28 Februar 2009

Unbotmäßige Frühlingsboten

Heute haben schon mehr Vögel gezwitschert als vor zwei Tagen, es war nach 18.00 Uhr noch relativ hell, und an geschützten und (noch) nicht überfluteten Ecken wagen sich die ersten Blumen ans Tageslicht.
Es wird Frühling, da bin ich mir völlig sicher!
Morgen werde ich die Zwiebeln auf meinem Balkon ausbuddeln, um herauszufinden, warum im Windschatten stehende Schneeglöckchensprösslinge sich weigern, Grün zu produzieren, während in sämtlichen Gärten schon die ersten Grüppchen beieinanderstehen und sich gegenseitig an den Blättern festhalten, um nicht zu ersaufen.
Meine Zwiebeln haben es gut gehabt! Undankbares Pack!
Aber ich kann auch anders! Wenn die nicht wachsen wollen, setze ich stattdessen die Primeln, die ich noch nicht versehentlich beim Gießen ertränkt habe, in die Kästen. Obendrauf. Und dann ist wirklich nichts mehr mit Wachsen.

27 Februar 2009

Veränderungen

Kinderaugen hast Du.
Staunst,
wo andere zynisch sind.
Singst,
wo andere schreien.

Kinderaugen hast Du.
Lächelst,
wo andere verbittern.
Redest,
wo andere schweigen.

Kinderaugen hast Du.
Hörst zu,
wo andere reden.
Staunst,
wo andere übersehen.

Kinderaugen hat sie.
Ist ängstlich,
wo Du mutig bist.
Wartet,
wo Du voranstürmst.

Zwei Paar Kinderaugen
schauen sich an.
Erkennen sich
vielleicht
im Gegenüber.

Marianne ist anders.

SIE wollte immer Surferin sein. An irgendeinem fernen, blauen, warmen Strand nach DER WELLE suchen. ER kam ihr dazwischen. Sie hat jetzt eine schulpflichtige Tochter und ist alleinerziehend, nur mit einem Minijob Harz IV entronnen.

ER hatte Pläne. Viel Geld in der Tasche an guten Tagen. Eine Flasche billigen Merlot am Hals an schlechten. Vorwurfsvoll ist er immer. Er kann nichts dafür. Es sind die anderen.

SIE hatte Krebs. Chemo- und Strahlentherapie. Haare ab. Der Bandscheibenvorfall war das kleinere Übel. Sie lächelt. Sie lebt. Sie sieht die Sonne. Sie versucht, wieder und wieder.

Es gibt Heldinnen.

Sie heißen nicht Siegfried. Sie heißen Marianne. Sie jammern nicht, während wir anderen tagtäglich das Niveau unserer Tiraden dem aktuellen Einkommen anpassen. Vielleicht sind sie nicht einmal gewerkschaftlich organisiert. Vielleicht sind sie dankbar für jeden Tag. Vielleicht hören sie Vögel zwitschern, wo wir nur Verkehrslärm wahrnehmen. Vielleicht lächeln sie, statt über andere zu schimpfen. Vielleicht leben sie, während wir auf bessere Zeiten warten und anderen die Schuld geben.

Der Frühling lässt sein blaues Band...

Gestern abend habe ich es genau gehört: Vogelzwitschern. Nicht das verschüchterte "Verdammt, ich friere mir die Federn ab, und wieso gibt es hier keine Meisenknödel?"-Zwitschern, sondern ein kräftiges, positiv gestimmtes, optimistisches "Hallo Frühling, mein Nest ist fertig, wo ist die Dame?".
"Dann bin ich doch nicht die einzige, die daran glaubt, dass es eigentlich wirklich schön draußen ist." dachte ich mir und setzte meinen Weg fort. Kurz vor dem Ziel musste ich mich noch durch ein tieferes Schlammloch kämpfen, aber so etwas kommt mitten im Frühling schon einmal vor.

Windig war es auch. Was auch sehr schön und eine deutliche Frühjahrsbotschaft ist: So ein Frühjahrssturm weht nämlich alle alten Äste und Zweige und Blätter weg, und dann haben die neuen, frischen, hellgrünen viel mehr Platz zum Wachsen. Ich liebe Wind!

Heute regnet es. Schon die ganze Zeit. Aber das ist gut, denn Regen bedeutet, dass alles schön feucht wird und viel besser wachsen kann. Und auf den Tipp einer guten Freundin hin habe ich rasch mein Dachfenster geputzt. Sie hatte mir erklärt, dass der Regen alle Putzstreifen abwäscht und die Scheibe dann sehr schön glänzt.
Das hätte funktionieren können, da bin ich sicher. Bin halt nur keine so talentierte Fensterputzerin. Aber der Regen ist schön.

Noch nicht so recht an den Frühling glauben wollen meine Anfang Dezember im Kasten versenkten Blumenzwiebeln. Ich schaue jeden Tag nach, rede mit ihnen und widerstehe der Versuchung, wenigstens eine auszubuddeln, um den Fortschritt zu überprüfen, aber es rappelt und rührt sich nichts. Dafür sind bei der Forsythie bei sehr genauem Hinsehen schon erste grüne Triebe zu erkennen, und im Garten der Nachbarn habe ich die ersten Schneeglöckchen entdeckt.

Auch an mir bemerke ich erste zarte Triebe. In der Sauna schaue ich mich um statt nur mit geschlossenen Augen dazuliegen, beim Anblick eines attraktiven Herrn denke ich auch einmal daran, ob das Muster seiner Boxershorts zu dem meiner Bettwäsche passt, und ich stelle erste Anflüge von Frühjahrsräum- und -putzlust fest.

Am Sonntag habe ich jemanden in kurzen Hosen laufen sehen. Das fand ich allerdings sehr mutig.

Es wird Frühling!

Falsch.

Es ist Frühling. Alles eine Glaubensfrage.

26 Februar 2009

Wir können uns nicht einigen. Echt nicht.

Gehirn: "Nein, auf gar keinen Fall! Lass das!"
Nase: "Aber er riecht doch so gut!"
Hände: "Und er fühlt sich schön an."
Augen: "Wir bleiben immer an ihm hängen. Auch, wenn er gar nicht da ist. Wirklich."
Gehirn: "Was wollt Ihr? Unabhängigkeit oder Vögeln?
Vagina: "Vögeln!!!"
Füße: "Laufen!"
Hände: "Boxen!"
Gehirn: "Und nun?"
Bauch: "Lieben?"
Gehirn: "Sentimentaler Kram!"
Augen: "Aber schön!"
Bauch: "Fühlen?"
Gehirn: "Lasst den Scheiß!"
Körper: "Aber..."
Gehirn: "Nö!!!"
Bauch: "Echt nicht? Nie? Wirklich nie?"
Gehirn: "NÖ!!!"
Bauch: "Will aber!"
Gehirn: "Ich aber nicht!"

Ich: "Und nun?"

25 Februar 2009

Der Mensch, bewertet aus der Sicht seines zweitbesten Freundes

Mein Mensch ist ja nicht besonders intelligent. Ich weiß das, meine Kumpels wissen das, und wahrscheinlich weiß das auch seine Frau. Niemand von uns wird es ihm sagen. Wir halten die Klappe, weil er uns so schön die Dosen öffnet, und sein Weibchen ist garantiert auf sein Erspartes aus und tut deswegen so, als fände sie ihn intelligent. Ist aber auch egal. Mir jedenfalls.

Aber ernsthaft: Wer kann ein Lebewesen ernstnehmen, das auf dem Fußboden herumrutscht und miaut? Ich nicht. Wirklich nicht. Ich nehme das in Kauf, weil ich für das Ertragen dieser Vorstellung mein Lieblingsessen bekomme.

Ja, ich bin käuflich!

Ja, ich bin korrupt!

Ja, ich bin ein übler Schnorrer!

Und wo steht der Bus?

Habe ich mich in diese Wohnung geschleppt oder er? Bin ich die Sonne seines langweiligen Lebens? Ja! Ohne mich hätte er sich wahrscheinlich schon umgebracht, dieses elende kuschelbedürftige Weichei! Ich habe meine Kumpels draussen auf der Straße. Wir wälzen keine Probleme, wir machen keinen auf Selbsthilfegruppe. Wir tun, was wir schon immer getan haben.

Aber der? Kriecht hinter uns her. Rennt mitten in der Nacht auf die Straße und ruft nach uns, weil er glaubt, wir könnten nass werden. Blödmann. Aber nützlich. Weil, wenn es wirklich ungemütlich wird, brauchen wir nur ein bisschen rumzumaunzen, und schon holt er uns rein.

Trotzdem: Wenn mich der große Katzengott in ein paar Jahren (vorausgesetzt, keiner dieser unbefellten Volltrottel hat mich vorher überfahren) fragt, was ich im nächsten Leben werden möchte, werde ich ihm sagen: "KEIN Mensch! Auf gar keinen Fall!!!"

24 Februar 2009

Besuch von Lulin

Als ich gestern abend aus dem Fenster sah, erblickte ich etwas Grüngeschweiftes. "Ach, das wird Lulin sein!" dachte ich bei mir und schaute einen Moment zu. Durch Googlenews vorbereitet, fand ich den Anblick nicht beängstigend, wusste ich doch, dass der Komet zwar giftig aussieht, aber viel zu weit entfernt ist, um Schaden in Südniedersachsen anzurichten.

Nach ein paar Minuten wendete ich mich ab und wollte ins Bett gehen. Es klopfte am Küchenfenster. "Kann nicht sein!" dachte ich, denn ich wohne im ersten Stock - wer sollte da an irgendwelchen Fenstern klopfen?
Ich schaute mich trotzdem noch einmal um. Irgendetwas Leuchtendgrünes stand auf dem Vordach des Hauses, das sich direkt unter meinem Küchenfenster befindet und klopfte mit einer kleinen, grünen Hand gegen die Scheibe.
"Naja, es ist Fasching, eines der Dorfkinder ist länger aufgeblieben und macht sich jetzt einen Spaß." Aber ich wollte das Kind nicht mitternächtens auf dem Vordach stehen lassen, also öffnete ich das Fenster, um den kleinen Nachtschwärmer hereinzubitten.

"Biiip-Bip-Biiiiip-BipBipBip!" machte es.
"Na, Du hast aber ein großartiges Kostüm!" lobte ich. "Aber gehörst Du nicht längst ins Bett?"
"Biiip-Bip-Biiiiip-BipBipBip!" war die Antwort. Das kleine, grüne Wesen stieg von der Fensterbank, baute sich vor mir auf und starrte mich an. Seine Augen leuchteten ebenfalls giftgrün.
Jetzt wurde ich stutzig. Hatte ich nicht unmittelbar vor dem Klopfen diesen grünen Kometen gesehen? Und liefen in unserem Dorf - Fasching hin oder her - die Kinder nachts noch durch die Gegend, geschweige denn, dass sie Vordächer erkletterten?

"Sag mir jetzt bitte nicht, dass Du ein Außerirdischer auf Universumreise bist!" sprach ich das grüne Wesen noch einmal an.
"Biiip-Bip-Biiiiip-BipBipBip!" antwortete es.

War das eine Art Sprache? Ein Code?

"Es tut mir sehr leid, ich verstehe Dich nicht! Könntest Du es vielleicht auf Deutsch versuchen?"

"Ihr seid nicht besonders intelligent auf diesem Planeten, oder? Lernt Ihr denn nicht das Morsealphabet? Das ist doch international! Sogar wir haben es in unseren Sprachschatz aufgenommen, um mit niedrigeren Lebensformen wie Euch kommunizieren zu können!" Das grüne Wesen war sichtlich erbost.
"Ja, ich habe es irgendwann einmal gesehen. Aber mehr aus Spaß, und deswegen habe ich es auch sofort wieder vergessen. Jedenfalls herzlich willkommen auf der Erde, und ...!" begrüßte ich den kleinen Außerirdischen.
"Ja, ja, ja, schon gut!" unterbrach er mich ungeduldig. "Ich will auch gar nicht lange bleiben, lohnt sich ohnehin nicht. Wollte Euch nur sagen, dass die Müllberge, die Ihr anhäuft, bis zu uns nach oben stinken, und das ist ziemlich weit weg."
"Naja, die Müllabfuhr streikt gerade. Die sind im Öffentlichen Dienst und wollen mehr Geld. " erklärte ich ihm.
"Aber habt Ihr nicht gerade eine Wirtschaftskrise?" fragte er irritiert, und seine Augen glühten kurz auf.
"Ja, schon. Aber das machen die alle paar Jahre, Wirtschaftskrise hin oder her! Ich finde ja auch, dass das ein ignorantes und egoistisches Pack ist."
"So etwas gibt es bei uns nicht. Ganz davon abgesehen, dass wir keinen Müll machen, gehen wir mit denen, die unserem Planeten Schaden zufügen, sehr rigoros um."
"Was macht Ihr denn mit denen?" fragte ich neugierig.
"Wir weisen sie aus. Zwingen sie, auf einem anderen Planeten zu leben. Die besonders Uneinsichtigen haben wir bisher immer zur Erde geschickt. Das solltet Ihr bei diesen Leuten vom Öffentlichen Dienst auch mal in Erwägung ziehen."
"Aber wo sollten wir sie denn hinschicken?" Ich war ein wenig ratlos.
"Da hast Du auch wieder recht." antwortete er. "Einen schlimmeren Planeten als die Erde habe ich bisher noch nicht entdecken können. Aber jetzt muss ich wieder los. Wollte nur wegen dem Gestank Bescheid sagen. "
Er drehte sich um und stieg wieder auf das Fensterbrett. "Eines ist sicher.", hörte ich ihn vor sich hingrummeln, "Wenn ich wieder zuhause bin, werde ich als Erstes Amnesty Global benachrichtigen. Unsere Leute müssen sofort evakuiert werden! Dieser Planet erfüllt nicht die Bedingungen für ein außerplanetarisches Gefangenenlager!"

Nachdenklich ging ich ins Bett. Waren die Leute vom Öffentlichen Dienst vielleicht gar keine Menschen, sondern ausgewiesene Außerirdische, die versuchten, durch überirdische Faulheit auf ihre Lage aufmerksam zu machen?

22 Februar 2009

Männertypen: Der Welterklärer

Seltsamerweise treten all diese Modelle gehäuft in der Sauna auf - einem Ort der Ruhe und Entspannung, vorausgesetzt, weder der Gnadenlose Selbstüberschätzer noch der Welterklärer haben ebenfalls beschlossen, sich hier zu entspannen.

Wie der Gnadenlose Selbstüberschätzer ist auch der Welterklärer selten allein anzutreffen. Was logisch ist, denn sich selbst muss er die Welt nicht erklären - er hat sie ja verstanden!

Den Welterklärer kann man nur sehr schwer einordnen, wenn er nichts sagt. Es gibt hinsichtlich des Aussehens in dieser Gruppe von Brad Pitt über Joachim Bublath bis zu Danny de Vito jede mögliche optische Ausprägung.
Hören kann man den Welterklärer hingegen sehr gut. Immer wenn jemand mit erhobener Stimme über das Tagesgeschehen, die Bankenkrise, die bestmögliche Geldanlage oder das marode Gesundheitssystem doziert, kann man davon ausgehen, hier ein solches Exemplar vor sich zu haben.
Der Welterklärer hat zu jedem Thema etwas zu sagen, ist immer bestens informiert und hat vor allem immer recht. Es gibt ihn in intellektueller und in Stammtischausprägung. Er liest entweder die Frankfurter Allgemeine oder die Bild-Zeitung. Täglich. An Wortschatz und Satzbildung (Subjekt, Prädikat, Objekt an richtiger Stelle, möglicherweise sogar noch ein paar Wörter mehr?) lässt sich unschwer erkennen, zu welcher Kategorie er gehört.

Egal, ob intellektuell oder geBILDet, besonders gern erläutert der Welterklärer seiner jeweiligen Partnerin die Welt, den Sinn und den Rest. Das kann einerseits mit einem antiquierten Geschlechterverständnis zu tun haben ("Frauen sind ja mehr emotional und haben von den harten Fakten keine Ahnung.") oder damit zusammenhängen, dass er sich traditionell eher für ein Weibchen mit einem IQ entscheidet, der deutlich unter ihrer Körbchengröße anzusiedeln ist.

Der Welterklärer ist in ähnlichem Maße überzeugt von seiner geistigen Kompetenz wie der Gnadenlose Selbstüberschätzer glaubt, er sei attraktiv. Wenn die Welt ausnahmsweise beschließt, nicht so zu funktionieren, wie er denkt, deutet er die Geschehnisse kurzerhand um.
Ein Beispiel, das mir heute auf eindrucksvolle Weise das Ausweichverhalten der Welterklärers demonstriert hat, möchte ich Ihnen nicht vorenthalten: Beobachten bzw. belauschen durfte ich diese Szene in der Sauna, in die ich mich zwecks Entspannung zurückgezogen hatte. Zwei Welterklärer saßen nebeneinander auf der Bank und berichteten sich von ihren Erfahrungen mit Geldinstituten, -anlagen und Beratern. Ich entnahm dem in Bahnhofslautstärke geführten Gespräch, dass einer der beiden gerade eine größere Menge Geldes bei einem seiner Investmentfonds verloren hatte. Nach einer ausführlichen Erläuterung des Geldmarktes und der Finanzkrise samt Nebenwirkungen erklärte er jedoch zufrieden: "Ich habe mir den Fonds aber sehr gut ausgesucht. Es gibt einen Höchstverlust, und ich werde nichts draufzahlen müssen."

Vielleicht kann man dieses Verhalten mit dem des Vogel Strauß vergleichen, der bei Gefahr seinen Kopf in den Sand steckt und, vom vorbeieilenden Löwen ins Hinterteil gebissen, denkt: "Er hätte auch zuerst meinen Kopf fressen können!"

Das Verhalten einem Welterklärer gegenüber sollte der jeweiligen Situation angepasst werden. Gehören Sie zu den Damen mit der beachtlichen Körbchengröße, sollten Sie das Köpfchen schief halten, zu IHM aufblicken, mit den Wimpern klimpern und voller Bewunderung um eine weitere Erklärung bitten. Dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er Sie heiratet und Sie sich um nichts weiter kümmern müssen.
Sind Sie eher eine Frau, die sich die Welt selbst erklären möchte, kann ich nur zur Flucht raten. Wollen Sie jedoch den Welterklärer unbedingt in Ihrem Leben haben, heisst es ab jetzt: Knutschen! Nämlich immer dann, wenn er den Mund aufmacht.

Froschgewordene Prinzen, die aus Wolkenschiffen fallen.

Über mir segeln Wolkenschiffe, die so groß sind, dass ich die einzelnen Segel nicht erkennen kann. In jedem dieser Schiffe sitzt ein dicker, fetter, grüner Frosch, der früher einmal ein Prinz war. Und weil die Prinzen ihre Prinzessinnen nicht auf den Thron lassen wollten und auch sonst recht aufmüpfig waren, haben die sich kurzerhand mit den jeweilig ortsansässigen Hexen verbündet und sich ihrer unerwünschten Gemahle auf elegante Art und Weise entledigt.

Eine der Hexen war auf dem Vollwerttrip und gab einigen Prinzfröschen/Froschprinzen noch einen weiteren Zauberspruch mit: "Falls Du über Bord Deines Wolkenschiffes gehst, sollst Du Dich in dem Moment, in dem Deine Füße den Boden berühren, in einen Kohlkopf verwandeln!"

Das war eine gute Idee, denn so hatten die Menschen auf der Erde auch im Winter immer frisches Gemüse.

21 Februar 2009

Es regnet, und ich bin keine Katze.

Wenn ich eine Katze wäre, würde ich mich an irgendeinem warmen Fleck zusammenrollen, meine Nase in meinen Schwanz bohren und dösen. Oder schlafen. Eventuellen Anflügen von Aktivität träte ich entgegen, indem ich mich putzte und dann weiterschliefe.
Auf gar keinen Fall setzte ich auch nur eine Pfote vor die Tür.

Ich bin Fitnesstrainerin. Wenn ich nicht arbeite, verdiene ich kein Geld. Also rolle ich mich nicht an einem warmen Fleck zusammen, sondern werde meinen von der Woche ermüdeten Glutaeus Maximus nach draussen bewegen, ihn in einen Bus setzen und mit ihm zur Arbeit fahren.

Weil ich keine Katze bin, macht mir auch niemand einen Fressnapf mit Whiskas und rohem Ei zurecht oder lässt mich die Sahne ausschlecken, die vom letzten Kuchenessen übrig geblieben ist. Weil ich kein Fell habe, das vorhandene Rettungsringe mittschiffs verdecken könnte
, schlecke ich überhaupt keine Sahne aus, weil die unbepelzt auf meinen Hüften hängenbliebe, und ich dann noch mehr laufen müsste, damit sie von dort wieder verschwinden.

Denn vor der Arbeit laufen wir, der Glutaeus, mein innerer Schweinehund, ich und der Rest meines Körpers. Wir ignorieren die Regentropfen am Dachfenster, das Wolkengrau und die Unlust, die der Schweinehund zu verbreiten versucht, und konzentrieren uns stattdessen aus Motivationsgründen voller Wonne auf diesen klitzekleinen blauen Zipfel am Himmel. Immerhin wissen wir, dass am Ende des Laufs eine warme Wohnung und eine Dusche auf uns warten, ganz zu schweigen von einem leckeren, kohlenhydrathaltigen Frühstück (Whiskasersatz). Und weil wir gelaufen sind, dürfen wir guten Gewissens ein wenig Ovomaltine aus der Dose löffeln (statt übriggebliebener Sahne). Das rohe Ei schenken wir uns, wir heissen ja nicht Rocky Balboa.

Wenn ich ehrlich bin, wäre ich heute lieber eine Katze - mit allen Konsequenzen. Miau.

20 Februar 2009

Lästerschwein

Ich habe heute gelästert. Das tue ich gern und oft. Allerdings lästere ich am liebsten über die Vorbeigehenden, während ich in meinem bevorzugten Café am Fenster sitze.
Heute habe ich über die Arbeitsmoral einer Kollegin gelästert, und das ist nicht nett, es sei denn, ich sage es ihr. Wenn ich weiter so vor mich hin lästere, wird sie nie erfahren, was sie meiner Ansicht nach falsch macht.
Das ist wie Mundgeruch. Alle rennen weg, aber niemand sagt, warum. Und die Person, die unter Mundgeruch leidet, vereinsamt, obwohl sie diesen Zustand möglicherweise mit einem einzigen Zahnarztbesuch ändern könnte.
Und vielleicht würde meine Kollegin effektiver arbeiten, wenn ich ihr sagte, was mich stört.
Ich habe ein fürchterlich schlechtes Gewissen.
Und wenn ich dann noch darüber nachdenke, dass wir im Gegenüber sehr gern unsere eigenen Fehler bekämpfen, muss ich mich außerdem noch fragen, was an mir so schusselig ist, dass eine schusselige Kollegin mich so aufbringen kann.

Was ist an mir so schusselig?

Lästern macht überhaupt keinen Spaß, wenn man sich intellektuell hinterfragt. Ich sollte das lassen.

19 Februar 2009

Nicht wirklich

Ich renne in Höchstgeschwindigkeit,
will Dich finden.
War
schon wieder
viel zu
schnell.

Gedankenaufeinandertreffen

Manchmal überholen sich Gedanken,
nehmen sich die Vorfahrt.
Erst gestern gab es einen schweren Unfall,
als einer dieser Anarchisten
dem anderen hinten auffuhr.

Gedanke A
hatte zuviel Sekt getrunken,
und unmotiviert
für einen Kronkorken
gebremst.

Gedanke B
fuhr auf der Gesundheitsstraße,
hatte drei Bananen auf dem Beifahrersitz
und einen Kohlkopf
im Kofferraum.

Sie trafen sich in der Mitte.

A schlug B.
B senkte den Kopf und rammte ihn in A's Bauch.
B musste kotzen.

Am Ende
lag Kohl
auf der Fahrbahn.
Kleingeschnitten.

18 Februar 2009

Extreme Kurzkrimis, inspiriert von den "Mörderischen Schwestern"

"Ich habe Dich geliebt!", erklärte ich ihm, während ich das Schlagen seines Herzens in meinen Händen beobachtete.

"Man muss sich trennen können!" dachte sie sich und räumte das blutbefleckte Messer in die Geschirrspülmaschine.

"Liebes, magst Du mir einen Tee bringen? Ich schreibe gerade an meinem neuen Thriller.", rief der Kriminalschriftsteller aus dem Arbeitszimmer. "Ja, Schatz! Grün oder Schwarz?" fragte sie und sagte sich, dass Giftmorde noch immer eine weibliche Domäne waren.

"Du hättest regelmäßiger trainieren sollen." Sie betrachtete lächelnd die Eisenstange, die sich in seine Brust grub.

Warum hier nur die eine Hälfte der beiden Geschlechter das Zeitliche segnet? Ehrlich gesagt - ich habe keine Ahnung. Es war keine Absicht. Ist irgendwie so passiert.

17 Februar 2009

Smartphone?

Das Handy ist tot, es lebe das Smartphone
titelt die Hamburger Abendpost in ihrer heutigen Online-Ausgabe. Ich weiß zwar nicht, was ein Smartphone ist, aber ich kann Englisch. Und darum habe ich mir flugs übersetzt, dass es sich hier um ein kluges Telefon handeln muss.

Rückständig, wie ich zu sein scheine, war ich bisher immer der Ansicht, dass eines der Hauptmerkmale eines Telefons die Möglichkeit ist, dass man damit telefonieren kann. Nach der Lektüre des Artikels wird mir jetzt - zu spät - klar, warum mich der Verkäufer vor drei Jahren so entsetzt angeschaut hat, als ich auf seine Frage: "Wofür brauchen Sie denn Ihr Handy?" erklärte "Zum Telefonieren." Damit hatte ich mich als Brontosaurierweibchen des Informationszeitalters entlarvt.
Denn mit einem Mobiltelefon telefoniert man nicht. Mit einem Mobiltelefon navigiert man, erhält und versendet Nachrichten und elektronische Post, dreht Filme, hört Musik, macht Fotos und benutzt es als Kalender. Für Jugendliche Nutzer ist übrigens auch das Aussehen ihres Telefons von großer Wichtigkeit.

Ist Ihnen etwas aufgefallen? Ich habe keine englischen Wörter benutzt. Das war sehr schwierig.

Wenn Sie sich auf die Suche nach einem neuen Gerät machen, werden Sie unter anderem auf die folgenden Modelle stoßen:
  • Samsung bietet das S8300 Ultra Touch, was besonders großartig ist, weil man über Online-Widgets bequem auf seine favourite Websites zugreifen kann.
  • Von Nokia gibt es bald das 5630 XpressMusic, das sich als mobile Jukebox mit vier Gigabyte Speicher präsentiert, den man mit der microSD-Karte vervierfachen kann. Und dann hat es noch die "Say and Play"-Funktion.
  • Nicht unerwähnt lassen möchte ich das Cybershot C903 von Sony Ericsson. Es verfügt über eine 5-Megapixel-Kamera mit Gesichterkennung, die bis zu neun Bilder in schneller Folge aufnimmt. Der "Smile Shutter" verzögert die Aufnahme, bis er ein Lächeln erkennt. Über das eingebaute GPS-Modul können Fotos mit den exakten Geodaten versehen werden - so vergisst man nie, wo man eine Aufnahme gemacht hat, und findet zu einem späteren Zeitpunkt jederzeit dorthin zurück. (Dazu fällt mir spontan ein: Wenn es Dir egal war, wo Du gewesen bist, konntest Du auch nicht verloren gehen.)
Für die Nutzung im weltweiten Netz sollte ein Mobiltelefon besonders leistungsfähig sein:
Der auf UMTS beruhende Mobilfunkstandard HSDPA bietet Surfgeschwindigkeiten, die vor Kurzem nur zu Hause über DSL-Leitung möglich waren. Das große Interesse am "Google-Handy" G1 belegt, dass sich Anwender vom mobilen Surfen überzeugen lassen - wenn die Technik mit nützlichen Funktionen wie Strichcodeleser für schnellen Preisvergleich oder digitalen Reiseführern aufwartet.
Sie werden schon recht haben.

15 Februar 2009

Männertypen: Der gnadenlose Selbstüberschätzer

Letzten Sommer hatte ich großmäulig eine Serie angekündigt: Die Männertypen. Ich muss gestehen, dass ich irgendwie von dieser Thematik abgekommen bin und mich lieber mit dem Tagesgeschehen und meinem eigenen Gedankenwirrwarr beschäftigt habe.

Aus aktuellem Anlass werde ich die lose Folge ("Serie" wäre wirklich übertrieben). heute mit der Beschreibung des oben genannten Exemplars fortsetzen.

Der Selbstüberschätzer tritt häufig in Rudeln auf und findet auch in fremden Revieren schnell Artgenossen. In der Regel bewohnt er übermotorisierte Fahrzeuge unterschiedlichster Preisklassen, Hotelzimmer, eher unpersönlich gehaltene Wohnungen oder kleine, aber aufgeräumte Zimmer bei Mama. Man findet ihn in allen Altersgruppen und Verdienstkategorien.

Gemeinsam ist den Selbstüberschätzern, dass sie sich für wesentlich größer, schöner, klüger, charmanter, sportlicher ... (Diese Aufzählung kann nahezu endlos fortgesetzt werden.) halten als sie sind. So behaupten z.B. die Exemplare, die aufgrund eines nach vorn strebenden Bauchansatzes ihre Füße nicht mehr sehen können: "Ein Mann ohne Bauch ist kein Mann!". Andere erfreuen die nach Ruhe suchenden Saunabesucherinnen mit ausgiebigen Beschreibungen des demnächst zu erwerbenden Kraftfahrzeugs, während sie breitbeinig, mit hervorgestrecktem Bauch und weit ausladenden Armen auf ihren Bänken thronen. Manche antworten auf Kontaktanzeigen, in denen ein "attraktiver, sportlicher, eloquenter" Partner gesucht wird, mit einem Foto, dass sie kurz nach der Konfirmation beim dörflichen Fußballturnier zeigt und beschreiben sich als "sportlich, einfühlsam, vielseitig interessiert". Beim ersten Treffen stellt sich dann heraus, dass sich der BMI seit der Konfirmation verdoppelt hat, die vielseitigen Interessen auf die unterschiedlichen Verblödungsprogramme der Privatsender und gegebenenfalls die samstäglichen Bundesligaergebnisse begrenzt sind; ihr Einfühlungsvermögen beschränkt sich auf Kommentare wie: "Du hast aber einen echt geilen Arsch!" oder "Wann gehen wir zu Dir?" Trotzdem sind sie der festen Überzeugung, der Sechser im Lotto der einsamen Herzen zu sein.

Im Gegensatz zum Einsamen Cowboy, der eher scheu ist und bei unbedachten Bemerkungen sofort die Flucht antritt, lässt sich der Gnadenlose Selbstüberschätzer auch von unter die Gürtellinie zielenden ironischen Bemerkungen nicht abschrecken. Entweder glaubt er nicht, dass es sich um seine Gürtellinie handelt, oder er ist so beschäftigt mit Selbstlob und vermeintlichen Charmattacken, dass er überhaupt nicht registriert, wovon die Rede ist.

Erst kürzlich hatte ich ein erschreckendes, fast schon beängstigendes Erlebnis mit einem dieser Exemplare, auf das ich nicht näher eingehen möchte. Nur soviel: Geben Sie niemals, wirklich NIEMALS einem Gnadenlosen Selbstüberschätzer Ihre Visitenkarte!

Da die Vermehrung der Gnadenlosen Selbstüberschätzer, ähnlich wie die der nach Australien eingeschleppten Aga-Kröte, meiner Ansicht nach außer Kontrolle geraten ist, plädiere ich dafür, der weiteren Ausbreitung schnellstmöglich Einhalt zu gebieten. Die Gnadenlosen Selbstüberschätzer gefährden mit ihrer aggressiven und angeberischen Fahrweise die Sicherheit im Straßenverkehr, belasten das Gesundheitswesen mit zusätzlichen, durch das metabole Wohlstandssyndrom bedingten Kosten, gehen unschuldigen Single-Frauen mächtig auf die Nerven und verschandeln das Stadtbild ehemals idyllischer Urlaubsorte mit Bermudas, weißen Socken und Adiletten.

Es ist zwar (noch) nicht nötig, es den Australiern und ihrem Kampf gegen die Aga-Kröte gleichzutun und mit dem Golfschläger auf den Gnadenlosen Selbstüberschätzer loszugehen, aber es scheint mir doch höchste Zeit, ihrem Treiben ein Ende zu machen.

Sollten Sie ein Exemplar in Ihrer unmittelbaren Nähe haben, meine Damen, dann sagen Sie ihm, dass sein tiefergelegter Clio albern aussieht, schleppen Sie ihn vor den Spiegel und weisen Sie ihn auf jede einzelne Unzulänglichkeit hin, unterbrechen Sie ihn, wenn er vom neuen Golf VI redet. Schenken Sie ihm ein Abo der "Runners World" und werfen Sie den Fernseher aus dem Fenster.

Es wird nicht besser mit ihm? Werfen Sie ihn hinter dem Fernseher her! Und zur Not nehmen Sie eben doch den Golfschläger...

Ich möchte noch betonen, dass sämtliche Ähnlichkeiten mit Menschen aus meinem Umfeld zufällig sind. Es ist alles nur in meinem Kopf. Wirklich.

13 Februar 2009

Du & Ich

Vertrautheit
Vertrauen

Bekanntschaft
Bekennen

LebensLust
Liebe

Glauben
Garantien

Wörter

Das Universum hat mich heute erhört

und mir M. geschickt. Auf dem Weg zur Anrufsammeltaxihaltestelle murmelte ich wie ein Mantra "Nicht S., bitte nicht S., auf gar keinen Fall S.!" vor mich hin. Fünf Minuten vor Abfahrt bog ein Taxi in die Busbucht ein, ich öffnete vorsichtig die Tür - und erblickte M.! Ganz davon abgesehen, dass er wirklich gnadenlos gut aussieht und eine sehr schöne Stimme hat, ist er schnell. Kaum hatte ich meinen müden Hintern auf dem Beifahrersitz verstaut, fuhr er schon los.

Ich erzählte ihm, dass ich zwar nicht direkt um ihn, aber gegen S. gebetet hätte, und wir tauschten ein paar Theorien aus.

Seine war, dass S. noch keinen Sex gehabt hat in seinem Leben. Ich stimmte zu und freute mich daran, wie er durch die Kurven schoss. Irgendwann unterwegs teilte er der Zentrale mit, dass er unterwegs sei, und ich war so fasziniert von seinem Fahrstil, der irgendwo in der Mitte von "Ich kann es." und "Ich habe es echt ziemlich eilig." liegt, dass ich erst kurz vor meiner Haustür den noch nicht angelegten Sicherheitsgurt bemerkte. DAS ist ordnungsgemäßes Taxifahren!

Denn erstens war die Fahrt schnell und kurzweilig (was Sie möglicherweise daran merken, dass ich jetzt schon bloggen kann), zweitens kann man sich mit M. großartig unterhalten (Er spricht und denkt schnell, und das macht sehr viel Spaß.), und drittens hat man viel früher Feierabend.

S. ist okay. Ich bin auch okay, solange ich nicht mit ihm fahren muss. S. ist eben irgendwie anders. Langsamer. S. hasst Fahrzeuge ohne Automatikgetriebe, wie ich heute erfahren habe. Er findet Kupplungtreten extrem anstrengend. S. ist möglicherweise sogar zu langsam für den Öffentlichen Dienst.

M. ist auch okay. Mehr als das. Er ist schnell. M. kann mit einem Schaltgetriebe umgehen und gleichzeitig sprechen.

Ich bin sicher, dass M. auch weiß, dass ein Laptop mehr ist als ein Zusatzbildschirm.

Menschen können schon sehr verschieden sein.

12 Februar 2009

Abendliche Zwiegespräche

  • Hallo Bauch, könntest Du bitte kurz das Gegrummel einstellen? Ich kann mich nicht mehr denken hören!
  • Nur, wenn Du mich die restlichen Weingummis aufessen lässt!
  • Aber Du hattest doch schon diese riesige Portion Nudeln mit Käsesoße!
  • Na und?
  • Das ist nicht normal! Vor allem weißt Du, wie ich Fremdbestimmung hasse!
  • Ich bestimme Dich nicht fremd, ich wohne hier! Bloß, weil Du das Zimmer ganz oben hast, bist Du nichts Besseres! Und jetzt gib die Weingummis! Sofort!
  • Hand, gib ihm ein paar. Aber wirklich nur ein paar!
  • Du bist putzig - wie, bitte schön, soll ich das denn steuern? Ich sammel die doch nur aus der Tüte. Setz Dich mit dem Mund auseinander, der reißt mir das Zeugs doch direkt aus den Fingern!
  • Mund, bitte nicht ganz so weit aufmachen - wir werden fett, und Dir fallen die Zähne aus.
  • Dafür kann ich nichts. Sag doch der blöden Hand, dass sie besser putzen soll!
  • Hallo, kriege ich jetzt endlich meine Weingummis?
  • Schnauze!
  • Halt die Klappe!
  • Blödmann!
  • Selber!
  • Dann gib mir Reiskekse. Aber mit Honig!
  • Wenn Du so weitermachst, gibt es heute gar nichts mehr. Irgendwann wollten wir auch noch einmal etwas schreiben. Das geht aber nicht, wenn die Hände dauernd in diese blöde Tüte greifen.
  • Gib! Oder ich blähe!
  • Ist ja schon gut! (Warum macht hier eigentlich niemand, was ich will? Ich bin doch Chef über diesen verdammten Körper!)
  • Denkste, denkste!
Später. Es wurde nichts geschrieben, aber eine Menge Weingummi gegessen. Das Gehirn schmollt.
  • Beine, wir gehen ins Bett. Hände, werft das Weingummi weg! Mund, zu! Bauch, Ruhe! Augen, zu!
  • Oh Mann, ist mir schlecht!
  • Bauch, sei still!
  • Aber mir ist echt schlecht!
  • SCHNAUZE!!!
  • Kotze ich eben hier...
  • Oh, verdammt - Beine, aufstehen! Rennen! Sofort!
  • Angeschmiert, mir war gar nicht schlecht! Aber wenn wir schon alle stehen, könnte ich vielleicht noch ein Weingummi...
  • Marsch, zurück ins Bett - alle!
  • Gute Nacht, Hände!
  • Gute Nacht, Gehirn!
  • Gute Nacht, Beine!
  • Gute Nacht, Gehirn!
  • Gute Nacht, Augen!
  • Gute Nacht, Gehirn!
  • Gute Nacht, Bauch!
  • Ich habe Hunger!
  • SCHNAUZE!

11 Februar 2009

Berlinale

Ich krieg ja nix mit. Berlinale ist, habe ich heute per Googlenews herausgefunden. Und Bilder geguckt, von Demi Moore, Michelle Pfeiffer, Joschka Fischer, Hannelore Elsner und anderen. Habe mich dabei gefragt, wie die Damen es bloß anstellen, heute jünger auszusehen als vor zehn oder mehr Jahren. Und warum die Männer das nur in sehr seltenen Fällen tun, sondern stattdessen ordungsgemäß altern. Oder sogar, wie Joschka Fischer, nicht nur altern, sondern ausserdem ein Wiener Würstchen XXXL um die Hüfte gebunden haben, bei dessen Anblick Dolly Buster vor Neid erblassen würde.

So macht Altern doch wirklich keinen Spaß! Da sehen Demi Moore und Michelle Pfeiffer so aus, als hätten sie eine Botox-Lagerhalle überfallen, und beim Anblick unseres Joschka kann sich kaum noch jemand vorstellen, dass dieser Erbe von Meat Loaf tatsächlich einmal Marathon gelaufen sein soll und sogar ein Buch über seine sportlichen Aktivitäten geschrieben hat.

Es würde mich brennend interessieren, welche Blüten diese panische Angst vor dem Altern noch treiben mag. Werden die, die sich den Chirurgen nicht leisten können, selbst Hand anlegen? Sich verstecken? Den Rentenantrag zurückhalten in der Hoffnung, dass Arbeiten bis 96 die Falten niederbügelt?

Niemand vor dem Alterungsprozess sicher. Erst gestern habe ich beim abendlichen Vollbad festgestellt, dass erstens die Haut zwischen Achselhöhle und Trizepsansatz an Spannung nachlässt und es zweitens seitlich wöbbern will. Was tun? Ich habe Angst vor Spritzen, also fällt Fettabsaugen und Botox schonmal aus. Wenn ich ehrlich bin, ist mir mein Gesicht auch scheißegal, weil daran eh nichts zu machen ist und mir sowieso alle auf den Hintern gucken werden, wenn der nur erst wieder in Form ist. Wer braucht ein Gesicht, wenn sie Arsch hat?

Wie also komme ich ohne Spritzen und OP zu einem halbwegs akzeptablen Äußeren, dem man mein Alter nicht ansieht?

Stimmt: Gar nicht.

Oder:

Ich laufe solange, bis ich entweder tot umfalle oder mein Arsch aufhört zu schrumpeln.
Ich versuche mit Eloquenz und Intelligenz von meinem biblischen Alter abzulenken.
Ich erzähle allen, dass Demi Moore und Michelle Pfeiffer meine Mütter sein könnten.
Ich verstecke mich.
Ich fange eine Affäre mit Joschka Fischer an. Dann denken alle, ich sei unter 30.

09 Februar 2009

Manchmal klappt's, wenn man erklärt hat, warum es nicht klappt,

und gerade habe ich einen Punkt unter meine erotische Geschichte gesetzt. Sie will noch ausgebaut werden, aber der Grundstein ist gelegt.
Bin also doch noch nicht jenseits von Gut und Böse...
Und Erotik geht auch im Schlafanzug!

Abfließende Erotik

Eben, in der Badewanne, ist mir eine sehr schöne erotische Geschichte durch den Kopf gegangen. Ich habe sie auf der Zunge zergehen lassen, die Augen geschlossen, mir leise die Worte vorgesagt. Wollte dann aber noch ein wenig in der Wanne liegen bleiben, weil mir die alten Knochen das Übermaß an Sport übelgenommen haben und dringend nach Wärme und Pflege verlangten.
Habe immer noch leise vor mich hin geredet, damit ich bloß nichts vergesse.
Jetzt, im Schlafanzug, ein Glas Blauen Spätburgunder zu meiner Rechten, Patricia Kaas im CD-Player und wild entschlossen, jetzt sehr erotisch zu werden, habe ich zwar immer noch meine Worte im Ohr, aber das Gefühl dazu muss irgendwie mit dem Badewasser in den Ausguss geflossen sein.
Schade.
Ich hätte den Laptop mitnehmen sollen.

08 Februar 2009

Formschwache Gedanken

Links hinten in meinem Kopf sitzt ein übergewichtiger Gedanke.
Er weiß noch nicht, was ich will, parkt seinen Hintern einstweilen neben einer extrem empfindlichen Synapse und versperrt dieser den Weg zu ihrer Schwester, mit der sie ursprünglich ein Feuerwerk zünden wollte.

Hätte der Gedanke seine Augen aufgemacht, wüsste er, dass morgen Vollmond ist und würde mir dabei helfen, die eine oder andere Werwolfgeschichte zu erfinden. Das muss ich jetzt ganz allein machen.

Ich hoffe, er hat bis morgen abgenommen und fängt endlich an, sich zu bewegen. Im Moment braucht er einfach zuviel Platz.

Das Mädchen im Zug

Heute saß im Zug ein Mädchen vor mir: Braune Haare, Zopf, auf den ersten Blick völlig normal. Bis sie sich anzog. Auf den Kopf wanderte eine quietschgrüne Strickmütze, die irgendwann in den Siebzigern vorzugsweise von biederen Hausfrauen getragen wurde, als Oberbekleidung hatte sie einen rot-weiß-karierten Dufflecoat, dazu einen bunt geringelten Schal. Ihre Beine steckten in einer braunen Wollstrumpfhose, ihre Füße in ehemals schwarzen, abgetragenen Schnürhalbschuhen. Außerdem trug sie eine Brille mit extrem dicken Gläsern, die ihre Augen winzigklein erscheinen ließ.

Mein erster Gedanke war: "Das arme Kind! Wer hat sie gezwungen, sich so anzuziehen?" Dann sah ich sie mir genauer an und gewann den Eindruck, dass sie sich in ihrer Aufmachung nicht schlecht zu fühlen schien; sie sah gelassen aus und irgendwie zufrieden.

Sie ging mir den ganzen Tag nicht aus dem Kopf. Was, wenn sie irgendwo auf dem Lande lebte, zusammen mit ihren Geschwistern, die Eltern tot, aber niemand wusste davon? Vielleicht hatten die Kinder beschlossen, dass sie nicht getrennt werden wollten und ihre Eltern im Garten begraben, um jetzt ganz allein dort draussen zu leben? Vielleicht war das Mädchen ja die Ernährerin dieser seltsamen kleinen Familie und gerade auf dem Weg zum Einkaufen, nachdem sie vorher ein paar Euro in der Fußgängerzone erbettelt hatte?

Vielleicht war es aber auch ganz anders, und dieses unscheinbare, trutschige und skurrile Wesen war eine Massenmörderin, die sich immer wieder adoptieren ließ, um ihre ahnungslosen neuen Eltern nach kurzer Zeit mit einem Beil zu enthaupten, das noch Blutspuren früherer Morde auf seiner Schneide trug?

Oder sie war gerade kurz vor ihrer Zwangsverheiratung einer Sekte entkommen und auf dem Weg zur nächsten Polizeistation?

Warum habe ich sie nicht gefragt? Wahrscheinlich werde ich heute nacht kein Auge zumachen, weil sich in meinem Kopf Geschichten über dieses Mädchen breit- und selbständig machen wie früher meine sehr kleine Katze auf dem Kopfkissen.

Andererseits - wie hätte sie reagiert, wenn ich gefragt hätte? Wie fragt man so etwas? "Entschuldige bitte, ich mache mir gerade Gedanken über Deine Oberbekleidung und frage mich, wieviele Adoptiveltern Du schon erschlagen hast."

Nunja, ist jetzt ohnehin zu spät.

Aber wenn ich sie noch einmal im Zug sehe, spreche ich sie an! Ganz bestimmt.

Das Universum

ist böse mit mir - gestern abend musste ich wieder mit S. nach Hause schleichen. Er glaubt, dass ein Laptop eine Art Bildschirm ist und man zum Betreiben noch einen Computer braucht. Ich habe ihn aufgeklärt.
Er stand noch lange in der Einfahrt und dachte nach.

07 Februar 2009

Die (Wieder-) Entdeckung der Langsamkeit

habe ich gestern gemacht. Nein, nicht die von Sten Nadolny gemeinte, sondern die ganz persönliche eines Göttinger Taxifahrers. Ich muss vorwegschicken, dass ich häufig ein sogenanntes "Anrufsammeltaxi" nutze, das speziell für lange arbeitende und unvermögende Fitnesstrainerinnen und Schriftstellerinnen eingerichtet wurde. Es fährt einen bis vor die Haustür und kostet nicht viel. Ab und zu fahren auch SchülerInnen auf dem Rückweg von der Disko mit oder andere Menschen.

Inzwischen habe ich den einen oder anderen Lieblingsfahrer. Einer ist sehr temperamtentvoll, extrem gut aussehend und hört Blues, einer Schauspieler, der andere im Hauptberuf Taxifahrer und ebenfalls attraktiv. Alle drei sind Menschen, die mit ihrem Leben zufrieden zu sein scheinen, was den Umgang mit ihnen sehr angenehm macht.
Wenn ich mich abends auf den Weg zur Anrufsammeltaxihaltestelle mache, schicke ich immer eine Bestellung ans Universum, dass es mir bitte einen von ihnen schicken möge. Meistens klappt es, manchmal kommt jemand anderes, der oder die auch sehr nett und schnell ist (wie sich das für TaxifahrerInnen auch gehört), und manchmal kommt ... nennen wir ihn "Schnarchtatze", kurz S.
Nachdem ich lange verschont geblieben bin, beschloss das Universum gestern, mir einmal zu zeigen, dass es auch anders kann.

S. hielt, ich stieg ein. Die Zeit, in der seine Kollegen mich schon vor der Haustür abgesetzt haben und das schöne Whausen wieder gen Göttingen verlassen, brauchte er, um seine vielen kleinen Zettel zu sortieren. Auf einem von ihnen stand nämlich, dass ich jetzt 10 Cent mehr zu bezahlen hätte. Ich gab ihm nach fünf Minuten meine üblichen zwei Euro und schnallte mich an. S. wühlte weiter, denn jetzt galt es, noch die Quittung auszufüllen, die ich zu unterschreiben hatte. Nach weiteren 5 Minuten reichte er mir den Block, wartete, bis ich meinen Namen einmal in Druckbuchstaben und einmal per Unterschrift verewigt hatte, nahm ihn wieder an sich und verbrauchte weitere kostbare Zeit meines Feierabends, indem er alle seine Zettel umständlich verstaute. Dann drückte er den Knopf des Funkgerätes. Seine Kollegen wären inzwischen wieder in Göttingen angekommen und hätten wahrscheinlich schon ihren nächsten Fahrgast an Bord.
Nachdem S. der Zentrale das Offensichtliche gemeldet hatte: "Whausen, eine Person, 1,85 €." ging es los.

Kurz vor dem Abzweig auf die Schnellstraße murmelte er: "Oh, ich muss auf den Linksabbieger!" Ich nickte dankbar. Auf der Beschleunigungsspur blieb er kurz stehen, um den nichtvorhandenen Verkehr zu beobachten, fädelte sich auf der leeren rechten Spur ein und beschleunigte rasch auf 70 km/h. Wir befanden uns auf einer Schnellstraße, auf der bekanntermaßen 120 km/h erlaubt sind, S. aber hatte Sorge, dem Geschwindigkeitsrausch zu unterliegen und bremste abrupt auf 60 km/h hinunter. Ich schickte ein stummes Gebet nach oben: "Gebt mir Langmut und Friedfertigkeit!"

Auf der Landstraße angekommen, fand S. sich in einer weiteren, für ihn unübersichtlichen Situation wieder: Erstens war die Straße jetzt nicht mehr schnurgerade, sondern hatte ein paar leichte Kurven, zweitens war es neblig, und er brauchte eine Weile und sehr viel Wischwasser, bevor er herausfand, dass nicht seine Frontscheibe schmutzig war. 5 km vor dem Abzweig machte er dann eine Vollbremsung und sagte: "Hier hätte ich abbiegen müssen, oder?" "Nein, nein!" antwortete ich und atmete ein paarmal tief ein und aus. "Es ist die nächste, ich sage rechtzeitig Bescheid." Was bei inzwischen 50 km/h ja auch nicht schwierig war...

Ich versuchte, ein Gespräch in Gang zu bringen, hatte aber das Gefühl, dass ich für S. zu schnell redete. Seine "Hm."s und "Aha."s klangen nachdenklich.

Sehr viel später hielten wir dann vor meiner Wohnung. Ich stieg aus, wünschte S. eine gute Nacht und begab mich nach oben. Als ich zwei Stunden später ins Bett ging, stand sein Taxi immer noch in der Einfahrt - wahrscheinlich hat er seine Zettel neu sortiert oder meditiert.

06 Februar 2009

Muss ich? Will ich? Soll ich?

Ich sollte ins Bett.
Ist schon spät.
Ich muss will früh aufstehen.

Aber warum?

Laufen lassen. Fließen lassen. Gehen lassen.
Manchmal RUHEN lassen.

Aber ich muss doch...
Aber ich will doch...
Aber ich soll doch...

Laufen lassen. Fließen lassen. Gehen lassen.
RUHEN lassen.

Aber mein Plan...
Mein Training....
Meine Ziele...

Selbstgemacht.
Loslassen. Fallenlassen. RUHEN lassen.

Na gut.

05 Februar 2009

Rain

Vor sehr langer Zeit habe ich einmal in einer fremden Wohnung gesessen, eine vom Künstler selbst eingespielte CD gehört und bei einem Titel namens "Rain" geheult wie ein Wasserfall. Schön war das.
Gerade habe ich wieder "Rain" gehört; das muss mir irgendwie in meine iTunes-Liste geraten sein. Geheult habe ich nicht mehr, aber ich finde dieses Lied noch immer wunderschön.
Habe ein wenig darüber philosophiert, dass es kein schöneres Geschenk geben kann als ein Kunstwerk, dass einer bestimmten, meist geliebten Person gewidmet ist. Ich weiß das, denn ich habe einige Lieder geschenkt bekommen. (Natürlich müsste ich "Songs" sagen, aber ich versuche noch immer, Rudimente der deutschen Sprache in mein Englisch einfließen zu lassen.) Beim ersten Lied, es heißt "Wonderland" und wurde mit den Worten "... und das ist für die Dame..." angekündigt, musste ich noch ein bisschen mehr heulen als bei "Rain". Ich hatte mich extra für dieses Konzert etwa 8 Tage zu früh aus dem Krankenhaus entlassen.
Oft entstehen die Kunstwerke erst, wenn diese geliebte Person bereits gegangen ist, und oft werden sie genau deshalb so gut.
Ich wüsste zu gern, warum bzw. für wen Goethe "Werthers Leiden" geschrieben, an wen Hermann Hesse bei "Narziss und Goldmund" gedacht hat, wie der Mann aussah, den Beverly Craven vor ihrem inneren Auge oder Ohr hatte, als sie "Promise me" geschrieben hat.
Ich habe früher meine Verflossenen lieber ermordet. Hatte das Gefühl, besser loslassen zu können, wenn ich ihn erdrosselt, erschossen, überfahren, in der Güllegrube ertränkt oder ihm die Kehle durchgeschnitten hatte. Später habe ich traurige Gedichte geschrieben. Heute inspirieren sie mich zu satirisch angehauchten Kurzgeschichten.
Gerade habe ich das Vorwort für mein nächstes Projekt geschrieben. All denen, die mit "Anna K." nichts anfangen konnten, darf ich versichern, dass es jetzt wirklich spaßig wird. Die Depressionen früherer Tage sind verarbeitet, abgemurkst und verbuddelt, und ich habe große Lust, endlich wieder meine sonnige Seite vor die Tür zu schicken.
Während des Schreibens habe ich übrigens Café del Mar gehört. Diese Musik ist zwar auf Ibiza in einer "Szenekneipe" (oder sagt man jetzt "IT-Location"??) entstanden, bedeutet für mich aber Kreta. Red Beach am späten Nachmittag in diesem ganz besonderen Licht, die Hafenmole von Agia Galini bei Sonnenuntergang, ein verkaterter Morgen mit Buch im gemieteten Liegestuhl, allsowas. Leichtigkeit. Lust. Laufen. Lebensfreude. Special Garlic Bread bei Georgos.
Ich schweife ab.
Wer sich von wunderschöner Musik, die mit Bauch und Herz komponiert und getextet wurde, berühren lassen möchte, klickt hier:
oder hier:
Wer wissen möchte, was Kreta (für mich) so besonders macht, liest hier:
Oder fliegt am besten gleich hin. Um Licht, Seele, Gefühle und Geräusche dieser wunderschönen Insel nachfühlen, -sehen, -hören zu können, sollten Sie allerdings den Norden mit seinen All-Inclusive-Bettenburgen schnellstmöglich hinter sich lassen und gen Süden oder Westen steuern.
Und für den Fall, dass es Sie interessiert, wie ich übers Stöckchen zum Steinchen gekommen bin: Es fing damit an, dass ich beim "Atlantis"-Spielen eine CD gehört habe, die mir ein sehr liebenswerter Mensch im Sommer geschenkt hat, mit meinen Gedanken ein wenig herumgeschweift bin, die Idee bekam, heute doch noch etwas zu schreiben, dann lief auf einmal "Rain", und ich habe mich sehr intensiv an alte und wunderschöne Zeiten erinnert, darüber philosophiert, wie sich alles ändert und manches eben nicht, dann kam Blank & Jones, mit denen ich auch einen Liebsten bzw. die Fahrt zu ihm verbinde, ja, und dann konnte ich nicht anders als schreiben. Schriftstellerinnen machen das so. Und SchriftstellerIn ist man, wenn irgendwer den Scheiß liest, den man schreibt. (Der letzte Satz ist geklaut, aber ich habe vergessen, wie der Film heißt.) Naja, und Sie lesen ja gerade den Scheiß, den ich schreibe!

04 Februar 2009

Umweltschonend laufen

Ich laufe. Gern, oft und lange. Und wenn ich einmal darüber nachgedacht habe, was bisher selten bis nie vorkam, dachte ich immer, dass ich einen umweltschonenden Sport betreibe. Ich laufe vor der Haustür los, in meiner Atemluft wurde noch nie ein bedenklicher CO2-Ausstoß gemessen, und im Gegensatz zu vielen meiner MitbürgerInnen lege ich außerdem kurze Strecken entweder zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurück.

Ich habe mich geirrt. In der neuesten Ausgabe der Runners World musste ich zu meinem Entsetzen lesen, dass der gemeine Läufer allein aufgrund der Ausrüstung einen CO2-Ausstoß von 440 kg hat, und wenn er dann auch noch verreist und dort läuft oder an einem Wettkampf teilnimmt, 4136 kg hinzukommen. Die Jahresmitgliedschaft im Fitnessclub verursacht hingegen nur 225 kg CO2. Übrigens wird die sogenannte CO2-Bilanz berechnet, indem man "(...) die CO2-Mengen, die bei der Herstellung eines Produkts oder zur Gewinnung der zum Betrieb der Transportmittel benötigten Energie freigesetzt wurden (...)" addiert. (Runners World Februar 2009, S. 44 unten)

Soweit, so schlecht. Ich horche in mich hinein und stelle fest, dass mich das etwa so berührt wie der berühmte in China umfallende Sack Reis. Übrigens ist die Stadt Shenzhen in der Provinz Guangdong einerseits die Stadt mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen in China und andererseits eine der am schlimmsten verschmutzten der ganzen Welt. Zum Teil bin ich daran schuld, weil nämlich dort fast alle Hersteller ihre Laufschuhe zusammenkleben lassen.

Allerdings könnte ich auch hier zum Umweltschutz beitragen: Es gibt inzwischen recycelte Laufklamotten oder solche aus Wolle, die wesentlich weniger stinken und dafür länger halten sollen. Ein Schuhhersteller lässt eine kompostierbare Mittelsohle in seine Modelle einbauen und ein weiterer hat das Obermaterial minimiert und weitgehend auf Lösungsstoffe verzichtet. Großartig! Tusch! Fanfaren! La Ola!

Und das heißt, dass ich - umweltbewusst, wie ich sein sollte - jetzt auch noch beim Kauf meiner Laufklamotten grottenteures Merinowollgedöns wählen soll, weil es umweltfreundlicher ist! Bin ich böse, weil ich meine letzten Hosen bei Aldi erstanden habe? Darf ich mich verar... fühlen?

Ich habe jedenfalls beschlossen, weiter brav meinen Müll zu trennen, obwohl ich weiß, dass das nichts anderes ist als Beschäftigungstherapie, weiterhin zum Bäcker zu Fuß zu gehen und beim Laufen zu atmen in der Hoffnung, dass ich dazu nicht allzuviel zum Klimawandel und dem damit verbundenen Weltuntergang beitrage.

Einen CO2-freien Tag wünsche ich Ihnen!

02 Februar 2009

CMM und beliebtestes Kantinenessen

Gestern habe ich im "Salto Vitale" von Marion Grillparzer (sehr empfehlenswert für alle, die nach einer Veränderung in kleinen Schritten streben) über das Phänomen des CMM gelesen - dem Chronischen MotivationsMangel. Darin schreibt sie, dass wir eher dazu tendieren, in einer Situation zu verharren, weil es einfach bequemer ist, und uns, um das zu rechtfertigen, die passenden Ausreden dafür ausdenken, dass es gar nicht anders geht.
Kennen wir alle, oder? Wir wissen zum Beispiel, dass Currywurst, Döner und Pommes mit Mayo zwar sehr lecker sind, aber auch sehr fettig, und dass die Wahrscheinlichkeit, bei diesem zweifelhaften Genuss auf Reste von Gammelfleisch zu stoßen (sonst wäre das Zeugs ja kaum so billig), sehr groß ist. Wir essen den Sch... aber trotzdem.

Erst kürzlich traf ich vor dem Eingang eines Hamburgertempels auf ein Studiomitglied. Er sah mich, erbleichte und stammelte: "Ich bin hier sonst nie!" (Bis dato wußte ich nicht, dass ich solch eine autoritäre Wirkung auf andere Menschen habe. Ich werde das ausbauen, wenn mir danach ist, den Berufszweig zu wechseln.)

Heute, bei der Lektüre von Google News, habe ich eine Hitliste der beliebtesten Kantinengerichte gefunden. Ich klickte neugierig auf die Bilderstrecke und las "Fisch". "Hui", dachte ich bei mir, "Sollten die Deutschen doch ernährungsbewusster geworden sein?"
Beim zweiten Hinsehen erkannte ich dann die Zahl 10. Das ist der Platz für die frischen Fischgerichte. Davor rangieren Hausmannskost, Grillhähnchen, Bratwurst in jeder Form, Hamburger, Pizza. And the winner is: Schnitzel mit Pommes!

Die gute Nachricht: Man findet in dieser Rangliste auch Steak, Pasta- und Kartoffelgerichte. Allerdings habe ich die ernsthafte Befürchtung, dass darunter auch Spaghetti Carbonara, Pommes, Puffer und Kroketten fallen.

Wo ist der Zusammenhang, fragen Sie sich gerade? Schauen Sie doch mal Ihre Füße an. Wie, Sie können sie nicht finden? Sollte da etwas Bauch dazwischen sein? Ihr Lieblingsgericht ist eine deftige Thüringer Bratwurst mit Kartoffelsalat? Ihr BMI irgendwo bei 30+? Und den letzten Hinweis Ihres Hausarztes auf erhöhte Cholesterinwerte und Bluthochdruck, verbunden mit dem Ratschlag, sich mehr zu bewegen, haben Sie ignoriert?

Dann leiden Sie wahrscheinlich nicht nur an Bluthochdruck, sondern auch unter CMM.

Die schlechte Nachricht: Das eine werden Sie nicht los, ohne auch das andere in Angriff zu nehmen.

Die gute Nachricht: Wenn Sie einfach so weitermachen, erledigt sich das in den nächsten Jahren von selbst.