24 Oktober 2007

Bangen und Hoffen

Da habe ich monatelang um das Leben eines geliebten Menschen gebangt. Damals war ich sicher, dass ich dieses Leben fortan zu schätzen wissen würde. Ich hätte jeden Eid darauf geschworen, dass ich diesen besonderen Menschen niemals verlassen würde, nicht nach all diesen Kämpfen. Ich hätte mir niemals vorstellen können, jemals wieder mit ihm Durchschnitt zu leben.

Und doch... Nicht einmal Existenzängste verändern die Existenz. Ich habe es gesagt, doch niemals gelebt, noch weniger gespürt in irgendeiner meiner Seelen.


Existenzängste sind nichts weiter als ein Indikator für zu wenig intensiv gelebtes Leben, meiner Ansicht nach. Und wer nicht intensiv leben kann oder will, wird es auch nach durchlebten Existenzängsten nicht tun.


Leben kannst Du nur im Jetzt. Nicht später. Nicht dann, wenn... Nicht, nachdem Du ... erledigt hast. Denn Du könntest vor dem Später sterben. Du könntest vor die Wand fahren. Einen Schlaganfall bekommen oder einen Herzinfarkt. Der berühmte Backstein könnte Dir auf den Kopf fallen.


Es gibt Grenzerfahrungen. Und ich glaube, dass es keine Grenzerfahrung gibt, die genügend Grenzen aufzeigt. Ich glaube nicht, dass Grenzerfahrungen nötig sind, um die Grenzen zu sehen. Ich will keine Grenzerfahrungen mehr. Leben will ich.


Ich will Musik hören und mich im Klang einer schönen Stimme verlieren.


Ich will einen fast vollen Mond am Himmel sehen und mich in die Wolken verlieben, die ihn zu verdunkeln versuchen.


Ich will einem geliebten Menschen in die Augen sehen und mich in ihm erkennen.


Ich will spüren, was ein anderer Mensch braucht und es ihm geben können.


Ich will meine Augen schließen und erwachen mit dem Blick ins Licht.


Ich will nichts Besonderes.


Leben will ich.


Klein sein darf es.


Unspektakulär sein soll es.


Bunt sein muss es.


Und wenn dann noch ein Wunsch übrig ist, möchte ich in den Armen eines geliebten Menschen liegen. Undramatisch. Ohne Not.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen