31 Januar 2008

Januarstürme

Es stürmt. Ich bin ganz allein zuhause, Vermieter samt Zwillingen sind abgängig. Wenn mir also jetzt das Dach samt Sonnenkollektoren und daran herumknabbernden Mardern auf den Kopf fällt, wird es niemand merken. Jedenfalls nicht schnell genug.
Wenn er mich morgen den ganzen Tag nicht erreicht, wird möglicherweise der Liebste stutzig. Da er mich aber andererseits als eher inkonstant zickig kennt, macht er sich wahrscheinlich zunächst keine Sorgen.
Um mit Bridget Jones zu sprechen: Ich bin zwar kein Single, aber die Wahrscheinlichkeit, dass mich marodierende Schäferhunde während meines Todeskampfes anknabbern, ist relativ groß.
Wir wohnen nämlich ganz weit auseinander, der Liebste und ich. Meine Mutter kann sich nach wie vor nicht merken, in welchem Whausen ich jetzt genau wohne, mein Ex ist beschäftigt mit Musik und ignoranter Zicke (seiner zukünftigen Ex, wie ich hoffe), meine beste Freundin ist völlig orientierungslos und würde mich niemals finden.
Sicherheitshalber sollte ich noch mehr von diesem unglaublich leckeren Cabernet Sauvignon aus dem Bioladen trinken. Mit Glück schlägt er auf Gehör und Gespür gleichermaßen, und ich merke weder das Knabbern der Schäferhunde noch höre ich das Zusammenbrechen des Daches. Andersrum. Die Reihenfolge der Dramen, meine ich.

Anderes Thema: Merken wir Menschen eigentlich immer, wenn wir uns in einer suboptimalen Situation befinden? Manchmal glaube ich, dass wir irgendein Gen haben, dass uns die Lage schön vernebelt. Oder hoffnungsvoll.
Ich bin gerade wieder bei diesem unglaublich lieben und mir sehr wertvollen Freund: Dieser Mann bringt echten Sand von der Nordseeinsel mit und sammelt Muscheln, um sich für Blumengiessen und Katzenhüten zu bedanken, er sieht nett aus, ist in guten Phasen voller Einfühlungsvermögen. Warum also bekommt so ein Goldstück von Mann so eine egozentrische, ignorante, über Leichen gehende Mistkuh ab? Er hatte doch schon mich und ist damit gestraft genug, oder?

ER ist vernebelt. In seinem Gehirn muss es ungefähr so aussehen, wie in einer x-beliebigen Botschaft, wenn die GSG9 zwecks Geiselbefreiung und mittels Tränengasbomben den Laden stürmt. Nicht gut. Neblig. Dunkel. Und ich kann nichts tun, fürchte ich.

Wenn ich ehrlich bin, ist mir der Cabernet Sauvignon entschieden zu schwer. Der Trollinger davor war viel leckerer.

Ich sollte ins Bett gehen. Ohne Umwege.

Wünsche allseits eine gute Nacht. Und wenn sie die Zicke sehen (sie wohnt in Berlin, macht Musik und treibt meinen besten Freund in die Verzweiflung), sperren Sie sie weg. Erschiessen wäre auch okay.

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