22 März 2008

Es wird alles gut, weil es muss...

...schrieb mir kürzlich eine liebe Kollegin. Recht hat sie! Auch, wenn ich häufiger in letzter Zeit das Gefühl hatte, dass jetzt aber auch wirklich nichts mehr geht, irgendwie geht es immer. Klingt nach albernem Allgemeinplatz, unüberlegten Trostesworten, Hilflosigkeit. Ist aber wahr, jedenfalls für mich.

Da stirbt ein lieber oder geliebter Mensch, und bei der Beerdigung ist da ein Gefühl, sich ins Grab fallenlassen zu müssen, um ihm noch ein wenig länger nahe sein zu dürfen.
Da zieht sich ein geliebter Mensch zurück, weil er neben seinem eigenen Sein kein anderes mehr ertragen kann, weil er sich entliebt hat, weil er mehr Platz braucht, weil es eben einfach so ist. Der erste Impuls ist, ihm "Du darfst mich nicht verlassen!" hinterher zu schreien, sich festzuklammern.
Manchmal erscheint auch ohne besonderen Anlass das Leben voller Verpflichtungen, Aufgaben, Termine zu sein, kein einziger Tag in Sicht, auf den zu freuen es sich lohnt. Und gleichzeitig geraten alle vergangenen, schönen, erfüllten, leuchtenden und glücklichen Tage in Vergessenheit.

Es gibt unglaublich viele Anlässe, die das Leben für eine Zeitlang kohlrabenschwarz färben können, jede und jeder mag andere haben. Und es ist sehr, sehr schwer, in diesen Momenten an Licht, an Farbe zu denken, zu wissen "Das habe ich alles schon einmal erlebt und überlebt, obwohl ich auch damals dachte, alles sei sinnlos. Auch diesmal wird es am Ende des berühmten Tunnels wieder hell sein." Manchmal ist es aber fast unmöglich, diesen einen, kleinen Lichtpunkt zu erkennen. Manchmal schließe ich sogar meine Augen, weil ich ihn nicht sehen, will, weil ich nicht glaube, dass er wirklich da ist.

Ich bin kein religiöser Mensch, aber was ist all das gegen den Aufschrei von Jesus, als ihm klar wurde, dass er sich opfern muss und wird: "Vater, wo bist Du?" Wenn ich versuche, mich in diesen Menschen hineinzuversetzen, der weiss, dass er auf grausame Weise sterben wird, und dessen
Vertrauen in seinen Vater vielleicht auch in den letzten Momenten erschüttert worden ist, rückt alles, was mein Leben gerade beschweren mag, wieder zu erträglicher Größe zurecht.

Ich muss mich für niemanden opfern, sondern werde, wenn alles klappt, eines Tages einen mehr oder weniger natürlichen Tod
sterben. (Leberversagen rechne ich jetzt mal zu den natürlichen Todesursachen hinzu...) Ich tue meistens das, was ich gern tue, bin gesund und einigermaßen fit, und wenn ich ganz genau hinsehe, erkenne ich ein kleines bisschen blauen Himmel hinter den Wolken. Das kleine, schwarze Schaf ist auch wieder aufgetaucht. Es gibt einige Menschen in meinem Leben, die ich liebe und denen ich wichtig bin. Meine Katze wird wieder gesund, immerhin scheisst sie seit einigen Tagen wieder im Stehen.

Ja, es ist ein blödes Mistwetter, und man mag überhaupt nicht rausgehen! UND ich habe heute meine Wohnung geputzt, sehr laut Musik gehört und werde heute abend tanzen gehen.
Ja, es gibt einen Menschen, den ich jetzt sehr gern bei mir hätte, aber möglicherweise für eine längere Zeit nicht bei mir haben werde! UND ich habe einen Job, der mir Spaß macht, eine neue Geschichte im Kopf von Roventa Dwight, der jungen Weltreisenden, ein verlängertes Wochenende vor mir mit Katzenbespaßung und Besuch bei Muttern.
Ja, ich bin traurig, weil ich nicht so helfen kann, wie ich gern möchte. UND ich bin mir bewusst, dass es nicht um Hilfe geht, sondern um Loslassen.

Der Traumzauberer hat geschrieben, ich hätte doch schon eine sehr schöne Insel. Recht hat er. Viel zu oft weiß ich nicht mehr zu schätzen, was ich habe. Was ich bin. Zeit, mal wieder "Dankeschön!" zu sagen.

Ich wünsche allen MitleserInnen, FreundInnen und Bekannten wunderschöne, kuschelige, verschneite Ostern, Gedanken voller Sonne, blauem Himmel und kleinen, schwarzen Schafen. Oder kleinen, weissen Eisbären. (Nein, Thomas! Nicht auf Toast oder mit Sauce!!!) Oder was sonst nötig ist, um die Muskeln anzuspannen, die für ein Lächeln angespannt werden müssen.


1 Kommentar:

  1. Bitte sehr.

    Ich glaube zwar nicht, daß das "Danke schön" an mich gerichtet war, es wäre zumindestens das allererste Mal, aber drauf geschissen. Ich habe es trotzdem gern geschrieben.

    Ich freue mich sehr darüber, daß Du diesen Blog insgesamt so verfaßt hast. Vielleicht ist es ja der berühmte Anfang für eine glücklichere Zukunft, ein zufriedeneres Leben als das, was Du gewählt hast - seitdem Du es gwählt hast. Ich wünsche es Dir, daß Du auf einige seltene Highlights verzichten kannst, und sehr viel kontinuierlich auf Dich hereinprasselnde Scheiße Dir erspart bleibt.
    Du willst loslassen ? Du hättest niemals anfassen dürfen. Du hast ein fallendes Messer ergriffen, das klappt meistens nicht ohne Verletzungen. Ist übrigens eine alte Börsenweisheit. "Never touch a falling knife".

    Begreife doch bitte, daß es keinen Grund gibt sich permanent demütigen zu lassen mit der Begründung, es könnte ja so schön sein. Du bist mehr wert, als Du meinst, keinesfalls wertlos. Also schlage ich vor, du ziehst mal den Finger aus dem Arsch, machst einen Strich, läßt Dich nicht umstimmen, ach nicht von Dir, und wartest mal in aller Ruhe ab, was das Leben so für Dich bereit hält. Laß Dich finden, irgendwann von irgendwem. Du mußt Dich aber auch bereit erklären, und bereit sein, Dich finden zu lassen. Das bist du momentan nicht. Ich hoffe, Du kannst es bald wieder sein.

    Ich habe in den letzten Wochen und Tagen Deine gesamten Blogs genommen, auch die anderen, und habe die Texte in eine Datei kopiert. Ich lese es sehr oft. Der eigentliche Grund aber war, daß ich über eine Suchfunktion die Begriffe "Tod", "sterben", "weinen" und noch einige andere haben suchen lassen. Die Häufigkeit der Verwendung dieser Begriffe in den einzelnen Monaten ist verblüffend. Ich habe auch Begriffe wie "Liebe", "zufrieden" und "Glück" suchen lassen.

    Die Aussage, die man daraus ableiten kann ist unzulässig.
    An den Haaren herbeigezogen. Ganz bestimmt.

    Wenn ich Deine Texte lese, steht ganz klar der Spaß am Lesen und das Interesse an Deiner Person im Vordergrund. auch erinnerungen. Ich denke nicht, daß die Verwendung dieser Begriffe irgendeine Schlußfolgerung erlaubt. Ich habe es einfach nur getan, weil ich Langeweile hatte.

    Ich hoffe unverändert, daß der Aufwand, den Du mit dm Leben treibst, belohnt wird. Dazu mußt Du aber auch ein bißchen mithelfen.

    Die Gefahr, daß Dir die Texte ausgehen, wenn du losgelassen hast, besteht nicht. Du hast sehr viel zu mitteilen, auf eine unterhaltsame Art, lesbar. Ich möchte gern mehr lächeln können beim Lesen Deiner Texte.

    Ich bin übrigens sehr glücklich, daß Deine Katze wieder normal scheißt. Mach es ihr einfach nach.

    Traumzauberer.

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