14 Januar 2008

So!-Inflation

Es gibt Lieblingsworte, die benutzt man immer wieder, ohne besonders darüber nachzudenken. Das können einsilbige Wörter sein wie z.B. "Ne!", "Gut!", "So!", "Klar!"
Sie wissen, wovon ich rede? Möglicherweise haben auch Sie das eine oder andere Lieblingswort, das Sie auf inflationäre Art verwenden, vielleicht sogar an jeden Satz anhängen?
Meines Liebsten Lieblingswort war bis vor Kurzem "So!" Jeder Ansatz von Aktivität und jedes Ende einer anderen, jede Veränderung der Liegeposition wurde mit diesem Wörtchen eingeleitet und viele Äußerungen mit "So!" bekräftigt. Nachdem ich das entdeckt und ihn darauf aufmerksam gemacht hatte, waren wir beide sensibilisiert für diese beiden Buchstaben. Ich kam auf die Idee, eine "So!-Kasse" einzurichten, in die jeder von uns beiden, der dieses Wörtchen benutzt, einen Euro einzuzahlen hatte. Er verweigerte dies mit der Begründung, dass ihn diese Maßnahme innerhalb kürzester Zeit in die Armut treiben würde.
Dann jedoch geschah Seltsames! Voller Entsetzen stellte ich fest, dass ich ebenfalls "So!" sagte, und zwar zu jeder sich bietenden Gelegenheit. Daher war ich erleichtert über das Nichtvorhandensein der besagten Kasse, zumal der Liebste mir jedes "So!" voller Zufriedenheit aufs Butterbrot schmierte. Und nicht nur wir beide, unsere ganze Umgebung warf uns ein "So!" nach dem nächsten um die Ohren. Erst gestern ertappte ich den chinesischen Restaurantbesitzer dabei, wie er nach dem Auffüllen des Buffets ein zufriedenes "So!" von sich gab. Wirklich, es "so"-t an allen Ecken und Enden. Der Einzige, der es kaum noch benutzt, ist der Liebste.

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