14 Dezember 2007

Laufende Zwiegespräche

Das Feld. Diesmal nicht gehend, sondern laufend. Unvorstellbar, dass auf diesem Grund einmal Panzer gekreuzt sind, Kriegsgerät getestet wurde! Andererseits - manchmal führe ich hier auch Waffentests durch. Meine Waffen sind Worte. Ich führe Zwiegespräche, während ich vor mich hin trabe, laufe oder gehe. Ich sage einem fiktiven Gegenüber, was ich von ihm will, etwas, das mir im nichttestuativen Zustand eher selten gelingt.
Laufend kann ich meinen Gefühlen Ausdruck geben, kann reden, nein, falsch, nur mein Kopf redet, meine Beine rennen, und mein Mund bleibt stumm. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, überzeugend, weil ehrlich zu sein. Im wahren Leben verstumme ich viel zu oft.
Ja, Stille ist gut, aber das trifft nur auf freiwillige Stille zu! Reden wäre manchmal besser. Ein neues Andererseits - Reden sind Worte, sind aneinandergereihte Buchstaben, haben keine Bedeutung, wenn keine Taten folgen. Ist Reden also schlecht? Nicht immer, aber immer dann, wenn es beim Reden bleibt, wenn nichts zu sehen, nichts zu fühlen, sondern nur zu hören ist, denn dann führt Reden zu Vertrauensverlust.
Laufend kann ich mir Versprechungen machen, kann mich beschwören, eine wie auch immer unbefriedigend geartete Situation schnellstmöglich zu bereinigen. Andererseits - manchmal reicht es, zu laufen. Danach ist nichts mehr zu klären. Mein Gesicht ist voller Wind und Luft, meine Knie tun mörderisch weh, mir ist gleichzeitig warm und kalt. Gut trotzdem. Ich habe mich gefühlt. Muss ich noch Versprechungen einhalten, wenn ich mich fühle? Oder ist dieses Fühlen das Ziel meines Versprechens? Manchmal können Worte nichts ändern, weil sie nicht so ankommen, wie sie losgeschickt werden.
Wirklich, manchmal scheint es so, als sagte man etwas, und in den paar Sekunden, die diese Wortmeldung bis zum Empfänger braucht, manipuliert irgendein fieser, kleiner, missgünstiger Zwerg so daran herum, dass die Botschaft im Gesagten absolut unverständlich wird. Manchmal bin ich selbst dieser fiese, kleine Zwerg. Manchmal mache ich es dem Zwerg leicht. Manchmal sollte ich einfach die Klappe halten.
Bin mir nicht sicher. Wenn ich könnte, wenn es nicht nach fünfzig Minuten Berg- und Tal-Lauf so sehr schmerzte, ich würde laufen wie Forrest Gump. Einfach los und dann nirgendwohin. Ich habe diese Straße vor meinem inneren Auge, die er entlanggelaufen ist, mitten in Arizona, zwischen Felsen, dann am Meer, aber immer laufend. Was muss das für ein unglaubliches Gefühl sein, einfach loszulaufen! Kein Blick zurück, sich nicht halten lassen, von nichts und niemandem, die absolute Freiheit. Am Straßenrand Menschen, die eine ähnliche Sehnsucht haben und beim Vorankommen helfen. Und auf die Fragen der Reporter antworten: "Ich wollte laufen. Sonst nichts." Laufen und niemals stehenbleiben. Laufen als Selbstzweck. Laufen mit einem Gefühl der Stärke. Laufen. Leben. Atmen. Keuchen. Fühlen. Über mir der Himmel, unter mir die Straße. Laufen eben. Nichts sonst.
Ich war dann nach einer knappen Stunde wieder bei meinem Auto. Kühl war es, und ich bin schnell nach Hause gefahren, ins Warme.

1 Kommentar:

  1. freut mich deine Gedichte zu lesen
    fruet mich eine Deutche zu lesen
    fruet mich wie die Welt schrumpft
    und nun wenn nur du English liest
    konnest du auch meine Gedichte lesen

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