Über Whausen muss eine Flugzeugkreuzung sein. Ich habe zwar noch keine Ampeln entdecken können, aber der Himmel ist tagsüber durchkreuzt von Kondensstreifen, und nach Einbruch der Dämmerung fällt es dann schwer, sich auf Sterne zu konzentrieren, weil häufig ein vermeintlicher Stern anfängt zu blinken.
Woher wissen die, wo sie hin müssen? Es ist doch absolut dunkelschwarz dort oben! Ja, natürlich, es ist mir klar, dass Flugzeuge Navigationskram an Bord haben, Luftsusis sozusagen. (Für Unwissende: Susi ist die Stimme des GPS-Gerätes.) Aber wenn ich mir überlege, wie oft Susi mich schon verschickt hat, bin ich mir eben nicht sicher, dass sie am Himmel eine sehr große Hilfe sein wird.
Ich hätte jedenfalls das eine oder andere Anekdötchen über Susis und deren hilflose Besitzer zu erzählen. Mein Lieblingsexfreund war der Erste, der mich mit einem Navigationsgerät, kurz "Navi", prägnant: "Susi" in Berührung gebracht hat. Susi war ein Geschenk seiner Eltern, damit Lieblings- und einziger Sohn nicht orientierungslos in der Weltgeschichte herumirrt, sondern weiß, wohin er fahren muss. Ich konnte mich zwar nicht erinnern, dass er vor Susi orientierungslos gewesen wäre, aber wenn die Eltern dem Kinde etwas Gutes tun wollen...
Seine Susi jedenfalls hat häufig gelogen. Ganz davon abgesehen, dass allein die Eingabe des Zielortes ein mehrsemestriges Studium der Informatik und Nautik erfordert hätte, hat sie mir einfach nicht geglaubt, dass ich bin, wo ich bin. Im Gegenteil, ich habe als Abfahrtsort die X-Straße eingegeben und Susi hat selbsttätig die C-Allee daraus gemacht. Was dann dazu geführt hat, dass auch die Wegbeschreibung nichts weniger als hilfreich war.
Noch schlimmer sind allerdings stumme Susis, also solche, die aufgrund eines Bedienungsfehlers ihrer überforderten Besitzer oder einer werksbedingten Fehlkonstruktion keinen Ton sagen, sondern nur auf einem daumennagelgroßen Display die Richtungen anzeigen. Eine meiner Freundinnen hat so ein Ding. Wir wollten nach Hamburg zu einer Fortbildung, und als sie mich morgens um 5.30 Uhr abholte, begrüßte sie mich mit den Worten "Susi spricht nicht!" Hätte sie mir mitgeteilt, dass ihr Liebster sie keines Wortes mehr würdigt, sie hätte kaum unglücklicher aussehen können. Tanken musste ich, während sie verzweifelt versuchte, Susi zum Sprechen zu bringen. Sie hielt sie aus dem Fenster, in den unterschiedlichsten Winkeln, kroch in den Fußraum, aber Susi blieb still. Wir fuhren sprachlos. In Hamburg fixierte sie das Display, um auf keinen Fall eine Richtungsänderung zu verpassen. Auf diese Weise überfuhr sie eine rote Ampel, die sie schlicht nicht interessierte (wer braucht eine Ampel, wenn Susi nicht spricht?), kurz darauf riskierte sie mein Leben, als sie mit einem Schrei "Susi zeigt Rechts!" auf die rechte Spur abbog, selbstverständlich ohne zu blinken oder nach anderen Verkehrsteilnehmern Ausschau zu halten. Der Golffahrer, der zu einer Vollbremsung gezwungen war, konnte sprechen, das habe ich deutlich durch sein Fenster gesehen. Die einzige Erklärung, die ich ihm anbieten konnte, war ein Hinweis auf unser Nummernschild: NOM. Als Susi dann anzeigte "Sie haben ihr Fahrtziel erreicht.", befanden wir uns in einer kleinen, beschaulichen Reihenhaussiedlung. Ein großes Fitnesscenter war nirgendwo zu sehen.
Glücklicherweise hatte ich mir eine Wegbeschreibung ausgedruckt, versuchte nun, meine Erkenntnisse der durch Susi dominierten Fahrt an die Realität anzupassen, und nach etwa einer halben Stunde hatten wir unser Ziel erreicht. Für die Rückfahrt bestand ich dann darauf, dass Susi ausgeschaltet bleiben würde.
Wirklich, Susis machen doof und sind doof. Auf einmal sind intelligente Menschen von einer Maschine abhängig, die nichts weiter tut als den Weg zu zeigen, und zwar meistens den falschen. Susi macht Staus aus, wo keine sind, sie fährt Umwege, und ihre Stimme wird extrem ungeduldig, wenn man nicht tut, was sie sagt.
Mir kommt keine Susi ins Auto. Ich werde auch weiterhin selbst suchen. Ganz davon abgesehen, dass es mir höchst suspekt ist, wenn all meine Wege verfolgt werden können, egal ob von Herrn Schäuble oder aus dem Weltraum. (Habe ich mich schon verdächtig gemacht? Das Internet wird ja bereits seit Herrn Schily ausspioniert; es steht nur noch das Gesetz aus, das eine jahrelange Praxis nachträglich legitimiert, wenn ich das richtig verstanden habe.) Nein, ich will nicht ausspioniert werden, ich will dort fahren, wo ich glaube, dass es richtig ist, und ich will in meinem Auto nicht angequatscht werden, schon gar nicht von computeranimierten Frauenstimmen, die wahrscheinlich irgendein unansehnlicher Dickwanst für erotisch hält.
Susis sind doof!
Woher wissen die, wo sie hin müssen? Es ist doch absolut dunkelschwarz dort oben! Ja, natürlich, es ist mir klar, dass Flugzeuge Navigationskram an Bord haben, Luftsusis sozusagen. (Für Unwissende: Susi ist die Stimme des GPS-Gerätes.) Aber wenn ich mir überlege, wie oft Susi mich schon verschickt hat, bin ich mir eben nicht sicher, dass sie am Himmel eine sehr große Hilfe sein wird.
Ich hätte jedenfalls das eine oder andere Anekdötchen über Susis und deren hilflose Besitzer zu erzählen. Mein Lieblingsexfreund war der Erste, der mich mit einem Navigationsgerät, kurz "Navi", prägnant: "Susi" in Berührung gebracht hat. Susi war ein Geschenk seiner Eltern, damit Lieblings- und einziger Sohn nicht orientierungslos in der Weltgeschichte herumirrt, sondern weiß, wohin er fahren muss. Ich konnte mich zwar nicht erinnern, dass er vor Susi orientierungslos gewesen wäre, aber wenn die Eltern dem Kinde etwas Gutes tun wollen...
Seine Susi jedenfalls hat häufig gelogen. Ganz davon abgesehen, dass allein die Eingabe des Zielortes ein mehrsemestriges Studium der Informatik und Nautik erfordert hätte, hat sie mir einfach nicht geglaubt, dass ich bin, wo ich bin. Im Gegenteil, ich habe als Abfahrtsort die X-Straße eingegeben und Susi hat selbsttätig die C-Allee daraus gemacht. Was dann dazu geführt hat, dass auch die Wegbeschreibung nichts weniger als hilfreich war.
Noch schlimmer sind allerdings stumme Susis, also solche, die aufgrund eines Bedienungsfehlers ihrer überforderten Besitzer oder einer werksbedingten Fehlkonstruktion keinen Ton sagen, sondern nur auf einem daumennagelgroßen Display die Richtungen anzeigen. Eine meiner Freundinnen hat so ein Ding. Wir wollten nach Hamburg zu einer Fortbildung, und als sie mich morgens um 5.30 Uhr abholte, begrüßte sie mich mit den Worten "Susi spricht nicht!" Hätte sie mir mitgeteilt, dass ihr Liebster sie keines Wortes mehr würdigt, sie hätte kaum unglücklicher aussehen können. Tanken musste ich, während sie verzweifelt versuchte, Susi zum Sprechen zu bringen. Sie hielt sie aus dem Fenster, in den unterschiedlichsten Winkeln, kroch in den Fußraum, aber Susi blieb still. Wir fuhren sprachlos. In Hamburg fixierte sie das Display, um auf keinen Fall eine Richtungsänderung zu verpassen. Auf diese Weise überfuhr sie eine rote Ampel, die sie schlicht nicht interessierte (wer braucht eine Ampel, wenn Susi nicht spricht?), kurz darauf riskierte sie mein Leben, als sie mit einem Schrei "Susi zeigt Rechts!" auf die rechte Spur abbog, selbstverständlich ohne zu blinken oder nach anderen Verkehrsteilnehmern Ausschau zu halten. Der Golffahrer, der zu einer Vollbremsung gezwungen war, konnte sprechen, das habe ich deutlich durch sein Fenster gesehen. Die einzige Erklärung, die ich ihm anbieten konnte, war ein Hinweis auf unser Nummernschild: NOM. Als Susi dann anzeigte "Sie haben ihr Fahrtziel erreicht.", befanden wir uns in einer kleinen, beschaulichen Reihenhaussiedlung. Ein großes Fitnesscenter war nirgendwo zu sehen.
Glücklicherweise hatte ich mir eine Wegbeschreibung ausgedruckt, versuchte nun, meine Erkenntnisse der durch Susi dominierten Fahrt an die Realität anzupassen, und nach etwa einer halben Stunde hatten wir unser Ziel erreicht. Für die Rückfahrt bestand ich dann darauf, dass Susi ausgeschaltet bleiben würde.
Wirklich, Susis machen doof und sind doof. Auf einmal sind intelligente Menschen von einer Maschine abhängig, die nichts weiter tut als den Weg zu zeigen, und zwar meistens den falschen. Susi macht Staus aus, wo keine sind, sie fährt Umwege, und ihre Stimme wird extrem ungeduldig, wenn man nicht tut, was sie sagt.
Mir kommt keine Susi ins Auto. Ich werde auch weiterhin selbst suchen. Ganz davon abgesehen, dass es mir höchst suspekt ist, wenn all meine Wege verfolgt werden können, egal ob von Herrn Schäuble oder aus dem Weltraum. (Habe ich mich schon verdächtig gemacht? Das Internet wird ja bereits seit Herrn Schily ausspioniert; es steht nur noch das Gesetz aus, das eine jahrelange Praxis nachträglich legitimiert, wenn ich das richtig verstanden habe.) Nein, ich will nicht ausspioniert werden, ich will dort fahren, wo ich glaube, dass es richtig ist, und ich will in meinem Auto nicht angequatscht werden, schon gar nicht von computeranimierten Frauenstimmen, die wahrscheinlich irgendein unansehnlicher Dickwanst für erotisch hält.
Susis sind doof!