11 Dezember 2007

Tod den Schwätzern! Alle Macht den Ärschen!

Immer wieder treffen wir auf rede- und geltungsbedürftige Menschen, Schwätzer eben. Solchen, die eine Diskussion beginnen mit "Eigentlich bin ich an dem Thema nicht sehr interessiert..." und ihre Wortmeldung nur unter Einwirkung von verbaler oder schlimmstenfalls körperlicher Gewalt beenden, weil sie reden und reden und reden.
Worte eben. Sie lieben Worte. Ich auch. Ich bin also nicht besser, weil ich auch nichts anderes tue als reden. Tun bedeutete, wirklich etwas zu ändern. Tun hieße, nicht immer nur zu reden, sondern den Arsch zu bewegen. Wenn der Arsch aber festgeklebt ist an dem, was ist, läßt er sich nicht so leicht lösen.

Und damit ist mir der kleine Spagat vom Schwäter zum Arsch auf eine nahezu geniale Weise gelungen: Bleiben wir doch noch ein wenig beim Arsch. Er bietet so unendlich viele Redewendungen, und es könnte doch recht interessant sein, einigen von ihnen auf den Grund zu gehen.


Ich bin im Arsch.
Bedeutet so viel wie: Ich bin vollkommen fertig, es geht mir nicht gut, ich kann nicht mehr. Da stellt sich natürlich die Frage, in wessen Arsch ich in diesem Zustand bin. In meinem eigenen? Wie mache ich das, ohne Schlangenmensch zu sein? In einem anderen? Was habe ich in einem fremden Arsch zu suchen, es sei denn, ich kröche hinein (s.u.)? Im Arsch des Allmächtigen? Wenn da alle wären, die das sagen, hätte er mit kapitalen Verdauungsstörungen zu rechnen. (Ein Hinweis an die Radikalislamisten unter meinen Lesern: Mit dem Allmächtigen meine ich natürlich den christlichen Gott, und ich käme niemals auf die Idee, den Namen des Ihrigen missbräuchlich zu benutzen. NIEMALS! Und mein Teddy heisst Teddy.)

Beweg Deinen Arsch! Das ist einfach: Irgendjemand, den oder die ich einmal als faule Sau bezeichnen möchte, soll in irgendeiner Form aktiv werden. Das kann bedeuten, dass ein zu dicker Mensch abspecken, ein politisch Uninteressierter zur Wahl gehen, ein Dauermeckerer den ihm unangenehmen Zustand ändern, ein ALG-II-Empfänger den Ein-Euro-Job antreten soll. Und natürlich soll nicht nur der Arsch bewegt werden, sondern das daranhängende Individuum gleich mit.

Jemandem in den Arsch kriechen. Steht gemeinhin für Katzbuckelei (Schon wieder so ein Bild, Sprache ist doch recht vielfältig.), Strebertum im unangenehmen Sinne des Wortes. Irgendjemand will etwas, und er versucht denjenigen, der darüber zu entscheiden hat, durch Schmeicheleien, schöne Worte und Artigkeiten davon zu überzeugen. Ist wieder ein Beweis dafür, dass man auf Worte nicht allzuviel geben sollte, egal, wie schön sie sich anhören mögen. Denn es ist ja klar, dasss der Entscheidende dem Wollenden, wäre er eben nicht der Entscheidende, vollkommen gleichgültig wäre. Blöd ist nur, dass der Entscheidende das Arschkriechen manchmal nicht merkt und tatsächlich glaubt, er sei etwas Besonderes für den Wollenden.

Jemanden in den Arsch treten. Das kann man wörtlich nehmen, dann tut der Arsch des Getretenen für eine Weile weh. Meistens ist es aber eher bildlich gemeint, und dann tut es dem Getretenen woanders weh, im Herzen zum Beispiel oder in der Seele. Es kann bedeuten, dass jemand vertraut hat und dieses Vertrauen enttäuscht wurde, dass jemand etwas geschenkt hat, dass nicht erwünscht war, in jedem Fall ist es eine Form der Zurückweisung. Finde ich. Aber ich erwähnte ja bereits, dass es keine Tatsachen gibt, sondern nur unterschiedliche Bilder von der Welt. Und nicht einmal das ist sicher. Einigen wir uns also auf den Minimalkonsens: Derjenige, der tritt, hat es dem, der getreten wird, ganz ordentlich gegeben.

Jemandem mit dem Arsch nicht angucken. Jetzt wird es sprachlich interessant. Um jemanden anzusehen, darf ich ihm ja meinen Hintern nicht zudrehen, sonst sehe ich nichts. Und wörtlich genommen, beinhaltet dieser Ausspruch ja genau das: Ich schaue jemanden mit dem Arsch NICHT an. Also bedeutet das doch im Umkehrschluss, dass ich ihn mit den Augen ansehe. So ist es aber meistens nicht gemeint, denn wer das sagt, will meistens damit ausdrücken, dass er mit jemandem überhaupt nichts mehr zu tun haben und ihn deswegen auch nicht mehr sehen will. Heisst das aber, dass er den Betreffenden vorher nur mit dem Arsch angeguckt hat? Ist der Arsch in diesem Falle ein Zeichen der Wertschätzung? Angesichts der Tatsache, dass er gemeinhin Nahrungsendprodukte ausscheidet, halte ich das für relativ unwahrscheinlich.
Bleiben wir also bei: "Mit Dir will ich nichts mehr zu tun haben!" und nehmen an, dass es die Light-Version vom In-Den-Arsch-Treten ist.

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