31 Dezember 2008

Happy 2009! Für Deutschsprachige: Glückliches 2009! In der Schule gefehlt oder sonstige Sprachstörungen? Ey, Scheißndreck auf 2009, du Arsch!

Ich versuche verzweifelt, wachzubleiben. Es war spät gestern, und heute früh war es früh. Irgendetwas hat mich noch im Dunkeln aus dem Bett gejagt. Und dann bin ich durch die Gegend gefahren, habe die Sonne genossen, mein Silvestermenu eingekauft, bin lange spazierengegangen und habe dabei mengenweise Glücksmomente gesammelt: Die leuchtendroten Vogelbeeren vor dem gereiften und gefrorenen Hintergrund, terroristische Spatzen, die in konzertierten Aktionen blattloses Gesträuch erobert haben, einen Sonnenuntergang, der auch im Valle auf Gomera seinesgleichen sucht. Habe die Sonne gefragt, ob sie weiß, dass sie das letzte Mal in diesem Jahr untergeht. Sie hat mir erklärt, es sei ihr scheißegal und sie hätte auch noch andere Planeten zu bescheinen; ich solle mir nicht so wichtig vorkommen.
Dann habe ich Tee getrunken, Spanisch gelernt, ausgiebig Schönheitspflege betrieben, während mein Silvestersekt und ich in der Badewanne lagen, gleichzeitig mit kritischem Blick nach Schrumpel geforscht. Stopp! Manche Sätze dürfen enden, bevor es die Seite tut. (Die Hautspannung lässt immer mehr nach - ich bin ziemlich ratlos inzwischen. Wahrscheinlich finden mich bald nur noch Ü-Vierziger attraktiv... Und auf Hinterhergepfeife von Bauarbeitern werde ich wohl auch verzichten müssen. So'n Scheiß. Und das nur wegen so ein bisschen altersbedingtem Runzeln.), Dann habe ich ein großartiges Menu bereitet (Vorspeise: Avocadocreme mit Rocggenknäcke, Hauptgericht: Lachs in Sesamkruste auf Gemüse-Reis-Bett mit Sojasahne-Pesto-Sauce), noch etwas Sekt getrunken und mir nach dem Essen die Karten gelegt.
Eigentlich wollte ich ein wenig tanzen. Platz ist genug, und ich bin nicht auf einen DJ angewiesen, der nur so ein Stimmungsgedöns spielt. Aber ich bin müde.

Möglicherweise werde ich 0.00 nicht erleben. Oder nur kurz. Aber dafür werde ich dann morgen früh die Erste sein, die das Jahr 2009 laufenderweise begrüßt. Nicht schnell, bin immer noch erkältet. Aber laufend. Und breit grinsend. Das ist mal sicher.

Wussten Sie, dass 2009 ein großartiges Jahr wird? Für alle, die es so wollen?

Sie haben Angst vor der Finanzkrise? Vor Schnupfen? Vogelgrippe?

Scheiß drauf! Hören Sie auf zu sparen, dann kann Ihnen auch nichts verloren gehen! Nehmen Sie Echinacin und kaufen Sie ein paar Großpackungen Solo für den Notfall! Vögeln Sie, statt sich um Vögel zu sorgen! Sind Sie ein Mann oder eine Maus?

Eine Maus? Großartig - die haben eindeutig die besseren Überlebenschancen.

Also nochmal:
2009 WIRD EIN GROßARTIGES JAHR! Wenn Sie es wollen...

Gerade habe ich getanzt - nach "Saturday Night Fever". Da werden sehr alte Erinnerungen wach an meine Jazzdance-Gruppe, A Fifth of Beethoven, wildes Herumgerolle auf dem Hallenboden und einen begnadet aussehenden Quotenmann. Falls Du mitliest, Sven: Frohes 2009! Ich habe nie einen Mann gesehen, dem Jazzpants besser standen als Dir!

Nächtlicher Gedankenwirrwarr

Bin immer noch nicht müde.
Die Gänse sind weg. Ich hab's ihnen gesagt:
"Ihr werdet gefressen, wenn Ihr so rumkeift!"

Die Kerze brennt herunter.
Das Nachtspeichergedöns versagt.
Prrr.
Ausschlafen morgen, nachher?
Oder früh aufstehen, auf den Bus hoffen und Buch zu Mutter bringen?
Wird es sonnig? Kalt? Schön?
Ernsthaft - wo sind die blöden Gänse hin?
Hat die jemand gegessen?
Obwohl sie sogar gegen Vegetarierinnen Militanz zeigten?
Wer war der Mörder?
Der gedankenlose Gänsefresser?
Was bin ich froh,
dass der Sockeye Wildlachs nicht faucht,
sondern sich widerstandslos verspeisen lässt.
Ich musste ihn nichtmal angeln.
Hätte ich auch nicht.
Bin schließlich kein Bär.
Bin Vegetarierin.
Immer mal wieder.
Undogmatisch.
ER würde sagen,
rückgratlos.
Ohne Ehre.
Frisst Fleisch von Papas Kohle.
Hapüh.
Bin raus aus der Nummer -
Vater ist unbekannt,
Kohle für Lachs kommt von Mamma.
Die kenne ich.

30 Dezember 2008

Winter ist kalt. Manchmal.

Haben wir schon immer so ein Affentheater um den Winter gemacht? Die ersten Schneefälle Mitte November wurden mit einer solchen medialen Massenhysterie begrüßt, dass selbst eine Abstinenzlerin wie ich den Nachrichten nicht entkommen konnte. "Die Schneefallgrenze liegt jetzt bei 700 m. Ab dieser Höhe werden dringend Schneeketten und der Einsatz von Räumfahrzeugen empfohlen. Auch im Emsland sind die ersten Flocken gefallen. Der Verkehr beginnt sich bereits zu stauen, und wir empfehlen allen, die zur Arbeit müssen, auf die öffentlichen Verkehrsmittel zurückzugreifen. Alle anderen sollten besser zuhause bleiben."
Auf den Straßen meiner Heimatstadt spielten sich wahre Dramen ab: Menschen hasteten mit panikgeweiteten Augen durch die Geschäfte, um ein paar letzte Hamsterkäufe zu tätigen, Ladenbesitzer ließen schon um 17.00 aus Angst vor Plünderungen die Gitter herunter. Wer konnte, stellte sich in die Schlange an der Werkstatt und wartete auf die für den übernächsten Werktag angekündigte Reifenlieferung. Sanitäter reichten den gepeinigten Autofahrern heiße Getränke.
Und dann - die ersten Flocken. Deutschland ergab sich dem weißen Terror. In meiner geliebten Heimatstadt rutschten Autos um die Kurven, Fußgänger brachten sich mit waghalsigen Hechtsprüngen in Sicherheit, die Zahl der Verletzten stieg stündlich an. Mein Bus fuhr ausnahmsweise auf die Minute pünktlich, und ich ging schnellen Schrittes durch die schneeverwehte Nacht heimwärts, genoss die Stille.
Die meisten haben die beiden verschneiten Tage überlebt.

Und jetzt sinken die Temperaturen erneut. -10° erreichte das Thermometer heute nacht. Schlechte Nachrichten für alle, die Silvester im Garten oder am Baggersee feiern wollten. Auf einmal muss man eine Mütze aufsetzen und Handschuhe anziehen, bekommt kalte Füße und eine nicht minder kalte Nase.
Aber das soll im Winter immer mal wieder vorkommen.

Schalten Sie für einen Moment den Fernseher oder das Radio aus, hören Sie auf zu jammern und schauen Sie nach draussen. Da funkeln eine Menge Sterne an einem klaren, kalten Himmel. Tagsüber hätten Sie die Sonne genießen können und den Anblick von Reif auf Ästen, Sträuchern, Rasen und Feldern, hätten Kindern beim Pfützenschliddern entweder nur zusehen oder selbst schliddern können.

Ja, es IST kalt! Und es ist wunderschön dabei! Beste Voraussetzungen für einen grandiosen Jahreswechsel - vorausgesetzt, man hat keine Grillparty im Garten geplant. Andererseits könnte bei ordnungsgemäßer Ausstattung auch eine Gartenparty bei -10° sehr spaßig sein. Wir haben doch auch alle auf dem Weihnachtsmarkt gestanden. Draussen. Oder?

Bevor ich mich an die Vorausschau mache, werde ich meinen noch immer verschnupften Kopf noch einmal auf den Balkon tragen, tief die kalte Luft einatmen, Sterne gucken und mich dann über die gut funktionierende Heizung freuen.

Falls Sie das Gleiche tun, und draußen quakt etwas: Sie müssen ihn ja nicht gleich küssen. Aber in ihrer Badewanne hätte er es warm, der kleine grüne Prinz. Und dort stört er doch über Nacht nicht, oder?

Rückblick II

Beim zweiten Lesen (30.12.08, Dienstag morgen, die Sonne scheint, und es ist a...kalt.) ist mir aufgefallen, dass ich mich inzwischen vom "aktuellen Tagesgeschehen" abgekoppelt habe. Noch letztes Jahr fand ich Verbindungen zwischen meinen persönlichen und den Nachrichten bei Google. Da ich diese inzwischen nur noch überfliege, haben sich nur die einschneidenden Ereignisse auf meiner Festplatte gehalten - der Rest wurde an Stellen zwischengespeichert, die ich gerade nicht finden kann.

Januar

Obwohl ich mir nach wie vor nicht vorstellen kann, was mich inspiriert hat in dieser Lebensphase, habe ich die erste erotische Geschichte geschrieben, die dann auch veröffentlicht wurde. "Verliebt in einen Stern" heißt sie und ist erschienen im Storia Verlag in der Anthologie "Sternenlust". Andererseits - diese Geschichte brauchte keine äußere Inspiration, sie war immer nur meine.
Ansonsten erinnere ich die bereits erwähnte Grippe.

Februar
Manisch gedichtet habe ich. Ist immer ein Zeichen dafür, dass es mir nicht gut geht. Glückliche Menschen sollten nicht dichten - da kommt komischer Kram bei raus.
Und ich habe einen unglaublich schönen Waldspaziergang gemacht. Das Wetter war frühlingshaft, und ich wütend auf meine aktuelle Wochenendbeziehung. Eigentlich hatte ich mich nur abreagieren wollen. Rennenderweise. Und dann habe ich Rehe gesehen, ganz nah, mich erst verlaufen und dann anhand der Baumbemoosung und des Standes der Sonne nach Hause bzw. zu meinem Auto gefunden. Allein dieser Spaziergang hat den Februar gelohnt.

März
.. war der Monat, in dem ich gezwungenermaßen aus Scheiße Bonbons gemacht habe. Einen 5-km-Fußmarsch spätabends im Schneetreiben großartig fand, das Abenteuer des ÖPNV entdeckt und mich nach kurzem Sträuben auf Entschleunigung eingelassen habe.
Der März war kalt.

April
Geburtstag hatte ich. Habe einen wunderschönen Stift geschenkt bekommen, den ich erst etwas später als echten Denkstift erkannt und genutzt habe. Irgendwie war es immer noch erschreckend kalt, und ich bin immer noch sehr viel gelaufen.
Anna begab sich in die letzten "kreativen" Züge. Heute kommt es mir vor, als wäre all das viel länger her.

Mai
"Urlaub" auf einer dänischen Insel. Großartiges Wetter. Viel Gegend. Wenig Zwischenmenschliches. Habe das Eigenbröteln angefangen und Forderungen gestellt. Unerfüllbare. Hätte ich trotzdem schon viel früher tun sollen.
Und dann dieses Affentheater mit der EM...
Braun geworden bin ich, viel Fahrrad gefahren auch, kreativ war ich selten.

Juni
Umbruch. Es passierte, was viel früher hätte passieren müssen. Ich habe meine beste Freundin besucht und hatte keine Angst vor ihrem Hund. War gleichzeitig Verliererin und Gewinnerin. Bin laut singend durch die Felder gerast und habe meine Freiheit genossen. Wusste noch nicht, dass ich den Weg zur Freiheit gerade erst angetreten hatte und vom Ankommen noch weit entfernt war.
Wege sind manchmal Umwege.

Juli
Hitze. Sommer. Irrwitzige Kreativitätsausbrüche. Habe gebloggt und geschrieben wie besessen, obwohl ich auch sehr viel Zeit in der Sonne, rennend, radfahrend und bei der Arbeit verbracht habe. Viel gute Zeit. Es war mein kreativster Monat. Habe diverse Wettbewerbsbeiträge geschrieben. Und unglaublich viel gedichtet...

August
Auch sehr viel Kreativität, vor allem aber Lanzarote. Viele, neue, andere Erfahrungen. Das Wetter war besser als in Deutschland.

September
Bin noch nie so schnell aus dem Urlaub in die Realität zurückgekehrt - schon nach ein paar Stunden war es so, als sei ich nie fort gewesen. Kreta ist immer länger bei mir geblieben...
Lesung in Glinde. Wenig Publikum, war trotzdem schön.
Meine Septemberthemen waren Kühe auf dem Eis, vermeintlicher Egoismus und Holzsammeln.

Oktober
Kommt in Punkto Kreativität gleich nach Juli. Ich habe "Die Traumfrau im Schlafanzug" geschrieben, meine erste Lesung in Göttingen gehabt, und der EX war da (womit ich nicht ernsthaft gerechnet hatte...), mich literarisch freigestrampelt.

November
Erwähnenswert ist nur der NaNoWriMo. Ich habe zwar erst im letzten Drittel ernsthaft angefangen, aber ich hatte auch das mit Abstand schönste Erlebnis meines Lebens: Es hat aus mir geschrieben. Ist mit nichts vergleichbar. Wenn die gute Fee gekommen wäre, hätte ich sie gebeten: "Sorge für mein Essen, den Wein und die Miete, alles andere ist mir vollkommen egal!"
Leider ist sie nicht gekommen, und ich muss "Die Beiden" irgendwie selbst unter die Menschen bringen.

Dezember
"Anna K. - Grenzlinie" hat, von der blöden Grippe abgesehen, den Dezember bestimmt. Bin einerseits stolz und habe andererseits das gleiche Gefühl wie früher bei Klassenarbeiten oder Uniklausuren: Sobald ich mein Geschreibsel abgegeben hatte, hat es mich nicht mehr interessiert.
Aber so schnell wird es diesmal nicht gehen - Anna wird sich auf die Wanderschaft begeben. So wie ich. Nächstes Jahr.

29 Dezember 2008

Rückblick I

Ich schaue zurück,
sehe vorwurfsvolle Augen,
müde Augen,
lebendige Augen,
liebevolle Augen.

Es braucht
vier Jahreszeiten,
um sich zu
verabschieden.

Frösche und Prinzen

Ich habe ein Buch geschenkt bekommen: "Wenn Märchenprinzen lästig werden" heißt es und hat mir in Bus und Bahn schon viel Freude bereitet. Diese kleine Geschichte möchte ich Ihnen auf gar keinen Fall vorenthalten:

Eine Frau geht spazieren. Unterwegs trifft sie auf einen Frosch. Der springt auf und ab und quakt: "Küss mich, ich bin ein verzauberter Prinz! Wenn Du mich küsst, werde ich Dich heiraten, Dir von meinem Geld abgeben und dreimal am Tag Sex mit Dir haben." Die Frau steckt den Frosch in die Tasche und geht weiter.
"Hast Du mich nicht verstanden?" quakt der Frosch. "Ich bin ein verzauberter Prinz! Wenn Du mich küsst, werde ich Dich heiraten, mein Geld mit Dir teilen und dreimal am Tag Sex mit Dir haben."
"Ach, weißt Du," lächelt die Frau. "Einen sprechenden Frosch finde ich irgendwie spannender."

Nein, Silke, ich falle nicht in alte Emanzenattidüden zurück! (Obwohl die gar nicht so schlimm waren...)

Aber die Idee, nicht gleich alles zu knutschen, bloß weil es behauptet, etwas Großartiges ins eigene arme Leben zu tragen, ist vielleicht nicht schlecht. Erstens würde ich keinen Frosch küssen, bevor er mir nicht glaubhaft in Form von Kontoauszügen und der dazugehörigen Bankvollmacht bewiesen hat, dass er wirklich Geld hat und mir einen großen Teil davon abzugeben bereit ist. Zweitens halte ich die Ehe für die blödsinnigste Institution nach dem Verkehrsverbund Südniedersachsen. (Sie funktionieren beide nicht. 36% der Ehen werden wieder geschieden, und 50% der Busse, auf die ich warte, kommen nicht oder viel zu spät.) Drittens wäre mir die Beziehung zu einem Prinzen viel zu anstrengend, weil ich dann dauernd irgendwelche Paparazzi an den Hacken hätte. Viertens kann ich mir nicht vorstellen, dass jemand, der sich über Kohle und gesellschaftlichen Status definiert, gut im Bett ist. Und fünftens hat ihn irgendjemand in einen Frosch verzaubert. Den hätte ich viel lieber. Bevor ich mich mit dem Unterlegenen abgebe, mache ich mich doch lieber auf die Suche nach dem Gewinner. Vielleicht ist es ja mein werdender Adoptivpapa, der Teufel? Oder er sieht viel besser aus als der prinzgewordene Frosch?

Aber das Beste wird wahrscheinlich sein, eventuell meinen Weg kreuzende sprechende Frösche links liegen zu lassen. Dieses glibberige Gefühl wird an den Fingern kleben - Wortgewalt hin oder her. Und spätestens bei der nächsten Froschwanderung wird er von einer schicken Kröte mitgenommen. Ich müsste nicht einmal ein schlechtes Gewissen wegen unterlassener Hilfeleistung haben.

Independance Day

Erkältungskranke lesen Bücher, schlafen und gucken viele DVDs. Da bei mir die allweihnachtliche Kopfgrippe ausgebrochen ist, die meine Sinnesorgane bis auf die Haut zum Sparflammenbetrieb verurteilt, tue ich seit Heiligabend genau das. Interessanterweise träume ich jede Nacht eine andere Version des Films, den ich vorher gesehen habe. Es darf also kein trauriger, schwieriger oder gruseliger sein, denn das würde meinen Genesungsschlaf erheblich erschweren.

Heute abend war "Independance Day" dran. Ja, ich weiß, es ist einer dieser amerikanischen Durchhalte- und Wir-sind-ja-so-ein-großartiges-Volk-Filme, auch wenn er von Roland Emmerich, der bekanntermaßen Deutscher ist, gedreht wurde. Und ich weiß, dass jetzt mindestens zwei Menschen, die glauben, mich zu kennen, die Augen gen Himmel verdrehen und denken werden: "Klar, dass sie so einen Durchhalte- und Kampfscheiß guckt. Oberflächlicher Mist!" Aber ich finde, wer mit des Teufels Sohn vögeln will, darf auch Kampfscheiß gucken. Könnte nützlich sein.

Ich finde das einfach großartig: Da fliegt ein Säufer, der nicht mehr ganz richtig im Kopf ist und beim Düngen das falsche Feld erwischt, todesmutig mitten in ein feindliches Raumschiff, um dort mit seiner Maschine zu explodieren. Seine letzten Worte: "Sagt meinen Kindern, dass ich sie liebe!" Die Präsidentengattin stirbt, ohne groß deswegen herumzujammern, und als Papa aus dem Zimmer kommt, fragt die kleine Präsidententochter: "Schläft Mami jetzt?" Was will man mehr? Ich habe jedenfalls zwei Packungen Solo von Aldi abwechselnd vollgeschnupft und vollgeheult - lässt sich im Nachhinein nicht mehr so gut unterscheiden.

Und es sah einfach schön aus, als all die Personen, die doch eigentlich zur Achse des Bösen zählen, aus ihren Verstecken gelaufen kamen, um zu jubeln.

Natürlich hatten die Amerikaner die Idee. Gönnen wir es ihnen! Sie hatten doch auch die Idee zur Finanzkrise, haben einen großen Teil zur Klimaveränderung beigetragen und zum Weltfrieden. Fragen Sie die Iraker! Oder die Afghanen.

Aber auch, wenn ich jetzt so ironisch wirke - die vollgeheulten Solos sprechen eine andere Sprache. Ich mag HeldInnen. Die kommen für mich gleich nach dem Teufel.

24 Dezember 2008

"Im Auftrag des Teufels"

passt auf den ersten Blick nicht zu Weihnachten. Immerhin geht es ja um die Geburt von Jesus, der sich geopfert hat auf dem Altar der Menschlichkeit.

Der Teufel hingegen hat Spaß. Der Teufel spricht alle Sprachen. Der Teufel kann ein paar Gangster in der U-Bahn mit ein paar spanischen Worten zur Raison bringen. Der Teufel ist unglaublich reich. Der Teufel hat alle Macht der Welt. Der Teufel spielt. Der Teufel schaut nicht ernst, sondern grinst von einem Ohr zum anderen.
Ich bin ehrlich: Im Gegensatz zu Keanu Reeves, der sich im ersten Anlauf anders entschieden hat, würde ich mich vom Teufel adoptieren lassen, mit seinem unglaublich gut aussehenden Sohn vögeln und ihn Kinder bekommen lassen. Den Sohn. Das wäre zwar nicht biologisch korrekt, ließe sich aber garantiert regeln, wenn ich des Teufels Tochter wäre.

Integrität? Scheiß drauf, wenn ich dafür die reichste und damit freieste Frau der Welt wäre!

Humanität? Ohne mich - ich nähme das Penthouse direkt über dem Central Park und die Kraft, irgendwelche Gang-Mitglieder mit einem müden Lächeln in den Tod zu treiben!

Solidarität? Klar. Mit Papa. Dem Teufel eben.

Ernsthaft: Wenn ich vor der Wahl stünde, alles zu bekommen, was ich mir erträume und dafür nichts weiter zurück zu lassen als einen weinerlichen, neurosengeplagten und verweichlichten Ehemann und ein niemals ernsthaft geplantes Kind, müsste ich nicht lange nachdenken. Und wenn meine Mutter mir beichtete, dass mein unbekannter Vater der Teufel sei und dieser nun ein großes Interesse an mir zeigte, mir Ruhm, Geld und Freiheit böte, hätte ich die Adoptionsunterlagen schneller in der Hand, als Papa Teufel Feuer machen könnte.

Sie
kommen gerade vom Weihnachtsgottesdienst und haben gleichzeitig inbrünstig "Stille Nacht, Heilige Nacht" gesungen und den Anwohnern die Parkplätze weggenommen? Erzählen Sie mir nicht, dass Sie all das stehen- oder liegenließen für Integrität, Humanität oder Solidarität. Nicht, wenn es um IHREN Parkplatz direkt vor der Kirche geht!

Würden Sie nicht. Behaupte ich einfach. Auch Sie würden sich für Reichtum, Macht und endlose Vögeleien entscheiden - genau wie ich. (Und sich vielleicht ab und zu fragen, was Jesus gemacht hätte, wenn nicht Josef, sondern der Teufel ihn adopiert hätte.)

Schöne Weihnachten!

Weihnachten

... ist auf einmal da. Heiligabend heißt der heutige Tag. Unlogisch eigentlich, weil Heilig-Abend und nicht Heilig-Tag.
Vor drei Tagen war Wintersonnenwende - der kürzeste Tag oder die längste Nacht, je nach Sichtweise.
Und es gibt noch eine Menge anderer "Feste" zu diesem Datum. Übrigens stammt "Datum" aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich übersetzt: "Gegeben". Falls sich jemand für Feste im Allgemeinen interessiert, hier ist die Definition von Wikipedia:

"(...) Das Fest (v. lat. festum für das Feiern vorgesehener Zeitabschnitt; hebr. Moed fest-gesetzter Zeitpunkt für die Begegnung mit Gott) ist ursprünglich ein besonderer herausgehobener, vom Alltag unterschiedener, Zeitraum. Verwandt ist Feier (v. lat. feriae, urspr. fesiae). Beide Begriffe wurzeln in fanum: das Religiöse. Während des Festes ruhen profane Tätigkeiten. Feste und Feiern gliedern die Zeit in Zyklen, Perioden und Rhythmen, womit die Menschen sich Zeit und Leben handhabbar zu machen suchen (vgl. Feiertag und Feierabend). (...)"
Dieses spezielle Fest kann auf höchst unterschiedliche Weise begangen werden. Der Taxifahrer von gestern wird auch heute taxifahren und dabei an seine Familie denken, die ohne ihn feiern muss, weil er versucht, Geld zu verdienen. Der Taxifahrer, mit dem ich heute nach Hause gefahren bin, fährt, weil er nichts Besseres vorhat und die Idee, Geld zu verdienen statt sich zu langweilen für eine gute hält, meine Mutter hat heute Geburtstag, bei meinem Cousin gibt es neuseeländischen Lammbraten.
Außerdem ist es ein guter Anlass, sich bei KundInnen und GeschäftspartnerInnen ins Gedächtnis zu rufen; auch das Tageblatt besteht zu ca. 70% aus Weihnachtsgrüßen verschiedenster Unternehmen, die wahrscheinlich eine Mörderkohle für eine unbeachtete Anzeige bezahlt haben, auf die niemand achtet, weil es soviele davon gibt. Der eine fährt völlig übermüdet nach der "Es-ist-Weihnachten-und-ich-habe-frei-Party" zu den Eltern, die andere besucht ihre Großmutter. Die Vermieterstöchter haben beim Krippenspiel mitgewirkt.
Und dann war da noch der Herr mittleren Alters im Bus, der stolz eine "Alnatura"-Tüte unter dem Arm trug, möglicherweise mit biologischen Leckereien für sich und seine Liebste, das ältere Ehepaar mit dem großen Koffer, das vielleicht auf dem Weg zur Bescherung der Enkel war und der Jugendliche mit Migrationshintergrund und schlechtsitzender Baseballkappe, der telefonierenderweise die Lage gecheckt hat.

Im Vorfeld wurde häufig per Mail oder Newsletter gewünscht, dieses Weihnachten möge aber bitte endlich einmal ein ruhiges, konsumfreies, kommunikatives sein. Daran habe ich mich gehalten: Ich habe ein paarmal mit der Leitstelle telefoniert, weil der Bus nicht kam. Und die Tatsache, dass ich jetzt an meinem Schreibtisch sitze, bei Kerzenlicht Prosecco trinke und blogge, ist ausschließlich dem Taxifahrer zu verdanken, der ohnehin nichts Besseres zu tun hatte.

Seltsam ist, dass ich das Gleiche tue wie immer, mich aber völlig anders fühle. Dabei werde ich spätestens übermorgen die Advents- und (Vor-)Weihnachtsdeko abbauen und mich auf zwei Wochen Sonne, Sport und Spanischsprechen vorbereiten. Alles wie immer. Religiös bin ich auch nicht. Und doch...

23 Dezember 2008

Weihnachten

kann kommen: Meine Wohnung ist geputzt, jeder einzelne Spalt; sogar die Bücher habe ich ausgeschüttelt und entstaubt. Und ich habe nicht wenige Bücher.
Mein gläserner, von Mutter geerbter Adventskranz ist ein wenig lädiert, weil ich mich nicht auf die vier Adventskerzen beschränkt habe. Glücklicherweise gibt es Superkleber. Trotzdem ist es weihnachtlich bei mir. Mutter hat mir nämlich außerdem einen Weihnachtsbaum geschenkt, ca. 20 cm groß, den ich heute wild mit silbernen Glöckchen und sonstigem Flitterkram behängt habe. Ich könnte mich also morgen abend bescheren, wenn ich wollte.
Will ich auch. Will gemütlich bei netter Musik und Kerzenschein sitzen, vielleicht ein wenig mit den Pflanzen sprechen, die gerade einen depressiven Eindruck machen, Spanisch lernen und haufenweise Filme gucken, die mir der Ex netterweise ausgeliehen hat. (Wenn ich "Der Ex" sage, meine ich übrigens "DEN EX".)

Heute sprach mich eine Kursteilnehmerin an: "Du hast ein Buch herausgebracht, habe ich gelesen." Ich sagte "Ja." und fühlte mich irgendwie wie immer. "Worum geht es denn?" fragte eine andere Teilnehmerin. "Um eine mörderische Borderlinerin." sagte ich und war einerseits völlig irritiert, weil ich gerade mit wildfremden Frauen über MEIN BUCH sprach und fühlte mich andererseits noch immer nicht so, wie ich mich möglicherweise fühlen sollte. Bin auch viel zu aufgeregt, weil ich das erste gedruckte Exemplar meiner Mutter zum Geburtstag schenken möchte (Und sie hat nachher, also am 24.12. Geburtstag!) und es immer noch nicht angekommen ist. Habe ihr stattdessen ein Buch über die Geschichte des SV Göttingen 05 und eines über die Anfänge der Georgia Augusta gekauft. Aber das ist ja nicht das Gleiche, auch wenn sie wahrscheinlich an Göttingen 05 mehr Spaß haben wird als an Anna K. Sollte ich ihr vielleicht sagen, dass sie nur die Widmung bzw. die Danksagung lesen soll? Nachher denkt sie noch, das wäre eine autobiographische Geschichte und gibt mich zur Adoption frei? Bitte verraten Sie ihr nicht, dass es wirklich so ist - ich habe nur den kapitalen Fehler gemacht, die Jungs leben zu lassen.

Nach meiner Wohnungsputzaktion bin ich dann ins Studio gefahren, eine knappe Stunde lang sehr schnell gelaufen, habe dann zwei Stunden Kurs gegeben (Nix Dolles: Bodyforming, was immer für vorsichtiges und schwitzfreies Hin- und Herbewegen verschiedener Gliedmaßen steht und Yoga mit eher entspannendem Charakter) und zum Abschluss meines Tages einen Taxifahrer auf das Allerheftigste irritiert: Er konnte sich überhaupt nicht vorstellen, dass es möglich ist, Weihnachten allein zu genießen, ohne arbeiten zu müssen, ohne Kinder, Mann oder Haustiere. Dabei habe ich ihm versichert, dass es wahrscheinlich nur wenig gibt, was schöner ist (Vielleicht ein Urlaub auf Fuerteventura, aber der ist ja gleich im Anschluss dran...), als ein paar besinnliche, stressfreie, selbstbestimmte Tage bei Kerzenlicht, selbstgewählter Musik und unzensierten Gedanken zu verbringen. Kein Aber, kein Eigentlich, nur ICH. Ein absolut einzelkindmäßiges ICH.

Ich wünsche allen MitleserInnen wunderschöne, harmonische, ruhige, besinnliche, selbstgestaltete, kreative, inspirierte, liebevolle Weihnachtstage!

21 Dezember 2008

Noch mehr "Aber!"

Du schreibst so schön
ABER
kannst Du nicht einmal etwas SCHÖNES schreiben?

Du riechst so gut,
ABER
kannst Du nicht ein anderes PARFÜM benutzen?

Deine Geschwindigkeit ist beeindruckend,
ABER
kannst Du nicht ein bisschen LANGSAMER machen?

Du hast eine großartige Figur,
ABER
kannst Du nicht vernünftig ESSEN?

Du bist so redegewandt,
ABER
kannst Du nicht endlich STILL sein?

Du lebst so intensiv,
ABER
kannst Du damit nicht
AUFHÖREN?

NUR FÜR MICH?

Du bist so schön
gestorben,
ABER
mach mir kein schlechtes
GEWISSEN!

Amazone

Sie sitzt aufrecht auf ihrem Pferd, hebt den Arm, zieht einen Pfeil aus dem Köcher, spannt den Bogen mit ruhiger Hand, ein Auge zugekniffen, das Ziel im Blick. Sie wird treffen, denn sie kann ihr Ziel vor ihrem inneren Auge sehen.
Dort, wo einst ihre linke Brust war, ist heute nur noch eine zickzackförmige Narbe zu sehen. Sie trägt sie mit Stolz, ihr Jagdgewand bedeckt nur ihre rechte, noch immer formvollendete Hälfte. Das war nicht immer so. Als die Narbe noch frisch war, konnte sie sich nicht im Spiegel anschauen, nicht allein jedenfalls. Sie brauchte die Arme ihrer Freundin, brauchte Halt, Verständnis, Liebe.

Heute hat sie noch immer die Schreie ihres letzten Kampfes im Ohr, sie kann das Stöhnen der Verwundeten hören; wenn sie ihren Kopf hebt, sieht sie am Himmel die Sterne, zu denen ihre gefallenen Schwestern geworden sind.

Manchmal wünscht sie sich Frieden. Oft will sie kämpfen, bis sie entweder alle ihre Gegner getötet hat oder eines Tages einem Stärkeren unterliegt. Ihr Name ist Brunhilde, Krimhild, Athene, Diana, Desdemona, Klara, Marie... Sie hat viele Namen.
Sie ist die letzte Amazone, die letzte einer stolzen Generation. Sie stirbt mit jeder Frau, die ihr Neugeborenes in einer Mülltonne dem Tod überlässt, mit jedem Mädchen, das sich für ein paar nicht ernstgemeinte Worte der Anerkennung auf den Rücken legt, mit jeder Kämpferin, die angesichts einer drohenden Konfrontation die Flucht ergreift, mit jeder alten Dame, der nicht über die Straße geholfen wird, mit jeder Lehrerin, der niemand mehr zuhört, sie leidet für alle Frauen, die niemals das Gefühl kennengelernt haben, mit sich zufrieden und dabei stolz zu sein, für jede Katze, die ihr Leben unter einem Auto lassen wird, für jeden Eisbären, der ersäuft, weil er die nächstgelegene Eisscholle nicht mehr erreichen kann.

Und so, wie in nächster Zukunft die Eisbären der Welt verlorengehen werden, wird auch die letzte Amazone verschwinden und einem vollgefressenen, desinteressierten Lebewesen weichen, das seine Brut lieblos ins Leben wirft, mit nichts als einem Cheeseburger XXL und der zum Menü gehörigen Cola im Gepäck.

Einst geliebt

Deine Haut
fühlte sich gut an,
damals.

Dein Geruch
war
vertraut,
damals.

Dein Lächeln,
habe ich oft ersehnt,
damals.

Deine Stimme
hat mich betört,
damals.
Das Gefühl,
das ich hatte,
damals,
will

sich
heute
nicht
mehr einstellen.

20 Dezember 2008

Leere

Eigentlich sollte ich ja meinem Ruf, eine ausgezeichnete Bespaßerin zu sein, nachkommen und irgendetwas Witziges schreiben. Vielleicht über nichtvorhandene Sixpacks von Gunstbewerbern, endlose Schlangen vor überfüllten Parkhäusern, hektische Letzte-Minute-Einkäufe, alberne Werbung, meinen eigenen und wegen übermäßigem Kekskonsum stündlich zunehmenden Bauchumfang, irgendeine der vielen Beobachtungen eben, die ich in den letzten Wochen bruchstückhaft notiert habe.

Die Erinnerungsfunktion meines Mobilen blökt mich jeden Tag mehrmals an. "Notizen lesen!" steht dann auf dem Display, "Ralf und die Schafe!" oder "George, S. 251 verwursten!" Und hinter jeder dieser Notizen ist ein dickes Ausrufezeichen, das mir ein schlechtes Gewissen macht.
Was mich nicht daran hindert, die Ausführung der selbstgestellten Aufgaben immer weiter nach hinten zu schieben. Gleiches gilt für Outlook - auch da leuchtet die Mehrzahl in der Rubrik "Zu erledigen" in penetrantem Rot. Gut ist, dass das Gehirn sich an jeden regelmäßig wiederkehrenden Reiz innerhalb relativ kurzer Zeit gewöhnen kann. Schlecht ist, dass es ihn irgendwann nicht mehr wahrnimmt.

Egal ist mir all das, weil in meinem Kopf noch immer absolute Leere herrscht. "Anna K. - Grenzlinie" ist inzwischen bei amazon.de, bod.de und im einschlägigen Buchhandel aufgelistet, bei amazon.de leider ohne ein Foto des von mir so liebevoll gestalteten Covers; "Die Beiden" sind geschrieben und zunächst auf dem USB-Stick zwischengespeichert. "Frauen denken. Männer nicht. Denken Frauen." sind zu zwei Dritteln fertig und warten auf ein Lektorat.
Ich sitze auf der Couch und schaue mir Götz George an. Gestern war es "Die Katze" (Da ist er sehr wirkungsvoll gestorben und freundlicherweise einmal nackt durchs Bild gelaufen.), vorgestern die ersten beiden Schimanskis. Dazu gibt es Baiser, Kekse, Ovomaltine aus der Dose und naturtrüben Apfelsaft von der Streuobstwiese. Ich mag nichtmal mehr Wein trinken! Bier sowieso nicht. Naja, vielleicht heute abend beim Doppelkopf. Falls ich mich aufraffen kann und nicht schon der nächste Schimanski in meinem Briefkasten liegt.


Aber ich muss auch nirgendwo hin. Gestern habe ich einen "Stern" vom November gefunden, in dem man die eigene Beziehungsfähigkeit testen konnte. Dabei kam heraus, dass ich auf Abenteuer aus, streitlustig, konfliktscheu und unsicher bin. Die "9" habe ich nicht erreicht, bin bei "3" und "4" hängengeblieben. "9" stand für "Sucht in einer Beziehung das gemeinsame Glück, ruht in sich und ist kompatibel". "3" bedeutete "promiskuitiv bis zum suchthaften Verhalten" und "4" war "streitlustig und aggressiv". Das sind jetzt meine eigenen Worte, in der Auswertung hat man sich wissenschaftlicher ausgedrückt.
Jedenfalls habe ich das Ergebnis für mich interpretiert als "NICHT KOMPATIBEL!" und mich entschlossen, aus dem Bridget-Jones-Lied "All by myself, don't wanna be all by myself" für einige Zeit "All by myself, I wanna be all by myself" zu machen und meine Promiskuität bei Lesungen in den umliegenden Swingerclubs auszuleben. Oder einfach auf der Couch sitzen zu bleiben. Sollen doch die Schäferhunde kommen und mich anfressen! Die werden sich ordentlich den Magen verderben.

Wie ich jetzt darauf gekommen bin? Ist doch eine äußerst eloquente Beschreibung für "Leere", oder etwa nicht?

15 Dezember 2008

Anna K. - Grenzlinie

Anna ist endgültig auf dem Weg: Soeben habe ich mein "Okay" unter Buch- und Autorenvertrag gesetzt und das erste Exemplar für mich bestellt.

Wahrscheinlich wird es noch vor Weihnachten käuflich zu erwerben sein.

Wünschen Sie uns Glück!

14 Dezember 2008

Mister Germany - And the winner is...


... aber sowas von überhaupt nicht mein Typ! Bauch hat er, Brustmuskulatur ist quasi nicht vorhanden, und die Ärmchen sind auch nicht das, was ich beim Gedanken an einen Männerbizeps vor meinem inneren Auge habe. Im Anzug sieht er ein bisschen besser aus, die Nahaufnahme hat mich dann allerdings wieder desillusioniert. Die beiden Jungs, die den zweiten und dritten Platz belegen, würden nicht einmal meine Mutter dazu bewegen, mehr als einen kurzen Blick zu riskieren. Wahrscheinlich würde sie sogar schnell ihre Brille wieder absetzen und ihrem Schöpfer dafür danken, dass sie "aus dem Alter raus" ist.
Mir stellt sich die Frage, was die Jury eingenommen hat, als die Herren vor ihr über den Laufsteg flanierten. Eine mögliche Erklärung: Rückwärtig hatten sie ein bisschen mehr zu bieten, und die Damen waren so von ihren Hinterteilen fasziniert, dass sie ihnen weder ins Gesicht noch auf die Bäuche geschaut haben. Oder sie hatten solch ein nettes Lächeln. Oder Humor. Humor ist nämlich sehr, sehr wichtig, wenn Mann bei Frau chancenreich sein möchte, das habe ich heute in der Apotheken-Umschau gelesen. Was die aktuellen "Misters" betrifft, kann ich nur sagen: Wenn das alles ist, was frei auf der Straße herumrennt, leihe ich mir doch lieber ein paar Filme mit Götz George, George Clooney oder Brad Pitt und warte darauf, dass sie sich ausziehen. George Clooney braucht sich natürlich nicht auszuziehen, da reicht es völlig aus, wenn er dieses unglaubliche Lächeln... Aber ich schweife ab. Habe ebenfalls ein Lächeln im Gesicht. Zugegeben eher debil.
Wenn Sie mal schauen
wollen...

Götz George ist auf diesem Bild wahrscheinlich so alt wie die Jungs rechts oben zusammen.

Zu Herrn Clooney brauche ich nichts weiter zu sagen, denke ich.

Dann wäre da noch




Und da kann zumindest ich nicht anders, als meine Mundwinkel angelamäßig herabhängen zu lassen, erstens, weil auch ich (zusammen mit Millionen anderer Frauen), hätte ich denn einen Mann, diesen sofort für einen der drei "älteren" Herren verlassen würde, aber keiner von ihnen auf eine südniedersächsische Bloggerin, die sich wegen optischer Überreizung am Rande des Nervenzusammenbruchs befindet, gewartet hat, und drittens wird mir bei der Vorstellung, die drei jungen Herren mit den Schleifchen mittschiffs könnten dem aktuellen Schönheitsideal entsprechen und alle anderen rennen demnächst auch so rum, angst und bange.
Darum meine Bitte an eventuell mitlesende Herren: Melden Sie sich im nächstliegenden Fitnessclub an, trainieren Sie alles, was frau sehen soll, wenn Sie sich ausgezogen haben und versuchen Sie auf GAR KEINEN FALL, den drei Misters nachzueifern! Ich persönlich finde übrigens eine gutsitzende Rüstung wesentlich attraktiver als den Dreiteiler von der Stange.

12 Dezember 2008

Der Ex

Gestern habe ich mit meinem Lieblings-Ex telefoniert. Lange. Eigentlich war alles gut. Fand ich. Habe ihm ein wenig erzählt, während des Gesprächs selbst festgestellt, dass ich gerade ein wenig abwesend bin und sofort versucht, mich zu erklären. Was ich auch getan habe. Ausgiebig. Schwadroniert habe ich sozusagen.

Als mein Telefon klingelte, wäre ich nicht im Traum auf die Idee gekommen, dass ich irgendetwas zu erzählen hätte. Ich fand mich halbwegs zufrieden, immer noch in der Erholungsphase nach dem NaNo, schon bei Anna und ihrem Weg in die hoffentlich noch ausreichend lesende Welt, alles war gut.


Als ich fertig geredet hatte, sagte er: "Wenn Du das nächste Mal auf den Arm musst, sag mir bitte gleich Bescheid!"

ICH MUSS NICHT AUF IRGENDEINEN ARM! ICH NICHT!!!

Aber es ist schon erstaunlich, was mir so alles auf die schlichte Frage: "Alles gut bei Dir?" einfiel. Eben war noch alles in bester Ordnung, der Relaxation-Tee von Sonnenkraut hat seine Wirkung getan, Körperfettanteil ist dank Magen-Darm-Virus trotz der Vorweihnachtszeit im grünen Bereich, nennenswertes Oberschenkelgewöbber ist nicht feststellbar, der Schlaf ist tief und nahezu traumlos, und zwei Minuten später klage ich ein Leid, von dem ich vor zwei Minuten überhaupt nicht wusste, dass es da ist!
Hat der Ex noch soviel Einblick in mein Leben, hat er möglicherweise heimlich einen Psychokurs besucht, oder ist es die reine Bosheit?

Ich bin gestern abend sicherheitshalber schnell ins Bett gegangen und habe meine Nase in einen unverfänglichen Krimi gesteckt. Seltsamerweise musste ich heute früh viel länger schlafen als normalerweise, und einen steifen Hals hatte ich außerdem. Blöder Ex, dämlicher! Kann der sich nicht um seinen eigenen Kram kümmern? Was fragt er mich, wie es mir geht? So etwas darf mich nur meine Therapeutin fragen, und die kriegt Geld dafür!

Will der Kerl vielleicht auch Geld? Hat er mich nur "angefixt" und erwartet jetzt, dass ich mich in seine psychologisch geschulten Hände begebe? Den Teufel werde ich tun!

Ein Tipp an alle Ex-Frauen: Es ist okay, wenn Sie ihn nach wie vor liebhaben - aber Fragen nach ihrem Wohlergehen sollten Sie besser nicht beantworten. Das sind Fangfragen. Garantiert!

Ich sage jetzt auch nichts mehr.

10 Dezember 2008

Der Bus

Da ist dieses Paar. Darf man zu einem männlichen Paar ebenfalls "Pärchen" sagen, oder ist das sexistisch? Eigentlich sehen sie aus wie Männlein und Weiblein. Ich nenne sie der Einfachheit halber Er und Sie. Er ist groß, irgendetwas zwischen 190 und 195 cm, trägt einen dieser weiten, schwarzen Grunge-Mäntel, die bis zu den Knöcheln reichen, seine Haarfarbe wechselt zwischen blondgesträhnt und pumuckelorange. Er ist, zumindest optisch, der Beschützertyp. Sie ist schmal, für einen Mann relativ klein, trägt das Haar etwas länger und bändigt es mit einem weissen Haarreif. Dazu trägt Sie meistens weisse Stiefel.
Morgens sitzt Sie schon im Bus, wenn ich einsteige, immer mit Handy bewaffnet und Nachrichten schreibend. Ich habe mir immer eine Piepsstimme vorgestellt.
Abends bringt Er Sie zum Bus, Sie steigt ein, und dann halten sie solange Blickkontakt, bis der Bus abfährt. Heute habe ich das erste Mal "ihre" Stimme gehört: Tief, sehr tief. "Hallo, mein Süßer!" vernahm ich, und das klang in meinen Ohren nicht sehr weiblich.
Zum ersten Mal, seit ich die beiden beobachte, kam mir die Idee, dass Sie vielleicht Er sein könnte, auch wenn Er größer und breiter ist. Möglicherweise ist klein und zart nicht zwangsläufig gleich schwach und hilflos, ebenso wie groß und breit nicht stark und heldenhaft bedeuten muss.
Morgen früh werde ich Sie vielleicht anders anschauen.

09 Dezember 2008

Antizipation, Blödsinn und Busfahren

Heute ist einer der Tage, an denen ich einerseits das Bedürfnis verspüre, hochphilosophische Betrachtungen über die Welt, die darin befindlichen homo sapiens und das Wetter abzusondern. Das Problem liegt darin, dass in meinem Kopf drei Gedanken zuviel sind und sich boshaft weigern, einsortiert zu werden. Ich könnte darüber erzählen, dass ich mich heute dabei ertappt habe, mich einerseits über mangelhaften Arbeitseinsatz bzw. nicht geleistete Antizipation zu beschweren und andererseits einen Stepptanz auf meiner eigenen Nasenspitze ohne Blick für alles, was dahinter liegt, zu vollführen. Zugegeben gehört meine Nase eher zu den XL-Modellen, und es ist schwierig, irgendetwas dahinter zu erkennen. Ist aber keine Entschuldigung, fürchte ich. Man kann ja auch einfach still vor sich hin Blödsinn machen und anderen das gleiche Recht einräumen.

Ich könnte über die Busverbindungen zwischen Whausen und der großen, südniedersächsischen Metropole schreiben. Darüber, dass ich mich, von den Temperaturen abgesehen, in südliche Länder versetzt fühle. Aus Ägypten, Kreta und von den Kanaren kenne ich es, dass man sich an eine Bushaltestelle begibt, informationshalber den Fahrplan studiert und dann darauf wartet, dass der Bus, der vorgestern hätte abfahren sollen, anhält. Wenn man sich auskennt, hat man Proviant, ein Kissen und genügend Lesestoff dabei. Und notfalls ordentliche Wanderschuhe an, damit man laufen kann, wenn gar kein Bus kommt. Die Chancen stehen erfahrungsgemäß 70:30 für das Erscheinen des ÖPNV.
Wir sind mitten in Deutschland, dort, wo TollCollect erfunden, die erste Bibel gedruckt wurde und wo die preussische Pünktlichkeit allen anderen Tugenden vorauseilt.
Mag sein, dass das in Preussen funktioniert - in Whausen nicht! Normalerweise renne ich zehn Minuten vor Abfahrt aus dem Haus, laufe ca. 500 Meter zur Bushaltestelle, baue mich dort auf und warte. Manchmal kommt ein Bus. Manchmal nicht. Manchmal kommt ein Bus, und der Fahrer hält an der nächsten Tankstelle, lässt sein Gefährt bei laufendem Motor mitten auf der Landstraße stehen und befüllt den Reservekanister für seinen privaten Kleinwagen. Manchmal kommt der Bus genau dann, wenn ich gerade mit dem Fahrdienstleiter telefoniere und ihn zum wiederholten Male frage, wer denn die Zeit bezahlt, in der ich nicht arbeiten kann, weil ich auf den Bus warte. Ich bin sicher, der arme Mann bekommt mittlerweile hektische Flecken im Gesicht, wenn er meine Stimme hört. Die übrigens normalerweise angeblich hocherotisch klingt am Telefon, behauptet zumindest mein hochbegabter Ex-Mann. Und der muss es wissen, er ist Sänger und Stimm-Coach! Aber vielleicht leidet die Erotik nach 20 Minuten Arsch abfrieren, trippeln und ärgern.
Und manchmal, um den Faden wieder aufzunehmen, kommt der Bus überhaupt nicht, und der Fahrer ist über Funk auch nicht zu erreichen. Vielleicht tankt er dann gerade seinen Kleinwagen mit dem kurz zuvor während der Fahrt gezapften Benzin. Dann darf ich Taxifahren. Auf Kosten der Busgesellschaft. Genießen kann ich das allerdings nicht, weil ich ja schon so spät dran und deswegen hektisch bin. Und eigentlich mag ich auch den Taxifahrer nicht so, der immer kommt. Manchmal frage ich mich, ob er einen Deal mit der Busgesellschaft hat.

Soviel zum Busfahren. Fahrradfahren war schöner. Aber bald ist Frühling! Gleich nach Weihnachten geht es los, da bin ich sicher! Spätestens, wenn die Nikoläuse den Osterhasen weichen müssen (also ab dem 27.12.), dürfen wir uns auf Ostern freuen. Aber das ist ein anderer Gedanke, den ich verfolgen werde, wenn mir nichts Tiefergelegtes über den Weg fährt, ich keine Mitglieder einer studentischen Verbindung beim Laubkehren mit Handfeger und sehr kleinem Kehrblech beobachte und nicht an einen alten Freund denken muss, der sich von zwei geliehenen Schafen den Garten hat zuscheissen lassen, weil er zum Rasenmähen zu faul war.

Jetzt gehe ich besser ins Bett - mein Bus fährt morgen früh um 8:30, und ich muss spätestens um 4:00 an der Haltestelle bereitsstehen. Könnte ja sein, dass er früher abfährt!

Gute Nacht allerseits!

08 Dezember 2008

Tiefergelegt

Sonntagnachmittag, 2. Advent, die Sonne scheint, die Welt ist friedlich. Väter fahren Kind und Kegel von A nach B, ältere Ehepaare schieben gemeinsam an ihren Gehwägelchen, Familien sitzen im warmen Schein zweier Kerzen vor den ersten selbstgebackenen Keksen.
Da zerreisst ein tiefes Röhren die Stille. Mein erster Gedanke: Familie Schumacher hat den Weg nach Göttingen gefunden. Doch als ich mich umdrehe, um nach den Verursachern des Geräusches zu forschen, entdecke ich zwei tiefergelgte Golf II und ein japanisches Modell, Hersteller wegen der Menge an Plastikaufbauten undefinierbar. Sie fahren in einer Reihe hintereinander her. Als sie auf meiner Höhe sind, kann ich auch die Fahrer erkennen: Männlichen Geschlechts, das Alter irgendwo im Bereich der Zwanziger, übergewichtig und spätpubertär. Das eine sieht man an den runden Gesichtern mit deutlichem Hang zum Doppelkinn, das andere lässt sich aus dem Fahrverhalten herleiten. Alle drei lehnen sie lässig mit dem linken Unterarm auf der Kante unter dem Fenster, die andere Hand ebenso lässig auf das nachträglich eingebaute Rennlenkrad gelegt, den Blick auf den wahrscheinlich ebenfalls vorhandenen Drehzahlmesser gerichtet. (Vielleicht schauen sie sich auch die durch Auspuffgeröhre und Wettkampfatmosphäre verursachte Erektion an, das kann ich vom Bürgersteig aus jedoch nicht erkennen.)

Im Konvoi biegen sie auf die vor mir liegende Tankstelle ein, fahren dort einen großen Kreis, der vielleicht einem heute nachmittag nur spärlich erschienenen Publikum gilt, begeben sich zurück zur Ausfahrt, Füße spielen nervös mit Gaspedalen, die Motoren heulen auf, die Rennmaschinen rucken auf und ab, ich kann die Anspannung der drei Piloten fast körperlich spüren, jetzt biegen sie wieder auf die Straße ein, ich springe zurück, denn mir ist bewusst, dass sie im Rennfieber nicht auf einzelne Fußgängerinnen Rücksicht nehmen können, jetzt geht es um alles, sie beschleunigen innerhalb weniger Meter und werden dann zu einer Vollbremsung gezwungen. Ich drehe mich um, schaue noch einmal bewundernd hinüber, es ist ein Ehrfurcht gebietender Anblick, wie sie hintereinander, der rote Golf in der Pool-Position, an der roten Ampel stehen, und klatsche frenetisch Beifall.
Nur widerwillig wende ich mich schließlich ab und setze meinen Weg fort. Zu Fuß und in dem Bewusstsein, dass ich gerade drei moderne Ritter bei ihren Heldentaten beobachten durfte.

05 Dezember 2008

Offline - in jeder Beziehung

Da hat mir doch mein alter Provider just mit dem letzten Wort meines im Werden begriffenen Romans den Saft abgedreht. Wirklich, ich habe die letzte Zählung sozusagen auch zur letzten Sekunde gemacht!
Dann wäre eigentlich alles gut gewesen. Eigentlich. Aber tun Sie mal eine Woche lang nichts anderes als zu schreiben und hören Sie dann abrupt auf.
"Auftauchen! Die Realität wartet auf Dich!" schrie da eine unangenehm quäkige Stimme von hinten rechts oben in mein Ohr. "Kann nicht!" schrie ich zurück. Und fiel in ein tiefes, schwarzes, phantasieloses Loch. Glücklicherweise hatte ich mir eine warme Decke mitgenommen und konnte es mir da unten halbwegs gemütlich machen. Trotzdem - die Euphorie des "Ich habe es geschafft!" wich bald einem zaghaften "Und nun?". Also habe ich eben Sport gemacht. Das kann ich, und es hilft immer. Auch diesmal. Und ich hätte weitergemacht, bis ich von meinem neuen Provider wieder ans Netz angestöpselt worden wäre. Das hat dann ein Anflug von Noro-Virus verhindert, der mich Dienstagnacht angesprungen und aufs Lager geworfen hat. Bis heute.

Und als gäbe es wirklich noch Wunder, bin ich auch seit heute wieder online. Allen, die schon einmal ihren Provider gewechselt haben, muss ich sicher nicht erklären, unter welchen Umständen. Allen anderen sage ich: "TUN SIE ES NICHT! NIEMALS! ZAHLEN SIE JEDEN VERLANGTEN PREIS!" Denn Sie haben bestimmt Besseres zu tun als den ganzen Tag am Telefon zu hängen und Zahlen in die Tastatur zu tippen: "Für Technische Probleme drücken Sie bitte die '1' oder sagen 'Technik'. Für Fragen zu unseren Produkten drücken Sie bitte die '2'. Für eine direkte Verbindung zu unserem hauseigenen Therapeuten drücken Sie bitte die Sterntaste oder sagen 'Suizid'."

Aber was soll ich sagen: Hier bin ich, drei Kilo leichter als vor ein paar Tagen und bis auf Augenhöhe gefüllt mit heissem Ingwerwasser.
Und was ist das Erste, was ich tue? Bloggen!

01 Dezember 2008

Die machen das!

Gerade hat mich ein Callcenter-Agent (Nein, nicht James Bond, sondern so eine arme Sau, die die Wahl zwischen Sperre der 3 €, die ihm von Hartz wegen zustehen und einem schlechtbezahlten Job, der ihm über eine Zeitarbeitsfirma, die mit der Agentur für Arbeit zusammenarbeitet, hatte.) im Auftrag eines sehr, sehr großen und bekannten Telefonriesen angerufen und mich gefragt, ob ich denn mit dem Kundenservice des Riesen zufrieden sei.

Ja, war das eine Fangfrage? Hängt von meiner Antwort ab, wie schnell ich wieder online bin? Denn immerhin ist es inzwischen 20:40 Uhr, und der arme junge Mann hatte noch Glück. Erstens lag ich nicht mehr in der Badewanne, zweitens hatte ich einen schönen Tag und drittens hat meine beste Freundin auch mal vor der oben beschriebenen Wahl gestanden und mir genauestens geschildert, wie sich die Tätigkeit eines Callcenter-Agents im Dienste einer Zeitarbeitsfirma, die im Auftrag der Agentur für Arbeit handelt, gestaltet. Ca. 6 € pro Stunde bleiben für den Agent übrig, den Rest des Stundenlohns, der wahrscheinlich das Doppelte beträgt, sackt die Zeitarbeitsfirma ein. Ich hege außerdem den leisen Verdacht, dass auch für die Berater der Agentur für Arbeit der eine oder andere Euro abfällt; immerhin kann man mit Zeitarbeitsfirmen die Straßen pflastern, und da wird den Jungs ein Auftrag von offizieller Seite schon etwas wert sein.

Was bin ich froh, dass ich gerade nicht online bin! Wenn das irgendjemand liest, der bei dem bekannten Telefonriesen für DSL-Anschlüsse zuständig ist, bleibe ich bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag im Tal der Ahnungslosen, ohne Verbindung zur globalen Welt direkt vor den Toren Whausens!

Glücklicherweise wird dieses Pamphlet erst veröffentlicht, wenn ich wieder online bin. Falls ich wieder online bin. Denn ich war unwillig, dem Callcenter-Agent Fragen zur Kundenzufriedenheit zu beantworten. Nicht um diese Uhrzeit! Echt nicht! (Auch nicht zu irgendeiner anderen, aber das habe ich ihm nicht gesagt.)

Wahrscheinlich läuft alles darauf hinaus, dass in den nächsten Wochen stündlich mein Telefon klingelt und im Display „Unbekannter Anrufer“ aufleuchtet. Da ich nicht weiß, wer das sein könnte, aber davon ausgehen muss, dass es ein neuer unterbezahlter Callcenter-Agent ist, der möglicherweise nicht weiß, dass sein Sprüchlein genauso schlecht ist wie seine Bezahlung, werde ich fortan alle AnruferInnen, deren Name nicht freiwillig aufleuchtet mit einem unwirschen „Ja???“ begrüßen und mich strikt weigern, den meinen zu nennen.

Falls Sie zu den Leidenden gehört haben und ich jetzt wieder online bin, möchte ich mich nachträglich und in aller Form für meine Unfreundlichkeit entschuldigen. Falls ich mich nicht öffentlich, d.h. via www entschuldige, hat der Callcenter-Agent wahrscheinlich einen Totenkopf neben meinen Auftrag gemalt. Dann öffnen Sie doch bitte Ihr Fenster – ich trommle gerade.