22 Februar 2008

Frühlingsstürme

Heute Morgen, dem Wecker hatte ich gerade den Garaus gemacht, dachte ich für einen kurzen Moment: "Frühling! Sommer! Erste Hitzewelle!" Nein, ich leide nicht unter dem persönlichen Sommer, der Frauen in mittleren Jahren anspringt und medizinisch "Klimakterium" heisst. Vom Gefühl her bin ich eher noch pubertär. Mein biologisches Alter ist 33,5. Vom "echten" Alter spreche ich hier nicht.
Aber vom Frühling. Die Vögel haben gezwitschert, als hätten sie erstens einen eingebauten Verstärker (pro Vogel) und wären zweitens gerade in größeren Schwärmen aus dem sonnigen Süden angereist. Ich bin noch ein wenig im Bett liegengeblieben und habe dem Konzert zugehört. George Winston ist großartig, Keith Jarrett auch, aber gegen einen morgendlichen Vogel-Jam können sie wenig ausrichten.
Irgendwann kommt jedoch der Zeitpunkt, sich der Realität zu stellen. Das bedeutete heute morgen für mich, beim Öffnen der Balkontür fast aus meiner Wohnung geweht zu werden und ob der doch recht kühlen Luft, die dann hereinströmte, rasch die Heizung aufzudrehen.
Ist aber egal. Es WIRD Frühling! Bald! Gleich morgen vielleicht!
Ich gehöre nämlich zu den Optimistinnen. Mein Glas ist halbvoll. Mein Roman wird ein Bestseller. Meine Mutter wird ihr Hörgerät lieben lernen. Alles wird gut. Der Sommer wird warm und sonnig. Die Menschen haben sich lieb. Jungen lernen den Doppelkreis. (Ist ein Insider und hat mit der eher mangelhaften Koordinations- und Organisationsfähigkeit männlicher Wesen schon im frühen Kindesalter zu tun.) "Geiz ist geil!" und "Wir hassen teuer!" wird von "Ich bin bereit, einen adäquaten Preis für Qualität zu zahlen." abgelöst. Klaus Zumwinkel erschießt sich. Die steuerhinterziehenden und -verschwendenden Eliten werden nach Liechtenstein gekarrt, drumherum wird eine hohe Mauer gebaut, und alles, was die Damen und Herren (Warum bin ich so sicher, dass es sich hier mehrheitlich um Herren handelt??) in die Hände bekommen, sind Schaufel und Hammer.

Wollen wir noch ein wenig weiterspinnen?
AutofahrerInnen finden ihre Blinker wieder und kommunizieren miteinander.
Kinder werden zur Bewegung animiert.
Eltern sprechen mit ihren Kindern.
Diejenigen, die einen Job haben, geben alles, um ihn gut zu machen. Auch die Manager, obwohl die wissen, dass sie in jedem Fall ihre millionenschwere Gratifikation bekommen.
Angela Merkel trifft Entscheidungen.
Roland Koch platzt.
Christian Wulff stellt sein Dauergrinsen ein.
Barack Obama wird amerikanischer Präsident. (Hillary Clinton ist nicht meine Favoritin, weil sie für meinen Geschmack zu sehr "da rein" will. Noch einen Schröder, weiblich oder nicht, braucht die Welt nun wirklich nicht, finde ich.)
Muslimische Frauen übernehmen die Regierung in der arabischen Welt, reissen sich die Tücher vom Kopf, sperren ihre Kerle in der Küche ein und beanspruchen die erste Reihe in der Moschee für sich.

Mein ganz persönlicher Wunsch?
Sofortige Einstellung jeglicher Süßwarenproduktion. Oder die nicht fett machende Schokolade. Oder Selbstdisziplin. Oder eine körperliche Konstitution, die all die vielen Kalorien spielend wegsteckt (und zwar nicht in die Körpermitte!). Und später dann möchte ich gern mit meinem Hörgerät zurechtkommen.


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