29 März 2007

Ich komme gerade von einem Konzert nach Hause: "Sam White and the Black Keys" (hoffentlich richtig geschrieben...) In meinen Augen befinden sich unglaubliche Tränenmengen bei dem Gedanken daran, was hätte sein können. In meinem Herzen ist Stolz, denn das ist der Mann, der gekämpft und gewonnen hat. Ich hoffe, dass er auch stolz ist; er hat allen Grund dazu. Er hat wunderschöne Musik geschrieben. Er singt so intensiv, dass es mir das Herz zerreissen will, und er hat eine Präsenz, die alles, was ihm zugestoßen ist, ad absurdum führt. Ein Kämpfer, aber keiner, der prügelt, sondern einer, der sich selbst und die Angst niedergerungen hat. Glaube ich jedenfalls.

Heute war mir, als hätte es die letzten fünf Jahre nicht gegeben. Wünsche ich mir die Zeitmaschine? Gelächter wünsche ich mir, Humor, Milchtritt, Waldmäuse. Wird es nicht mehr geben, weil ich all das erschossen habe; die Waldmäuse sind tot. Gegrillt möglicherweise. Im Bauch irgendeines Ignoranten, egal, ob männlichen oder weiblichen Geschlechts.

Leben hat interessante Regeln. Töte, und vielleicht wirst Du überleben. Wenn nicht, töte jemand anderen, der mit dem Ursprungsmörder nichts zu tun hat, jemanden, der UNSCHULDIG ist.

Was war vor drei Jahren, was vor zwei? Die Fakten sind in meinem Kopf, aber kann ich auch die Gefühle zurückrufen?

Wenn ich genau nachschaue, sehe ich nicht nur einen Künstler, der Ruhm, Glück und Erfolg verdient hat, ich sehe einen Katzenvater, eine fiese Waldmaus, einen Kämpfer. Und noch einmal: DANKE!

Ich übernehme das für all die Kämpfe der nächsten Zeit.


28 März 2007

Es gibt so Tage...

Schön war es heute. Sonne, noch mehr Baumeier, von meiner Mutter habe ich einen wunderschönen, wildgeringelten Weidenstrauss geschenkt bekommen, den ich zu den geraden Forsytienzweigen getan habe, zwei Hörnchen und einen Schokoladenosterhasen mit Keks drin. Der Weidenstrauss ist mit Baumeiern versorgt (den restlichen, die ich im Oleander hatte; jetzt hat der Koala wieder Platz in seinem Heimatbaum), Osterhase und Hörnchen sind in meinem Bauch, zusammen mit einem Liter Nörten-Hardenberger Bier. Sehr lecker übrigens.

Mir schwirren alte und neue Gedanken im Kopf. Neu ist dieses Heimatgefühl, das ich immer dann bekomme, wenn ich auf die Dorfstraße einbiege, rechts das neu renovierte, wunderschöne Fachwerkhaus, die Steinbrücke über die Espolde (das ist ein Bach, der irgendwo im Solling entspringt), dann die Weide mit den Schafen, drei erwachsenen und einem Lamm, geboren im Januar, dessen Wachsen ich mit sehr viel Freude verfolge und das mir die Vorstellung, man könnte auf die Idee kommen, es zu essen, absolut unmöglich macht, weiter zum Reiterhof linkerhand, dort wohnt ein älterer Herr auf vier Pfoten, ein schwarzer Mischling mit grauer Schnauze, die Biegungen durchs Dorf, rechts und links Osterdekoration, bunte Primeln, Tulpen, Narzissen, alles, was jetzt blüht, dann "meine" Straße und "unser" (ist es wirklich für mich) Haus mit den Kunstwerken im Garten, freundlich, chaotisch, unaufgeräumt, lebendig. Wunderschön. Ich kann noch immer nicht fassen, dass ich solch ein Glück gehabt habe bei meiner Wohnungssuche.

Alt ist die Freude an meinen Kursen. Positive Resonanz, lächelnde Gesichter, die kleine Versammlung vor dem Kursraum, die niemanden ausgrenzt, sondern alle willkommen heisst, der Kaffee "danach".
Ebenfalls alt ist das Missfallen am Alterungsprozess. Bin ich so empfindlich, weil ich mich mit Riesenschritten auf das nächste Lebensjahr (das ich geflissentlich zu ignorieren gedenke) zu bewege? Beim Blick in den Spiegel fand ich, dass ich relativ junge Augen und einen beschissen alten Bauch habe. Nein, ich werde mich jetzt nicht über Schrumpel und Wöbber auslassen - bin alt genug, um es mit mir selbst auszumachen, ganz davon abgesehen, dass alte Frauen von Mitte dreissig, die ihr Leben vor dem Fernseher zu beschließen gedenken, neben dem Schrumpelbauch auch tote Augen haben. Mann, was habe ich es gut!

Eigentlich würde ich gern Henry Maske sehen am Samstag. Der ist auch alt, sieht aber im Verhältnis unschrumpeliger aus. Aber wer TV verweigert, muss ab und an den Preis dafür zahlen. In diesem Fall bedeutet es, das Ergebnis im Internet nachlesen zu müssen. Herzliche Grüße an die GEZ: Möglicherweise habe ich ein TV-fähiges Internet, aber weil ich zu blöd dafür bin, werde ich auch keinen Cent zahlen, es sei denn, die GEZ sponsert mir einen VHS-Kurs: "Fernsehen mit dem Notebook". Wenn das nicht passiert, werde ich mir beim nächsten Besuch eines GEZ-Wegelagerers die Bluse aufreissen, "Hilfe!" schreien, und ihn, bevor diese anrückt, ordnungsgemäß die Treppe hinunter- und in den Komposthaufen hineinwerfen. Vielleicht rufe ich aber auch "Überfall!" und erlege ihn mit meinem großen Küchenmesser. Oder dem Hammer. Oder ich zwinge ihn, all mein Trockenobst zu essen und mit den Reiskeksen zu spülen.

Wie komme ich jetzt darauf? Gerade war ich in der jüngeren Vergangenheit unterwegs, mit einer Mischung aus Erleichterung, Traurigkeit und Weißnichtwas. Bin unglaublich froh über alle ungelesenen Gedanken. Das Leben ist spannender im Ungewissen. Ohne Rituale, ohne Rhythmen. Im Off-Beat.

Ich habe heute Zitronenkerne eingepflanzt. 9 Stück. Bin gespannt, wieviele davon Bäume werden wollen - Platz genug habe ich ja...

Lyrik, ausgekotzt nach ein paar Stunden Sport

Ein Räuber bist Du,
hast mein Herz gestohlen.
Nichts blieb mir
als eine blutende Wunde.


Meine Seele
habe ich Dir
hinterhergeworfen.


Mein Geist starb
im Kampf um
meinen Verstand.

27 März 2007

Baumeier

Mann versteht mein Faible für bunte Baumeier nicht. Mann hat keine Ahnung! Baumeier sind Frühling, Vorboten für Ostern, sie sind bunt, freundlich, gutgelaunt. In jedem Vorgarten sollten mindestens 100 Baumeier hängen! Und es scheinen tatsächlich immer mehr zu werden.

Vor langer, langer Zeit, Südniedersachsen wusste nicht einmal, dass es Baumeier gibt, entdeckte ich die ersten bei einem Urlaub in Cuxhaven, dezent, nur ein paar hingen an einem Strauch pro Vorgarten. Aber ich fand sie unglaublich hübsch, sie passten zur Frühlingsstimmung und machten Lust auf Ostern, bunte, hartgekochte Eier, Schokoladeneier, Schokohasen, Apfelkuchen, Fisch am Karfreitag und Schnitzel mit Möhrchen und Erbsen am Ostersonntag. Manchmal gab es sogar Hühnerinnereien zum Frühstück, ganz frisch aus dem toten Huhn gepuhlt und mit Butter gebraten. Wirklich, es ist lange her; ich hatte noch keine Ahnung vom Fettgehalt in Lebensmitteln und Giftstoffen in Leber. Schön wars.

Inzwischen haben die Baumeier die Republik erobert. Ähnlich wie die Weihnachtsbeleuchtung, die teilweise ein ganz klitzekleines Bisschen zu amerikanisch ist, gibt es jetzt nicht mehr 20 Baumeier pro Vorgarten, sondern mindestens 100 pro Strauch. Aber da sie nicht blinken, sondern einfach nur hängen, mag ich den Anblick. Unter einem blauen Himmel wirken sie besonders hübsch. Jeder sollte Baumeier irgendwo hängen haben!

Meine befinden sich in einem Oleander, demselben, den ich aus dem Studio mitgenommen habe, um den Koala zu retten, der darin wohnt. (Ich hatte in einem früheren Post erwähnt, dass Koalas sterben, wenn man ihren Baum fällt, und ich bin sicher, das gilt auch für Stoffkoalas. Es geht mir gut. Ich bin fieberfrei.) Einige schmücken ein paar Forsytienzweige, alle anderen hängen am Treppengeländer und sind damit von Baumeiern zu Treppeneiern geworden. Zusammen mit den Baumeiern meiner Vermieter und den Dekorationen der Vermieterstöchter ist "unser" Haus mit Abstand das fröhlichste im ganzen Ort. Passt ja auch.

Und da im Frühling Aufbrauch, Neuanfang und die Überwindung des Winters stecken, habe ich mir in der Sonne liegend eine kleine Rückschau erlaubt. Habe heute nachmittag, beim Gedankenkino, ein paar alte Filmsequenzen angesehen, Wiederholungen, nichtsdestotrotz hochinteressant. Ich kann noch immer nicht so recht glauben, dass mein "neues" Leben tatsächlich schon länger als ein Jahr dauert, die Veränderungen, die ich begonnen habe, sogar fast zwei. Ich staune noch immer über mich, meinen Wagemut (oder Wahnsinn?), nach einem vermeintlichen Angekommensein den Bahnhof wieder mit unbekanntem Ziel zu verlassen. Inzwischen glaube ich nicht, dass ich jemals ankommen werde. Ich habe ja auch keine Fahrkarte in eine bestimmte Richtung gekauft, sondern ein Rundreiseticket. Und das erlaubt mir glücklicherweise, auch die alten Bahnhöfe noch einmal anzuschauen, den einen oder anderen neuen links liegen zu lassen und tagelang nicht auszusteigen. Natürlich habe ich Ziele, aber ich weiss auch, dass sie, sobald sie erreicht sind, zu Geschichte werden und es mich zu neuen drängt. Gerade jetzt ist so eine Zeit. Zwar bin ich noch nicht ganz da, aber ich sehe auf der Strecke, ein wenig verschwommen, dabei jedoch erkennbar, einen neuen Bahnhof. Er liegt in der Sonne, das Land drumherum ist braun und vertrocknet, es gibt hohe Berge und Meer.

Reisen ist schön. Träumen ist fast noch ein wenig schöner.

26 März 2007

Gedanken auf der Überholspur

Gedanken sind manchmal schneller als die Sprache. Neue Gedanken hingegen wollen zunächst mehrfach durchdacht sein, bevor sie unter Volk geworfen werden. Ich denke und denke und denke und bin mein eigenes Volk. Es ist schwierig, zu sagen, ohne mitzuteilen. Bin zerrissen. Einerseits will ich alles hinausschreien, was in meinem Gehirn spukt, unzensiert, in der Hoffnung auf Verständnis und Absolution, andererseits weiss ich, dass es Momente der Zensur geben sollte, nein, nicht die des vorwärtsgaloppierenden Gehorsams irgendwelcher eingebürgerter Muezzins oder bereits hier geborener Katholiken, sondern die, die versucht, der Verständnislosigkeit vorzubeugen.
Es sprudelt in mir, schreien könnte ich, mein Herz, mein Bauch haben schon vor langer Zeit meinen Kopf überholt, aber mein Mut hat mich verlassen. Wenn ich könnte, wie ich wollte, wenn ich den Mut hätte, das zu tun, was ich gerade tun will, ohne Rücksicht auf irgendwelche Konsequenzen, würde ich möglicherweise etwas anderes tun als das, was ich gerade tue. Mein Denken und mein Tun entfernen sich manchmal voneinander. Nein, falsch. Mein Denken, mein Wünschen, überholen mein Tun, und das ist gut so. Denn wenn ich nicht wünschte, was ich (noch) nicht tue, wüßte ich ja nicht, was ich haben wollen würde, wenn ich es bekommen könnte.


Annett Louisan: "Es fühlt sich dermaßen gut an, dass ich es nicht fassen kann." Sie hat es nicht selbst geschrieben. Egal. Die Bilder in meinem Kopf prügeln sich mit der Realität. Träumen will ich, fallen will ich, und den Absturz nehme ich in Kauf. Die Bilder haben Namen. Und ich habe Angst, mich selbst zu überholen.


Ich habe mich gut gehalten heute, im wahrsten Sinne des Wortes. Gleichzeitig Altes gelesen und Neues gefühlt. Frühling habe ich gefühlt, bunt, die eine oder andere gelbe Narzisse genossen, gleichzeitig mit mir gehandelt.
Wohin soll es gehen? Wann werde ich tun statt nur denken? Wann werde ich den Mut aufbringen, das Risiko einzugehen? Und es geht mir nicht nur um das Absenden eines beliebigen Manuskriptes, es geht mir um den Mut, vielleicht zu leiden, vielleicht sehr lange sehr traurig zu sein, aber versucht zu haben. Es geht mir darum, die Rituale zu durchbrechen, Ehrlichkeit in einer Form, die ich bisher niemals leisten konnte. Könnte ich sagen: "Ich will dieses!", wenn meine gesamte Umwelt behauptet "Jenes ist gut für Dich!"?


Eigentlich weiss ich, was ich will neben all der Schreiberei und dem Theoretischen. Ich kenne das Gefühl des "Es ist möglicherweise überhaupt nicht gut, aber ich MUSS es tun!" Das Gefühl, den Preis bezahlen zu wollen, auch wenn der Preis Zusammenbruch und Absturz bedeutet. Aber ist nicht alles besser, als in einem Status Quo zu verharren? Ist ein Hochgefühl, ein Prickeln der Seele nicht jeden Preis wert? Ist Leben Gewohnheit, oder ist Leben Abenteuer, Aufregung, Risiko?


Ich habe Höhenangst. Ich habe keine Angst vor meinem Inneren. Und ich träume davon, es nach aussen kehren zu dürfen.

Un...

Unlustig war ich, unruhig, manchmal etwas unmotiviert, vor allem aber unleidlich; ungesund war vieles, fühlte mich unfähig, ein wenig unglücklich sogar, leider auch immer noch unvermögend. Unvermittelt dann: Fieber, Zeit, Ruhe, Muße, Platz im Kopf.


Bin immer noch un..., aber anders: Politisch
unkorrekt bin ich und will ich sein, weil ich die "Schleichende Islamisierung", mit der sogar der Spiegel titelt, nicht hinnehmen werde, jedenfalls nicht in meinem privaten Bereich. Ich gedenke, meinerseits einen Titel zu finden für Fundamentalisten, die unter Missbrauch der deutschen Rechtsprechung (und die läßt sich missbrauchen, gern sogar, wie es manchmal scheint) ihre Form von Frauenrechtsverletzung einzuklagen versuchen: Es sind bärtige Rückständige, die sich mit einem Steinzeittraum in der Gegenwart bewegen, den Blick aber noch immer auf den Baum richten, von dem sie vor nicht allzu langer Zeit herabgestiegen sind, um sich auf zwei Beinen zu bewegen. Sie dürfen gern zurück auf die Bäume, vorausgesetzt, sie nehmen ihren nächsten Verwandten nicht die Schlafplätze weg.

Endlich fühle ich mich auch wieder
unkonventionell: Ich werde alles tun, um die Langeweile und die Routine aus meinem Leben wieder hinauszubefördern, die Unterschiede wieder schätzen lernen, ohne das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen. Rituale sind gut, immergleiche Abläufe sind unaushaltbar. Ein paar Tage waren ausreichend, um mich wieder in die Verantwortung zu nehmen. MEINE VERANTWORTUNG, nicht delegierbar und unverzichtbar. Ich kann Pläne verwirklichen, wenn ich welche habe.

Manchmal bin ich auch unfreundlich. Wenn ich "NEIN" sage, weil ich versuche, für mich zu sorgen. Wenn ich Freundschaften aufkündige, weil sie ohne Sinn für mich, unsinnig eben, sind. Wenn ich mich weigere, für einen Mann, dessen Herkunft ihn glauben lässt, Anspruch auf Platz zu haben, auszuweichen, sondern den Konflikt nicht nur riskiere, sondern suche, einzig mit dem Ziel, ihm zu zeigen, dass seine Welt sehr klein ist. (Oder bin ich hier wieder politisch unkorrekt?) Wenn ich mich weigere, etwas nur deswegen zu tun oder zu lassen, um eine Verletzung zu vermeiden. Meine Ansichten sind unverkäuflich.


Warum ich mir über un... Gedanken mache? Es ist negativ, weil es nicht zu etwas hin sondern von etwas weg strebt. Ich mag Wortspiele. Ich liebe es, Andeutungen zu machen mit der Idee im Hinterkopf, dass sie möglicherweise verstanden werden könnten, und dem recht sicheren Wissen, dass es nicht funktionieren wird. Menschen sind unverständlich. Angehende Möchtegernschriftstellerinnen sind viel zu selten unmissverständlich. Aber ich spiele so gern...

16 März 2007

Umbestellung des nächsten Lebens

Ich nehme alles zurück! Ich will im nächsten Leben doch lieber kein Bär sein, jedenfalls kein großer. Das Ärgerliche am Bärendasein ist, dass man immerzu gejagt wird, dauernd umziehen muss, weil man irgendwelchen menschlichen Ansiedlungen im Weg ist oder nichts mehr zu fressen findet, weil die Menschen schon alles weggefressen haben. Entweder ist man ein Bär, der auf die Rote Liste der aussterbenden Tierarten gesetzt werden muss, weil wir Menschen mit unseren Sprühdeos und der Großindustrie dafür sorgen, dass sein Jagdrevier kleiner und kleiner wird (der Eisbär nämlich), ein Problembär, der erschossen gehört, weil er die Unverschämtheit besitzt, in seinem Revier das eine oder andere Frühstück zu erlegen (nämlich Bruno) oder man wird eingefangen und zum Tanzbären, Gallenspender für potenzschwache Chinesen oder Attraktion eines Tierparks gemacht. Und mit Schlafen ist es sowieso vorbei, weil man andauernd auf der Flucht ist, Hunger hat oder mit Hubschraubern von A nach B gekarrt wird.

Nein, ich möchte bitte als Koala wiedergeboren werden, und zwar als naturgeschützter Koala auf Kangarooh Island in Australien, mit einem eigenen Eukalyptusbaum und regelmäßigen Streicheleinheiten des Wildparkwächters. Koalas halten nämlich keinen Winterschlaf, sondern schlafen jeden Tag 20 Stunden. Koalas haben es gut, vorausgesetzt, niemand nimmt ihnen ihren Eukalyptusbaum weg. Dann sind sie nämlich schlafstätten- und heimatlos und sterben. Und ich will ja nicht sterben, ich will schlafen. Und gefüttert werden, ohne mir Sorgen um meine Figur machen zu müssen.

Und damit kommen wir auf dem kleinen Umweg über Problembären und Australien zum eigentlichen Thema (hätte ich einen Therapeuten, dann wüßte er, dass ich gerade rote Heringe ausgelegt habe): Warum ist es so unglaublich schwer, sich in Ruhe zu lassen? Das ist auch so ein "Frauending". Frauen haben nie genug getan, sehen nie gut genug aus, gönnen sich keine Ruhe.
Verdammt, jetzt ertappe ich mich schon selbst bei meinen Vernebelungsversuchen... Also: Warum habe ICH nie das Gefühl, genug getan zu haben, renne mit riesigen "To-Do-Listen" in meinem Kopf herum und möhre mich an, wenn ich einmal länger als sechs Stunden schlafe? Glücklicherweise kann ich zumindest den letzten Punkt jetzt zu den Akten legen - ich habe nämlich gestern gelesen, dass Menschen, die nur fünf bis sechs Stunden schlafen, eher zu Übergewicht neigen. Ha! Ich DARF länger schlafen und tue damit gleichzeitig noch etwas für meine Figur! Großartig!
Ist ja auch logisch: Während ich schlafe, esse ich nicht, also esse ich umso weniger, je mehr ich schlafe. Ab ins Bett!
Trotzdem - ist es nicht irgendwie ein ganz klitzekleines Bisschen gestört, sich ausgiebiges Schlafen nur mit dem Argument zu erlauben, dass es gut für die Figur ist?

Eine Bitte an die LeserInnen: Wenn jemand einen Weg gefunden hat, den meisten Teil der wachen Zeit mit sich zufrieden zu sein, möge er oder sie mir bitte unbedingt eine Mail schicken - solange ich nicht kalt duschen oder in der Nordsee schwimmen muss, bin ich bereit, eine Menge zu tun, um diesen Zustand zu erreichen. Am liebsten wären mir allerdings Autosuggestion oder Selbsthypnose, dabei kann man so schön dösen...

12 März 2007

Hallo Maggi!

Dass Fussballstadien nicht mehr den Namen einstiger Spielerlegenden, sondern den ihres Geldgebers aus der Wirtschaft tragen, ist hinlänglich bekannt und wohl nicht mehr zu ändern. Aus Sicht des Unternehmens, das den Verein mit Geld, Trikots und dazugehöriger Werbung versorgt, mag es auch vollkommen logisch sein, dass die gekauften Spieler in der AWD-, Allianz-, aol- oder Sonstwie-Arena ihrem Beruf nachgehen. Dem Fan hingegen ist das kollektive AufdenBauchwerfen der Spieler nach Spielende wichtiger als der Name der samstäglichen Pilgerstätte.

Kürzlich wurde nun das erste Hoch gekauft, für ca. 300 €. Es heisst "Maggi" und scheint gegenwärtig über unseren Köpfen. Und da macht der Frühling doch gleich doppelt soviel Freude: Nicht einfach nur Sonne und Wärme, nein, gesponsertes Wetter haben wir! Möglicherweise gäbe es ohne das Zutun von Nestlé die eine oder andere Wolke zu sehen? Und so hat jetzt leider die Werbefreiheit am Himmel ein Ende. Ich bin sicher, wenn man für 300 € die Namensrechte an einem Hoch kaufen kann (ein Tief scheint niemand haben zu wollen), wird auch der dazugehörige Schriftzug nicht lange auf sich warten lassen. Man könnte in Großbuchstaben an den Himmel schreiben: "Powered by Arcor", "Telekom - die machen das!" oder "McDonalds - ich liebe Sonne!" Natürlich würden wir dann schon in kürzester Zeit auf den Anblick der Sonne verzichten müssen, da der Himmel überfüllt wäre mit Werbeballons, sich gegenseitig behindernden Kleinflugzeugen, die Banner hinter sich herziehen und dem einen oder anderen Drachenflieger, der das Logo des den Aufwind präsentierenden Unternehmens auf sein Fluggerät gemalt hat.

Mein Tipp (kostenlos und ohne Werbeunterbrechung): Genießen Sie die Sonne, solange Sie sie noch sehen können und machen Sie sicherheitshalber ein Foto dieses unglaublich blauen Frühlingshimmels, bevor der nächste Wettersponsor ihn wegen des einheitlichen Werbeauftritts in seine Unternehmensfarben umspritzen lässt!

11 März 2007

Schiller und Pans Labyrinth

Schiller singt gerade "Ein schöner Tag - wenn er zuende geht, ist nichts mehr, wie es zuvor war." Stimmt. Neue Bilder, Erfahrungen und Gefühle, die vielleicht ein ganz klein wenig anders sind als sie zuvor waren, ändern vieles.
Nach "Pans Labyrinth" sehen die Sterne auf einmal anders aus, die Kaninchen am Straßenrand scheinen aus einer anderen Welt zu kommen und nicht das zu sein, was sie zu sein scheinen, die Musik hat eine neue Bedeutung gewonnen.
Der Frühling steht direkt um die Ecke und hat schon einmal einige Sonnenstrahlen, blauen Himmel, die Ahnung von Grün an den meisten Bäumen, Krokusse, Tulpen, Schneeglöckchen, Buntes eben, vorausgeschickt. Ich habe in der Sonne gelegen, barfuß und mit freien Armen, die Augen geschlossen, ohne zu träumen. Warum auch träumen, wenn die Realität so schön ist? Auf einmal habe ich wieder das Gefühl, keine Kraft tanken zu müssen für die vor mir liegende Woche, weil ich keine brauche, sondern sie wieder in mir habe. Keine Stunden gezählt heute, seit langer Zeit einmal wieder "zeitlos" genossen, und zwar jeden einzelnen Augenblick. Jeder Moment dieses Wochenendes war etwas Besonderes, eine Uhr hätte die Zeit verkürzt.

Neuerdings berühren mich die Filme, die ich mir ansehe, viel mehr als früher. Liegt es daran, dass sie etwas Besonderes sind, weil ich nicht mehr übersättigt bin durch stundenlangen TV- und Videokonsum? Kann ich das, was ich jetzt sehe, mehr wertschätzen, weil ich berieselungsfrei bin, oder hätte ich diese Filme (Babel, Der weiße Planet, Rocky Balboa - und wehe, irgendjemand bezweifelt, dass dieser Film in genau diese Aufzählung perfekt hineinpasst!!! -, Pans Labyrinth) auch zu Zeiten erhöhten Fernsehverbrauchs ebenso besonders gefunden?
Schön war es heute auch, den Film mit jemandem zusammen zu sehen, der an den gleichen Stellen den Atem anhält, ebenso berührt ist und Tränen, wenn das Mädchen sein Leben opfert, um als Prinzessin eines unterirdischen Reiches wiedergeboren zu werden, nicht als peinlich, sondern als etwas Normales empfindet. Der Nachteil ist allerdings, dass man so einen Menschen nicht fragen kann, wann besonders schlimme Szenen vorbei sind, weil er selbst die Augen zukneift...

Ein schöner Tag - wenn er zuende geht, ist nichts mehr so, wie es vorher war. Denn er hat neue Spuren auf Herz und Hirn hinterlassen, die bleiben werden, er hat andere Formen des Lächelns erzeugt, neue Variationen des Geschmacks von Tränen auf den Lippen, und er hat möglicherweise Feuer gelegt in Hirnregionen, die bisher noch nichts gezündet hatten. Ein schöner Tag eben...

09 März 2007

Die erste Lesung

Göttin, was war ich aufgeregt! Habe den ganzen Tag nichts anderes getan, als mich abzulenken, dann geübt, aber nicht so richtig, lange gebadet und zur Gewissensberuhigung Schönheitspflege betrieben. Hat nicht viel gebracht, aber glücklicherweise gibt es ja noch die Produkte der Dekorativen Kosmetik, von denen ich 3 Lidschatten und zwei Lippenstifte mein eigen nenne. Habe Blumen bekommen, und niemand ist weggelaufen.
Und irgendwie scheinen einige zu glauben, dass bald mein Buch herauskommt... Dabei habe ich noch gar nichts weggeschickt. Bin ich gut genug? Sind die ersten Sätze so spannend, dass sie einen mittelmäßig bezahlten Lektor fesseln könnten? Die Resonanz war positiv, aber reicht es für mehr?
Ich habe eine Menge Geschichten gesammelt heute - sollte es wirklich an der Zeit sein?
Selbst wenn es so wäre - ich traue mich/mir nicht...

01 März 2007

Ich schreibe, aber heimlich!

Nicht, dass irgendjemand denkt, ich sei faul... Aber ich kann ja nicht all meine Kreativität im Blog verausgaben, wenn ich sie am nächsten Donnerstag für meine erste Lesung brauche. Wahrscheinlich wird es eine nette kleine Runde mit FreundInnen und Bekannten, aber die möchte ich auf keinen Fall enttäuschen.

Das zumindest kann ich erzählen: Der Himmel hat heute sechs Regenbögen verschenkt! Genau genommen waren es drei doppelte, und auf einmal war es mir vollkommen gleichgültig, wie nass ich werde. Regenbögen sind etwas Wunderschönes, egal ob einzeln oder doppelt. Immer, wenn ich einen sehe, denke ich an die Wiese jenseits des Regenbogens, diese ganz spezielle Wiese, auf die alle Tiere kommen, die gestorben sind. Sie alle gehen über den Regenbogen, und wenn sie angekommen sind, treffen sie all ihre Freunde wieder, manchmal sogar ihre früheren Feinde. Aber es gibt keine Feindschaft und keine Missverständnisse auf dieser Wiese, was daran liegen kann, dass es dort kaum Menschen gibt. Dorthin dürfen nämlich nur ganz besondere Menschen nach ihrem Tod reisen, die während ihrer Lebzeiten gut waren zu allen Tieren. Davon gibt es nicht sehr viele. Auch ich habe schon die eine oder andere Spinne in den Ausguss gespült oder Nachtfalter weggesaugt. Trotzdem hoffe ich für die Zeit nach meinem Ableben auf Absolution; ich würde meine lieben Pelzigen gern wiedersehen.

Soviel zu Regenbögen. Was meinen "Vortrag" betrifft, schwanke ich zwischen wilder Kreativität, ein wenig Lampenfieber und der Angst, diejenigen, die mir einen Vertrauensvorschuss geben, nicht erreichen zu können. Für unglückliche, angepasste und ängstliche Menschen scheine ich schwer erträglich zu sein, und ich habe die Befürchtung, bei ihnen schon einigen Schaden angerichtet zu haben, unbeabsichtigt zwar, aber vielleicht war ich nicht feinfühlig genug. Ich schweife.

Wirklich: Es ist wunderschön, angesichts zweier Regenbögen, die das letzte helle Himmelsstück, das gleich von dunklen Wolken verschluckt wird, im strömenden Regen zu stehen. Lebenskontraste können nicht treffender beschrieben werden.

Falls übrigens noch jemand an meinen ganz persönlichen Gedanken zu Männern, Frauen und der daraus resultierenden Verständnislosigkeit teilhaben möchte:


Frauen denken.
Männer nicht.
Denken Frauen.

Streifzüge durch den Dschungel der geschlechtsspezifischen Wahrnehmung - erlebt, aufgeschrieben und vorgelesen von


Sabine Scholze


(unterstützt von Carmen Louis, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Hardegsen)

am

8. März 2007

um


19.30 Uhr


im


Musikraum der Grundschule Hardegsen.

Kartenvorverkauf: Lesen & Schreiben, Hardegsen, Vor dem Tore 3 und
gym 80 Fitnessclub, Unteres Tor 21, Northeim OT Sudheim

Vorverkauf: 3,50 €/Abendkasse 4,00 €