18 Februar 2007

Rocky Balboa

Skeptisch war ich. Würde es möglich sein, das Gefühl der Achziger ins Jahr 2007 zu transportieren, ohne dabei bemüht zu wirken? Und der inzwischen fast 60-Jährige Sylvester Stallone, würde er sich lächerlich machen bei seinem Versuch, die legendäre Gestalt wieder auferstehen zu lassen? Wäre es ein unangenehmes Gefühl für mich, "meinen" Helden und Motivator in sämtlichen Lebenskrisen seit 1984 - ebenso gealtert wie ich selbst - wieder zu sehen?

JA! Nein. Nein.


Worauf ich mich nicht, auch nicht logistisch, vorbereitet hatte, war die Tränenflut, zu der dieser Film mich gerührt hat. Achtung, Insiderwissen! Dass Adrian gestorben war an Krebs, wußte ich bereits, auch, dass Rocky nun ein Restaurant in seiner alten Gegend hat und den Leuten Geschichten aus seiner aktiven Zeit erzählt, die sie bereits in- und auswendig kennen. Nicht gerechnet habe ich damit, dass ich selbst so berührt sein würde. Hat Mr. Stallone beabsichtigt, die ZuschauerInnen, die ja auch 23 Jahre älter geworden sind seit Rocky IV (Das war mein erster, den ich aber auch von Anfang bis Ende so großartig fand, dass ich ihn schon im Kino viermal innerhalb einer Woche gesehen habe.) an ihre eigenen nichtvollbrachten Heldentaten zu erinnern, an ihr eigenes Leben in der Vergangenheit? Als wäre er niemals fort gewesen... Und als hätte ich nicht mehrere Zeitspannen zwischen mir und möglichen Weggabelungen.

Und dann - der Kampf! Wie in seinen besten Zeiten, als er - Verzeihen Sie den Ausdruck! - 12 Runden lang in die Fresse bekommt und in der 13. beschließt, jetzt selbst austeilen zu wollen. Mit geballten Fäusten saß ich im Kino, und es fiel mir unglaublich schwer, mich nicht zu ducken und nicht zu punchen. Vorher Training. Das Hochgefühl, als er die Treppen in Philadelphia hochlief, natürlich im dicksten Schneetreiben, oben die Fäuste gen Himmel gereckt, wie er in seinen grauen, ausgeleierten Baumwollklamotten und dem albernen Hut wie ein Wilder Gewichte gestemmt hat, dazu die Musik. Hätte ich diesen Film nicht im Kino, sondern zuhause gesehen, das ganze Haus
hätte ich vollgeschluchzt, so gerührt war ich.

Rocky, und zwar alle Teile bis auf den fünften, der ist irgendwie blöd und wahrscheinlich aus Geldnot entstanden, ist eine Filmreihe, die mich jedsmal aufs Neue motiviert hat und es immer noch tut. Wenn es mir nicht gutging und ich antriebslos war, habe ich mich früher auf die Couch gesetzt und mir die Teile I - IV angeschaut. Spätestens bei Teil II ging es mir wieder gut, ich hatte meine Kraft und Energie wieder und freute mich auf den nächsten Tag. Heute höre ich die Musik, bekomme Gänsehaut, punche ein wenig in die Luft und bin ebenso glücklich.

Und dieser Fastsechziger, zugegeben nach dem einen oder anderen Besuch beim Chirurgen, hat es geschafft, sich wieder so zu trainieren, dass man kaum einen Unterschied wahrnimmt. Klar, er ist älter geworden, aber allein damit, dass er diesen Film gedreht hat, beweist er, dass man alles tun kann, wenn man es mit Herz tut. Und wenn man bereit ist, eben auch ein bißchen für seine Ziele zu bluten. Im übertragenen Sinn. Wie groß war das hämische Echo, und jetzt verblassen all die jungen, wohltrainierten Block-Buster-Stars neben einem, der sich, wäre er ein deutscher Öffentlich-Bediensteter, schon seit 5 Jahren im Ruhestand befände. Und ich bin sicher: Es ist das Herz!

Noch bevor ich heute nachmittag ins Kino gegangen bin, habe ich gesagt, dass für bestimmte Ziele und Wünsche mein Zug abgefahren sei. Sylvester Stallone und Rocky Balboa haben mich eines Besseren belehrt. Herz habe ich genug, sogar ein zu großes, wenn ich dem Kardiologen, der es vor ein paar Jahren untersucht hat, Glauben schenken darf.

Eines allerdings würde ich für kein Ziel dieser Welt tun: Rohe Eier aus dem Glas trinken!

Naja, vielleicht doch, wenn es gar nicht anders geht...

17 Februar 2007

Sie können, aber nicht gut!

Heute bin ich zu St. Andreas übergegangen, ein unglaublich leckerer, leichter Rotwein aus der Ortenau. Glücklicherweise schmeckt er mir besser als dem Investor, und so kann ich wöchentlich das eine oder andere Fläschchen wegschleppen und in meine Höhle verbringen. Und das Virenersäufen macht gleich viel mehr Spaß.
Aber es scheint zu helfen; meine Wohnung ist geputzt, ich war ein paar Schritte an der frischen Luft; über die Optik wollen wir besser nicht reden. Mein Kopf fährt immer noch Karussell, da schwirren tausende von Gedanken herum, die sich einfach nicht fassen lassen wollen, Nanogedanken wahrscheinlich, rechtsdrehend. Ojemine, nein, ich bin weder Hooligan noch leugne ich den Holocaust - meine Gedanken drehen auch links, richtiggenommen drehen sie in überhaupt keine Richtung, sind völlig unpolitisch, wirklich! Ich gehe nichtmal wählen, weil mir das Affentheater zu blöd ist. Bitte nicht weitersagen, ich weiß, dass ich meine staatsbürgerliche Pflicht vernachlässige, finde aber diesen klitzekleinen Protest nicht so gravierend wie die selbstzufriedene Mästung der Damen und Herren Entscheidungsträger. Nein, ich denke, diese im stillen Kämmerlein und ohne unliebsame Zeugen (Sie sind die Einzigen!) getroffene Vereinbarung ist in Ordnung: Berlin bekommt das Geld der Lobbyisten, und ich behalte dafür meine Stimme. Ich schweife. Aber ich bin entschuldigt, hatte ich doch bereits angekündigt, dass meine Gedanken drehen, in welche Richtung auch immer.

Es ist Unruhe, ein Gefühl, als hätte ich irgendetwas vergessen, etwas Wesentliches, als sollte ich eigentlich etwas anderes tun als ich gerade tue. Ganz sicher sollte ich nicht FreeCell und Solitaire spielen. Tue ich aber. Hilft es beim Sortieren der Nanogedanken? Eher nicht, es packt nur einen sehr großen Deckel auf einen sehr kleinen Topf. (Irgendwie ist es großartig, ganz viel zu sagen, ohne etwas preiszugeben!) Es ist nur in meinem Kopf... Wo auch sonst?

Wird es Frühling? Es ist immer noch relativ kalt, aber immerhin scheint nach fast zwei Wochen Dauerregen endlich einmal die Sonne. In meinem Kopf ist noch nicht wirklich Frühling, mein innerer Bär befindet sich noch in tiefstem Winterschlaf, und das Eichhorn (ein weiterer meiner tierischen Anteile) hat noch nicht alle Nüsse aufgefressen. Soviel Zeit muss aber sein.

Gestern habe ich "Das Lied von Troja" gelesen, ein sehr schönes Buch, das die Sage des Krieges um Troja aus der Sicht der verschiedenen ProtagonistInnen erzählt. Helena war vielleicht eine blöde Kuh! Nichts im Kopf als Busen zeigen, sich flachlegen lassen und Haare kämmen! Dann möchte ich doch lieber Amazonenkönigin sein, auch wenn ich von Achilles erschlagen werden würde! Nein, ernsthaft, wie kann man sich nur damit zufriedengeben, Beiwerk und Vorwand zu sein? Erst wird man mit einem hässlichen König verheiratet, der jede Nacht das gemeinschaftliche Ehebett heimsucht, dann kommt so ein nichtsnutziger Schönling daher, es wird einmal gevögelt, und ab gehts in die Fremde, wo einen alle schrecklich finden und für eine Art Weltkrieg verantwortlich machen. Und was macht der Schönling? Geht stiften und vergnügt sich mit der nächsten Dame.
Nein, ich hätte das alles ganz anders gemacht: Vater abgemurkst (Warum sollte man einen Vater schonen, der einen nur um des Machterhalts willen mit einem rothaarigen Halbaffen verheiratet?), Brüder verjagt, Thron bestiegen, gut ist! Ab und zu kann man sich dann einen hübschen jungen Kerl in die Federn holen und nach vollbrachter Vergnügung wieder verjagen. Oder köpfen, wenn es nicht nett war. Auf diese Art gibt es Macht, Kinder, man muss nicht kochen, und niemand geht einem damit auf die Nerven, dass er einem die Welt erklären will. Naja, war wohl nicht dran damals. Oder es war eigentlich so, aber das Patriarchat hat einmal mehr zugeschlagen und die Geschichte kurzerhand gefälscht.

Das bringt mich auf Knossos. ArchäologINNEN gingen in der Mehrzahl davon aus, dass die minoische Kultur in/auf Knossos zumindest matriarchalische Züge gehabt hat. Dann erklären sich auch viele der Rätsel, die Mr. Evans in seinem Männerschädel nicht lösen konnte. Frauen sind nämlich ebenso über den Stier gesprungen wie Männer, ein Jüngling wurde geopfert, das Labyrinth könnte ebensogut als ein sehr alter Initiationsritus interpretiert werden.

Erstaunlich, was mein Kopf so veranstaltet, wenn ich ihn laufen lasse. Vor einer halben Stunde habe ich mich an den PC gesetzt mit der Idee, ein Märchen schreiben zu wollen. "Es war einmal..." hatte ich schon vorformuliert. Und jetzt springt er über irgendwelche Nanos (Kann sich das außer mir noch jemand nicht vorstellen?) zu vollgefressenen und korrupten Eliten, von dort zur schönen Helena (Zicke, dämliche!) und weiter nach Knossos und ins Paradies, denn nichts anderes kann das Matriarchat, das echte und unverfälschte, gewesen sein! Das war ein Witz, ehrlich! Ich finde Männer einfach großartig und bin der Ansicht, dass unsere derzeitige Gesellschaftsform keinerlei Verbesserungen bedarf.
Wo kämen wir denn auch hin, wenn eine siebenfache Mutter aus reichem Hause, die ihren Ehemann zur Erziehung der Brut verdonnert hat oder - noch schlimmer - diese (Brut und Erziehung) an FREMDE Menschen delegiert, das C im Parteilogo, der deutschen Familie vorschriebe, wie lange sie zu kommunizieren hat? Die tatsächlich die unglaublich revolutionäre, gesellschaftssystemstürzende Ansicht vertritt, dass eine Frau, die einen Beruf erlernt hat, diesen trotz Nachwuchs auch ausüben sollte? Wo soll das denn hinführen? ANARCHIE! CHAOS! Wer soll denn nachmittags die Gerichtsshows ansehen, wenn die Weiber jetzt auch noch arbeiten? Andererseits - die Frauen, die nachmittags Gerichts- und Talkshows schauen, sind wahrscheinlich keine Stütze des Bruttosozialprodukts, behaupte ich jetzt einfach ketzerisch. Zurück zum Thema: Gleiches Geld für gleiche Arbeit? Gleiche Aufstiegschancen? Väter- und Mütterzeit? Ja, wollt Ihr denn Mädels aus den Jungs machen? Wie sollen wir denn bei Pisa und Unicef hinten bleiben, wenn wir auf einmal anfangen, uns um den Nachwuchs zu kümmern? Und wie sollte der gemeine Mann dahingehend erzogen werden, dass er nicht nur weiß, was sich im Kühlschrank befindet, sondern auch, wieviele Kinder sich gegenwärtig im Haushalt aufhalten und welche davon von ihm höchstpersönlich unter Anstrengung und Herausgabe seines kostbarsten Gutes gezeugt wurden? Sollten wir nicht langsamer beginnen und ihn zunächst von all diesen anstrengenden Positionen befreien? Chef? Minister? Manager? Abteilungsleiter? Polier? Feldwebel? Sollten wir ihm nicht seine Freiheit zurückgeben, auf dass er im Wald herumstreifen, an wehrlosen Ästen rütteln und dabei ein wenig grunzen kann? Das täte z.B. den Herren der CDU, die sich so verängstigt über das Ende des klassischen Familienmodells äußern (Hallo, Herr Seehofer, wie sieht IHR Familienmodell aus? Muslimisch? Dann dürfen Sie noch 3, und dieser Kölner Kardinal muss die Klappe halten.), sehr gut. Nicht irgendwelchen unqualifizierten Mist in Mikrofone plappern, obwohl niemand sie gefragt hat, nein, Hosen hochgekrempelt und ab in den Wald, grunzen und rütteln! Lächerlicher können Sie sich nicht mehr machen, meine Herren!

Nein, ich meine nichts ernst. St. Andreas ist ein leckerer Wein, ich kann ihn allerwärmstens weiterempfehlen, zumal allein der Besuch des Weingutes ein Erlebnis ist. Die haben einen Glasfußboden, und man kann den Weinkeller sehen. Außerdem gibt es einen unglaublich netten Hund dort. Und die Weinberge sind schön, ganz besonders nach zwei Wochen Todesangst in den spanischen Sierras.

Ob Viren schwimmen können? Nicht so gut wie wild im Kreis drehende Gedanken.

16 Februar 2007

Können Viren schwimmen?

Ich bin sehr beschäftigt heute abend. Ich ersäufe Viren. Schnupfenviren. Im besten Fall sind sie morgen tot, im schlimmsten habe ich eben noch mehr Kopfschmerzen. Dazwischen liegt mit ca. 50% die Wahrscheinlichkeit, dass ich zwar immer noch erkältet bin, es aber nicht mehr merke, weil das Betrunkensein mehr Energie in Anspruch nimmt. Klingt nett. Klingt vor allem nach durchschlafener Nacht.

Ja, ich jammere! Woher, bitteschön, weiß mein blöder, nichtsnutziger Körper immer so genau, wann ich Krankheit am allerwenigsten gebrauchen kann? Wahrscheinlich sollte ich dankbar sein, dass ich meine Stimme noch habe und durch schnelles und konsequentes "InsBettLegen" und mit einem gehörigen Quentchen Glück größeren Schaden abwenden kann. Möglicherweise. Trotzdem. Was soll das, zum Teufel? Weicheier kriegen Schnupfen! Schreibtischstuhlanwärmer und Urlaubsgeldempfänger, aber doch Selbständige nicht! Können oder wollen die sich nämlich entweder nicht leisten oder sind immer noch auf dem "Ich-bin-untentbehrlich-Trip" unterwegs, der sie rasch zu den anderen Unentbehrlichen auf den Städtischen Friedhof befördern wird. Warum also ich? Ich ernähre mich gesund (naja, gut, ich versuche mich zu bemühen...), treibe regelmäßig Sport (5 - 6 Stunden am Tag sollten doch wohl reichen!), schlafe ausreichend (mehr als das in meiner Bärenphase) und bin glücklich und zufrieden mit meinem Leben. Was soll der Sch... dann bitte? Andere waren eher dran.


Ja, ich hadere auf das Allerausgiebigste, mit meinem Körper
und mit meinem Schicksal! Habe noch vor einer Woche getönt, dass ich nicht krank werde, weil ich das abbestellt habe. Wahrscheinlich haben die Postboten des Universums mein Bestellformular verschlampt, sind möglicherweise ja auch Beamte, die nicht nach Leistung bezahlt werden und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall bekommen.

Bei der Gelegenheit würde ich mich gern für einen Moment über all die Geplagten und Gebeugten mit ebendieser Lohnfortzahlung und dem sicheren Arbeitsplatz auslassen. Da zwickt es ein wenig im rechten Schulterblatt, und schon lässt man sich zunächst für zwei bis drei Wochen krankschreiben. Zu schwer gehoben? Na, da gibt es doch gleich einen Nachschlag! Sie behaupten, ich hätte mir das ausgedacht? Ich behaupte, dass ich einige dieser Dauerkranken im Öffentlichen Dienst persönlich kenne!

Themawechsel. Hatte ich schon erwähnt, dass ich gerade überhaupt nicht glücklich bin? Nein? Jedes Jahr wieder bin ich sicher, dass der Erkältungs- und damit Existenzangstkelch an mir vorüberzieht, und jedes Jahr wieder belehrt mich mein Körper eines Besseren. Gern überkommt es ihn Ende Februar, wenn doch eigentlich das Schlimmste überstanden sein sollte. Eine gute Freundin von mir gibt auch bei Fieber Kurse, und ich frage mich jedesmal, wenn ich selbst erkältet bin, wie sie das nur macht. Ist wahrscheinlich deutlich härter im Nehmen als ich. Vielleicht steckt tief in mir ja auch eine Beamte?? Ich deliriere, scheint mir.

Ja, natürlich sollte ich in der Lage sein, etwas Vernünftiges zu Papier bzw. zu PC zu bringen, wenn ich auf das Allerausgiebigste jammern kann! Kann ich aber nicht, und bis vor zwanzig Minuten war mir auch nicht bewußt, dass Jammern in Schriftform möglich wäre. Nach einer Flasche Rotwein kann ich möglicherweise sogar dichten.

Nun, ich habe ja noch zwei Tage Schonung vor mir - eine gute Gelegenheit, endlich meinen Schreibtisch aufzuräumen, zu dichten, zu planen, meine Wohnung zu putzen und mir nicht mehr ganz so fürchterlich nutzlos und weicheierig vorzukommen wie während der letzten beiden Tage. Hatte ich schon erwähnt, dass ich Unpässlichkeiten jeglicher Art hasse?

12 Februar 2007

Was wäre, wenn Abenteuer nicht soviel kosteten?

Der Regen prasselt an meine Dachfensterscheibe, dabei waren vor einer Stunde noch eine Menge Sterne zu sehen. Weg sind sie. In meinem Kopf prasselt es auch irgendwie. Gedankenüberschläge im Viervierteltakt, auch ein paar schnellere Flicflacs sind dabei. Was wäre, wenn ich manchem Bedürfnis nachgäbe und das täte, von dem ich glaube, dass es ausprobierenswert ist? Es gibt noch so viele unentdeckte Landkarten. Wie würde es sich anfühlen, wenn ich alle, wirklich alle meine Ideen und Fiktionen umsetzte? Wäre es wichtig, wie es sich für andere darstellt? Würde ich dann noch Wert auf Meinungen legen?

Als Kinder haben wir all unseren Bedürfnissen nachgegeben, und wir haben uns keinen Deut darum geschert, wem wir dabei auf die Füsse treten könnten. Schließlich waren unsere Füße meist die kleineren. Irgendwann lässt dann der kindliche Egoismus nach, und nur noch besonders mutige Menschen wagen den Schritt ins Abenteuer. Ich denke an Reinhold Messner, Arved Fuchs, an Gertrude Bell, Lene Gammelgaard. Sie alle haben ein Ziel gehabt, haben dafür gelebt, dafür gearbeitet, vielleicht sogar nahestehende Menschen verlassen oder verletzen müssen. Und sie haben es erreicht, unter Opfern, gelitten haben sie, aber sie sind angekommen.

Es regnet nicht mehr.

Manchmal sind es auch gar keine Ziele, manchmal sind es einfach Wünsche, vorpubertär einige von ihnen, unreif (was für ein unglaublich blödes Wort!), egoistisch, undurchführbar. Aber wer beschließt, dass irgendetwas nicht machbar ist? Letztlich beschränken wir uns doch selbst, bauen uns unsere eigenen Zwangskäfige zusammen und beschweren uns dann, wenn wir auf der Stange sitzen und nicht gefüttert werden.

Ich weiß, was ich täte, wenn ich keinerlei Rücksichten zu nehmen hätte, wenn es diesen klitzekleinen Zwangskäfig nicht gäbe, wenn ich wie jede x-beliebige Märchengestalt einfach nur dreimal aufstampfen und sagen müsste: "Ich will, dass...!" Werde ich es irgendwann einmal tun? Werde ich irgendwann einmal den Mut haben, dem größten Traum zu folgen? Es ist leicht (glaube ich zumindest), einen Traum zu leben, wenn das, was man dafür verlässt, nichts Lohnens- oder Lebenswertes ist, immer vorausgesetzt, man sitzt eben nicht in diesem Käfig und wartet auf Futter, Wasser und Wunder. Schwierig wird es, wenn es eine bestmögliche Alternative gibt. Ist dann noch Raum für Mut?

Gedankenpirouetten eben. Das war gerade ein doppelter Lutz. Ich kann auch dreifach, wenn es darauf ankommt.

Vor langer Zeit bin ich einmal mitten in der Nacht spontan nach Südfrankreich aufgebrochen, weil ich das Bedürfnis hatte, Auto zu fahren und auf die Suche nach einer guten Champagnerkellerei zu gehen. In Bad Sooden-Allendorf bin ich umgekehrt und habe mir an der letzten noch offenen Tankstelle zwei Sechserträger Bier gekauft. War auch schön. Jedenfalls hatte ich damals nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben.
Auch meine Ägyptenreise war relativ spontan, trotzdem glaubte ich niemals, eine Abenteurerin zu sein. Ich brauche einen Fön und Bücher, und bei Abenteuern kann man die meistens nicht mitnehmen, weil man Platz braucht im Gepäck für Zelt, Messer und Überlebenskram.

Will ich eine Abenteurerin sein? Manchmal schon, im Kleinen, Sicheren. Viele der Wünsche, die ich habe, haben sehr viel mit bedruckten Papierscheinchen und der Sicherheit, die sie bieten, zu tun. Kein Abenteuer eigentlich, nicht, wenn man mit Netz und doppeltem Boden arbeitet und einen Fön will. (Und Gesichtscreme, Bücher, Deo, Kamm, Sonnenbrille und Wäsche zum Wechseln.) Für den Mt. Everest wäre ich jedenfalls nicht geeignet. Aber da will ich auch gar nicht hin, jedenfalls nicht nach ganz oben, wo es keine Luft mehr gibt. Nein, ehrlich gesagt, reicht mir der Mt. Everest aus zweiter Hand, und ich leide mit jedem und jeder mit, die ein paar Finger, Zehen oder Lungenbläschen dort lässt.

Aber was dann? Ich sehe das Bild vor meinem inneren Auge, es ist bunt, groß, klar und bewegt. Seltsamerweise bin ich nicht gealtert, höchstens ein paar graue Haare. Es zieht an meinem Herzen und nimmt mir meine Ausgeglichenheit, denn ich kann nicht so tun, als wollte ich nicht, was ich doch so dringend wünsche. Und ich kann auch nicht so tun, als hätte ich den Mut, es einfach zu tun, weil ich den Mut eben nicht habe. Bin wie ein Bergsteiger, dem schon im Basislager die Knie zittern und der trotz jahrelanger Vorbereitung den Gipfel niemals erreichen wird.

Bouldern in der Kletterhalle ist auch nett.

08 Februar 2007

Schnee und all sowas

Obwohl ich heute die unterschiedlichsten Stundenformate gegeben habe, ist von diesem Tag hauptsächlich die fünfzehnminütige Schneechaosfahrt hängengeblieben. Weitgehend schneefreie Strecke, leider blockiert von ein paar Schnarchtatzen, die wegen des Wintereinbruchs in Großbritannien sicherheitshalber schon im Landkreis Northeim Schrittgeschwindigkeit fahren. Nein, das Problem im Winter sind nicht fehlende Winterreifen, sondern fahrerisches Unvermögen! Warum machen die das? Warum setzt sich jemand hinter sein Lenkrad, riskiert eine Blockierung der Halswirbelsäule, einen Infarkt oder Tinnitus, um sich mit seinem Fahrzeug (den Blick starr geradeaus gerichtet, das Gesicht entstellt vom Entsetzen, das diese Fahrt in widrigen Witterungsverhältnissen in ihm auslöst) in einer Geschwindigkeit zu bewegen, bei der er Gefahr läuft, von einem Rentner, der seinen Rollator spazierenschiebt, überholt zu werden? Warum riskiert er, dass irgendein hinter ihm zum Langsamfahren gezwungener Mensch, der es eiliger hat als er, sein Fahrzeug auf der Landstraße parkt, in moderatem Lauftempo den Schleicher erreicht, ihn aus seinem Auto zerrt und dann vom Leben zum Tode befördert? Was hat dieser Mensch um diese Uhrzeit auf der Straße zu suchen? Er hat Angst, und er sollte zuhause bleiben, sich das lustige Flockengeriesel vom sicheren Fensterplatz aus anschauen und seine Wohnung erst im Frühling wieder verlassen.
Nein, ein Gesetz, dass das Aufziehen von Winterreifen vorschreibt, ist absolut überflüssig. Wir (und damit meine ich die FahrerInnen, die das Autofahren im Schnee gelernt und nicht wieder vergessen haben) brauchen keine Winterreifen, wir brauchen freie Straßen! Und wenn Sie sich jetzt angesprochen fühlen und beim Gedanken an den morgigen Weg zur Arbeit ein leises Zittern verspüren (für Mecklenburg-Vorpommern wurde bereits überfrierende Nässe angekündigt), nutzen Sie doch die Zeit bis zum Schlafengehen und informieren Sie sich über den Öffentlichen Personennahverkehr. Da werden Sie von einem Profi sicher und bequem chauffiert und blockieren MIR nicht die Straße.

Allein bei der Vorstellung, so ein nichtsnutziger Autoamateur wäre mir heute nachmittag entgegengekommen, als ich auf der Ortsdurchfahrt mitten in einer Kurve ins Schleudern geraten bin und dann doch beide Fahrspuren benötigte, um die Pirouetten, die mein Auto mit mir gedreht hat, auch wirklich genießen zu können, wird mir ganz schlecht. Bitte, bleiben Sie unbedingt zuhause!

Themawechsel. Heute durfte ich den Querschnitt durch fast alles, was Kurs ist, erleben. Vormittags Yoga mit einer Gruppe, die schon so trainiert ist, dass ich sie, von ein paar Korrekturen abgesehen, einfach machen und ihre eigenen Bewegungen genießen lassen konnte, die unglaubliche Freude darüber, wie innerhalb recht kurzer Zeit auch (falsch: gerade!) die älteren unter ihnen eine Beweglichkeit und einen Ehrgeiz an den Tag legen und die positive Rückmeldung nach dem Kurs.
Mein persönlicher Höhepunkt an diesem Vormittag: Entspannung. Ich habe von einer auf dem Wasser treibenden Luftmatratze erzählt, von der Sonne, die scheint, von warmem Wasser und blauem Himmel. Eine der Teilnehmerinnen sagte mir nach dem Kurs, sie hätte kurz gedacht "Verdammt, ich habe die Sonnenmilch vergessen!"
Nachmittags dann erst eine wilde Bande von 11 Jungen und 2 Mädchen, 8. Klasse, eine Art anarchistisches Durcheinander. Wir hatten trotzdem Spaß. In der nächsten Stunde durfte ich mich dann mit einer Gruppe von Kindern im Grundschulalter vergnügen. Sie haben mir Energie gegeben für den Rest des Tages. Kinder sind großartig! Sie sind kreativ, wild, ehrlich, rücksichtslos, (oft auch rücksichtslos ehrlich...), lauter kleine Herausforderungen auf Füßen.
Heute abend dann noch zwei Kurse, auf die ich mich zwar einerseits gefreut habe, die andererseits aber doch wie zwei Berge vor mir standen, über die ich noch zu klettern hatte, bevor ich in die Badewanne durfte. Habe mir dann auch prompt den Rücken verzogen und hatte für einen Moment ernsthaft Sorge, dass ich aus einer Position, die mich, hätte ich sie über längere Zeit nicht verlassen, der Lächerlichkeit preisgegeben hätte, nicht wieder in eine aufrechte Haltung komme. Nachher, in meiner Schlafhöhle, werde ich mich ganz klein zusammenrollen und genießen, dass ich gerade keine vorbildliche Haltung zeigen muss. Ich übe jetzt schon und bin weit von einer ergonomisch wertvollen Sitzposition entfernt. Egal.

Komisch. Abgenommen habe ich kein Gramm, dabei ist abnehmender Mond.
Ach, ich wäre so gern ein Bär!

Wie alle wissen, kann man ja Bestellungen beim Universum aufgeben. Ich habe mir schon Männer bestellt, Parkplätze (Was übrigens besser funktioniert hat; bei der Männerbestellung habe ich den kapitalen Fehler gemacht, alles das anzugeben, was ich nicht will. Sie fragen sich, wo das Problem ist? Bestellen Sie doch einmal bei Quelle keinen Pullover, bloß nicht grün, ohne Rollkragen und auf gar keinen Fall Größe 38! Was glauben Sie, was Sie bekommen?), Jobs und Gesundheit (geht auch für andere). Vor ein paar Tagen habe ich mein nächstes Leben bestellt: Ich werde ein männlicher Braunbär in einem Naturschutzgebiet sein, unbelästigt von Besuchern, Tierärzten, Forschern und Wanderern. Wenn die dann doch kommen, darf ich sie fressen. Oder totspielen. Mein Leben wird aus Honig, Lachs und Schlafen bestehen. Meine Liebste beeindrucke ich durch heftiges Rütteln an wehrlosen Bäumen, und um die Erziehung der Gören kümmert sie sich, während ich mein Leben lebe. Ich werde sehr alt werden, eines natürlichen Todes sterben und im übernächsten Leben eine Katze bei einem ordentlichen und verantwortungsvollen nackten Zweibeiner sein, der mich liebt, mir Thunfisch und Tartar mit Ei kredenzt, mich regelmäßig krault und in seinem Bett schlafen läßt.

"Bett" ist übrigens ein gutes Stichwort - ich wünsche allen eine geruhsame Nacht mit bunten Träumen!

07 Februar 2007

Kreta, was sonst?

Gerade habe ich meinen allabendlichen Spaziergang beendet. Wer sich nicht vorstellen kann, was Kreta Besonderes zu bieten hat oder einfach einmal schauen und träumen möchte: www.kreta-impressionen.de. Kreta zieht. Ich sehe vor meinem inneren Auge all die Stellen, die mir so vertraut sind und nach denen ich eine unglaubliche Sehnsucht empfinde. Nein, ich brauche kein Australien, Bali, Malaysia, Sch.. auf die Malediven, die Bahamas und alle Kreuzfahrtschiffe dieser Welt! Wenn mir jemand sagte, ich dürfte für den Rest meines Lebens nur noch nach Kreta reisen, würde ich ihn totknutschen. Und wenn er mir sagt, dass die Flugverbindung abgeschafft wurde, nehme ich das Schiff. Oder das Auto. Oder ich fahre mit dem Fahrrad. Laufen würde ich nötigenfalls auch, allerdings müßte ich dann ein paar Jahre dort bleiben, um mich von der Anstrengung zu erholen.
Nein, ich brauche nichts anderes! Und wenn mich jemand für langweilig oder unflexibel hält deswegen, interessiert mich das extrem peripher. Mir reichen ein paar schöne Fotos von Pitsidia, dem Künstlerdorf, von Matala, wo einst Cat Stevens große Teile von "Tea for the Tillerman" geschrieben hat, um mich ins Träumen, Schwärmen und Schreiben zu versetzen. Ich liebe meinen Job, mein Leben, so, wie es gerade ist (na gut, ich hätte gern ein paar mehr von diesen bedruckten Papierscheinchen...), sehe viele neue Perspektiven und Aufgaben. Und doch zähle ich seit meiner Onlinebuchung die Tage bis zum 20.05., wenn ich mich um 4.00 Uhr morgens in den Flieger setzen und in meine andere Heimat fliegen darf.
Ja, ich kenne die Stellen, die mich immer wieder anziehen, kenne manchmal sogar einen einzelnen Stein! Das hat meiner Wiedersehensfreude noch nie geschadet. Ich kann die Augen schließen und befinde mich ein paar Sekunden später am Red Beach, direkt bei den Göttern, mitten im Mystischen.
Soll die Welt verreisen, fremde und exotische Plätze kennenlernen, sollen sie tauchen im Roten Meer, im Himalaya herumklettern, Wale beobachten und Eisbären. Ich werde meine Füße derweil im warmen Sand vergraben und sein.

05 Februar 2007

Träume

Und jetzt muss ich dringend ein paar Träume loswerden.

Leben ohne Kontoauszüge.
Kretisches Licht jeden Tag.
Knallrote Tulpen in einer blauen Vase.
Frieden. (Innerer Frieden, und sch... auf den Nahen, Fernen oder anderen Osten!)
Verständnis, Fühlen mit dem Gegenüber, vielleicht sogar weinen mit dem Gegenüber.
Hundeaugen, vertrauensselig, und niemand enttäuscht sie.
Autofahrer, die lieber ihr Auto kaputtfahren als ein über die Straße laufendes Tier zu töten.
Frauen, die lieber Falten haben als sich im Tierversuch getesteten Mist in die Augen zu schmieren.
Eine zusammengerollte Katze vor meinem nichtvorhandenen Ofen.
Menschen um mich herum, die ich fühlen kann.
Menschen um mich herum, die das fühlen können.
Mitgefühl.
Anerkennen, was ein anderer Mensch leistet.
Wertschätzung.
Gleichberechtigung (und damit meine ich nicht nur die zwischen weiblichen und männlichen Menschen).
Offenheit.
Die Sensibilität für die Schönheit, die in einem nebligen Februarmontag liegt.
Dankbarkeit für das, was ist.
Leben eben.
Es ist Montagabend, und ich habe mir bereits einen derartigen Muskelkater beigebracht, dass ich fast eine Flasche "Antimuskelkateraromaöl" auf meinen diversen Wehwehchen verteilt habe. Dabei habe ich gestern gar keinen Sport gemacht, sondern "nur" NLP. Aber wahrscheinlich haben all die Personen in meinem Kopf, die während des Wochenendes wild herumgesprungen sind mit dem einzigen Ziel, mich zu verwirren (Herzlichen Dank, Jungs und Mädels, es ist Euch gelungen!), mir eine Art mentalen Muskelkater beschert, der sich heute in mangelhafter Leistungs- bzw. Leidensfähigkeit niedergeschlagen hat.
Übrigens bin ich nur ein ganz kleines Bißchen

Einschub: Da treffen sich jetzt gleich diverse neue Rechtschreibregeln, und ich bin zugegebenermaßen völlig überfordert: Früher, als alles, also auch Rechtschreibung und Grammatik, noch nach dem Denken intelligenter Menschen ausgerichtet war, konnte ich die richtige Schreibweise vor meinem inneren Auge sehen. Heute sehe ich eine 25-jährige Grundschullehrerin mit grünen Haaren, die sagt, es käme auf den Inhalt und nicht auf die Form an. Mit solchen Wesen, die eine Intelligenznivellierung in Richtung Analphabetismus anstreben, damit sie nicht mehr soviel denken müssen, habe ich mich schon vor zwanzig Jahren während der Lernerei für das Große Latinum herumgestritten. Sie (die Grünhaarigen) waren nämlich der festen Überzeugung, Auswendig- oder Überhauptlernen sei schuld an echt fiesen Psychosen, Neurosen und anderen -osen.
Früher also wurden nominalisierte Wörter groß geschrieben. Ein ß war ein ß, egal, ob scharf, weich, gezischt oder gesäuselt. Heute muss ich mich entscheiden (bei "muss" übrigens auch), ob es sich um ein scharfes oder ein weiches sss handelt und ich demzufolge auch weiterhin ß schreiben darf oder ss schreiben muss. Inzwischen habe ich mich eigentlich für ss entschieden. Kann ja sein, dass ich eines Tages mit amerikanischer Tastatur schreiben muss, die seit ewigen Zeiten ohne ß auskommt.

Was bin ich nur ein ganz klein wenig (gut herausgelogen aus dem Dilemma!)? Da habe ich doch über dem Philosophieren (nein, das werde ich NIEMALS mit F schreiben!!!!) den Faden verloren. Ich entschuldige mich, beende mein Schulterklopfen, mit dem ich mich bis eben für mein Durchhaltevermögen während des vergangenen Wochenendes gelobt habe, und trete mir stattdessen kräftig auf den Fuß (Ups, ein ß!), weil ich nicht in der Lage bin, einen Satz zuende zu bringen. Muss mich also wieder mit meinem Familiennamen anreden. Das mache ich immer dann, wenn ich nicht besonders zufrieden mit mir bin.

Ich sage oft "Scholze" zu mir, und Höflichkeiten wie "Frau Scholze" schenke ich mir.

Viel ist es ja auch nicht, was ich zu leisten in der Lage bin. Da habe ich nach dreissig Minuten Schattenboxen schon keine Luft mehr und sage Trinkpausen im Fünf-Minuten-Rhythmus an, schlafe, als gäbe es eine Menge Geld pro bewusstloser Lebensstunde, entschuldige heftigste Gewichtsschwankungen mit meinem Nahrungsbedürfnis (die Neandertaler wären den Weg der Dinosaurier gegangen, wenn sie soviel Schokolade und Fabrikeis gefressen hätten) und der Tatsache, dass ich mich schließlich (keine Ahnung, warum da jetzt ein ß sein soll, es fühlt sich irgendwie richtig an) dafür belohnen muss, ganz allein meine Autotür geschlossen zu haben. Und meine einzige Entschuldigung ist die Erschöpfung nach mentaler Anstrengung während des Wochenendes. Wobei ich bis vor NLP niemals gedacht hätte, dass "mental" und "Anstrengung" in einen Satz gehörten.

Scholze, Du schwafelst. Halt die Klappe und geh ins Bett.

03 Februar 2007

Eigentlich wollte ich doch...

Heute muss ich ein ernstes Wort mit meinem inneren Bären reden. Er boykottiert alle meine Vorhaben, indem er einfach weiterschläft. Gestern wurde mir eine sehr plausible Erklärung für diese anscheinend doch nicht so seltene Form der Schlafkrankheit angeboten: Es ist schon die Frühjahrsmüdigkeit. Das würde dann allerdings bedeuten, dass ich vom Winterschlaf nahtlos in die Frühjahrsmüdigkeit geglitten wäre, ohne auch nur einen Fuß aus meiner Schlafhöhle gesetzt zu haben. Und das ist nicht logisch. Bären wachen irgendwann auf, sind schlank, hungrig und gehen auf die Jagd.
Ich wache irgendwann auf, allerdings nur, weil der Wecker klingelt, stelle fest, dass es noch viel zu früh zum Aufstehen und meine Schlafhöhle so schön warm und kuschelig ist und snooze mich eine Stunde weiter. Dann bin ich hungrig und gehe auf die Jagd nach Kaffee. Glücklicherweise muss ich dafür noch nicht die Höhle verlassen. Schlank bin ich leider trotz Hunger nicht, weil ich am Abend vorher wildesten Fressattacken nachgegeben und sowohl ökologisch als auch politisch (transfair) korrekte Schokolade in größeren Mengen verdrückt habe. Das macht neben dem guten Gewissen neue Speckrollen um die Hüften, aber wenn es den Amazonasindianern hilft...
Eigentlich mag ich diese Schokolade überhaupt nicht, hatte aber irgendwann einmal die Hoffnung, dass sie meinen Hunger auf Süßigkeiten schneller stillt wg. höherem Kakaoanteil. Ist aber piepegal, wenn nichts anderes da ist, esse ich die ganze Tafel und frage mich, wieso ich so bescheuert bin, nicht die unglaublich leckere Vollmilchschokolade mit den Karamellstückchen drin zu kaufen oder wenigstens die mit Ingwer.


Wie bin ich jetzt darauf gekommen? Achja, der Abend vorher. Das ist auch so ein Thema. Da komme ich hochmotiviert, randvoll mit Kreativität und Willensstärke nach meinem letzten Kurs nach Hause, wild entschlossen, nichts mehr zu essen (Nach 21.00 Uhr wird man nämlich fett, das weiß doch jeder, und David Kirsch, seines Zeichens Personaltrainer von Heidi Klum und anderen Supermodels, hat es sogar aufgeschrieben!) und stattdessen bei einem Glas ökologisch angebautem Rotwein der Schriftstellerei zu frönen. Oder die Göttliche Komödie zu lesen. Oder das Requiem von Mozart zu hören. Oder mein neues Hörbuch, den einzigen Roman von Rainer Maria Rilke.


Ich betrete also meine Wohnung, entledige mich meiner Arbeitskleidung, lasse Badewasser ein und warte darauf, dass die Wanne voll wird. Und freue mich. Ich habe nämlich überhaupt keinen Hunger! Den Rotwein nehme ich mit, aus Mozart wird Keith Jarrett, schließlich ist ja niemand gestorben. Später dann, am Notebook angekommen, spiele ich mich erst einmal ein, ein wenig Solitär, ein bisschen FreeCell, dann Trainer- und Kretaforum nach Neuigkeiten durchsehen. Da grummelt etwas in meinem Bauch. Ein klitzekleines Stückchen Käse könnte ich vielleicht doch essen? Ich habe den Gedanken kaum zuende gedacht, da finde ich mich mit einem 500g-Stück Appenzeller in der einen und einer Packung Reiskekse in der anderen Hand an meinem Notebook wieder. Gefolgt werden sie von einer Tafel Schokolade (85% Kakaogehalt, pfui Teufel!), einer guten Handvoll Rosinen, und irgendwo waren doch noch diese unglaublich leckeren und fettreichen Makadamianüsse...? Örgh.


Bin müde. Irgendwie. Und beschließe, heute etwas früher ins Bett zu gehen, um dann morgen früh mindestens eine Stunde Yoga zu machen, anschließend zu laufen, meine Wohnung zu renovieren, einen Roman zu schreiben und ein vegetarisches und fettarmes Fünf-Gänge-Menue vorzubereiten. Die Göttliche Komödie und Herr Rilke müssen warten, Tess Gerritsen ist gerade so spannend. Nach einer Seite schlafe ich ein.

Fortsetzung folgt, vorausgesetzt, ich werde wach.