Liebe Übergewichtige, am metabolischen Wohlstandssyndrom Leidende, liebe Rückenschmerzgeplagte, RaucherInnen, liebe Bewegungsarme!
Seien Sie doch einmal ganz ehrlich zu sich selbst und zu mir: Wenn es darum geht, eines oder mehrere dieser Übel kostenpflichtig zu beheben, was tun oder denken Sie als Erstes? Fragen Sie den Anbieter des Angebots zunächst, ob der Kurs oder die Maßnahme von Ihrer Krankenkasse finanziert wird? Nein? Sie sind der Ansicht, dass Sie für Ihre Gesundheit und Ihr Wohlbefinden selbst verantwortlich sind? Dann brauchen Sie auch nicht weiter zu lesen. Machen Sie es sich gemütlich und genießen Sie den Abend ohne mich.
Sie gehören zu den Zuschussfordernden? Darf ich Sie dann einmal etwas fragen? Nicht? Ist mir egal, ich frage trotzdem: Haben Sie bei Ihrer Krankenkasse nach einem Zuschuss gefragt, als Sie angefangen haben, sich Ihre überflüssigen Kilos anzufressen? Waren Sie der Überzeugung, Ihre Krankenkasse müsse Ihnen 80 Prozent der Kosten für eine Schachtel Zigaretten erstatten? Wollten Sie dass man sich finanziell an Ihrem Auto beteiligt?
Nein? Warum nicht? Oder anders gefragt: Wenn Sie sich auf eigene Kosten in die Bewegungslosigkeit gestürzt, gefressen, getrunken, geraucht und gevöllert haben, was, bitteschön, bringt Sie auf die Idee, dass für die Beseitigung dieser selbst herbeigeführten Übel irgendjemand außer Ihnen zuständig wäre? Wie können Sie es als selbstverständlich voraussetzen, jahrelang an jedem Wochenende (wenn Sie maßvoll waren) oder nahezu täglich (wenn nicht) Ihr Geld zu McDonalds, BurgerKing oder in die nächste Wurstbude zu tragen und dann für die gesunde Ernährung nach Zuschüssen zu brüllen? Wie können Sie jahrelang qualmen wie ein Schlot, was erwiesenermaßen zu Arterienverkalkung, Raucherhusten oder Kurzatmigkeit führt und pro Monat nicht unter 50 Euro (bei stärkeren RaucherInnen) kostet und dann die Dreistigkeit besitzen, für Ihren Raucherentwöhnungskurs, der ca. 150 Euro kostet, die Krankenkasse anzubetteln?
Ich habe täglich mit Menschen zu tun, die unter körperlichen Einschränkungen leiden. Etwa 10% (Das ist meine persönliche Schätzung.) sind ohne eigenes Zutun erkrankt, der Rest hat selbst für die Einschränkungen gesorgt, jahrelang und mit gedankenlosem Feuereifer. Einige davon sind bereit, die Verantwortung für sich und ihre Gesundheit zu übernehmen, aber der überwiegende Teil schreit nach finanzieller Unterstützung.
Glücklicherweise bin ich nicht gesetzlich versichert, denn ich würde wahrscheinlich jeden Tag drei- bis viermal mit dem Kopf gegen die Wand rennen bei dem Gedanken daran, dass ich mit meinen Beiträgen diese Personengruppe mitfinanziere.
Versuchen Sie doch bitte ausnahmsweise ein kleines Stück über Ihre eigene Person hinauszudenken. Vielleicht stellen auch Sie dann fest, dass es an Perversität, Ungerechtigkeit und Schmarotzerei kaum noch zu überbieten ist, wenn Menschen, die mit sich und ihrem Körper verantwortlich umgehen (Und das bedeutet nicht Askese!), den gleichen Beitrag zahlen wie diejenigen, die jahrelang alles mögliche für eine schlimmstenfalls langandauernde und kostenintensive Erkrankung und bestenfalls einen schnellen Tod tun und dann auch noch Geld haben wollen, um sich langsam unter fachlicher Anleitung einen gesunden Lebenswandel anzugewöhnen.
Eine weitere Erfahrung kann ich meiner Schimpfkanonade noch hinzufügen: Genau diejenigen, die solch eine Maßnahme nur wahrnehmen, wenn sie von der Krankenkasse bezahlt oder zumindest bezuschusst wird, stellen nach deren Ende sofort jegliche Form der Bewegung, geistig oder körperlich, solange ein, bis im Folgejahr die nächste finanziert wird.
Bin ich Ihnen auf die Füße getreten? Möglich, aber das ist wahrscheinlich nur dann passiert, wenn Sie sich angesprochen fühlten. Nutzen Sie Ihre Wut, gehen Sie vor die Tür und rennen Sie los! Frische Luft tut gut. Oder vielleicht fangen Sie an zu boxen und haben dabei mein Gesicht vor Ihrem inneren Auge? Gut so, Sie bewegen sich!
Sie haben während der Lektüre eine Tüte Chips und zwei Stück Camembert gegessen? Dann kann ich Ihnen nur raten, einen möglichen Termin für ein Beratungsgespräch nicht mit mir zu vereinbaren!
Ich habe fertig und bin mir bewusst, mit meinem Post nichts geändert zu haben. Aber irgendwie geht es mir jetzt besser.
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