Manchmal frage ich mich, wann es genug ist. Wann ein Mensch soviel Durchhaltevermögen bewiesen hat, dass er in Ruhe gelassen wird vom Schicksal.
Menschen sterben. Tiere sterben.
Abschiede gehören zum Leben ebenso wie Geburten.
Manchmal frage ich mich, ob Abschiede leichter fallen, wenn man nicht geboren hat.
Bin ich kalt, weil ich die, die gehen wollen, gehen lassen kann?
Bin ich gefühllos, weil ich weiterleben will?
Ich stehe oft vor Gräbern und versuche mich an die zu erinnern, die in diesen Gräbern zur vielbeschworenen letzten Ruhe gebettet wurden. Aber haben sie ihre Ruhe in den Gräbern gefunden? Oder sind die Gräber nichts anderes als Krücken für die Zurückgebliebenen?
Manchmal denke ich, dass der Tod etwas sehr Schönes, Willkommenes sein kann. Wenn jemand glaubt, dass es eine andere Seite gibt, auf der ein geliebtes Wesen wartet. Wenn jemand glaubt, dass es weitergeht nach dem Sterben. Wenn jemand glaubt, dass Geburt, Alter und Tod Leben bedeuten.
Manchmal hoffe ich, mich verabschieden zu dürfen.
Manchmal lässt das Schicksal keine Zeit für Abschiede.
Manchmal bleibe ich zurück und trauere.
Aber meistens habe ich verstanden, dass Leben den Tod bereits in sich hat und dass ich den Lebenden zeigen muss, dass ich sie liebe. Die Toten könnten die Lilien auf ihren Gräbern nicht sehen.
Leben ist wichtig.
Liebe ist wichtig.
Sterben ist beides.
Jemanden gehen zu lassen bedeutet für mich, ihn oder sie geliebt zu haben.
Und für all diejenigen, die bereits gegangen sind, baue ich hier und heute einen Gedenkstein. Ich betreibe keinen Seelenstriptease, aber alles, was ich tun kann, um sie aus meinem Kopf heraus in andere Köpfe (und Herzen) zu schicken, werde ich tun. Sie haben es verdient. Alle.
Oma Schulz, ich habe es damals noch nicht verstehen können. Sie war eine unglaublich liebenswerte Person, viel Bauch, viele Lachfältchen um die Augen, Schwarzwälder Dialekt, graugemusterte Schürzen. Sie hat mir ein Heimatgefühl gegeben in einer für mich fremden Umgebung.
Mein Onkel Walter, Vaterersatz, der Mensch, der meine Windeln gewechselt, für mich "GutWetter" bei meiner Mutter gemacht hat, wenn ich etwas ausgefressen hatte, der liebste, wichtigste, liebenswerteste, unvergesslichste und prägendste Mensch nach meiner Mutter eben. Ich werde ihn nie vergessen.
Meine Oma, zickig, besorgt, liebevoll, kauzig, eigen, sie hatte alles, was eine Oma ausmacht.
Tönchen, die erste Katze in meinem Leben, Voller Charme, Durchsetzungsvermögen, unglaublich weich und kuschelig. Wenn ich die Möglichkeit hätte, den zu quälen, der sie gequält hat, würde ich sie nutzen. Hemmungslos. Ich musste sie töten lassen, weil ein artgerechtes Leben nicht mehr möglich gewesen wäre.
TC, mein erster Kater. Ich weiss nicht, was mit ihm passiert ist, er war irgendwann fort, und ich habe lange nach ihm gesucht. Ich hatte ihn vor dem Ertränktwerden gerettet (er war "übrig" aus dem Wurf), und ich hatte ihn sehr lieb.
Es gab viele Katzen nach den beiden: Teufel, Ajau, Fräulein Smilla, Lätzchen Flöhchen, Higgins, Keks und Muffin, um die wichtigsten zu nennen.
Es gab und gibt viele wichtige Menschen.
Sie alle sind entweder schon gegangen oder werden es noch tun.
Ich werde möglicherweise noch eine Zeit bleiben.
Vielleicht erinnert sich irgendwann jemand an mich.
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