25 August 2008

Blau

... ist die Farbe des Himmels, wenn er sich nicht hinter Wolken versteckt.
... leuchtet das Meer, wenn man von oben herunterschaut.
... sind die meisten Kunstwerke von Yves Klein.
... machen bedeutet, nicht zur Arbeit zu gehen.
... ist man nach ein paar Gläsern zuviel.
... strahlt es aus Deinen Augen.

Laut Farbentheorie ist Blau

... eine kühle Farbe.

... steht für Ruhe, Vertrauen, Pflichttreue, Schönheit, Sehnsucht.

Sie kann aber auch Traumtänzerei, Nachlässigkeit oder Melancholie vermitteln.

Ich sehe das Meer in Deinen Augen, den klaren Himmel ... kann beruhigt meine schließen und mich an Dich lehnen, weil ich Deinem Blick vertraue.

24 August 2008

Out of the dark

singt Falco. Nein, SANG Falco. Er hat sich ja totgefahren, irgendwo auf einer karibischen Insel, möglicherweise vollgestopft mit Drogen. "Muss ich denn sterben, um zu leben?" hat er gesungen.
Tja.
"Hab mich geschunden und gewunden." sang er noch, und "Ich bin zerrissen, wann kommst Du meine Wunden küssen?" Ob wohl jemand gekommen ist? Irgendwann? Hat jemand seine Wunden geküsst, auch wenn es zu spät war?
Wo genau ist er gestorben?

"Ich bin bereit. Denn es ist Zeit für unsren Pakt über die Ewigkeit."

Wenn das keine Todessehnsucht ist...

Aus welcher Dunkelheit wollte er fliehen? Zu wem wollte er? Wen hätte er für seine Mutter gehalten?

Die Gitarre klingt gut. "Out of the Dark - into the light. I give up and close my eyes." Tut gar nicht weh. Möglicherweise. "I give up and rest my tears to the night." Oder so.

Wir sind dann mal weg

Morgen abend um 18:57 Uhr, werden meine Rolltasche und ich ein Linientaxi besteigen, das uns nach Nörten-Hardenberg zum Bahnhof bringt. Dort haben wir ca. 4 min. Aufenthalt, bis der Zug nach Göttingen ankommt. Nach weiteren 6 bis 8 Minuten Fahrt (je nach ICE-Aufkommen) erreichen wir dann den Göttinger Hauptbahnhof, den wir in Richtung Innenstadt verlassen werden.

Am Dienstagmorgen werden wir dann zu viert sein: Zwei Rollkoffer, ein Mann und eine Frau. Nein, eigentlich sind wir zu fünft: Da gibt es noch ein T-Modell, auberginemetallic, das uns nach Paderborn bringen wird zum Flughafen.

Und spätestens dort beginnt (m)ein großes Abenteuer: Ruhe. Entspannung. Allein mit dem Liebsten ohne Ablenkung durch Arbeit, Verpflichtungen, Kram eben. Strand. Schlafen vielleicht. Blick auf ein fremdes Meer. Sein auf einer fremden Insel. Anderswo.

Meine Tasche war schon oft in Urlaub. Ich auch.

Trotzdem ist alles anders.

Der schönste Teil bei "Harry und Sally" lautet:
Wenn Du herausgefunden hast, dass Du mit einem Menschen den Rest Deines Lebens verbringen willst, dann willst Du, dass dieser Rest so schnell wie möglich beginnt!
Mein Rest beginnt morgen abend um 18.57 Uhr. Ich würde ihn gern in Deinem Arm verbringen.

Oder anders gesagt: Wir sind dann mal drei Wochen weg.

Eisbärentodeskämpfe

Die Felder sind abgeerntet, nur der Mais steht noch. Aber der tut das möglicherweise, weil er gentechnisch manipuliert wurde.

Ich habe gelogen. Rüben stehen auch. Auf meiner bevorzugten Fahrradstrecke gibt es ein paar Felder, auf denen Schilder mit seltsamen Namen stehen, die mir, ebenso wie der wild in die Höhe wachsende Mais, das Gefühl vermitteln, dass Wachstum, Größe und nicht vorhandener Schädlingsbefall nicht mit rechten Dingen zugehen können.

Wussten Sie übrigens, dass wegen gentechnischer Veränderungen einige Schmetterlingsarten auszusterben drohen?

Und, mal weg von Mais und Rüben: Wussten Sie, dass gerade siebzig Eisbären schwimmenderweise um ihr Überleben kämpfen, weil es kaum noch zusammenhängende Eisschollen gibt? Wussten Sie, dass gerade ein Waljunges eingeschläfert werden musste, weil es ein Schiff für seine Mutter hielt?

Glauben Sie, dass all das eine normale Entwicklung ist? Nicht veränderbar? Dass wir nichts dafürkönnen, dass Wale sich verschwimmen, weil sie ihre eigenen Gesänge nicht mehr hören können bei all dem Krach, den Fischtrawler, AIDA und Co. machen? Dass Eisbären jämmerlich ersaufen, weil ein paar Millionen Amerikaner, Chinesen und Inder glauben, dass sie jetzt dran sind mit "zivilisiertem Leben"?

Glauben Sie, dass Sie mit Mülltrennung etwas beitragen können zu einem besseren Leben für Eisbären, Wale und Kinder in der sogenannten "Dritten Welt"? Dass irgendjemand auf dieser Welt ein echtes Interesse daran hat, dass Robben leben, Eisbären jagen, Tiger herumstreifen, Fledermäuse fliegen, Adler aus den Lüften herabstoßen und Wölfe sich ein neues Revier erobern?

Was ich tue, um die Welt besser zu machen? Das Gleiche wie Sie: NICHTS.

23 August 2008

Gerüche

Ich mag Deinen Geruch
an meinen Fingern.
Frage Dich nicht
nach
dem jüngst erworbenen Duft.
Denn
wenn ich mich in Dich
versenke,
rieche ich nur
DICH.

Kaileigh 1985

Damals habe ich Marillion entdeckt. Ihre früheren Werke waren ebenfalls großartig, doch sie fand ich erst Jahre später. In der "Tangente", einer Diskothek, die für die eher rockangehauchte Generation angesagt war, gab es einen Jungen, ich glaube, er hieß Markus, der immer dann tanzte, wenn Marillion aufgelegt wurde. Er bewegte sich nicht viel, stand, reckte ab und zu einen Arm in die Luft. Ich war trotzdem verknallt. Er war... Er war.
Heute kann ich still in mich hineinlächeln bei der Vorstellung, wie ich mich halbtot gebaggert habe. Erfolglos.
Heute stehe ich in meinem Wohnzimmer, hebe meine Arme über den Kopf, genieße die Musik, spüre mich. YouTube ist ein geniales Medium. Vor Marillion habe ich Jon Lord und John Miles gehört. Möglicherweise haben meine Vermieter mich jetzt nicht mehr lieb. Scheiss auf "Rock gegen Rheuma"! Ich habe mein Wohnzimmer.

Warum hat sich Fish immer so angemalt? Warum ist nicht mehr 1985? Ich will ja gar nicht mehr 20 sein, aber 1985 hätte ich gern noch einmal, mit all den Träumen, all den Ideen vom Weltfrieden, Alkoholgenuss, ohne sich Gedanken über die Leberwerte zu machen. Und eben all das andere. Mit meiner besten Freundin knutschen und tanzen nach "Hotel California". Über den Friedhof nach Hause laufen, zu zweit, unglaubliche Angst vor Monstern haben und trotzdem weiterlaufen.

Heute wissen wir, dass es keine Monster gibt. Und trotzdem haben wir sie in uns.

Jetzt werde ich erst "Child in time" hören und dann "Stairway to heaven". Und dankbar sein für mein großes Wohnzimmer und die toleranten Vermieter. Tanzen ist schön.

Auswüchse. Zensiert.

Meine Finger fliegen über die Tasten, ohne zu wissen, wohin sie gehen werden. Ich kann die Gedanken nicht erkennen, die sie formulieren, und manchmal wird es nötig sein, die Buchstaben zu sortieren, die sie hinterlassen. Denn ich denke selten, bevor ich schreibe; meistens schreibe ich ungedacht. Oder nichtdenkend. Irgendwie so. Manchmal könnte man an den Buchstaben erkennen, dass ich nicht denke, sondern nur fühle, auch die Tastatur. Ich lege meine Finger so: Den linken Zeigefinger auf das F, Mittelfinger auf D, Ringfinger auf S, kleinen Finger auf A, die rechte Hand findet die folgenden Tasten: Zeigefinger J, Mittelfinger K, Ringfinger L, kleiner Finger Ö. Die Daumen sind recht flexibel einsetzbar, und alles Weitere würde zu weit führen. Hat auch nicht soviel mit Schriftstellerei zu tun.
Andererseits - wenn ich jetzt nicht mehr nachdächte, sondern einfach vor mich hinschriebe, ohne irgendetwas zu verbessern, könnte kaum noch jemand meinen Gedanken folgen, meine Person eingeschlossen.

Ich versuche es einmal:

Im morgengaruen des tages leuchten miene geanken wild im sich heurm, und ich kabe iekein anhnung, wie ich ihnen ausdurch kerleihen soll. versthenen sie irgnedetas von meinen geschaeafel? gut, ich auch nicht.

Schwachsinn, oder?

Manchmal ist die Reihenfolge der Buchstaben überhaupt nicht wichtig...

Suchen

Ich verabschiede mich in die Nacht,
denn ich werde
mit dem Regen gehen,
gleichgültig,
welche Richtung er einschlägt.

Ich verschlafe den Tag,
denn ich will
der Nacht folgen,
gleichgültig,
wohin sie mich führen wird.

Ich versenke mich in den Mond,
denn ich kann
sein Licht erkennen,
gleichgültig,
wie schwach es sein mag.

Ich finde meinen Stern,
denn ich fühle,
wie er mich ruft,
gleichgültig,
was seine Worte bedeuten.

Die Stripperin

Gerade habe ich etwas geschrieben, das einem schriftstellerischen Seelenstriptease gleichkommt. Will ich das mitteilen? Oder sollte ich es lieber wieder löschen? Mein Zeigefinger scheut vor dem "Post veröffentlichen"-Button zurück. Denn nicht alles, was eine vermeintliche Schriftstellerin ausbrütet, ist auch für die Öffentlichkeit bestimmt. Will ich, darf ich soviel ausziehen? Stripteasetechnisch gesehen trage ich nur noch die Unterwäsche und bin im Begriff, meinen BH ins Publikum zu werfen.

Vor sehr langer Zeit habe ich übrigens einmal eine Stripperin kennengelernt, sie war Ende vierzig, vielleicht eher Anfang fünfzig, Italienerin, rauchige Stimme, blondiert, und sie zeigte eine geniale Show, die die Zuschauer ihren nicht mehr jungen Körper übersehen ließ. Nach dem Auftritt jedoch war ihre Verbitterung über ein Leben, das sie scheinbar nicht mehr in andere Bahnen lenken konnte, unübersehbar. Trotzdem ging sie nach kurzer Pause wieder mit ihrer Straußenfeder auf die Bühne und nahm nach ihren Auftritten den einen oder anderen Ehemann, Junggesellen oder Familienvater mit auf das für zuviel Geld gemietete Zimmer.
An ihren Namen kann ich mich nicht erinnern; allerdings weiß ich noch, dass ich jedesmal peinlich berührt war, wenn sie mit der Straußenfeder an sich herumspielte. Aber sie war diejenige mit der größten Ausbeute an spendierten Piccolos. Nicht einmal die Domina konnte mehr Erfolge vorweisen. Möglicherweise war in diesem speziellen Nachtclub das Interesse an SM nicht so groß wie das an Straußenfedern und deren Einsatzmöglichkeiten.

Egal. Vielleicht war die Italienerin schlicht und ergreifend die bessere Stripperin.
Ich ignoriere das, hake meinen BH auf, direkt nachdem ich den kompromittierenden Text gelöscht habe. Bevor allerdings jemand genauer hinsehen kann, verschwinde ich in der Garderobe. Und der Slip bleibt an!

21 August 2008

Eigentlich wollte ich nicht

Träume
wollen gezahlt werden,

obwohl ich sie nicht bestellt habe.

Gedanken
wollen berücksichtigt werden,
obwohl ich sie nicht denken wollte.

Tränen
wollen geweint werden,
obwohl ich nicht traurig bin.

Gefühle
wollen gefühlt werden,
obwohl ich Angst vor ihnen
habe.

Traumausverkauf, unbeabsichtigt

Der Film heisst "The Wind that shakes the Barley". Keine Ahnung, was "Barley" heisst. Der Film handelt von einem Menschen, der für seine Überzeugung stirbt. Ein anderer hat sich erst die Fingernägel herausreissen lassen und dann eine Uniform angezogen, weil er glaubte, dass die gleiche Sache in anderer Uniform eine andere sei. Geht es schlimmer? Sich foltern lassen, um dann auf die Seite des Feindes zu wechseln und dabei zu denken, man hätte gewonnen? Seinen Bruder zu töten, weil man an eine Sache glaubt, die nichts mit dem ursprünglichen Traum zu tun hat? Seine Seele zu verkaufen für eine Idee, die möglicherweise eine fixe war? Kämpfen für Freiheit, um dann die ehemaligen Kameraden aus Machterhaltungsgründen zu erschießen?

Der Film spielt 1920. Würde heute noch jemand für seine Überzeugung zu sterben bereit sein? Folter erdulden ohne Werbeunterbrechung?

Ich träume von einem klaren Himmel, von leuchtenden Sternen. Was bin ich bereit zu tun, um meine Träume zu verteidigen? Was wäre, wenn mir jemand erklärte, dass ich nicht mehr viel Zeit habe? Würde ich das als inspirierenden Kampf ansehen? Würde ich Freunde anrufen, um ihnen zu sagen, wieviel sie mir wert sind? Würde ich Blumen mit neuen Augen sehen, oder wäre alles nur eine Erinnerung an die Vergänglichkeit? Würde ich weiter den Weg des geringsten Widerstandes gehen?

Mir fallen dauernd Filme ein. "Deep Impact". Da überlässt die Journalistin ihren Platz in der Geschichte einer Kollegin mit kleiner Tochter. Begibt sich zum Sommerhaus der geschiedenen Eltern. (Die Mutter ist bereits gestorben, sie war entschlussfreudiger.) Steht mit ihrem Vater, den sie zu hassen glaubte, am Strand, flüchtet sich in seine Arme, sagt: "Papa, ich habe Angst!" Sie sterben beide in der Welle.
Hätte ich den Mut, meinen Platz der Mutter mit Kind zu überlassen, auch wenn der Preis mein Leben wäre? Würde ich am Strand stehen und auf die Welle warten, oder wäre ich betrunken, weil ich die Angst nicht ausgehalten habe? Und wenn, was wäre Schlimmes an einer Flasche Single Malt angesichts des bevorstehenden Weltuntergangs?
Welcher Welt?

Würden wir überhaupt merken, wenn die Welt untergeht, oder wären wir mit Gerichtsshows und dem Verbuddeln unerwünschter Säuglinge beschäftigt? Vielleicht auch mit dem Verkauf von Mitgliedschaften, Versicherungen, Autos, Idealen, Pulsmessern und unseren eigenen Träumen? Vielleicht sind wir gar nicht böse, sondern haben einfach nur Angst? Vielleicht sind wir gar nicht egoistisch, sondern suchen nur Sicherheit? Vielleicht tun wir, was wir tun, weil wir nicht anders, nicht besser können? Und woher nehmen wir dann die Gewissheit zu sagen, dass unser Tun falsch sei? Woher nehmen wir die Sicherheit, an unser eigenes Tun zu glauben?

Das Leben ist unglaublich schnell zuende. Pläne stellen sich im Bruchteil einer Sekunde als nicht realisierbar heraus. Träume werden zu Krebs. Die Sonne verdunkelt sich.

Spätestens jetzt ist Mut gefragt.

Rocky Balboa & Global Peace

An meiner Tür hängt das jüngst erworbene "Rocky-Balboa-Poster". Rocky steht mit dem Rücken zur Betrachterin, die Faust in die Höhe gereckt, in seinen alten Trainingsklamotten, die er schon bei Rocky I getragen hat. Und natürlich steht er in Philadelphia ganz oben, da, wo die Treppen, die er immer hinaufläuft, enden. Am oberen Rand des Posters, relativ klein, der Schriftzug: "It ain't over till it's over." Recht hat er.
Bei iTunes läuft gerade "Soothing and spiritual sounds for global peace". Eigentlich ist mir der Weltfrieden nicht so wichtig, denn ich kann nur sehr wenig bis gar nichts dazu beitragen, global betrachtet. (Silke, tut mir leid, ich schreibe schon wieder so geschwollen daher. Kann gerade nicht anders...) Immerhin sind wir Erdbewohner und -innen ja nicht mehr als ein Fliegenschiss im Universum und nach der Logik von Douglas Adams quasi nicht vorhanden. Also kann ich auch nichts ändern.

Und was hat jetzt, bitteschön, Rocky Balboa alias Sylvester Stallone nach seiner einhundertsten Botoxspritze mit dem Weltfrieden zu tun? Ganz einfach: Trotz Botox, Anabolika, Narzissmus und Hollywood zeigt er mit seinem Film, dass alles möglich ist, wenn man den Mut hat, es zu tun, die Leidenschaft, alles zu geben und das Durchhaltevermögen, Rückschläge wegzustecken. Und in meinem klitzekleinen Universum könnte ich mit all diesen Eigenschaften den Himmel ein wenig blauer, die Sonne ein wenig heller und die Sterne leuchtender machen. Und damit vielleicht zu einem friedlicheren Miteinander (im sehr kleinen, aber überschaubaren Rahmen) beitragen.
Wenn ich den Mut aufbrächte, das zu tun, was ich schreibe, werde ich möglicherweise niemals wohlhabend oder reich an Dingen sein. Die Frage ist, ob mir der Blick in den Spiegel wichtiger ist als Sicherheit, ob ich lieben oder ankommen will, leidenschaftlich sein oder gebremst, ein inneres Feuer fühlen und vielleicht daran verbrennen will oder ob ich das Ertrinken im eigenen Mittelmaß vorziehe.

Jesus hat in seiner Bergpredigt gesagt: "Sehet die Vögel am Himmel. Sie säen nicht, sie ernten nicht, und unser himmlischer Vater ernährt sie doch." Dann hat er noch etwas über Lilien auf em Feld erzählt, an das ich mich nicht mehr erinnere. Vögel singen wunderschön. Lilien duften. Beide sind. Muss mehr sein?

Die AA sagen (sinngemäß): "Gott, gib mir die Kraft, Dinge zu ändern, die ich ändern kann. Gib mir die Geduld, Dinge auszuhalten, die ich nicht ändern kann. Und gib mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden."

Ich sage: "Gib mir den Mut, das zu tun, was schon sehr lange meine Aufgabe ist. Gib mir die Kraft, faule Kompromisse zu verweigern. Und lass mir den Menschen, der mir hilft, beides zu sehen."

19 August 2008

Ohne Titel. Du vielleicht.

Liebesgedichte sind so etwas unglaublich Kitschiges. Nicht? Aber was tun, wenn nichts interessanter ist als das gegenüberliegende Herz? Was schreiben, wenn sich beim Gedanken an den Liebsten ein für Aussenstehende debiles Lächeln ins Gesicht schleicht, wenn nur noch langsame, ruhige Klaviermusik zur Stimmung zu passen scheint? Was tun, wenn der Wecker um 5.30 Uhr klingeln soll, aber lange nach Mitternacht noch immer nicht an Schlaf zu denken ist, weil Gedanken an den Liebsten im Kopf herumspuken?

Der Sommer verabschiedet sich langsam in den Herbst. Es wird kühl abends. Die Nächte sind länger, die Tage kürzer. Meine Gedanken schwanken zwischen der Vorstellung von Oktober, bunten Blättern, klaren Tagen und Nächten, einem wildbewachsenen Sternenhimmel, Kerzenlicht für die Zeit nach der Dämmerung. Ich kann inzwischen ohne Brille radeln, weil es kaum noch Gewitterfliegen gibt. Die Felder stoppeln.

Ich fahre durch sich verändernde Tage, sehe und sehe nicht. Sehe Dich. Dein Gesicht ist spätsommerlich, meine Träume erwachendes Leben, nicht Erntedank. Erkenne hinter Deinem Lächeln Beginn, nicht Übergang. Versenke mich in Deine Arme wie ich mich in tiefes Gras fallen liesse.

Du bist Sommer.

Adagio

Spüren
fühlen
langsam
ertastend
entdeckend.
Neuland.

Neugierig
zuhören
sorgfältig
mitfühlend
schwingend.
Inseln.

Umarmen
zärtlich
achtend
fordernd
gebend.
Hände.

18 August 2008

Adrenalin und Cortisol - und eine ernsthafte Abrechnung mit dem Schweinehund. Wirklich.

Manchmal wünschte ich mir, der Mistkerl hätte einen Namen. Dann könnte ich ihn beschimpfen und ihm an allem die Schuld geben. Meiner ist leider inkognito unterwegs, sitzt in irgendeiner Ecke meines Unterbewusstseins und versteckt sich, sobald ich etwas genauer hinsehe. Und wenn ich mehr oder weniger willenlos, weil über vierzig (Lesen Sie "Fettfalle 40", und Sie wissen, wovon ich rede!), ohne nennenswerten Adrenalinschub, dafür aber voll von selbstproduziertem Cortisol und außerdem in meinem Biorhythmus ganz am unteren Ende bin, flüstert er: "Komm, gönn Dir mal was!" oder "Man muss auch mal Pause machen können!"

Adrenalin? Cortisol? Das sind eigentlich völlig nutzlose Überbleibsel aus Urzeiten, als wir noch gesammelt und gejagt haben und Säbelzahntiger hinter jeder Haus- pardon, Höhlenecke lauerten. Kerl ist also auf der Jagd und rennt irgendeinem Mammut hinterher (bestenfalls), während wir das gerade entdeckte Feuer anfachen. Auf einmal brüllt die Höhlennachbarin: "Achtung! Säbelzahntiger vorn rechts!" Wir schnappen uns Ast mit Feuer dran, scheuchen laufenkönnende Blagen ins Höhleninnere, schleppen den Rest hinterher, keuchen, hecheln, sind voll auf Kämpfen oder Fliehen programmiert. Adrenalin pur. Der Puls geht schneller, die Verdauung funktioniert großartig, alle Sinne sind geschärft.

Kurz darauf stellt sich heraus, dass die Nachbarin einen neuen Pilz entdeckt und gegessen hat und der Säbelzahntiger die etwas groß geratene Katze der linken Höhlennachbarin gewesen ist. Also Brut wieder aus dem Höhleninneren zurückbeordert, Feuer neu angefacht, dem schreienden Jüngsten nochmal rasch die Brust gegeben, der Atem beruhigt sich, und wir bekommen einen Mörderhunger. Das ist das Cortisol. Nachdem wir nämlich geflüchtet sind mit all dem Adrenalin in uns drin und ohne nennenswerte Hungergefühle, braucht unser Körper Nahrung, wenn er wieder Ruhe hat. Cortisol sorgt dafür, dass wir ordentlich essen.

Das war auch vollkommen in Ordnung, solange die Jungs zu Fuß unterwegs waren und wir regelmäßig von Säbelzahntigern oder zu groß geratenen Nachbarskatzen heimgesucht wurden. Heute, im Jahre 2008, schütten wir Adrenalin aus, wenn das Telefon klingelt, der Briefträger ein Einschreiben abliefert oder die Kontoauszüge rote Zahlen ausweisen. Das mögen zwar alles hochdramatische Vorgänge sein, Kalorien verbrauchen sie nicht. Trotzdem schüttet unser alberner Körper im Anschluss an die Durchsicht der Kontoauszüge wieder Cortisol aus, und wir müssen fressen. Das führt dann nicht zu neuer Kraft, sondern zu Fettleibigkeit schlimmsten- oder Hüftspeck bestenfalls.

Warum ich Sie mit diesem Kram belästige? Um schlüssig erklären zu können, warum ich heute eine Riesenportion Griesbrei, zweieinhalb Stunden später eine ähnlich Menge an Nudeln in Käse-Tomaten-Sauce, als Nachtisch ein großes Glas Joghurt mit sehr viel Rohrohrzucker, nachmittags einen Milchkaffee und drei Pfirsiche und zur DVD eine Tüte Erdnussflips und eine Tafel Schokolade verspeist habe, obwohl nirgendwo auch nur der Schatten eines Säbelzahntigers zu sehen war und ich auch keine Kontoauszüge abgeholt habe.

So geht es nämlich. Das ist wie mit Eva und der Schlange. Nur dass ich jetzt zum Vögeln viel zu dick und träge bin und im Paradies garantiert weder Erdnussflips noch lila Kühe vorgesehen waren...

Was das mit dem Schweinehund zu tun hat? Wüsste ich auch gern - aber der hat sich ja versteckt, gleich hinter dem Säbelzahntiger.

Aufgehoben

Fundbüro


Mein Herz liegt

zu Deinen Füßen.
Habe es an Dich verloren,
doch es fehlt mir nicht.

Wenn Du es aufhebst,
gehört es Dir.
Allerdings gibt es
keinen Finderlohn
.

...schrieb ich vor einigen Wochen.



Gefunden

Dein Herz legst
Du
in meine Hände.
Zartes Pochen
fühle, höre ich, sehe
lebendiges Rot.

Ich nehme es an,
Dein Geschenk,
lege es sacht an meines,
das ich
wiedergefunden habe.


...antworte ich mir heute.

Spätsommergedanken beim Blick in den bedeckten Großstadthimmel

Wenn man sich auf den Rücken legt und in den Sternenhimmel schaut, sieht es aus, als sei das ganze Universum rund, und wenn man dann noch den Arm ausstreckt, scheint dieser in der Unendlichkeit zu verschmelzen.
Das habe ich das erste Mal auf der Hafenmole von Agia Galini, Kreta, getan und erstaunt und berührt an meinem Arm entlang in den Himmel geschaut. Das funktioniert aber auch auf einer Dachterrasse in der Innenstadt, wenn die Häuser einem ganz nah auf den Pelz rücken und die Stimmen der anderen Bewohner durch die gekippten Fenster nach außen dringen. Gestern abend war der Himmel nicht so klar wie der kretische, die Sterne nicht so funkelnd und in geringerer Zahl, einige Wolken hatten sich bereits vor die Unendlichkeit geschoben und sie etwas tiefer gehängt, und trotzdem konnte ich meinen Zeigefinger in diesem Himmel verschwinden lassen.

Vielleicht ist es gar nicht so sehr eine Frage des Ortes, sondern des Gefühls? Der Wunsch, das Universum zu spüren, statt sich auf ein Bild zu beschränken? Vielleicht bin ich nur an deshalb heute auf die Idee gekommen, das, was sich auf Kreta gut anfühlt, auch in Göttingen auszuprobieren, weil der Tag so besonders war?
Vielleicht muss überhaupt nicht Sommer oder Urlaub sein?

Vielleicht stellt sich das Gefühl immer dann ein, wenn man den Arm in den Himmel streckt mit der Idee, ein Stern könnte in die geöffnete Hand fallen?

14 August 2008

Die Klingel, nichts weiter...

Es klingelt an der Tür. Relativ spät ist es schon, es dämmert.

Du bist doch noch gekommen, obwohl ich nicht mehr mit Dir gerechnet hatte. Du steigst die Treppen zu meiner Wohnung hinauf, ein Lächeln im Gesicht, das auch Deine Augen zum Leuchten bringt. Blaues Leuchten. Wir schließen uns in die Arme, ich vergrabe mein Gesicht in dem Bereich zwischen Deiner Schulter und Deinem Ohr, wo es so gut hineinpasst.

Du hast länger gearbeitet heute, bist müde und erschöpft, das kann ich sehen. Langsam steigst Du die Treppe zu unserer Wohnung hinauf. Ich lasse Dir Zeit zum Ankommen; danach werden wir gemeinsam essen und einen ruhigen Abend auf der Couch verbringen.

Du hast Pizza mitgebracht vom Italiener, irgendetwas unglaublich Fettreiches und Leckeres, dessen Duft meine Nase erreicht, bevor Du oben angekommen bist. Wir setzen uns in die Küche, eine Flasche Rotwein zwischen uns, essen direkt aus der Packung, lächeln uns an, reden, tauschen zwischendurch Olivenölküsse.

Es ist die Nachbarin, die ein Päckchen für mich angenommen hat. Ich bedanke mich, schalte das Licht auf der Treppe aus und schließe die Tür.

Gehe lächelnd mit der Vorstellung, Du hättest es gewesen sein können, zu Bett. In meinem Traum wirst Du es sein, der geklingelt hat.

11 August 2008

Sternenlust - Erotische Geschichten

... in denen Liebende und Lüsterne nach Sonne, Mond und Sternen greifen. Geschichten, in denen Sterne den Weg weisen, wenn Venus und Mars in Konjunktion stehen. Geschichten, in denen unter dem Morgen- oder Abendstern irdische und himmlische Leidenschaften erwachen und die Venus, die Göttin der Liebe und Erotik, der Schönheit und Verführung, der Fruchtbarkeit und Harmonie, der Kunst und der Ästhetik ihre Hand im Spiele hat. Geschichten von Lust und Liebe zwischen Astrologie und Astronomie, Liebeshoroskopen, Sternbildern und Tierkreiszeichen, Pentagrammen, Davidssternen, Christus- monogrammen und Sternenbannern, Vollmond und Sonnenfinsternis, Kometen und Supernovas. Geschichten von Sternenguckern und Sterndeutern im Lauf und Rausch der Gestirne und Gefühle. (Kurzbeschreibung Storia-Verlag)


Dieses Buch (mit einer Geschichte von mir und damit meinem zweiten oder dritten Versuch einer erotischen Kurzgeschichte) kann ab sofort käuflich bei mir erworben werden:

13,- € zzgl. 3,- € Versandkosten

Wer also schon immer mal Erotisches lesen und außerdem noch behaupten will "Ich kenne eine der Autorinnen persönlich!", sende mir entweder einen Kommentar oder eine kurze Nachricht an:


annakoenigin@googlemail.com

und
erhält postwendend ein - auf Wunsch gern signiertes - Exemplar.

...und gibt nebenbei noch einer Schriftstellerin das Gefühl, etwas Geld
mit den eigenen Werken verdienen zu können...

10 August 2008

Wahrnehmungen

Manchmal,
wenn ich sehr mutig bin,
sehe ich in Deine Augen,
höre Dir zu,
suche Deine Nähe.

Oft,
wenn ich mich meinen Gedanken ergebe,
schaue ich weg,
verschließe meine Ohren,
entferne mich.

Wenn
ich mich meinen Ängsten stelle,
sehe,
höre,
fühle,
rieche,
schmecke
ich.

Dich.

Neu. Vielleicht ein Anfang.

Es gibt einen neuen Blog: http://liebezumleben.blogspot.com/

Die Randbemerkungen werden bleiben, als Gedanken zum Tag, zu Eindrücken, zum Leben, vielleicht sarkastisch, vielleicht zweifelnd, hoffentlich hoffnungsvoll.

"Liebe zum Leben" ist eine Geschichte, die von einer alten Dame erzählt, die das Leben (wieder-)entdeckt, das Leben mit all seinen Kompliziertheiten, Schmerzen, mit all seiner Traurigkeit und Ungerechtigkeit, vor allem aber mit all seiner Liebe, neuen Eindrücken, Hoffnung, mit der Idee, dass Menschen sich ändern können, ganz egal, wie alt sie sind.

Ich würde mich über Kommentare und Ideen freuen. Vielleicht schreibt sich diese Geschichte aus Gedanken? Träumen? Aus unser aller Vorstellungen vom Älterwerden?

Vielleicht schreiben wir zusammen, ohne zu wissen, wer WIR sind?

Puppen

Bin vorhin an einem Sperrmüllhaufen vorbei gegangen. Neben den üblichen Dingen hatten die Vorbesitzer eine ganze Kiste mit Spielzeug auf die Straße gestellt. Eigentlich kein Spielzeug, sondern Wegbegleiter: Eine Puppe, viele, viele Stofftiere, alle ordentlich nebeneinander in dieser Kiste gestapelt.

Beim Anblick der Kiste musste ich an meinen ersten Umzug denken. Ich war bereits fast 18 Jahre alt, als wir aus meiner Kindheitswohnung aus- und in einen dieser sozialamtsfinanzierten Großbunker einzogen. Wir finanzierten uns selbst, wollten aber in der Nähe von Bruder und Mutter meiner Mutter sein.

Ich packte. Nahm jedes meiner Stofftiere in die Arme, und es gab nicht eines, von dem ich mich hätte trennen wollen. Meine Puppen. Anna, der ich im Kindergartenalter die Augen ausgestochen hatte, weil ich eine Star-OP meiner Oma nachspielen wollte, Teddy, der nur noch sehr wenig Haare hatte, weil ich damals noch nicht wusste, dass Haare bei Stofftieren nicht nachwachsen. Und Gloria, eine Puppe, die sprechen und pinkeln konnte, wenn man ihr Wasser in den Mund geschüttet hat. Ich mochte Gloria eigentlich überhaupt nicht. Fand sie affektiert. (Das sage ich heute, damals fand ich sie zickig.) Trotzdem. Ich tat Gloria auf einen Haufen von Dingen, die wir nicht mitnehmen wollten, und von dem Moment an, in dem ein fremdes Kind sie ergriff und mit ihr verschwand, vermisste ich sie. Obwohl ich sie doch eigentlich nicht mochte.

Haben wollen?

In der neuen Wohnung begann ein neues Leben. Ein schönes Leben, zumindest in größeren Teilen. Mein Zimmer war hell- und dunkellila, meine Mutter hatte mir erlaubt, die Farben selbst auszusuchen, gestrichen hatte ein Maler. In meinem Zimmer gediehen Pflanzen, weil sie genau die richtige Mischung aus Sonne, Schatten und Pflege bekamen. Sie gingen ein, als mein Onkel sie während eines Urlaubs gepflegt hatte. Trotz akribischer Bedienungsanleitung meinerseits in jedem einzelnen Topf.

Dunkellila war schön. Mein Bett bestand aus Lattenrost auf dem Fußboden und einer Matratze, meine liebste Freundin war oft zu Besuch und kippte Rotwein auf den teuren, nicht von mir bezahlten Teppichboden. War mir egal. Ich wollte meine Freundin.

All das haben die Spielsachen in mir wachgerufen. Die Menschen, die sie weggeworfen haben, hatten möglicherweise die Idee, dass Türen zur Vergangenheit geschlossen werden sollten. Vielleicht haben sie auch gedacht oder gehofft, dass ein anderes Kind diese Sachen findet und zu neuem Leben erweckt.

Vielleicht haben sie auch gar nichts gedacht, und alles ist nur in meinem Kopf.

09 August 2008

Leben eben. Sonst nichts.

Ich kann Leben nicht definieren. Kann nur sagen, was ich nicht will. Was für mich kein Leben ist.

Kann trotzen. Schreien. Nicht wollen. Anders wollen, aber nicht wissen, wie.

Oder.

Ich kann im Regen laufen.
Einer mit dem Hinterteil wackelnden Katze, die auf Vogeljagd ist, zulächeln, obwohl ich weiss, dass es ihr scheissegal ist, ob ich sie sehe oder nicht.
Ich kann aus meinem Dachfenster in den Himmel schauen.
Mich über Kontakte freuen, mit denen ich nicht gerechnet hatte.
Meiner besten und liebsten Freundin beim Schlafen zuhören.
Meinen Körper spüren. Genießen. Jeden Moment.
Eben diese Freundin in die Arme schließen und nichts anderes wollen.

Sein. Egal, wo.
Leben. Gleichgültig, wie.
Fühlen. Alles.
Sein. ICH.

Lebendig.
UNBEDINGT!

ICH?
JA!

Leben. Eben.

Es hat sich abgekühlt. Gestern gab es diverse, durch heftige Regenschauer unterstützte Gewitter. Regen ist großartig!

Für GöttingerInnen eine kleine Orientierungshilfe, alle anderen lesen bitte einfach darüber hinweg:
Ich bin in Geismar, am oberen Ende losmarschiert, hatte das Gefühl, noch ein wenig frische Luft tanken zu müssen, bevor ich mich an den klimaanlagenbewehrten Arbeitsplatz begebe. Es war irgendwie feuchtwarm, nicht unangenehm, fühlte sich ein wenig tropisch an. Nach ca. 500 Metern mündet die Straße in einen kombinierten Rad- und Fußweg, der steil bergab geht und zwischen netten, begrünten Einfamilien- und Reihenhäuschen zur Hauptstraße führt. Bei jedem Windstoß warfen die Bäume Tropfen von sich. Das fand ich etwas unangenehm.

Ein paar Minuten später, an der Hauptstraße, neben mir ein großer Versicherer mit ordnungsgemäßem Marmorportal und mehrstöckigem Bürogebäude, begann es zu regnen. Ernsthaft zu regnen. Der Regen machte Blasen auf der Straße, Radfahrer stellten sich unter, Autos produzierten riesige Fontänen.

Ich war inzwischen patschnass und konnte nicht mehr nasser werden. Also zog ich meine Schuhe aus, lief barfuß weiter, hielt mein Gesicht in den Regen und sprang mit beiden Füßen in alle Pfützen, die meinen Weg kreuzten. Wenige waren das nicht.

Leben. Die Arme ausbreiten, den Kopf in den Wolken. Barfuß. Leben. Glück. Fühlen. Sein. Nicht mehr.

Kein NICHT. Kein DER DA! Kein ABER! Kein KEIN. Sein eben.

Leben lebt sich selbst. Mag strukturiert erscheinen und ist trotzdem lebendig. Mag altklug daherkommen und ist lebensklug. Mag vor Energie nur so strotzen und ist trotzdem ruhig. Mag Weisheiten verbreiten, die wahr sind. Auf irgendeiner Landkarte.

Leben ist. Nichts weiter.

Ich liebe das Leben.

07 August 2008

Eva Teil II, unterschichtenkompatibel und mit positivem Ausblick

Das ist jetzt natürlich wieder so ein Geschwafel meinerseits, und dann noch nicht einmal auf dem eigenen Gedankenmisthaufen gewachsen. Die Unterschicht stammt vom sehr geschätzten Harald Schmidt, der ja, wie wir alle wissen, dem gleichnamigen Fernsehen den Rücken zugedreht hat, um dann im öffentlich-rechtlichen gehobenere Unterhaltung anzubieten. Was ihm in Gemeinschaftsarbeit mit dem hochintellektuellen, anspruchs- und niveauvollen Oliver Pocher ja auch blendend gelingt. Bin allerdings nicht auf Stand, weil ich nach der zweiten gemeinsamen Sendung beschlossen habe, doch lieber mit einem guten Buch ins Bett zu gehen.

Ein Hinweis an eventuelle GEZ-Aussendienstmitarbeiter: Nein, ich habe noch immer keinen Fernseher, finde aber manchmal Asyl bei Menschen, die erstens einen besitzen und ihn zweitens selbstverständlich angemeldet haben.

Schon wieder abgeschweift. Der positive Ausblick könnte von Jürgen Fliege sein. (Gibt es den eigentlich noch, oder hat ihn endlich jemand getötet?)

Ziel der ausufernden Erklärung: Ich werde einmal experimentieren. Nicht so hochgeschwollen daherschreiben und nicht so depressiv, sondern für alle verständlich und mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Schaffen andere ja auch. Mario Barth zum Beispiel oder Jürgen von der Lippe. Die werden auch von breiten Bevölkerungsschichten verstanden und geliebt. Wobei mir die Liebe breiter Bevölkerungsschichten nur dann etwas bedeutet, wenn sie sich in vielen Nullen und Einsen auf meinem Bankkonto bemerkbar macht. (Ehrlich wollte ich auch werden. Immer. Ab jetzt.)

Das war das Vorwort. Jetzt geht es weiter mit Eva, Adam, der Schlange und dem Apfel.

Meint die Schlange so: "He Eva, altes Mädchen!", sacht Eva so "Hey Schlange! Willstn?"
"Habn Apfel. Voll rot und gesund, guck mal." "Nee, den darf ich nich!" meint Eva. "Der is doch von diesem blöden Baum, von dem wir nix abmachen dürfen, wegen Erkenntnis oder so."
"Ach Eva, kleine Schlampe, glaub Dir kein Wort! Du bist doch voll scharf auf den Apfel, oder?"
"Nä!" Eva dreht sich um.
Wusch, die Schlange is echt voll schnell und hängt vor ihr. "Na komm, wennde Adam da noch was von abgibst, tut der auch besser ficken." "Echt, ey?" "Ich schwörs dir!"
Eva muss denken. Is voll nich leicht für sie, weilse doch so blond und vollbusig und nicht zum Denken gebaut is.
"Kann der dann länger?" fragt sie. "Ewig lange, und ihm fällt auch viel mehr ein, echt, ich schwörs Dir!"
"Gib her den Scheissapfel!"
"Da haste! Mach am besten in zwei und gib Adam was ab. Aber nich sagen, woden herhast, sonst willer nacher nich."
Schlange ab.

Eva latscht zurück. "Hey Alter, was geht?" Adam wird wach. "Hastn da?" "Voll lecker Apfel, willsten Stück?" "Klar, gib!" Apfel verschwindet in Adam.
Auf einmal donnerts und blitzt. Gott ist voll scheissnsauer und macht erstma voll ne Welle. "Was habt Ihr getan, unseliges Pack?" "Hä?" fragen Adam und Eva. "Diesen einen Mistbaum solltet Ihr in Ruhe lassen! Hätt ich mir denken können, dass die Menschen zu blöd sind. Schmeiß ich Euch halt raus ausm Garten Eden. Das habt Ihr jetzt davon!"

Gott schickt einen Rausschmeisserengel, der die beiden mit einem gewaltigen Arschtritt auf die Erde befördert. Ist denen aber scheissegal, weilse wegen dem Apfel jetzt nämlich ununterbrochen vögeln tun, und sowieso nix mehr mitkriegen.

Und wenn sie nicht gestorben sind, sagt Eva noch heute irgendwo auf dieser Welt: "Alles wird gut. Ich schwörs Euch!"

05 August 2008

Eva war ein Miststück,

das weiß doch jeder! Wäre Eva nämlich nicht gewesen, dann wären die Frauen heute ganz anders. Lieb. Anhänglich. Nachgiebig. Ehrlich. Geradeheraus.

Aber Eva war. Und statt sich mit Adam im Paradies zu vergnügen, wilden Sex zu haben und eine Menge Kinder zu gebären, die dann auch wieder im Paradies hätten leben können, muss sich diese dusselige Kuh mit einer Schlange einlassen. Merken Sie etwas? DIE Schlange. Auch so ein intrigantes Weibsstück. War wahrscheinlich alles vorher geplant.

Ich habe da so ein Bild vor meinem inneren Auge: Adam liegt selig lächelnd in der Sonne, alle Viere von sich gestreckt, angenehm erschöpft nach einem wilden Ringkampf mit der Liebsten, alles scheint in bester Ordnung zu sein.
Adam weiß nicht, dass Eva noch völlig unausgelastet ist und sich auf die Suche nach Ablenkung und Inspiration begibt. Da sie nur den Garten Eden kennt, spaziert sie wie jeden Tag ein wenig herum, plaudert mit Bienchen und Blümchen und hofft, auf eine Geschlechtsgenossin zu treffen, mit der sie sich vernünftig und von Frau zu Frau unterhalten kann, gern auch über die vorangegangenen Erlebnisse mit Adam. Jeder weiß, dass Frauen über nichts anderes reden
als ihre jeweiligen Sozialpartner. Warum auch?

Kurzer Exkurs: Eva mag wirklich kein anderes Thema gehabt haben, was im nichtvorhandenen Bekanntenkreis begründet gewesen sein wird, die Gegenwartseva hingegen hat normalerweise eine Arbeit, das eine oder andere Hobby, Kinder, ein Haus, ein Auto, einen Kleiderschrank und ein paar DVDs oder Bücher, mithin also genug Gesprächsstoff über die morgendliche Muffeligkeit des Herzallerliebsten hinaus. Sie glauben mir nicht? Folgen Sie einmal zwei intelligent aussehenden (und ich definiere Intelligenz nicht anhand der Oberweite oder Beinlänge!) Damen auf die Toilette, und Sie werden Ihr blaues Wunder erleben!

Zurück ins Paradies. Eva latscht also etwas gelangweilt unter den Bäumen herum, hadert ein wenig mit ihrem Schicksal, findet, dass es endlich einmal anderes Wetter werden könnte, weiß aber nicht, was für eines, beißt an ihren Fingernägeln und richtet ihr blondes Haar. (Garantiert war Eva blond!)
Da hört sie eine Stimme aus einem der Bäume heraus, leicht lispelnd: "Hi, Eva, altes Mädchen!"

Sie wollen wissen, wie es weitergeht? Das weiß doch auch jeder!

Da ich es aber noch nicht so ganz genau weiß, folgt die Fortsetzung morgen. Oder übermorgen.

Bleiben Sie mir gewogen und genießen Sie den Abend!

03 August 2008

Du darst noch einmal 20 Jahre alt sein,

sagte die Fee, die gerade durch meine Balkontür gestapft ist. Ich habe sie nicht gehört, dabei muss sie recht geräuschvoll an der Hauswand hinaufgeklettert sein. Andererseits unterliegen Feen natürlich anderen Gesetzen als Menschen.

Wie auch immer. Ich erbat mir etwas Bedenkzeit und wühlte in alten Tagebüchern. Immerhin ist es ja eine schwerwiegende Entscheidung, sich um mehr als zwanzig Jahre zu verjüngen, wenn man nicht gerade Brigitte Nielsen heisst und aus seinen Schönheits-OPs eine gewinnträchtige Doku-Soap zu machen gedenkt.

In einem Eintrag vom 20.04.1984 fand ich Blut und Traurigkeit und sehr viel unausgegorenes Teeenie-Geschwafel, vor allem aber stank dieses Tagebuch selbst nach so langer Zeit noch nach Qualm.

Ich habe der Fee gesagt, sie solle sich zum Teufel scheren und wiederkommen, wenn sie ein Antischrumpelmittel für Frauen in der Blüte ihres Lebens, also irgendwo zwischen vierzig und siebzig entdeckt hat. Scheiss auf zwanzig.

Gewittergrollen

Letzte Woche gab es ein heftiges Gewitter. Klärend schien es mir. Blitze zuckten über den Himmel, es donnerte so laut, dass ich das Gefühl hatte, die Bässe brächten das Haus zum Wanken. Alles, was eben noch blau, sonnig und heiss war, schien jetzt dunkel, kühl, nass, grau. Später dann wurde es im Nordwesten langsam heller.

Warum heißt es eigentlich, ein Gewitter bedeute "Klärung"? Zunächst bringt es doch Verdunkelung. Erst, wenn alles vorbei ist, das Grollen, die Gefahr, die heftigen Regengüsse, ist die Frische der Luft wahrnehmbar, scheint die Umgebung frisch gewaschen.

Gewitter schreiben Geschichten. Manche bleiben haften.

Vor vielen Jahren durfte ich mit zwei Freunden eines in Portugal miterleben. Einer der beiden war in meiner Welt ein Mensch, den nichts erschrecken würde oder konnte, er war laut, manchmal schrill, cholerisch, aggressiv. Ich hatte meinen Wagen in den Dünen geparkt, und wir waren schwimmen gewesen, als sich der Himmel schlagartig verdunkelte. Ich fand dieses Naturschauspiel spannend, doch (nennen wir ihn) M. fühlte sich sichtlich unwohl. "Lass uns ins Auto gehen." schlug er vor. Er klang drängend.
Wir verließen den Strand und setzten uns in meinen Wagen, einen recht großen, alten Mercedes, der genügend Platz für drei Personen bot. Es wurde noch dunkler, erste Blitze zuckten über den Himmel. Eigentlich wollte ich gern die Wagenfenster öffnen, besser noch die Türen, M. jedoch erklärte im Brustton der Überzeugung, dass der Faradaysche Käfig nur geschlossen funktionieren würde. Beim ersten tiefen Donnergrollen zuckte er zusammen, quetschte meinen Arm und erklärte: "Wenn Du das irgendjemandem erzählst, bringe ich Dich um!" M. hatte Angst vor Gewitter! Niemals hätte ich mir vorstellen können, dass ein so tatendurstiger, abenteuerlustiger und unkonventioneller Mensch sich vor der Natur fürchten könnte!
Trotz M.s Angst war es ein wunderschönes Erlebnis: Ein menschenleerer Strand, tobende Naturgewalten, der Himmel immer wieder taghell erleuchtet. Trotzdem Sicherheit. Vielleicht nur gefühlt.

Ein anderer Ort. Eine andere Zeit. Kreta. Herbst 2005. Ich hatte eine Entscheidung zu treffen. Habe dort eine Menge interessanter Menschen getroffen, die mich beeinflusst haben, ohne es zu wissen oder zu wollen. Zwei davon waren Vater und Sohn, der eine ein Seher, der andere ein Kind, das noch dicht an seinen Wurzeln agierte. Wir gerieten in ein Gewitter, während wir wanderten. Fanden Zuflucht in einem Restaurant auf einer Klippe über Komos Beach (für Kreta-KennerInnen: Mystical View). Das Gewitter tobte los, der Himmel wurde schwarz, es regnete wie aus Kübeln, blitzte, donnerte, innerhalb kürzester Zeit war das Sonnendach des Restaurants literschwer vom Wasser.
Doch auf einmal, direkt unter uns, als hätte ein Engel einen Vorhang geöffnet, schien ein Hauch von Sonne durch das Schwarz, und das dunkle Meer, das wir von unserem Aussichtspunkt erkennen konnten, wurde an dieser Stelle hellgrün. Es war nur dieser eine Strahl, aber er ließ die Göttlichkeit, die auf dieser Insel allgegenwärtig ist, erahnen. Ich hielt Lucas Hand (so hieß der kleine Junge), und wir staunten. Waren gleichen Alters in diesem Moment.

Solche Gewitter helfen bei Entscheidungen, denn sie zeigen, wie klein wir sind, helfen uns, die Verhältnisse zu erkennen und damit unsere eigene Welt als das was sie ist: Ein Nichts im Universum, eine Eintagsfliege im Lauf der Zeit.

Was bleibt, ist Dankbarkeit.

Hornviecher

Manche Reime müssen sich nicht auf Teufelkommraus reimen. Manche Gedichte finden sich von allein. Manche Hornviecher müssen sich erst einmal die Hörner abstoßen. Und manchmal produziert das Gehirn nach einem wunderschönen, ruhigen, albernen Tag voller Gelächter, Sonne und Liebe solch eine Mischung aus Liebeserklärung und "Reim Dich, oder ich schlag Dich!"

Ich entschuldige mich bei all denen, die Lyrik ernst nehmen und erkläre meine ganz persönliche Form zum Neuen Dadaismus.

Wer bietet mehr als 2.000 € pro Zeile?

Der Herr da hinten in der Ecke 2005 € - dankeschön, höre ich mehr?

Die Dame in Pink 2005,50 € - großartig, wir bewegen uns vorwärts! Wer bietet mehr?


Ein Widder und ein Stier
die grasen hier.

Der Stier hat seine Wiese,
der Widder seinen Zaun.
Dem Widder scheint der Stier ein Riese,
dem Stier der Widder wie ein Faun.

Sie treffen sich,
sie ziehen ihre Kreise,
umeinander.

"Ich liebe Dich!,

doch Deine Art und Weise",
sagt der Stier,
"die kenn' ich nicht!"

"Ich lieb' Dich auch,
hier ist mein Zaun,
ich schenk' ihn Dir."
Der Widder schubbert sich am Stier.

"Ich danke Dir,
doch Zäune brauch' ich nicht.
Bin frei in allem, was ich tu."

"Dann sieh doch mir
jetzt einmal ins Gesicht.
Denn alles, was ich will, bist Du!"

Der Widder stupst den Stier am Bein,
der Stier senkt seinen Kopf,
macht sich so für den Widder klein.
Es finden sich ein Deckel und ein Topf.

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Liebe Freunde von Kultur und Literatur!

Am 26. September 2008 um 20:00 Uhr findet die 3. Glinder Autorennacht im wunderschönen Alten Gutshaus in Glinde statt.

Moderation: Rena Larf

Live-Musik: Didi Pegel

AutorInnen:

Sabine Scholze,
Achim Amme,
Thomas Kohlschmidt,
Susanne Henke,
Rita Wagner,
Wolfgang Gogolin,
Bernd Engels.

Veranstalter: Stadt Glinde, Kultur- und Öffentlichkeitsarbeit

WO?

Altes Gutshaus, Möllner Landstr. 53, 21509 Glinde

Eintritt: € 6.-

Ticket-Hotline:

Tanja Woitaschek, Tel: 71002-212
oder
tanja.woitaschek@glinde.de

Wer einmal schauen möchte, wie es im letzten Jahr war:
http://www.renalarf.de/glinde2.htm

02 August 2008

Korrupt - ICH???

Ehemaliger bayerischer Ver.di-Vize nennt Bsirske instinktlos

Der Luxusurlaub des Ver.di-Vorsitzenden Frank Bsirske mit einem kostenlosen Lufthansa-First-Class-Flug sorgt nach Informationen des SPIEGEL auch innerhalb der Gewerkschaft für heftigen Unmut. Politiker von CDU und FDP fordern Bsirskes Rücktritt.

Hamburg - Michael Wendl ist nicht irgendwer. Der Mann war bayerischer ÖTV-Chef und bis April 2007 stellvertretender Vorsitzender der bayerischen Ver.di-Landesbezirksleitung. Und Wendl ist fassungslos über Bsirskes Luxusurlaubsreise mitten im Tarifkonflikt seiner Gewerkschaft mit der Lufthansa.

Sich von der Lufthansa zu diesem Flug einladen zu lassen, "ist eine bodenlose politische Instinktlosigkeit", sagte Wendl zum SPIEGEL. Auch dass Bsirske erster Klasse flog, sei "mehr als schlechter Stil". Das zeige, so Wendl, "dass man die Nähe zum gehobenen Management suche und dazugehören will, statt das Ohr an der Basis zu haben"(...)

(...) Der Hintergrund der heftigen Attacken: Ver.di-Chef Bsirske ist laut "Bild"-Zeitung mit der Lufthansa für knapp fünf Wochen in die Südsee geflogen - erster Klasse und noch dazu gratis. Am 8. Juli sei der Ver.di-Chef mit seiner Frau in Berlin per Business-Class nach Frankfurt am Main gejettet, von dort weiter in der ersten Klasse nach Los Angeles und schließlich weiter in die Südsee. Kurz danach hatte der Streik bei der Lufthansa begonnen, zu dem Ver.di aufgerufen hatte. (...)
Spiegel Online, 02.08.08

Darf ich bitte einmal nachfragen, ob sich gerade jemand wundert? Regt? Einen Wutanfall bekommt? Sich im höchsten Maße versch... fühlt? Nicht? Darf ich die Erklärung gleich nachliefern? Es ist uns schlicht und ergreifend piepegal. Wir haben die Sonderangebote bei Saturn und Media Markt, wir sind seit Papa in der Gewerkschaft organisiert, weil man das eben ist, und wenn wir unseren nagelneuen Flachbildschirmfernseher einschalten, dann tun wir das ausschließlich wegen "Wetten dass...", der Fußball-EM, Barbara Salesch und Frau Kalweit. Herr Bsirske ist nicht mehr und nicht weniger als ein weiterer korrupter Grölkopp in der Medienlandschaft. Aber das würden wir natürlich so nicht sagen, weil wir nach der ganzen Samstagseinkauferei einfach keine Energie mehr dafür haben. Schließlich müssen wir noch das Auto waschen und nasse Handtücher aufhängen.

Trotzdem frage ich noch einmal, warum dieser Luxusurlaub Unmut erregt? Weil damit auch nach außen hin deutlich gemacht wird, dass ein Gewerkschaftsboss, der sich zeitweise wegen der Volksnähe in Jeans und T-Shirt gewandet, in seiner Freizeit doch lieber Gucci-Slipper und Rolex trägt und auf gar keinen Fall mit dem grottenblöden Fußvolk, das er vertritt, in einem Flugzeug sitzen möchte? Weil die Korruption, die in unserem geliebten Land auf gleichem Niveau ist wie in Burundi, sichtbar wird und wir das irgendwie nicht gut finden?

Hat tatsächlich noch einer der Menschen "da draussen auf der Straße" daran geglaubt, dass jemand, der in einer solchen Position agiert, sich für jemand anderen als sich selbst engagiert? Was für eine herzerfrischende Naivität! Oder anders gefragt (Ich frage viel heute, ich weiß.): Wie sieht es mit Ihrer eigenen Korrumpierbarkeit aus? Wann haben Sie das letzte Mal einen Kollegen übervorteilt wegen 3% Provision? Wann das letzte Mal die Schuld an Ihrem Missgeschick in die Stilettos der Büronachbarin geschoben? Wann haben Sie das letzte Mal etwas Uneigennütziges getan?

Ich frage mich das übrigens auch solchen Gelegenheiten. Und stelle viel zu oft fest, dass ich zwar kreise, aber meistens auch nur um meine eigene Lampe.

Herr Bsirske ist trotzdem ein korrupter Enddarmausgang. Aber er befindet sich in guter, nein bester Gesellschaft mit Jaques Rogge, der den olympischen Gedanken soeben für Werbezeit an die chinesische Führung verkauft hat, mit Gerhard Schröder, seines Zeichens Angestellter bei Gazprom, Werner Müller, der sitzt, glaube ich, im Vorstand bei der RAG. Sie haben die Jungs schon vergessen? Verständlich, es gibt einfach zuviele von ihnen.

Ich gehe jetzt meine Wäsche aufhängen. Und dann lade ich mich bei den Nachbarn zu irgendeiner Reality-Show ein. Vielleicht entscheide ich mich sogar für die Tagesschau. Bsirske in der Südsee gucken.