Spiegel Online vom 06.10.07: "Arbeitslosengelddebatte - Becks Rache". Da hatten doch der interessierte Bürger und die gleichermaßen am politischen Geschehen passiv teilhabende Bürgerin während der letzten Woche den Eindruck gewonnen, der SPD-Vorsitzende sei um die Gerechtigkeit besorgt. Vehement hatte er dafür plädiert, beim ALG-I-Bezug das Alter zu berücksichtigen. "Achja", seufzte es da unter alten Anhängern der romantisch verklärten Sozialdemokratie, "Vielleicht ist dieser hemdsärmelige, übergewichtige Pfälzer ja doch ein feiner Mensch. Immerhin kümmert er sich doch um unsere Belange." Jetzt erfährt der geneigte Leser zusammen mit der Leserin, dass es mitnichten um Verteilungsgerechtigkeit, sondern viel mehr um einen sehr, sehr alten Konflikt geht. Ein Männermachtspiel aus pubertären Tagen nämlich, inhaltslos wie eh und je, geht um:
Wer hat den Längsten?
Und da sich Beck und Müntefering nun schlecht in eine öffentliche Toilette begeben können, um dort mithilfe eines Lineals den Konflikt zu lösen, geben sie Interviews gegensätzlichen Inhalts, die man so zusammenfassen könnte: Beck sagt: "Ich will, dass ältere Arbeitnehmer länger Arbeitslosengeld I beziehen. Das ist nämlich gerecht, weil die ja viel länger eingezahlt haben!" Müntefering sagt: "Quatsch. Haben wir nicht vereinbart, können wir nicht bezahlen."
Und da stehen sie, die älteren Arbeitslosen, haben möglicherweise bereits ihr Häuschen verpfändet, weil der antragannehmende Beamte bei der Arbeitsagentur gerade in Urlaub war und ihr Antrag auf ALG II seit Monaten auf Halde liegt, und merken möglicherweise gar nicht, dass sie mit ihren schwer erarbeiteten Ersparnissen den Wettstreit um Penislängen bezahlen müssen. Ist aber so, da bin ich sicher. Ich bin eine Frau und kenne mich mit Penislängen und ihren Inhabern recht gut aus.
Schauen wir doch ein wenig zurück: Anlass für die Agenda 2010 war, dass der Gerhard seinen Jungs (und den paar Mädels) beweisen musste, dass er den Längsten, die schicksten Klamotten und den besten Friseur hat. Die Auswirkungen (Hartz I - IV) durften wir alle aus nächster Nähe betrachten. Und jetzt kommt der Kurt und fleddert das Erbe vom Gerhard. Der ist aber, nachdem niemand mehr seinen Langen sehen und noch viel weniger seine Meinung wissen wollte, zu seinem alten Kumpel Wladimir geflüchtet, lässt sich dort das Köpfchen kraulen, die Taschen füllen und sagt fast nichts mehr.
Wäre nicht der blöde Franz, dann könnte Kurt schon Kanzlerkandidat spielen. Der Franz ist aber ein ganz Fieser. Erst sagt er allen, dass der Kurt ganz toll ist, und mit dem letzten Satz des Interviews gibt es einen Verbalschlag in die Fresse. Und deswegen hat der Kurt jetzt beschlossen, aus Rache am Franz so zu tun, als interessierten ihn die Arbeitslosen. Dass er erst vor einem Jahr erklärt hat, arbeitslos sei nur, wer sich nicht wäscht und nicht rasiert, haben wir ja glücklicherweise alle vergessen.
Die Arbeitslosen antworten auch brav in den Umfragen, dass sie die SPD jetzt wieder ganz toll finden, und sofort steht die Partei stramm hinter dem Kurt. Kurt freut sich; in ein paar Wochen wird er ganz leise in ein Mikrophon sagen, dass der längere Bezug des ALG I für ältere Arbeitslose leider nicht finanzierbar sei, und außerdem bräuchten die sich ja auch nur zu waschen, und dann werden wir alle ganz schnell vergessen, dass er das überhaupt mal gesagt hat. Aber alle werden die SPD weiter ganz toll finden. Es sei denn, die Angela mischt sich ein, erklärt, dass sie den Längsten hat und kann das auch beweisen. Dann wählen wir die CDU.
Wer hat den Längsten?
Und da sich Beck und Müntefering nun schlecht in eine öffentliche Toilette begeben können, um dort mithilfe eines Lineals den Konflikt zu lösen, geben sie Interviews gegensätzlichen Inhalts, die man so zusammenfassen könnte: Beck sagt: "Ich will, dass ältere Arbeitnehmer länger Arbeitslosengeld I beziehen. Das ist nämlich gerecht, weil die ja viel länger eingezahlt haben!" Müntefering sagt: "Quatsch. Haben wir nicht vereinbart, können wir nicht bezahlen."
Und da stehen sie, die älteren Arbeitslosen, haben möglicherweise bereits ihr Häuschen verpfändet, weil der antragannehmende Beamte bei der Arbeitsagentur gerade in Urlaub war und ihr Antrag auf ALG II seit Monaten auf Halde liegt, und merken möglicherweise gar nicht, dass sie mit ihren schwer erarbeiteten Ersparnissen den Wettstreit um Penislängen bezahlen müssen. Ist aber so, da bin ich sicher. Ich bin eine Frau und kenne mich mit Penislängen und ihren Inhabern recht gut aus.
Schauen wir doch ein wenig zurück: Anlass für die Agenda 2010 war, dass der Gerhard seinen Jungs (und den paar Mädels) beweisen musste, dass er den Längsten, die schicksten Klamotten und den besten Friseur hat. Die Auswirkungen (Hartz I - IV) durften wir alle aus nächster Nähe betrachten. Und jetzt kommt der Kurt und fleddert das Erbe vom Gerhard. Der ist aber, nachdem niemand mehr seinen Langen sehen und noch viel weniger seine Meinung wissen wollte, zu seinem alten Kumpel Wladimir geflüchtet, lässt sich dort das Köpfchen kraulen, die Taschen füllen und sagt fast nichts mehr.
Wäre nicht der blöde Franz, dann könnte Kurt schon Kanzlerkandidat spielen. Der Franz ist aber ein ganz Fieser. Erst sagt er allen, dass der Kurt ganz toll ist, und mit dem letzten Satz des Interviews gibt es einen Verbalschlag in die Fresse. Und deswegen hat der Kurt jetzt beschlossen, aus Rache am Franz so zu tun, als interessierten ihn die Arbeitslosen. Dass er erst vor einem Jahr erklärt hat, arbeitslos sei nur, wer sich nicht wäscht und nicht rasiert, haben wir ja glücklicherweise alle vergessen.
Die Arbeitslosen antworten auch brav in den Umfragen, dass sie die SPD jetzt wieder ganz toll finden, und sofort steht die Partei stramm hinter dem Kurt. Kurt freut sich; in ein paar Wochen wird er ganz leise in ein Mikrophon sagen, dass der längere Bezug des ALG I für ältere Arbeitslose leider nicht finanzierbar sei, und außerdem bräuchten die sich ja auch nur zu waschen, und dann werden wir alle ganz schnell vergessen, dass er das überhaupt mal gesagt hat. Aber alle werden die SPD weiter ganz toll finden. Es sei denn, die Angela mischt sich ein, erklärt, dass sie den Längsten hat und kann das auch beweisen. Dann wählen wir die CDU.
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