16 November 2007

Verzweifelte Koordinationsversuche

Haben Sie schon einmal versucht, die rechte Hand auf dem Rücken zu halten, einen Ball mit der Linken hinter dem Rücken gezielt einem Gegenüber zuzuwerfen und gleichzeitig den anderen Ball, den dieses Gegenüber in Ihre Richtung bewegt, aufzufangen? Nein? Ich hatte heute Premiere. Bei dieser Gelegenheit durfte ich zu meinem großen Entsetzen feststellen, dass ich damit aufhören sollte, mich für eine Koordinationskoryphäe zu halten. Realistisch betrachtet hat mich meine altersbedingte Kurzsichtigkeit zwar nicht daran gehindert, meinen Partner zu erkennen, für den Ball hat es jedoch nicht mehr gereicht. Noch viel weniger war ich in der Lage, den Ball hinter meinem Rücken auf eine gerade Flugbahn zu schicken. Kaum meiner unfähigen Hand entkommen, begab er sich auf einen Rundkurs, der alle anderen Teilnehmer, die sich in der Gefahrenzone befanden (und die war sehr, sehr groß!), in häschenhaftes Hakenschlagen verfallen liess.

Hätte mein Gegenüber eine Wahl gehabt, sie wäre nicht auf mich gefallen. Möglicherweise hätte er aber auch auf Neuwahlen bestehen mögen.
Wir waren allerdings heute nicht politisch, sondern sportlich unterwegs, daher litt er mehr oder weniger still. Eines muss ich sehr positiv bemerken: Er zeigte sich als perfekter Gentleman. Wenn ich mich als zu blöd erwies, seinen Wurf zu fangen, entschuldigte er sich. Wenn er sich nach einem verzweifelten Becker-Hecht nach meinem bumerangartig herumtaumelnden Ball wieder vom Turnhallenboden erhoben hatte, entschuldigte er sich ebenfalls. Wirklich, wäre ich nicht glücklich liiert, ich hätte ihm spontan einen Antrag gemacht!

Warum sich erwachsene Menschen gegenseitig mit Bällen bewerfen? Didaktik und Methodik. Wirklich. Manchmal tut es recht gut, am eigenen Leib zu erfahren, was man (oder frau) unschuldigen Menschen, die mit der Hoffnung auf einen gestählten Körper einen Fitnessclub aufsuchen, antut. Manchmal ist es nötig, sich in die Rolle der armen Frau in der hinteren Reihe zu versetzen, die doch nur ein wenig Spaß haben wollte und jetzt von einer wohlmeinenden Trainerin zu den wildesten Verrenkungen gezwungen wird.

Trotzdem werde ich mich morgen früh, wenn mir wieder jemand ein wie auch immer geartetes Wurfgerät in die Hand drückt, im gestreckten Galopp aus dem Staub machen und solange auf dem Clo einschließen, bis es Mittagessen gibt.

Ihnen und Euch allen wünsche ich ein bewegtes und spaßiges Wochenende!

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