27 März 2008

Kill Bill Vol. I oder Alles ist zu irgendetwas gut

Sollte da tatsächlich der Frühling lauern? Ich fand es heute nicht sonderlich kalt. Kein Schnee, kein Eis, kein Sturm. Aber das war mir, ehrlich gesagt, auch vollkommen gleichgültig. Ich war heute nicht draussen. Ich musste "Kill Bill Vol. I" gucken.
Manchmal können Männer Frauen unglaublich gut in Szene setzen. Tarrantino jedenfalls kann das. Zwei Frauen liefern sich einen Schwertkampf im Schnee eines japanischen Gartens. Beide färben das Weiß mit ihrem Blut.
Wirklich, sie sahen sogar verletzt und sterbend beneidenswert gut aus!

Manchmal wünschte ich mir, ich könnte das Schicksal mit der gleichen Meisterschaft bekämpfen wie Uma Thurman Bill.
Andererseits - da betet man um "das Richtige" und bekommt nicht das, um was man gebetet hätte, wenn man sich von vornherein deutlicher ausgedrückt hätte. Eine Menge "hätte".
"Lieber Gott, sorge für mich!" Das kann alles mögliche bedeuten, auch den Tod.

"Ich bestelle Glück beim Universum!" Vielleicht zieht das den Verlust des aktuellen Sozialpartners nach sich, weil das Universum findet, dass er nicht glücklich macht?
"Jupiter, mach mich reich!" Reich an was? An Erfahrungen? An Pleiten? An kaputten Reifen?

Es ist wirklich besser, sich sehr genau auszudrücken, wenn man etwas wünscht. Ich habe das nicht getan und muss jetzt sehen, wie ich klarkomme. Aber ich verrate Ihnen ein Geheimnis: Hätte ich bekommen, was ich mir gewünscht habe, wäre es nicht das gewesen, was ich brauche. Denn manchmal braucht das Leben eine neue Richtung. Manchmal braucht das Leben Katastrophen, um sich wieder in Erinnerung zu rufen. Manchmal muss das Leben sehr laut schreien, um von den Lebenden wahrgenommen zu werden. Manchmal braucht das Leben sehr viel Aufmerksamkeit und Achtung. Die bekommt es nicht, wenn alles so bleibt, wie es war.
Natürlich kann ich mir vornehmen, ab sofort alles anders zu machen. Mache ich aber in der Regel nicht, es sei denn, ich bin gezwungen.

"Wer weiss, wozu es gut ist!" sagte der alte Chinese und erschoss sein verletztes Pferd.

26 März 2008

Abendspaziergänge

Manches ist gar nicht so schlimm, wie es zu sein scheint. Statt sich zum Verlierer zu küren, kann man das Problem zum Wettkampf machen. Man kann in die Sterne schauen. Man kann die Ruhe genießen. Vielleicht die Landschaft.
Es gibt haufenweise Sterne. Zwischen den Sternen tummeln sich Flugzeuge. Glücklicherweise stürzen sie nicht ab.
Manchmal schieben sich Wolken vor die Sterne, und dann vergesse ich, dass es die Sterne gibt. Und doch, sie sind da, ob ich sie sehe oder nicht.
Manchmal bitte ich die Götter, das zu tun, was gut für mich ist. Aber ich habe sehr genaue Vorstellungen von dem, was ich will und bin recht beleidigt, wenn die Götter eben nicht glauben, dass es gut für mich sein könnte.
Manchmal stecke ich meinen Kopf in den besagten Misthaufen und hoffe auf einen schnellen Erstickungstod. Aber ich muss weiteratmen, weil mein Instinkt mich dazu zwingt.
Manchmal tue ich Dinge, für die ich mich schämen sollte. Wenn ich dann genauer hinsehe, stelle ich fest, dass ich mir die Wahl genommen habe.
Manchmal wünsche ich mir etwas, verrate aber niemandem, was ich mir wünsche und bin dann sehr enttäuscht, dass ich nicht bekomme, was ich mir gewünscht habe. Dann erinnere ich mich daran, dass sogar der Weihnachtsmann nichts bringt ohne ordnungsgemäßen Wunschzettel.
Manchmal erwarte ich zuviel und gebe zuwenig.
Und wenn ich jetzt auf meinen Balkon gehe und den Kopf in den Nacken lege, werde ich Sterne sehen.

Aus Scheisse Bonbons machen

Manchmal
taucht Dich
Dein Schicksal mitten
in einen dicken Misthaufen.

Und
Du verharrst
in absoluter Reglosigkeit.
Steckst Deine Nase hinein.

Doch
wenn Du
irgendwann einmal Deinen
Kopf erhebst und schaust.

Siehst
Du Sterne,
schmeckst Du Leben,
duftet Scheisse nach Rosen.

Das ist Glück.


(Silke, danke für die Inspiration! Schön, dass Du es auch kannst!)

25 März 2008

Schneetreiben

Ja, es ist mir absolut bewusst, dass ich mich einer Riesenmeute von Menschen anschließe, die über das Wetter reden. Und trotzdem: Die Ostertage habe ich noch auf der Couch einer Wohnung mit großem Bildschirm verbracht, bin sinnlos durch die Kanäle gezappt und habe mich strikt geweigert, mehr als einen Fuß vor die Tür zu setzen.
Heute mussten beide Füße raus, sie wollten zum 5 Kilometer entfernt gelegenen Bahnhof. Vierzig Minuten sind sie gelaufen, strahlender Sonnenschein, viel Wind und eine wunderschöne Winterlandschaft kurz nach Beginn des meteorologischen Frühlings waren der Lohn. Aber auch Schneetreiben. Und etwas Regen. Viel Wetter auf relativ kurzer Strecke.
Der Rückweg fand dann heute abend im Dunkeln, bei heftigstem Schneetreiben und fiesem Gegenwind statt. Mein kleiner Regenschirm bog sich, meine Hände wurden trotz der Handschuhe kalt und kälter und meine wetterunangepasste Hoppsenkluft nass und nasser. Trotzdem: Vierzig Minuten! Und die waren auch irgendwie schön. Der Schnee hat die Landschaft etwas heller gemacht, und als Kontrast zu den dicken Flocken hatte ich die Sonnenuntergangsmusik von Café del Mar im Ohr.
Allerdings ist soviel frische Luft auch recht anstrengend. Bin jetzt rechtschaffen müde.

Am Samstag habe ich noch geschrieben: "Alles wird gut, weil es muss!". Heute weiß ich, was ich damit gemeint habe, ohne zu wissen, dass es darauf hinauslaufen würde. Manchmal hilft es, erst einmal so zu tun, als sei alles gut, und manchmal reagiert das Schicksal darauf und hilft beim Gutwerden. Manchmal muss man allerdings selbst dafür sorgen, dass alles gut wird. Und manchmal ist der Anfang dazu ein erzwungener Mammutspaziergang im Schneetreiben.

22 März 2008

Es wird alles gut, weil es muss...

...schrieb mir kürzlich eine liebe Kollegin. Recht hat sie! Auch, wenn ich häufiger in letzter Zeit das Gefühl hatte, dass jetzt aber auch wirklich nichts mehr geht, irgendwie geht es immer. Klingt nach albernem Allgemeinplatz, unüberlegten Trostesworten, Hilflosigkeit. Ist aber wahr, jedenfalls für mich.

Da stirbt ein lieber oder geliebter Mensch, und bei der Beerdigung ist da ein Gefühl, sich ins Grab fallenlassen zu müssen, um ihm noch ein wenig länger nahe sein zu dürfen.
Da zieht sich ein geliebter Mensch zurück, weil er neben seinem eigenen Sein kein anderes mehr ertragen kann, weil er sich entliebt hat, weil er mehr Platz braucht, weil es eben einfach so ist. Der erste Impuls ist, ihm "Du darfst mich nicht verlassen!" hinterher zu schreien, sich festzuklammern.
Manchmal erscheint auch ohne besonderen Anlass das Leben voller Verpflichtungen, Aufgaben, Termine zu sein, kein einziger Tag in Sicht, auf den zu freuen es sich lohnt. Und gleichzeitig geraten alle vergangenen, schönen, erfüllten, leuchtenden und glücklichen Tage in Vergessenheit.

Es gibt unglaublich viele Anlässe, die das Leben für eine Zeitlang kohlrabenschwarz färben können, jede und jeder mag andere haben. Und es ist sehr, sehr schwer, in diesen Momenten an Licht, an Farbe zu denken, zu wissen "Das habe ich alles schon einmal erlebt und überlebt, obwohl ich auch damals dachte, alles sei sinnlos. Auch diesmal wird es am Ende des berühmten Tunnels wieder hell sein." Manchmal ist es aber fast unmöglich, diesen einen, kleinen Lichtpunkt zu erkennen. Manchmal schließe ich sogar meine Augen, weil ich ihn nicht sehen, will, weil ich nicht glaube, dass er wirklich da ist.

Ich bin kein religiöser Mensch, aber was ist all das gegen den Aufschrei von Jesus, als ihm klar wurde, dass er sich opfern muss und wird: "Vater, wo bist Du?" Wenn ich versuche, mich in diesen Menschen hineinzuversetzen, der weiss, dass er auf grausame Weise sterben wird, und dessen
Vertrauen in seinen Vater vielleicht auch in den letzten Momenten erschüttert worden ist, rückt alles, was mein Leben gerade beschweren mag, wieder zu erträglicher Größe zurecht.

Ich muss mich für niemanden opfern, sondern werde, wenn alles klappt, eines Tages einen mehr oder weniger natürlichen Tod
sterben. (Leberversagen rechne ich jetzt mal zu den natürlichen Todesursachen hinzu...) Ich tue meistens das, was ich gern tue, bin gesund und einigermaßen fit, und wenn ich ganz genau hinsehe, erkenne ich ein kleines bisschen blauen Himmel hinter den Wolken. Das kleine, schwarze Schaf ist auch wieder aufgetaucht. Es gibt einige Menschen in meinem Leben, die ich liebe und denen ich wichtig bin. Meine Katze wird wieder gesund, immerhin scheisst sie seit einigen Tagen wieder im Stehen.

Ja, es ist ein blödes Mistwetter, und man mag überhaupt nicht rausgehen! UND ich habe heute meine Wohnung geputzt, sehr laut Musik gehört und werde heute abend tanzen gehen.
Ja, es gibt einen Menschen, den ich jetzt sehr gern bei mir hätte, aber möglicherweise für eine längere Zeit nicht bei mir haben werde! UND ich habe einen Job, der mir Spaß macht, eine neue Geschichte im Kopf von Roventa Dwight, der jungen Weltreisenden, ein verlängertes Wochenende vor mir mit Katzenbespaßung und Besuch bei Muttern.
Ja, ich bin traurig, weil ich nicht so helfen kann, wie ich gern möchte. UND ich bin mir bewusst, dass es nicht um Hilfe geht, sondern um Loslassen.

Der Traumzauberer hat geschrieben, ich hätte doch schon eine sehr schöne Insel. Recht hat er. Viel zu oft weiß ich nicht mehr zu schätzen, was ich habe. Was ich bin. Zeit, mal wieder "Dankeschön!" zu sagen.

Ich wünsche allen MitleserInnen, FreundInnen und Bekannten wunderschöne, kuschelige, verschneite Ostern, Gedanken voller Sonne, blauem Himmel und kleinen, schwarzen Schafen. Oder kleinen, weissen Eisbären. (Nein, Thomas! Nicht auf Toast oder mit Sauce!!!) Oder was sonst nötig ist, um die Muskeln anzuspannen, die für ein Lächeln angespannt werden müssen.


21 März 2008

Vater

Papa?
Vati?
Papi?

Wer auch immer Du warst,
eines schönen Tages
hast Du Dich
an mir
beteiligt.
Danke dafür!

19 März 2008

Vier Federn, Portrait einer Lady und Stoning

Das war mein heutiger Nachmittag: "Stoning" war der erste Film. Handelte von einer Amerikanerin, die sich in einen Iraner verliebt, ihn heiratet, zum Islam übertritt, ihm in den Iran folgt, dort vom Nachbarn vergewaltigt wird, vom Anwalt erfährt, dass sie keine Chance hat, wenn sie den Vergewaltiger anzeigt, versucht, die durch die Vergewaltigung verursachte Schwangerschaft abzubrechen, dabei erwischt und ins Gefängnis geworfen, vom Gericht, das im Iran noch die Scharia anwendet, zu 25 Peitschenhieben und einem Jahr Isolationshaft (in einem kleinen Loch, bei unzureichender Nahrung und einem Blecheimer zur Verrichtung der Notdurft) verurteilt wird. Später wird sie dann doch gesteinigt, die Strafe, die im Iran auf Ehebruch steht, und vergewaltigte Frauen haben ja schließlich die Ehe gebrochen, nicht wahr?
In "Portrait einer Lady" spielt Nicole Kidman eine junge Frau Ende des 19. Jahrhunderts, die heiratet und fortan eigentlich keine Rechte mehr hat. Sie flieht trotzdem vor ihrem sadistischen Ehemann, weil ihr Cousin im Sterben liegt und sie bei ihm sein möchte. Mann und Frau siezen sich in der Öffentlichkeit, und die erwachsene Tochter geht eher ins Kloster, bevor sie den Mann, den sie liebt, heiratet und damit ihrem Vater missfällt.
Der letzte Film für heute war dann "Vier Federn". Hier hat sich ein junger Soldat vernünftigerweise aus seinem Regiment abgemeldet, weil er nicht einsehen konnte, warum er im Sudan die britische Königin verteidigen soll, die doch im Buckingham Palast wohnt. Dann ist er aber doch dorthin gereist, weil alle ihn für einen Feigling hielten und hat zum Schluss die Dame seines Herzens wiedergewonnen.


Verlorene Träume

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Glückskind geboren wird, ist eins zu sieben. Glückskinder werden nämlich nur Sonntags geboren. Ich kannte eines dieser Sonntagskinder, ein Mädchen namens Gloria. Das ist lateinisch und bedeutet "Ruhm". Ihre Mutter hatte sie so genannt, weil sie sicher war, dass ein Sonntagskind auch berühmt werden würde, später. Gloria wurde geliebt und verwöhnt, aber nicht übermäßig, sie genoss eine gute Erziehung und hatte Respekt vor älteren Menschen. Und sie hatte einen Traum: Irgendwann, wenn sie erwachsen sein würde, wollte sie Geschichtenerzählerin sein, wollte auf einer wunderschönen Insel leben mit vielen Tieren und einem Mann, der sie liebte und den sie liebte. Gloria wollte andere Menschen glücklich machen mit ihren Geschichten, wollte Tiere beruhigen, Kindern die Angst vor dem Schwarzen Mann nehmen. Für sich selbst wünschte sie Freiheit, Glück und Liebe.
Sie wuchs heran und übte sich schon als kleines Mädchen im Geschichtenerzählen. Und je mehr Gloria erlebte, desto mehr Geschichten fielen ihr ein. Sie erzählte sie ihrer Großmutter, ihrem Onkel, ihren Freundinnen, ihren Puppen.
Dann ging sie zur Schule und lernte, wie man einen Aufsatz aufbaut, Rechtschreibung, Grammatik, Mathematik und Geschichte.
Später studierte sie und lernte noch mehr über Versmaße, Buchhaltung und Bilanzen. Die Geschichten verloren sich für längere Zeit im Zahlennebel, und nur, wenn sie sehr traurig war, weil sie Liebeskummer hatte oder die Welt nicht verstehen konnte, fielen ihr neue ein.
Im Laufe der Jahre lernte Gloria Menschen kennen und verlor sie aus den Augen, Tiere fanden sie und starben in ihren Armen oder gingen fort, und mit jedem Abschied wurde sie erwachsener, stärker, überlegter.
So lebte sie für lange Zeit vor sich hin, bis sie eines Tages in den Spiegel blickte und die ersten Fältchen und grauen Haare fand. Tiere hatte sie aus ihrem Leben verbannt, weil sie zuviele betrauern musste, der Mann an ihrer Seite erzählte niemals von seinen Träumen, und Glorias Leben lebte sich vor sich hin.
Auf einmal wollte sie ihren Traum wieder, wollte auf die Insel, wollte Geschichten erzählen, Tiere haben, Sonne, wollte fort von allem, was sie zu dem steinernen Wesen gemacht hatte, das sie aus dem Spiegel ansah. Aber sie konnte sich nicht mehr an ihre Träume erinnern; irgendwann im Lauf all der verlebten Jahre hatten sie sich in Luft aufgelöst, waren einfach verschwunden.

Erst jetzt, viel zu spät, stellte Gloria fest, dass ein Mensch ohne Träume längst tot ist, nichts anderes tut, als den Sinn seines Lebens mit Rest zu füllen. Ohne Geschichten fand sie ihr Leben nicht mehr lebenswert.
Und so legte sie sich eines Abends zum Schlafen nieder und sprach ein letztes Gebet: "Bitte, lasst mich morgen auf meiner Insel aufwachen. Lasst mich meine Geschichten, meine Träume wiederfinden. Ich bin bereit, jeden Preis dafür zu zahlen!"

Ein paar Tage später fand man sie. Sie hatte ein Lächeln im Gesicht und einen kleinen Zettel in ihrer Hand, auf den in knallroter Schrift "Glückskind" geschrieben war.


Gut zu mir

Café del Mar im Player,
Cabernet Sauvignon neben mir,
Laptop aufgeklappt,
Ideen sprudeln nur so aus mir heraus.
Ein leichtes Lächeln auf den Lippen,
erblicke ich durch mein Dachfenster den strahlend blauen Himmel.
Es ist warm, frühsommerlich,
abends noch lange hell.

Ich spüre Deine Arme um mich herum,
lehne meinen Kopf an Deine Schulter.
Ruhe.
Wohltuendes Schweigen.
Ich rieche fühle schmecke Dich.
Wache neben Dir auf.

Wintereinbruch.
Der Wecker klingelt um 6.00 Uhr,
meine Gedanken waren schon früher wach.
Fräsen Muster in mein Gehirn.
Es ist kalt.
Es schneit.
Das kleine, schwarze Lamm vom Bauernhof
ist verschwunden.
Ich trinke Kaffee,
während ich
sinnenlos
Solitaire spiele.

Mir ist übel.

Das Wetter für Mittwoch, 19.03.2008

Temperatur für heute: -1° bis 5°, gefühlt: -6° bis -1°.
Niederschlagswahrscheinlichkeit: 90%.
10-Tagesvorhersage: Keine wesentlichen Wetteränderungen.

Innentemperatur: 37°, gefühlt: Erfroren.
Tränenwahrscheinlichkeit: 120%.
10-Wochen-Vorhersage: Keine wesentlichen Änderungen zu erwarten.

Wir danken Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und wünschen einen angenehmen Tag!

17 März 2008

Aussagen im Versmaß

Nein!
Nicht mit mir!
Ich will das nicht!
Ich habe das nicht nötig!
Ich lasse mich nicht einfach töten!
Ich habe die Wahl: Ich töte!
Vielleicht morde ich nur mich.
Vielleicht stoße ich Dich
in den Abgrund,
den Du
suchst.

Was
auch immer
mit uns geschieht;
am Ende wird einer
von uns beiden
nicht mehr
sein.

Hunger

Flying away in a bed of skies
lost in dynamites of heaven
spring is in the air tonight

When we feel what we love
and love what we do
nothing can stop us.

When we are trouly connected with the one
at the top of the ocean
the crest of the waves.

Wishes are served on a silver plate

We will be there
the gods of your presence.

For live will be there for you
and love is live to be lived.
And love is live to be lived.

Café del Mar, 25th Anniversary, CD 2, Song 2

Free your mind, and we'll have a beautyful night!

Es sind nur Auszüge. Ich liebe dieses Lied, es berührt mich, es gibt mir Kraft, es lässt Bilder vor meinem inneren Auge entstehen.

Warum kannst Du mein Inneres nicht erfreuen?
Warum nimmst Du mir meine Energie?
Warum lasse ich mir von Dir meine Energie nehmen?
Warum halte ich Dich aus?
Wie halte ich Dich aus?

"Free your mind!" - Ich wünsche mir nichts sehnlicher.

"Beautiful night" - Scheiss drauf!

"
When we feel what we love
and love what we do
nothing can stop us." - Wann habe ich dieses Gefühl, diese Energie verloren, vor allem aber: Wie bekomme ich es wieder?

Manche Kämpfe lohnen nicht...

Häutung

Ich fühle mich nicht wohl
in meiner Haut.
Sie ist zu eng geworden.
Habe zuviele fremde Häute
anprobiert
und mich dabei
verformt.

Ich werfe sie ab,
die alte Haut.
Mir ist nicht entgangen,
dass Du
darunter
begraben
bist.

16 März 2008

UNBESCHWERT

Un-be-schwert.
Nicht schwer.
Unschwer?
Ohne Schwere.
Kein Klotz am Bein.

Oder:
Leichtigkeit.
Schweben in sonnigen Träumen.
Kraftvolles Leben.
Eine Schulter an meiner Seite, die gern auch stark sein darf.

Freiheit

Freiheit fühle ich
hier,
heute,
allein.

Gefangen war ich
dort,
gestern,
mit Dir.

14 März 2008

Kämpfe um nichtvorhandene Sterne

Es gibt ja so Tage, da springt die Kreativität aus sämtlichen Löchern, und ich habe keine Ahnung, wo sie auf einmal herkommt.
Oder lüge ich? Weiß ich eigentlich, dass Kreativität immer auch Traurigkeit bedeutet? Dass Lyrik nichts weiter ist als der Versuch, Tränen zu trocknen?
Manchmal leben wir zwei Leben: Eines, das Kraft gibt, voller Humor, Gelächter, Energie und Harmonie ist und ein anderes, das all diese Kraft und Energie einsaugt wie ein Vampir das Blut seines Opfers. Manchmal ist es schwer, diese beiden Leben unter ein Dach zu bringen.
Ich schaue hinauf zum Himmel und sehe Sterne. Träume mich auf den Bürgersteig der Milchstraße, erklettere die Mondkrater.
Aber ebenso sehe ich in Abgründe, Dunkelheit, wirbele zwischen Meteoriten herum und lasse mich fallen, statt zu kämpfen, versuche ich, statt zu schreien, flüstere ich.
Aber manchmal kämpfe ich trotzdem. Um mich. Nur noch um mich. Kann nichts anderes bewegen als meinen eigenen Arsch. Fremde Ärsche (und damit meine ich alle, die nicht an meinem Rückgrat festgewachsen sind) müssen sich selbst helfen.
Früher, in optimistischeren Zeiten, habe ich auch für andere gekämpft. Heute weiss ich, dass das nicht funktioniert.
Jeder kämpft für sich allein.
Das ist traurig.
Das ist deprimierend.
Das ist Realität.

Mit all diesen Erkenntnissen, die meinen Kopf besetzen, frage ich mich manchmal, wofür Kämpfe lohnen könnten?

Ich habe noch immer die Hoffnung, dass es Schnittmengen gibt zwischen meinem Territorium und dem anderer.

Aber ich habe Angst, dass diese Hoffnung nicht mehr wert als der Stern in meiner Jackentasche.

Aufgelegt

Du hast die Wahl:
Lass dich ein
auf Small-Talk.
Halt die Klappe.
Hör nicht zu.
Denke still vor Dich hin.
Oder leg einfach
auf.

Verlassen werden

Ausgehalten
habe ich
meine Gefühle
in der Hoffnung,
sie würden mich
endlich
verlassen.

Sie sind noch immer da.
Aber
ich bin gegangen.

13 März 2008

Aus aktuellem Anlass noch mehr Polemik

Ich hänge einem alten schamanischen Glauben an, der in Deutschland (noch) nicht sehr verbreitet ist. Die Ausübung meiner Religion erfordert, dass ich siebenmal am Tag zu festgesetzten Uhrzeiten im Kreis laufe und "Regen! Regen! Regen!" rufe. Wollte ich besonders korrekt sein, müsste ich mich dabei ausziehen, aber ich bin bereit, die Sitten und Gebräuche meines Landes zu beachten und bekleidet zu bleiben. Ausserdem wäre es im Winter auch viel zu kalt.
Artikel 4 des Grundgesetzes garantiert mir, dass ich einen Glauben haben und ihn auch ausüben darf. Ich werde gleich morgen damit beginnen, und wehe, irgendjemand versucht mir das unter fadenscheinigen Begründungen wie "Störung der öffentlichen Ordnung" zu verbieten! Dann wird mich mein Weg ohne Umschweife zum nächsten Verwaltungsgericht führen. Ich bin rechtsschutzversichert. Ich darf das.

Vielleicht möchte ich später, wenn meine Glaubensgemeinde größer geworden ist, Häuser bauen, damit wir unsere Religion ausüben können, wie es der Ritus verlangt. Wir würden Tipis aufstellen, wind- und wettergeschützt natürlich. Und wehe, es kommt jemand und beschwert sich, dass unsere Tipis nicht ins Stadtbild passen! Dann gehe ich sofort dahin, wo ich schon gewesen bin, als man versuchte, mich daran zu hindern, siebenmal im Kreis zu laufen und "Regen! Regen! Regen!" zu rufen. Dieses Recht ist garantiert. Also darf ich das.

Irgendwann werden wir unsere Glaubensbrüder und -schwestern aus unserem Ursprungsland nachholen. Die leben nämlich menschenunwürdig in Reservaten, werden von den dortigen Behörden drangsaliert und haben keine Chance auf ein besseres Leben. Dann wird unsere Religion noch mehr Verbreitung finden, und wir werden darauf bestehen, dass sie auch im Schulunterricht gelehrt wird. Und wehe, es kommt jemand und versucht das zu verhindern! Unsere Glaubensgemeinschaft wird die einzelnen Schulbehörden mit Sammelklagen überziehen! Wir haben Rechte! Wir dürfen das!

Selbstverständlich sind wir bereit, den Eingeborenen auch die Ausübung ihrer Religion zu erlauben - allerdings nur solange, wie wir uns nicht belästigt, beleidigt oder benachteiligt fühlen. Wann das der Fall ist, entscheiden selbstverständlich wir. Und wenn wir der Ansicht sind, dass man uns sehr beleidigt hat, werden wir auf die Straße gehen, Fahnen schwingen und Symbole der feindlichen Religion verbrennen. Das ist unser Recht! Wir nehmen es uns!

Vielleicht beteiligen wir uns auch an anderen Klagen, zum Beispiel gegen das Kirchenläuten am Sonntag (wegen Lärmbelästigung), Kreuze in bayrischen Klassenzimmern (wegen Indoktrinierungsgefahr) und freien Fleischverkauf (wir sind Vegetarier). Und vielleicht verklagen wir den Deutschen Wetterdienst. Wir sollten die einzigen sein, die "Regen! Regen! Regen!" sagen dürfen.



12 März 2008

Manchmal

Manchmal
wünsche ich mir
mehr Mut.

Manchmal
wünsche ich mir
schönere Träume.

Manchmal
wünsche ich mir
Dich anders.

Manchmal
wünsche ich mir
die Nacht.

Gleichgültig,
was ich wünsche,
morgen werde ich aufwachen.

Getanes

"Das hat nichts mit mir zu tun!"
sage ich
und wende mich ab.


"Ich kann mir das nicht ansehen!"
sage ich
und schließe die Augen.

"Versuch, mich zu verstehen!"
sagt er
und schaut mich an.

"Das kann ich nicht!"
erwidere ich
und ergreife die Flucht.

GESAGTES

"Das hat nichts mit Dir zu tun!"
sagst Du
und wendest dich ab.

"Ich kann Dich nicht allein lassen!"
sage ich
und gehe nicht fort.

"Versuch, mich zu verstehen!"
sagst Du
und schaust mich an.

"Wie sollte ich?"
frage ich
und sehe nicht hin.

VORSICHT: Einseitig geschlechtsverachtende Polemik!

Gestern habe ich ja bereits darüber philosophiert, dass Mobiltelefon, Blueberry, Laptop und Palm die Keule ersetzt haben.
Da wir uns aber nicht aus dem gebückten Gang aufgerichtet und sofort Wireless LAN, eine Steckdose und ein Aufladegerät gefunden haben, ist es logisch, dass wir uns irgendwie dahin bewegt haben müssen, wo wir jetzt sind.

Erinnern Sie sich noch an diese Fünfzigerjahrefilme, in denen der Held mit den Worten "Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss!" in den Sonnenuntergang ritt und eine tapfer lächelnde und erst nach seinem Verschwinden schluchzende Dame hinterließ?
Das war eine Zwischenstufe mit dem Colt als Keule. Ein paar Jahre später gab es einen Kuss auf die Wange und die Worte "Heute abend hätte ich so gern Schnitzel!". Hier ist schon eine gewisse Entwicklung festzustellen gewesen - er kam zum Abendessen wieder! Und er fuhr mit seiner Keule in den frühen Morgen hinein. Das waren die Sechziger.
Noch später, Mitte der Achziger, gab es Filmchen, in denen dressierte und albern kichernde Blondinen sich von Börsianern mit exakt zwei verschiedenen Gesichtsausdrücken dominieren liessen. Eines dieser "Werke" hiess "9 1/2 Wochen" und wurde rasch zum Kultfilm. Den habe ich mir gestern angeschaut und wie vor knapp zwanzig Jahren wieder das Bedürfnis verspürt, Kim Basinger mit "Das andere Geschlecht" (von Simone de Beauvoir, für Nichtwissende) in einem kleinen Raum bei gutem Leselicht einzusperren und Mickey Rourke in einem anderen schalldichten Raum so lange zu prügeln, bis er drei Gesichter kann.

Tja, und wo sind wir heute? Ich behaupte: Wenn ab sofort Mädchen und Jungen in getrennten Gruppen unterrichtet und später auch ebenso getrennt studieren würden, gäbe es in einer halben Generation keine Männer mehr in Führungspositionen. Die Jungs wären nämlich damit beschäftigt, ihre Rang- und Hackordnung auszukämpfen, statt zu lernen, während die Mädchen sich schon mit Quantenpsychologie und modernen Methoden der Personalführung auseinandersetzten. Jungen würden an ihrem "Einsamer-Cowboy-Status" arbeiten, während die Mädchen schon netzwerken. Jungen säßen noch im einsamen Kämmerlein, um ein bestimmtes Problem erst einmal zu durchdenken, während die Mädchen schon eine gemeinsame Lösung gefunden hätten.

Falsch? Einseitig? Beweisen Sie mir das Gegenteil! Ganz davon abgesehen, geht es mir hier in keiner Weise um politische Korrektheit und ein ausgewogenes Urteil über den Unterschied zwischen dem männlichen und dem weiblichen Geschlecht. Es geht mir darum, mich einmal ausgiebig auszukotzen. Und ich schreibe all das nur, weil ich weiss, dass der Mann meines Herzens zuviel zu tun hat, um sich mit den Ergüssen seiner phasenweisen durchgeknallten Sozialpartnerin auseinanderzusetzen. Möglicherweise teilt er meine Ansichten nicht...

Warum lassen Frauen sich noch immer schlechter bezahlen für die gleiche Arbeit?
Warum verkaufen Frauen (und da nehme ich mich nicht aus) sich nicht besser?
Warum legen Frauen ihre Brut nicht einfach dem Kerl in die Arme und gehen arbeiten? Es gibt doch jetzt ELTERNgeld! (Das hätte auch den Vorteil, dass sie den Nachwuchs nicht im Blumenkasten verbuddeln müssen, weil sie das mit dem Füttern und Wickeln nicht auf die Reihe bekommen haben.)
Warum rasieren, blondieren, etikettieren wir uns?
Warum lassen wir uns operieren, manipulieren, limitieren?
Warum bestehen wir nicht einfach darauf, dass die Welt jetzt für die nächsten paar tausend Jahre nach unseren Uhren tickt?
Warum bestehen wir nicht auf unseren eigenen Keulen? Und hauen der Welt damit unseren Stempel ins Gesicht?

Ich spreche hier nicht von Maggie Thatcher, Angela Merkel oder Hillary Clinton, die zwar meine Hochachtung für ihre Leistungen haben, möglicherweise
aber nur deswegen so weit gekommen sind, weil sie ihre Kampfesform der Männerwelt angepasst haben. Deswegen werden sie auch nichts bewegen, fürchte ich. Nicht, wenn ihre männlichen Anteile Überhand behalten.
Ich spreche von Frau Meyer, die in der Uni putzt, von Frau Metzger, die sich der Parteiräson widersetzt, von Frau Müller, die alleinerziehend ist und Chefin eines mittelständischen Unternehmens, von Frau Schmidt, die im Frauennotruf ehrenamtlich arbeitet, von Frau Simonis, die zugibt, der Machtgeilheit erlegen zu sein.

Wollen wir wirklich zulassen, dass die Jungs immer noch durch die Gegend laufen, unorganisiert, teilweise unfähig, dass sie Züge, Müllabfuhr und Volkswirtschaft lahmlegen, weil zwei von ihnen sich die schrumpeligen Eier schaukeln müssen? Wollen wir wirklich zusehen, wie sie diesen Planeten ins endgültige Aus schiessen, weil sie nicht auf ihre Potenzschleudern und den Einzelplatz im Bundeswehrjet verzichten wollen? Dass unsere Kinder zum größten Teil noch immer männerlos aufwachsen, weil die wenigen, die sich trauen, für den Nachwuchs echte Verantwortung zu übernehmen, als Weicheier verhöhnt werden?

Wollen wir im Jahr 2008 wirklich tatenlos dabei zusehen, wie sie mit modernen Keulen durch eine immer kleiner werdende Welt trampeln, wenn sie im Grundschulalter nicht einmal in akzeptabler Zeit einen Kreis bilden können, der diese Bezeichnung auch verdient hat?
Wollen wir immer noch still abwarten, bis ER sich bewegt?

Entscheiden Sie selbst!

Und noch ein paar Fragen an die Herren:

Wollen Sie sich immer noch unterstellen lassen, Sie hätten sich nicht unter Kontrolle, und jede Frau im Mini würde Ihren Paarungstrieb unweigerlich auslösen?
Wollen Sie wirklich, dass Ihr Sohn und Ihre Tochter nur von einem Geschlecht, also einseitig, erzogen wird?
Was halten Sie von Kommunikation? Miteinander reden? Nicht immer der Stärkere sein müssen? Alberne Rollenstereotypen loslassen dürfen? Weinen dürfen? IHR die Wasserkiste in die Hand drücken, wenn sie schon nach Gleichberechtigung brüllt? Wollen Sie häufiger IHR die Initiative im Bett überlassen, auch auf die Gefahr, dass sich dann für eine Weile nicht soviel tut?

Wollen Sie mit Ihrem Sohn und seinen Freunden einen Kreis üben, der diesen Namen auch verdient hat? Ihnen zeigen, dass Männer nicht so strotzdoof sind, wie sie sich viel zu oft präsentieren?

Es ist Ihre Entscheidung!






11 März 2008

Schatz, Deine Keule!

Kennen Sie diesen Satz noch aus "Pappa ante Portas" mit Evelyn Hamann und Loriot: "Schatz, Du hast Deine Keule vergessen!" ruft sie und winkt mit dem zusammengeklappten Regenschirm, nachdem er ihr beim Frühstück einen langen Vortrag über die Aufgabe des Mannes, hinaus in die feindliche Welt zu gehen und für den Lebensunterhalt der Familie zu sorgen und die der Frau, nämlich die Höhle zu hüten und gemütlich einzurichten, gehalten hatte.

Auch auf die Gefahr hin, wieder einmal als polemische Männerfeindin gebrandmarkt zu werden, was ich nicht bin (jedenfalls meistens nicht), gestehe ich, dass ich durchaus Parallelen wahrnehmen kann. Allerdings sind die Jungs inzwischen etwas weiter: Sie haben die Keule nicht durch einen Regenschirm, sondern ein Mobiltelefon ersetzt.
Kennen Sie noch diese Gürteltaschen für Handys? Haben Sie jemals eine Frau mit so einem Ding gesehen? Erinnern Sie sich noch an diese Bewegung, mit der die Herren ihr Telefon hervorholten, wenn es klingelte? Ein wenig erinnerte mich das immer an die Revolverhelden beim Showdown: Eine Hand hing lässig über dem Colt (der übrigens etwa an derselben Stelle hing wie heute das Handy), und wenn der Gegner sich bewegte, wurde die Waffe blitzschnell gezogen und abgefeuert. Der Griff zum Mobilen funktionierte ähnlich. Es klingelte, die Hand des Herren zuckte zum Gürtel, und meist bellte er noch vor dem dritten Klingelton sein "Ja!" ins Gerät.

Heute ist die Gürteltasche manchmal durch eine Socke, häufig aber überhaupt nicht ersetzt worden. Man hält die pure Technik in der Hand. Dafür klingelt es noch häufiger, weil inzwischen die halbe Welt so ein Ding besitzt und jeden Scheiss sofort telefonisch verbreiten muss. Allein die Tatsache, dass in Kinos, Arztpraxen, Theatern und Konzerten extra darauf hingewiesen werden muss, das Telefon auszuschalten, sagt eine Menge über unsere mobile Generation aus. Man ist wichtig, und das Handy ist die Garantie dafür, dass es alle merken.
Da aber alle eins haben, ist man eigentlich nicht mehr wichtig, sondern eher lächerlich, wenn man in jeder möglichen und unmöglichen Situation telefoniert, smst oder einfach nur mit dem Handy herumspielt. Mein Vorschlag an die betreffenden Herren, die sich nicht von ihrem Telefon trennen können und mit ihrer permanenten und penetranten Erreichbarkeit auch die minimalsten Höflichkeitsregeln verletzen: Spielen Sie doch ein wenig an sich selbst herum! Das macht möglicherweise erstens mehr Spaß und baut zweitens einen eventuell vorhandenen Hormonüberschuss ab, den Sie in unseren weitgehend keulenlosen Zeiten nicht mehr brauchen.
Sie können nicht ohne Keule? Gehen Sie in den Wald, reissen Sie ein paar wehrlose Äste ab und werfen Sie damit. Das hilft, vor allem aber kann es ohne penetrante Geräuschkulisse in Form des neuesten Jamba-Klingeltones stattfinden. Und wenn es Ihnen zu leise ist, könnten Sie ja ein bisschen dabei grunzen...

Bevor es jetzt wieder heisst, ich hacke immer nur auf den Männern herum, obwohl die Frauen doch auch echt schlimm sind: Ja, auch die Frauen sind echt schlimm! Wer schon einmal einen weiblichen Teenager in extrem rückenschädigender, weil zusammengekrümmter Position über seinem Handy hängen sah, weiss, wovon ich rede. Sie schicken sich SMS mit ihrem potentiellen neuen Liebsten, trennen sich per SMS und besprechen das Ganze dann per SMS mit der besten Freundin, die möglicherweise am gleichen Tisch sitzt. Und während die Jungs Technik pur bevorzugen, bammeln die Mädels irgendwelche albernen Bändchen, Steinchen oder sonstigen Schnickschnack an ihr Gerät oder stopfen es in irgendwelche Täschchen. Die Damen meiner Generation nutzen das Mobiltelefon eher zur Kontrolle des Nachwuchses oder des Höhlenvorstandes. Achten Sie einmal darauf, wie sie beispielsweise nach Beendigung eines Fluges an ihre Telefone stürzen, zuhause anrufen (wenn Nachwuchs und Höhlenvorstand dabei sind, tut es auch Schwiegermama) und wild drauflostelefonieren. Sie schalten ihr Handy nur ungern aus, weil sie Angst haben, mögliche Katastrophenmeldungen zu verpassen.

Warum ich das alles schreibe? Weil ich der Ansicht bin, dass ab und zu ein wenig Kommunikation mit dem gegenüber stehenden, realen Menschen mehr Sinn macht als das Verschicken von SMS. Weil ich nicht permanent erreichbar bin und das auch nicht sein möchte. Weil ich finde, dass die Wichtigkeit einer Person sich über ihre Taten, nicht über die Funktionen ihres Mobiltelefons definieren sollte.

Und keine Angst, ich finde nicht, dass die Jungs wieder eine Keule bekommen sollten - sie haben ja Autos! Und die Mädels gehen anscheinend von ganz allein in die Höhle zurück...

06 März 2008

Hoppsenalpträume

Heute früh, glücklicherweise kurz vor dem Weckerklingeln, hatte ich den Alptraum, der möglicherweise alle schon einmal heimgesucht hat, die mit Gruppen arbeiten. Die Überschrift könnte lauten: "Niemand hört mir zu!"

Ich wollte eine Aerobicstunde geben in meinem Traum. Als ich den Kursraum betrat, registrierte ich voller Entzücken, dass all die "Kursprofis" anwesend und in gespannter Erwartung waren. Ich blickte in freundliche, lächelnde Gesichter; meine eigene Vorfreude wuchs.

Dann muss der Regisseur meines Traumes vorgespult haben. Ich wollte noch ein paar Worte vorweg sagen, doch alle TeilnehmerInnen standen in kleinen Grüppchen beieinander, niemand hörte mir zu. Und ich kann laut, wenn es sein muss, auch im Traum!
Also legte ich die Musik ein und sagte die ersten Schritte an.
So, wie ich mich jetzt fühlte, muss sich auch ein auf die Erde gefallener Marsbewohner fühlen - fremd irgendwie, anders, alles ist auf einmal höchst beängstigend.
Um mich herum standen auf einmal nicht mehr meine "alten" TeilnehmerInnen, sondern irgendwelche spätpubertären Gropbmotoriker, die in ihren Körpern offensichtlich überhaupt nicht zuhause waren. Es gelang ihnen nicht einmal, den Minimalanforderungen (Sportbekleidung, Turnschuhe, Gruppenaufstellung) zu entsprechen.
Nach dem Aufwärmen gestaltete ich die Schrittfolgen etwas anspruchsvoller (ich liess sie nicht nur nach rechts, sondern auch nach links laufen), und
die Ersten stiegen aus, blieben aber im Kursraum stehen und plauderten.
Ich sah mich wütend um und stellte voller Entsetzen fest, dass ich mit der tauben und halbgelähmten Bande allein im Kursraum war. Verzweifelt brüllte ich in den Raum, dass diejenigen, die nicht zum Sport, sondern wegen einer neuen SMS-Versende-Location gekommen waren, doch bitte den Raum verlassen sollten.
Glücklicherweise gingen alle.
Leider kamen die Guten nicht zurück.

Und endlich klingelte mein Wecker.

Normalerweise stehe ich nicht mit dem ersten Klingeln auf, sondern snooze mich noch eine halbe Stunde weiter. Heute sprang ich mit beiden Füßen gleichzeitig und überhaupt nicht rückengerecht aus dem Bett, froh, diesem Alptraum entronnen zu sein.

Was wollte mir dieser Traum sagen? War er prophetisch, und ich muss nächstens mit einer klassischen, übergewichtigen und unwilligen Unterschichtengruppe rechnen, die in Ermangelung besserer Informationen die Milchschnitte für ein diätisches Lebensmittel hält und einen Fruchtzwerg für ein gequirltes Steak?

Oder soll ich dankbar für meine höchst motivierten TeilnehmerInnen sein und sie möglichst häufig loben, damit sie mir die Stange halten, weiterhin den Kursraum bevölkern und so verhindern, dass die dicken Unterschichtler sich einschleichen?

Brauche ich ein Mikrofon?
Bessere Musik?
Muss ich vorsichtig sein?

Noch grübele ich über der Botschaft dieses Traumes. Eines ist sicher: Er hat mir gründlich den Vormittag verhagelt. Den Nachmittag auch.
Aber glücklicherweise waren meine Teilnehmerinnen heute abend motiviert, hörten mir zu und hatten keine Mobiltelefone dabei.

Ich bin dankbar für diesen Tag, die Tatsache, dass ich meinen Wecker so früh gestellt und ihn gehört habe, für meine TeilnehmerInnen (nicht nur die des heutigen Tages), meinen Job und meine laute Stimme, mit der ich nötigenfalls auch einen übergewichtigen Teenager übertönen werde.

Ratlos bin ich aber trotzdem. Hat von Ihnen jemand eine Idee?


05 März 2008

Herz-Kreislauf-Prävention

Besser, ich achte jetzt auf Gewicht, Ruhepuls und Blutdruck. Letzteren kenne ich nicht, habe ich das letzte Mal messen lassen (müssen) 1999, als ein Krankenhaus darauf bestand, eine vollständige Anamnese durchzuführen.
Gewicht ist zu hoch, Ruhepuls ebenso, Blutdruck - weiss nicht.
"Auf sich aufpassen" gewinnt neue Dimensionen. Einerseits sollte MAN darauf achten, alle Vorsorgeuntersuchungen (incl. so ekelhafter Sachen wie Darmspiegelungen) mitzumachen, andererseits ist MAN selbst verantwortlich für alles Geschehen. Will heissen: Keine Darmspiegelung - selbst schuld bei Darmkrebs. Darmspiegelung - selbst Schuld bei Darmkrebs; MAN hätte ja den Arzt wechseln können!
Der mündige Patient ist verlangt. Und um die Überlebenschancen als gesetzlich Versicherter im Krankenhaus zu optimieren, empfehlen sich gute Kontakte zur örtlichen Presse, eine Rechtsschutzversicherung und engagierte Angehörige, die auch vor einem eventuellen Konflikt mit dem Pflegepersonal nicht halt machen.
Da es all das selten auf einmal gibt, empfehle ich persönlich einen schnellen Herztod unmittelbar vor der Einlieferung.

Womit wir schon wieder beim Sterben wären. (Traumzauberer, Du musst entschuldigen - ist irgendwie zur Zeit (m)ein Thema...) Aber möglicherweise ist tot besser als leidend, abhängig, dramati- oder traumatisiert.
MEINE Entscheidung wäre der Tod, wenn ich die Möglichkeit hätte, sie zu treffen. Tod tut nicht weh. Hoffe ich. Führt in eine schöne Unendlichkeit. Glaube ich. Ist nicht schlimm. Bin ich sicher. Quälen lassen will ich mich nicht.

Übrigens, um beim Striptease zu bleiben: Meine (Ex-)Katze lebt weiter. Und ganz offensichtlich will sie das auch. Vielleicht wäre Instinkt besser als Denken?
Fühlen können wir (Menschen) schon lange nicht mehr sehr gut... Ist meine persönliche Ansicht.

Mehr Wortspielereien

SEELENSTRIPTEASE

Sehr einsam, eigenbrötlerisch. Leben endet nie so tödlich, rasch. Ist positiv, träumerisch, ewig, aber selten erträglich.


Es ändert sich. Viel ändert sich.

Gestern noch bestand mein Glück darin, die bekannte und unbekannte Umwelt an meinen Zuständen teilhaben zu lassen. Heute sind mir Worte wichtiger.

EMPATHIE. Teilnahme. Hineinfühlen. Er macht praktisch alles, teilt heroisch ihre Emotionen.

Gestern noch wünschte ich mir, meine Emotionen mit der lesenden Welt zu teilen. Heute frage ich mich, ob diese Gefühle irgendwen interessieren.

INTERESSE. Wörtlich übersetzt: "Dazwischen sein." Im Nirgendwo treibt ein regloses Etwas, saugt Seelen ein.

Gestern noch hoffte ich auf Nähe, wollte gehalten werden. Heute trainiere ich meine Kraft, um mich selbst halten zu können.

HALTUNG. Physiologisch optimal. Gut für die Wirbelsäule. Hält aber Leben tatsächlich unsere Negativismen gering?

Gestern noch war ich sicher, eine Andere werden zu können. Heute sehe ich einen Weg, aber kein Ziel.

ZIELLOSIGKEIT. Nicht wissen, wohin die Reise führt. Zaudernd ist er, lasch, leblos. Oder sehe ich grau? Klagt er im Traum?




Strip-Show

Einst
erntete ich
Applaus für meinen
Striptease.
Immerhin,
nach fünfzehn Minuten
war ich nackt.

Heute
werde ich
gerügt für meine
Entblößung.
Denn
nach fünfzehn Sätzen
bin ich durchsichtig.

02 März 2008

Noch mehr Abschiede

Manchmal frage ich mich, wann es genug ist. Wann ein Mensch soviel Durchhaltevermögen bewiesen hat, dass er in Ruhe gelassen wird vom Schicksal.
Menschen sterben. Tiere sterben.
Abschiede gehören zum Leben ebenso wie Geburten.
Manchmal frage ich mich, ob Abschiede leichter fallen, wenn man nicht geboren hat.
Bin ich kalt, weil ich die, die gehen wollen, gehen lassen kann?
Bin ich gefühllos, weil ich weiterleben will?
Ich stehe oft vor Gräbern und versuche mich an die zu erinnern, die in diesen Gräbern zur vielbeschworenen letzten Ruhe gebettet wurden. Aber haben sie ihre Ruhe in den Gräbern gefunden? Oder sind die Gräber nichts anderes als Krücken für die Zurückgebliebenen?
Manchmal denke ich, dass der Tod etwas sehr Schönes, Willkommenes sein kann. Wenn jemand glaubt, dass es eine andere Seite gibt, auf der ein geliebtes Wesen wartet. Wenn jemand glaubt, dass es weitergeht nach dem Sterben. Wenn jemand glaubt, dass Geburt, Alter und Tod Leben bedeuten.
Manchmal hoffe ich, mich verabschieden zu dürfen.
Manchmal lässt das Schicksal keine Zeit für Abschiede.
Manchmal bleibe ich zurück und trauere.
Aber meistens habe ich verstanden, dass Leben den Tod bereits in sich hat und dass ich den Lebenden zeigen muss, dass ich sie liebe. Die Toten könnten die Lilien auf ihren Gräbern nicht sehen.
Leben ist wichtig.
Liebe ist wichtig.
Sterben ist beides.
Jemanden gehen zu lassen bedeutet für mich, ihn oder sie geliebt zu haben.
Und für all diejenigen, die bereits gegangen sind, baue ich hier und heute einen Gedenkstein. Ich betreibe keinen Seelenstriptease, aber alles, was ich tun kann, um sie aus meinem Kopf heraus in andere Köpfe (und Herzen) zu schicken, werde ich tun. Sie haben es verdient. Alle.
Oma Schulz, ich habe es damals noch nicht verstehen können. Sie war eine unglaublich liebenswerte Person, viel Bauch, viele Lachfältchen um die Augen, Schwarzwälder Dialekt, graugemusterte Schürzen. Sie hat mir ein Heimatgefühl gegeben in einer für mich fremden Umgebung.
Mein Onkel Walter, Vaterersatz, der Mensch, der meine Windeln gewechselt, für mich "GutWetter" bei meiner Mutter gemacht hat, wenn ich etwas ausgefressen hatte, der liebste, wichtigste, liebenswerteste, unvergesslichste und prägendste Mensch nach meiner Mutter eben. Ich werde ihn nie vergessen.
Meine Oma, zickig, besorgt, liebevoll, kauzig, eigen, sie hatte alles, was eine Oma ausmacht.
Tönchen, die erste Katze in meinem Leben, Voller Charme, Durchsetzungsvermögen, unglaublich weich und kuschelig. Wenn ich die Möglichkeit hätte, den zu quälen, der sie gequält hat, würde ich sie nutzen. Hemmungslos. Ich musste sie töten lassen, weil ein artgerechtes Leben nicht mehr möglich gewesen wäre.
TC, mein erster Kater. Ich weiss nicht, was mit ihm passiert ist, er war irgendwann fort, und ich habe lange nach ihm gesucht. Ich hatte ihn vor dem Ertränktwerden gerettet (er war "übrig" aus dem Wurf), und ich hatte ihn sehr lieb.
Es gab viele Katzen nach den beiden: Teufel, Ajau, Fräulein Smilla, Lätzchen Flöhchen, Higgins, Keks und Muffin, um die wichtigsten zu nennen.
Es gab und gibt viele wichtige Menschen.
Sie alle sind entweder schon gegangen oder werden es noch tun.
Ich werde möglicherweise noch eine Zeit bleiben.
Vielleicht erinnert sich irgendwann jemand an mich.

01 März 2008

Buchstabenspielereien mit Emmas Worten

Regensolo
Ragt Ewigkeit gen Erwachen?
Eher nicht.
Stärke oder lieber Ohnmacht?

Windpercussion
Will ich nicht doch perfekt, erotisch, rational, cäsarengleich und sibyllinisch sein?
Ich oder niemand?

Wolkenimpressionismus
Wie oft lebt keiner ein nie im Melodramatischen placiertes Ressentiment?
Ein sehr selten im Offensichtlichen negierter Idealismus soll mich unten sehen.

Baumgeigen
Bevor Adam und Methusalem gingen, eilten ihre Geister Eva nach.

Stille
Sehr traurig ist Leben, Leiden, Ewigkeit.