf das Fenster zu und schließe es. Dann mache ich mich auf zu einem Kontrollgang und sperre alles zu, was einem 7 m großen Falter Einlass gewähren könnte. Fenster auf Kipp? Ich bin doch nicht blöd! Licht? Geiz ist geil, Nachtfalter nicht, und deswegen bleibt das Licht aus! Aber ich habe Angst vor dem Einschlafen - möglicherweise hat sich ja eines dieser blutsaugenden und eierlegenden Exemplare in meinem Schlafzimmer versteckt und kommt erst heraus, wenn ich hilflos, weil schläfrig bin?
Sicherheitshalber bleibe ich wach. Immerhin bin ich arbeitslos und kann auch tagsüber schlafen. Dann schlafen DIE nämlich auch!
Sind sie dann jedoch draussen, haben sie sich einmal gezeigt, die wortgewordenen Gedanken, gibt es kein Halten mehr. Sie wollen sich verbreiten, wollen "Stille Post" spielen, und sie rennen zu jedem, der sie haben will oder auch nicht. Sie flüstern, sie wispern, sie kreischen, sie toben sich in fremden Ohrwindungen aus, ohne auch nur einen weiteren, möglicherweise noch abzuseilenden Gedanken an die Zuhörer zu verschwenden und daran, was bei ihrer Toberei herauskommen mag.
Denn das, was sich aus meinem Kopf heraus als Wort den Weg in die Welt bahnt, sozusagen ein Geschwisterkind des zuletzt Gedachten, wird selten bis niemals als das ankommen, als das ich es verschickt habe. Ich schicke einen Satz, und an kommt ein Gerücht, bestehend aus zwanzig Sätzen.
Beispiele? Ich schicke "Ich hätte gern ein Häuschen in...", und heraus kommt "Sie hält es hier nicht mehr aus und plant bereits ihre Flucht." Oder: Ich lasse "Ich esse selten Tiere." meinen Kopf verlassen, und nach ein paar Tagen und Zwischenstationen ist "Sie hat die Jagd aufgegeben, weil sie nicht in der Lage ist, ein erlegtes Wild auch auszunehmen." geworden.
Die Lehre? Schicke niemals unvorbereitet irgendwelche Gedanken auf die Reise - erstens kommen sie selten an dem Ort an, für den die Fahrkarte gekauft wurde, und zweitens wird unterwegs dauernd das Gepäck verwechselt. Oder anders: Sei Dir immer bewußt, dass jeder Gedanke, den Du als Wort auf diese Welt loslässt, möglicherweise ohne Arme und Beine zu Dir zurückkehrt. Oder schlimmer: Er flattert oder kriecht sechsfüßig auf Dich zu, obwohl Du doch einen Wurm entsorgt zu haben glaubtest!
Das bringt mich zum eigentlichen Thema: Nachtfalter. Ich hatte heute mittag einen Kampf mit einem. Augendurchmesser: 20 cm, Flügelspannweite: 3,20 m, Länge: 7 m, Reißzähne von einer Größe, die Knut vor Neid erblassen liessen. Ich fege, er fliegt auf, ich kreische, er nicht. Er sitzt auf meiner Fensterbank, und ich bin allein im Haus, noch für mindestens eine Woche. Ich stürze auf das Fenster zu, reisse es im Handstreich auf, aber das Biest bewegt sich nicht. Ich kreische nochmal, er nicht. Er sitzt einfach nur da und wartet auf die richtige Gelegenheit, seine Eier in mein Rückenmark zu legen, auf dass in ein paar Wochen meine Haut platzt und 729.346 kleine Falter aus meinem sterbenden Körper in die Nacht fliegen. Nicht mit MIR! Ich werfe meinen Hammer, den ich noch vor ein paar Minuten ausschließlich zu friedlichen Zwecken genutzt habe, auf den übermächtigen Gegner, wild entschlossen, mich auch sterbend noch mit allen Kräften zu wehren. Natürlich treffe ich ihn nicht. Glücklicherweise treffe ich auch das Fenster nicht; denn das hätte auf jeden Fall unendlichen Monsternachschub bedeutet und möglicherweise ein unangenehmes Gespräch mit meinen aus der Sommerfrische zurückkehrenden Vermietern.
Er (der Falter) fliegt auf. Ich kreische. Er nicht. Doch da naht Rettung in Gestalt von Natur! Ein Wind frischt auf, weht unter das Fenster, dreht sich, will wieder zurück in die Freiheit und nimmt den Falter dabei mit. Wild flatternd findet er sich draußen, im maximal 22° lauwarmen und sonnenarmen deutschen Sommer wieder. Ich springe auf das Fenster zu und schließe es. Dann mache ich mich auf zu einem Kontrollgang und sperre alles zu, was einem 7 m großen Falter Einlass gewähren könnte. Fenster auf Kipp? Ich bin doch nicht blöd! Licht? Geiz ist geil, Nachtfalter nicht, und deswegen bleibt das Licht aus! Aber ich habe Angst vor dem Einschlafen - möglicherweise hat sich ja eines dieser blutsaugenden und eierlegenden Exemplare in meinem Schlafzimmer versteckt und kommt erst heraus, wenn ich hilflos, weil schläfrig bin?
Sicherheitshalber bleibe ich wach. Immerhin bin ich arbeitslos und kann auch tagsüber schlafen. Dann schlafen DIE nämlich auch!
Kalimera!
AntwortenLöschendurch google mit Stichwort
Kreta bin ich auf Deine
Seite gelangt:
was ich da in Deinem
Eintrag vom 7.Feb.2007
über Kreta, insbesondere
Pitsidia und Matala lese,
ja, das spricht mir voll
aus der Seele!
Ich komme gerade nach 14 Tagen Urlaub ebendort
zurück: Deine Gedanken
über diesen herrlichen
Ort habe ich deshalb
mit Freude gelesen!
Faszinierend, dass ich da
plötzlich Empfindungen
nachlesen kann,als hätte
ich sie selbst geschrieben!
Schön, dass ich Deine Seite
gefunden habe :)
Aktuelle Bilder von Kreta kannst
Du auf meiner Blogseite
anschauen, wenn Du magst -
Alles Gute,
Xenos
pardon,
AntwortenLöschenich habe die Anschrift
vergessen:
www.mutzurluecke.blogspot.com
Gruß, Xenos