Ich schreibe etwas unrund. Normalerweise recht bewandert im Zehnfingersystem und entsprechend schnell, fehlt mir heute mein kleiner Finger. Nein, er ist durchaus noch vorhanden, aber im Moment weitgehend unbrauchbar, dick und blau. Nachdem ich mich vorgestern bereits beim Säckchenwerfen als Grobmotorikerin geoutet hatte, gingen wir gestern zum Spielen mit einem echten Ball über.
Mir wurde bereits bei der Beschreibung der Vorgehensweise etwas flau im Magen, denn schnelles Dribbeln, Sidesteps und ein klitzekleiner Wettkampf sind nicht die Aktivitäten, die für eine verletzungsgeplagte Ex-Hoppse mittleren Alters mit nachlassender Koordination und Sehkraft die Mittel der Wahl sind, um sich fitzuhalten. Ich bevorzuge inzwischen Sport ohne mögliche Feindberührung. Und selbst dann gelingt es mir noch, mich mit wehrhaften Kieselsteinen anzulegen und mich von ihnen zu Fall bringen zu lassen.
Ich wollte jedoch keine Spielverderberin sein. Vor allem aber wollte ich mich nicht als selbst Weichei hinstellen. Es dauerte keine zehn Minuten, da prallte mir der Ball beim lockeren Einwerfen vom Boden gegen den gestreckten kleinen Finger. Es tat höllisch weh, ich schrie laut "Aua!", wurde weitgehend ignoriert (hätte ich auch getan, wir waren ja alle erwachsen!) und spielte weiter. Mit gestrecktem kleinen Finger, denn nun ließ er sich nicht mehr beugen. Glauben Sie mir, es wirkt ungeheuer sportlich, wenn ein Ballspiel mit sicherheitshalber abgespreiztem kleinen Finger durchgeführt wird!
Irgendwann war das Spiel glücklicherweise vorbei, ohne dass ich mir weitere Verletzungen zugezogen hätte. Während des restlichen Tages beobachtete ich meinen Finger beim Dickerwerden.
Sie machen sich ja überhaupt keine Vorstellung, wozu so ein verfluchter kleiner Finger gebraucht wird! Andauernd! Das fängt bei so einfachen Verrichtungen wie Hose zu oder auf an, geht weiter mit dem Festhalten der Kaffeetasse und endet noch lange nicht mit dem abendlichen Zähneputzen.
AUA!
Meine geliebte und besorgte Mutter, der ich heute telefonisch mein Leid klagte und die auf die Erfahrung von 84 Lebensjahren zurückblicken kann, erklärte recht ungerührt: "Vielleicht solltest Du Dich lieber in eine dicke Decke einwickeln und vorerst nicht das Haus verlassen? Es gibt doch Essen auf Rädern!" Nach dem Telefonat fühlte ich mich besser, weil umsorgt und getröstet.
Man hat mir kürzlich vorgeworfen, meine Posts bestünden zu großen Teilen aus Wehleidigkeit und Selbstmitleid. JA! Wenn ich es nicht tue, bedauert mich ja auch keiner, oder? Und damit wenigstens Sie aus der Ferne ein klein wenig mitleiden: Vor drei Wochen hat mich der bereits erwähnte renitente Kieselstein zu einwöchiger Bewegungslosigkeit verdammt, weil ich mir Band gedehnt und die Kapsel geprellt hatte. Kaum war das wieder halbwegs in Ordnung, verrenkte ich mir das Kreuz beim Umdrehen (ebenfalls ohne Feindeinwirkung) und plagte mich für die nächsten Tage mit einem krummen Rücken. Vorgestern war ich kurz schmerzfrei, wenn man von dem tiefen Schnitt in meinem rechten Ringfinger absieht, den ich mir auf der Jagd nach mitternächtlicher Nahrung selbst zugefügt habe. (Nein, ich habe nicht mit dem berühmten südniedersächsischen Gemeinen Großnager gekämpft, sondern ein Brötchen aufgeschnitten!) Und jetzt das!
Ich werde mich jetzt ganz vorsichtig aus dem Haus bewegen, vorsichtig nach rechts und links schauen (Hatte ich übrigens erwähnt, dass ich heute mittag auch einen unschuldigen Radfahrer aufs Korn genommen habe? Glücklicherweise war er betrunken, und so ist uns beiden nichts passiert. Den kleinen Kratzer an meinem Auto verbuche ich unter "Muss ich irgendwann mal mit Politur ran."), in mein Auto steigen und meine Mutter besuchen. Mein Plan sieht vor, dass ich ihr schluchzend in die Arme sinke und sie meinen kleinen Finger gesundpustet. Wenn das nicht funktioniert, wird sie mich möglicherweise mit der Altpapierentsorgung beauftragen. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch! Ich liebe meine Mutter, und die mangelhafte Ausstattung mit dem Florence-Nightingale-Gen ist mir wesentlich lieber als heftigstes Bebrüten, wie es andere Mütter noch mit dem mehr als erwachsenen Nachwuchs tun.
Falls Sie in den nächsten Tagen nichts von mir hören, können Sie davon ausgehen, dass ich ein sehr tiefes Loch und den Weg heraus noch nicht gefunden habe. Ich wünsche einen unfallfreien Tag!
Mir wurde bereits bei der Beschreibung der Vorgehensweise etwas flau im Magen, denn schnelles Dribbeln, Sidesteps und ein klitzekleiner Wettkampf sind nicht die Aktivitäten, die für eine verletzungsgeplagte Ex-Hoppse mittleren Alters mit nachlassender Koordination und Sehkraft die Mittel der Wahl sind, um sich fitzuhalten. Ich bevorzuge inzwischen Sport ohne mögliche Feindberührung. Und selbst dann gelingt es mir noch, mich mit wehrhaften Kieselsteinen anzulegen und mich von ihnen zu Fall bringen zu lassen.
Ich wollte jedoch keine Spielverderberin sein. Vor allem aber wollte ich mich nicht als selbst Weichei hinstellen. Es dauerte keine zehn Minuten, da prallte mir der Ball beim lockeren Einwerfen vom Boden gegen den gestreckten kleinen Finger. Es tat höllisch weh, ich schrie laut "Aua!", wurde weitgehend ignoriert (hätte ich auch getan, wir waren ja alle erwachsen!) und spielte weiter. Mit gestrecktem kleinen Finger, denn nun ließ er sich nicht mehr beugen. Glauben Sie mir, es wirkt ungeheuer sportlich, wenn ein Ballspiel mit sicherheitshalber abgespreiztem kleinen Finger durchgeführt wird!
Irgendwann war das Spiel glücklicherweise vorbei, ohne dass ich mir weitere Verletzungen zugezogen hätte. Während des restlichen Tages beobachtete ich meinen Finger beim Dickerwerden.
Sie machen sich ja überhaupt keine Vorstellung, wozu so ein verfluchter kleiner Finger gebraucht wird! Andauernd! Das fängt bei so einfachen Verrichtungen wie Hose zu oder auf an, geht weiter mit dem Festhalten der Kaffeetasse und endet noch lange nicht mit dem abendlichen Zähneputzen.
AUA!
Meine geliebte und besorgte Mutter, der ich heute telefonisch mein Leid klagte und die auf die Erfahrung von 84 Lebensjahren zurückblicken kann, erklärte recht ungerührt: "Vielleicht solltest Du Dich lieber in eine dicke Decke einwickeln und vorerst nicht das Haus verlassen? Es gibt doch Essen auf Rädern!" Nach dem Telefonat fühlte ich mich besser, weil umsorgt und getröstet.
Man hat mir kürzlich vorgeworfen, meine Posts bestünden zu großen Teilen aus Wehleidigkeit und Selbstmitleid. JA! Wenn ich es nicht tue, bedauert mich ja auch keiner, oder? Und damit wenigstens Sie aus der Ferne ein klein wenig mitleiden: Vor drei Wochen hat mich der bereits erwähnte renitente Kieselstein zu einwöchiger Bewegungslosigkeit verdammt, weil ich mir Band gedehnt und die Kapsel geprellt hatte. Kaum war das wieder halbwegs in Ordnung, verrenkte ich mir das Kreuz beim Umdrehen (ebenfalls ohne Feindeinwirkung) und plagte mich für die nächsten Tage mit einem krummen Rücken. Vorgestern war ich kurz schmerzfrei, wenn man von dem tiefen Schnitt in meinem rechten Ringfinger absieht, den ich mir auf der Jagd nach mitternächtlicher Nahrung selbst zugefügt habe. (Nein, ich habe nicht mit dem berühmten südniedersächsischen Gemeinen Großnager gekämpft, sondern ein Brötchen aufgeschnitten!) Und jetzt das!
Ich werde mich jetzt ganz vorsichtig aus dem Haus bewegen, vorsichtig nach rechts und links schauen (Hatte ich übrigens erwähnt, dass ich heute mittag auch einen unschuldigen Radfahrer aufs Korn genommen habe? Glücklicherweise war er betrunken, und so ist uns beiden nichts passiert. Den kleinen Kratzer an meinem Auto verbuche ich unter "Muss ich irgendwann mal mit Politur ran."), in mein Auto steigen und meine Mutter besuchen. Mein Plan sieht vor, dass ich ihr schluchzend in die Arme sinke und sie meinen kleinen Finger gesundpustet. Wenn das nicht funktioniert, wird sie mich möglicherweise mit der Altpapierentsorgung beauftragen. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch! Ich liebe meine Mutter, und die mangelhafte Ausstattung mit dem Florence-Nightingale-Gen ist mir wesentlich lieber als heftigstes Bebrüten, wie es andere Mütter noch mit dem mehr als erwachsenen Nachwuchs tun.
Falls Sie in den nächsten Tagen nichts von mir hören, können Sie davon ausgehen, dass ich ein sehr tiefes Loch und den Weg heraus noch nicht gefunden habe. Ich wünsche einen unfallfreien Tag!
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