31 März 2009

Jetlag, Schnarchtatzen, Frühlingsgefühle und Stiefmütterchen

Ich fange mal mit den Stiefmütterchen an. Die habe ich vor zwei Wochen, als es kurz wärmer als 0° war, sehr günstig samt 40 Litern Erde in einem Sonderpostenmarkt erstanden und sofort auf meinem Balkon verbuddelt. Bei der Gelegenheit festgestellt, dass die im Dezember ebenfalls verbuddelten Frühlingsboten allesamt entweder erfroren oder ersoffen sind - die genaue Todesursache ließ sich nicht ohne Obduktion feststellen.

Dann wurde es wieder kalt. Die Stiefmütterchen wanderten von der Balkonbrüstung ins Wohnzimmer und wieder zurück. Ich auch. Die Weihnachtssterne der letzten Saison, die ich zusammen mit dem geschenkten Frühlingsbotenensemble ebenfalls in einen Balkonkasten gepflanzt hatte, blieben gleich drinnen, direkt neben der Heizung.

Heute habe ich alle wieder an die Brüstung gehängt in der Hoffnung, dass sie so einen kleinen, leichten, im Rückzug befindlichen Frost aushalten werden. Sie wieder ins Wohnzimmer zu stellen würde die Kapitulation vor dem Wetter bedeuten - und ich kapituliere prinzipiell nur vor Schnarchern.

Womit wir beim zweiten Punkt angelangt wären. Ich habe vergangenes Wochenende zwei Menschen erleben dürfen, die meiner Ansicht nach ursächlich für den Klimawandel verantwortlich sind: Einmal wegen exzessiven nächtlichen Baumabsägens, zum anderen wegen ebenso exzessiven Knoblauchgenusses, der dazu zwang, die Fenster zu öffnen. Weil es aber kalt war, ließ ich die Heizung an. Und da der eine die Matratze mit mir teilte und der andere direkt neben der Kaffeemaschine sägte, blieben mir kaum Fluchtmöglichkeiten. Das löste keine Frühlingsgefühle in mir aus.

Die bekam ich heute, als ich dann irgendwann ausgeschlafen hatte. Ich leide nämlich bei jeder Zeitumstellung unter einem Jetlag. Glücklicherweise findet die Zeitumstellung - und damit mein Jetlag - nur zweimal jährlich statt. Sonst wäre ich möglicherweise gezwungen, meinen inneren Bären herauszulassen und viel mehr zu schlafen als ohnehin schon. Und wäre damit noch unproduktiver als ohnehin schon.

Aber wir sind beim Thema. Am Samstagabend habe ich erst meine Uhren vorgestellt und bin dann recht früh schlafen gegangen, auch in der Hoffnung, dass ich die REM-Phase erreicht hätte, bevor die Schnarcher ihr Unwesen begännen. Frühmorgens weckte mich dann Schnarcher Nr. 1. Ich stupste, boxte, schimpfte. Er zeigte sich unbeeindruckt. Ich verließ das gemeinsame Lager.
Selbstverständlich war ich zutiefst traumatisiert. Und musste
deswegen erstens am Sonntagabend noch früher ins Bett, um dann zweitens am Montag etwas länger schlafen zu können.

Montagmittag dann fand ich eine kleine Siesta angebracht, die sich von 13.00 bis 16.00 ausdehnte. Weil ich vom Klingeln meines Weckers einigermaßen verstört war, ging ich um 21.30 wieder ins Bett. Heute morgen fand ich den Rückweg ins aktive Leben erst relativ spät. Mittagsschlaf um 12.30 Uhr.

Es ist schön, dass es wärmer wird! Ich freue mich über die Sonne! Aber muss diese alberne Uhrumstellerei wirklich sein? Wann werden Schnarcher kaserniert oder zumindest in schalldichte Räume (ich denke da an Gummizellen) verbracht? Wird es jetzt endlich richtig warm? So richtig? 30°? Und wann kann ich ernsthaft mit Frühlingsgefühlen meinerseits rechnen?

26 März 2009

Es gibt ja so Momente,

in denen überhaupt nichts passiert, obwohl das Gefühl, irgendetwas sollte passieren, überaus dringend ist.
Momente, in denen alles nach Kreativität brüllt und trotzdem beim dumpfsinnigen PC-Spiel landet.
Momente, in denen der Körper laufen will, aber der Geist sich für Pizza Calzone entschließt.
Regentage sind eine großartige Entschuldigung.

Manchmal frage ich mich (bzw. einen meiner diversen hyperaktiven Anteile), warum ich nicht tue, was ich mir zu tun vorgenommen habe. Alles in mir kribbelt, will sollen, soll wollen, wird aber nicht.
Wer hindert mich?
Ich?
Wirklich?
Niemand sonst?

Warum mache ich das, wenn ich doch sollen will? Wollen soll? Möchte???

Wäre es nicht großartig, wenn ich die Energie, die ich für die formvollendete Formulierung von Entschuldigungen verschwende, für das Tun verwendete?

Warum bin ich so eine faule Sau?

Bin ich denn wirklich faul?

Oder nur da?

"Free your mind, and we'll have a beautiful night", singt es von der 25th-Café-del-Mar-Anniversary-CD, aber my mind ist gerade gefangen in Stundenplänen, gefesselt von schlechtem Gewissen und umgarnt von Nichtstunwollen.
Will my mind überhaupt befreit werden?
Und wenn es dann befreit ist, was wird es tun? Laufen? Schreiben? Arbeiten? Spanisch lernen? Irgendetwas anderes lernen?
Es könnte sein, nichts sonst, my mind.
Aber irgendwie ist es zu busy.

Wie mag my mind aussehen?

So? Völlig durcheinandergebracht von all der Denkerei?






Oder eher so? Konserviert mit Sollen?








Das Bild zu meinem nicht gedankenzensierten Gefühl sieht so aus:

Frühling lässt sein blaues Band...

... über dem nächsten Solarium flattern. Oder über Timbuktu. Hier (Mit "Hier" meine ich Südniedersachsen und die angrenzenden Bundesländer.) flattert nix. Aber auch überhaupt und gar nix. Es sei denn, wir definierten die Tätigkeit des Regens kurzerhand um und stellten ihn uns blau und flatternd vor.
Bei mir persönlich flattern zur Zeit nur die Nerven. Wegen des Dauerregens. Ich weiß schon gar nicht mehr, wie sich ein Leben ohne Regenschirm anfühlt. Meine derzeitigen Alternativen lauten: Blödes Laufband oder im schicken Goretex-Fummel trotzdem nass werden. Also Laufband. Mit Blick auf den grauen Himmel vor der Fitnesshalle für alle.

Vorgestern wollte ich draußen laufen. In der Natur. Oder besser, auf der Straße, weil die Natur entschieden zu morastig ist zum Laufen. Habe eine Regenpause abgepasst. Sogar die Sonne hatte sich herausgewagt. Als ich dann gestiefelt und gespornt vor der Haustür stand, fing es an zu hageln.
Ich bin wieder in meine Wohnung gelaufen, habe Wohnungs- gegen Autoschlüssel getauscht, mich in den nächsten Ort begeben, um dort Tiefkühlpizza und Langnese Cremissimo mit Eierlikör und Schokostreuseln (die Familienpackung) zu kaufen. Wieder zuhause, habe ich mich, immer noch in Laufklamotten, auf meine Couch gesetzt und erst das Eis und zum Nachtisch die Pizza vertilgt.
Mir ist immer noch schlecht.

Frühling lässt sein blaues Band... Frühling lässt den Wasserhahn... passt besser.

Para Xenos

"Mariposa libre"
cantó Sting.
Canto tambien.
Canto para te.
Te siento.
Siento tu piel.
Te siento.
Acaricio te, cado centimetro.
Te siento.

22 März 2009

Ruhe. Stille. Angst?

Stille scheint im Zeitalter von iPod, Dauerbeschallung und permanenter Erreichbarkeit auf viele Menschen bedrückend, wenn nicht gar beängstigend zu wirken.

Was ist so schwer daran, in der Sauna für zehn Minuten die Klappe zu halten? Warum muss an Stätten, die der Ruhe und Besinnung dienen sollen, geredet werden? Was ist so schrecklich an der Stille?
Ich scheine sie so nötig zu brauchen, dass mich Geräusche, selbst geflüsterte Gespräche, an Orten, an denen ich Ruhe suche, regelrecht aggressiv machen. Schon deutlich mehr als einmal habe ich den Wunsch verspürt, die KrachmacherInnen, wenn nicht zu erwürgen, ihnen doch wenigstens die Zunge herauszureißen. Mit Lust. Langsam.

Bin ich intolerant? Zickig? Altmodisch? Ist Dauerkommunikation normal und richtig? Wer ist das Rhinozeros in diesem Schauspiel?

Ist es wirklich nötig, die Umgebung lautstark über die Banalitäten des eigenen Alltags zu informieren? Wollen wir wirklich wissen, ob sich die Unterwäsche von Heidi im Spind oder noch in der Trainingstasche befindet?

Oft suche ich bei einem Geräusch Zuflucht, um dem um mich herum brandenden kommunikativen Gedöns zu entkommen: Ich schalte meinen iPod auf volle Lautstärke, um mit meinem Chillout-Mix den Umgebungskrach zu übertönen.
Und wenn sich irgendjemand, der in meiner Nähe Ruhe gesucht hat, an dem Gewummer aus meinen Ohren stört, ist mir das piepegal. Denn ICH habe jetzt Ruhe!

Wir haben uns entspannt,

alle! Ausgeschlafen, Getreidemilchkaffee im Bett (klingt "öko", ist aber sehr, sehr lecker!), sehr, sehr langsam aufgestanden und mit derselben Ruhe Yoga gemacht, etwas Spanisch gelernt, gelaufen, Mutter besucht, in die Sauna gegangen. Dort Oscar Wilde gelesen; ich kannte ja schon die eine oder andere Geschichte von ihm: Das Gespenst von Canterville, Das Bildnis des Dorian Gray, Teleny. Aber die Märchen, die ich heute gelesen haben, waren derartig schön, dass ich heulend auf meiner Ruheliege gelegen habe. Leise heulend selbstverständlich - höfliche Menschen machen im Ruheraum möglichst wenig Geräusche.

Ich erspare Ihnen das Googlen:


Das sind zwei wunderschöne, traurige, philosophische Geschichten. Mit Moral. Und ich komme mir sehr klein und unkreativ angesichts dieser Melancholie und Wortgewalt vor.

Trotzdem ist mir noch etwas eingefallen - wie meist in der Sauna, wenn ich mich über irgendwelche unhöflichen ZeitgenossInnen ärgere, die übrigens erstaunlich häufig im weiteren Sinne den pädagogisch geschulten Berufsgruppen zu entstammen scheinen und lauthals mit ihrer Brut oder dem mitgebrachten WG-Partner kommunizieren. Aber das kann natürlich Zufall sein.

Welche Anteile hatte ich eigentlich heute dabei? Die Diva war ein wenig schmollig, weil ich mich weigerte, sie im Anschluss zu schminken und auch keine Gesichtsmaske dabei hatte, Kampfschwein und Kerl waren sicherheitshalber zuhause eingesperrt, dafür habe ich diesen kleinen, bis heute namenlosen Anteil mitgenommen, der überhaupt auf die großartige Idee gekommen war, dass man sich einmal entspannen könnte. Ich nenne ihn einfach mal "Hase". Er ist nämlich wirklich sehr zaghaft und vorsichtig, und immer, wenn die anderen Jungs laut werden, versteckt er sich. Heute jedenfalls war Hase dabei, und er hat sich sauwohl gefühlt und das Fell gewärmt.

Natürlich wollte auch der Sportjunkie mit, nachdem ich ihn davon überzeugt hatte, dass Regeneration nötig sei und wir in der Sauna ein paar Lockerungsübungen machen würden.

Der Schweinehund hat sich möglicherweise von uns allen am wohlsten gefühlt. Wir haben genau das getan, was er liebt: Nichts. (Verraten Sie ihm bitte nicht, dass dieses Nichts einen Zweck hatte!)

Jetzt muss ich aber die Diva beruhigen, ihr ein wenig Anti-Schrumpel-Creme unter die Augen schmieren und die Haare richten. Kerl und Kampfschwein sind auch noch nicht wieder aufgetaucht. Dafür schreit jetzt die verhungernde Poetin nach Beachtung. Kriegt sie. Jetzt sofort.

21 März 2009

Mein Arsch will nicht bewegt werden!

Seit knapp zwei Stunden habe ich Wochenende. Eine DVD mit Tom Selleck (für Eingeweihte: Magnum) wollte ich mir anschauen. Lesen. Viel. Ich habe gerade ein neues und sehr dickes Buch angefangen. Vielleicht ein paar Zeilen schreiben. Spanisch lernen. Tanzen. Wochenende eben.

Es ist 20.30 Uhr, ich sitze auf meiner Couch und daddele vor mich hin. Blöd ist das. Wo ich doch Wochenende habe. Wo es doch gerade Frühling wird, und die Sterne großartig aussehen und ich bei der Fahrt nach Hause einen wunderschönen Sonnenuntergang gesehen habe. Wo ich doch so energiegeladen nach meiner letzten Stunde den Arbeitsplatz verlassen habe.

Nützt alles nichts. Ich bin müde. Saumüde. Alle meine Anteile wollen eigentlich schlafen gehen.

Gut, wenn ich jetzt nett mit mir wäre, würde ich mir sagen, dass ich 14 Kilometer sehr schnell gelaufen bin, meine Wäsche abgenommen und und ein paar Stunden gearbeitet habe.

Ich will aber nicht nett mit mir sein! Ich habe Wochenende! Ich sollte Freunde treffen, tanzen gehen, lesen, ein paar Zeilen schreiben, Spanisch lernen. Den wichtigsten meiner Körperteile, nämlich meinen Arsch bewegen!

Aber ich bin so müde.

Blöd.

Hoffentlich ist morgen schönes Wetter. Dann kann ich nämlich, wenn ich ausgeschlafen habe, Freunde treffen, tanzen gehen, ein paar Zeilen schreiben, Spanisch lernen, laufen, in die Sauna gehen, meine Mutter besuchen, das schöne Wetter genießen, den Balkon aufräumen, Fenster putzen, Bad putzen, ein paar E-Mails schreiben, meinen Arsch bewegen eben.

"Aber es ist doch Sonntag!" meldet sich da sehr verschüchtert ein von mir sehr vernachlässigter Anteil, dessen Name mir entfallen ist. "Wollen wir uns nicht einfach mal entspannen?"
"Großartige Idee!", antworte ich und halte dem Kampfschwein die Schnauze zu.

19 März 2009

Scheidende Vorstandsvorsitzende,

Misserfolgs-Boni, vorgezogene Rentenauszahlung, Wiedereinführung der Pendlerpauschale, Kondome, die laut Papst gegen AIDS nicht helfen, sind nur ein paar der heutigen Schlagzeilen. Nicht unterschlagen möchte ich, dass Herr Kahn, von Beruf Titan und bissig, für den Managerposten auf Schalke in Frage kommt.

Wenn ich ein paar Wünsche frei hätte, wären das neben denen, die mich selbst und meine Lieben betreffen, die folgenden:

Herr Middelhoff, der den Arcandor-Konzern relativ erfolglos bewirtschaftet hat, bekommt keine 2,3 Millionen als Dankeschön überreicht, sondern stattdessen eine Kittelschürze umgebunden und einen Staubsauger in die Hand gedrückt. Dann muss er solange die Fußböden der anliegenden Großraumbüros bearbeiten, bis er sich die 2,3 Millionen verdient hat. Bei einem Stundenlohn von 8 €, den Reinigungskräfte im Normalfall erhalten, bräuchte er dafür gerade mal 287500 Stunden, was bei einem klassischen 8-stündigen Arbeitstag 35.937 Tage oder 1198 Monate oder 99,82 Jahre saugen bedeutete. Ich könnte mir vorstellen, dass unser Herr Middelhoff da trotz regelmäßigen Golfspiels ins Pusten käme. Oder, in Abwandlung eines Loriot-Sketches: "Es saugt und bläst der Vorstandsmann, wo Mutti sonst nur saugen kann!"

Dann hätten wir da noch einen gewissen Postrentner, Zumwinkel mit Namen und wohnhaft in einem netten kleinen Schlösschen am Gardasee. Da der arme Mann nach Abzug aller Kosten seine Zähne in die Tischkante schlagen musste, hat er sich seine Rente etwas früher auszahlen lassen als üblich, die ganzen 20 Millionen also. Da fragt sich möglicherweise der Briefträger, der sich den Ersatz seiner von wildgewordenen Postkundenhunden zerbissenen Hosen mühselig erkämpfen muss, was er falsch gemacht hat. Aber es sei völlig normal, sich seine Rente früher auszahlen zu lassen, sagt Herr Zumwinkel. Von tiefstem Herzen wünsche ich diesem Herrn, dass - wie bei König Midas - alles zu Gold werden möge, was er anfasst. Wirklich alles.

Kommen wir zu Herrn Ratzinger, Beruf: Papst. Ihm wünsche ich eine mit älteren Herren erfahrene Prostituierte ins päpstliche Bett, die ihm eine ordnungsgemäße Gonorrhoe anhängt. Ein Kondom wird er ja aus religiösen Gründen nicht anziehen. Die Vorstellung des wegen heftigem Juckreiz auf seinem Stuhl herumrutschenden Pontifex Maximus finde ich höchst amüsant.

Und während all diese Herren ihr frisch ergaunertes Geld oder die Leichen zählen, die sie zu verantworten haben, freuen sich die normalen ArbeitnehmerInnen darüber, dass wir wieder ab dem 1. Kilometer 30 Cent als Werbekosten geltend machen können.

Was Herr Kahn macht, ist mir übrigens relativ egal - solange er nicht mich beisst.

18 März 2009

Dear Off-Season-Novelists!

... beginnt die Mail, die ich heute vom Organisator des NaNoWriMo (Sie wissen nicht, was das ist? Bitte einmal nach rechts unten scrollen!) erhalten habe. Sofort packte mich das schlechte Gewissen. "Die Beiden", mein im November herausgerotzter Roman, liegt immer noch warm und sicher auf meinem Desktop. Noch am Sonntag habe ich in mein Tagebuch notiert: "'Die Beiden' mit deutlichem Aufforderungscharakter auf die Desktopmitte ziehen!" Das habe ich auch getan. Punkt.

Dann ist da noch der geniale Vorschlag, den Stephen King in seiner Fibel für werdende AutorInnen macht: Schreibe 1500 Wörter jeden Tag, und Du hast in zwei Monaten ebenfalls einen Roman. Zumindest eine erste Version.
Das fand ich toll und habe es mir auch gleich in meinem Tagebuch notiert.
Punkt.

Am Sonntag musste ich in die Sauna und hinterher mit einem netten Herrn essen gehen.
Am Montag musste ich Spanisch lernen, laufen und vorhoppsen.
Am Dienstag musste ich putzen, Blumen umtopfen, laufen und vorhoppsen.
Heute ist Mittwoch, und ich muss arbeiten, einkaufen und vorhoppsen.

Den einen oder anderen Dialog mit ihm haben Sie ja bereits verfolgen können - und hier ist er, live und in Farbe: Mein Schweinehund. Das geniale Bild stammt von Thomas Kobbe, http://kobbecomics.de - Dankeschön! So habe ich mir den Kerl, der ständig an meinem Rockzipfel hängt, immer vorgestellt! Auch die Größenverhältnisse stimmen. Während der letzten Tage war er recht umtriebig. Wie gesagt, ich wollte schreiben sollen. Oder sollte ich schreiben wollen? Egal.
Normalerweise ist mein Schweinehund relativ unsportlich, liebt Schweinkram in Form von Schokolade, Ovomaltine direkt aus der Dose oder zahnschmelzvernichtende Maoams, und natürlich sitzt er unglaublich gern auf der Couch. Oder schläft.
Aber ich wollte ja schreiben. Also lief mein Schweinehund zu absoluter Hochform auf: Sport sollte ich treiben, viel und am besten ununterbrochen. Kaum hatte ich nach Laufen und Duschen und Yoga den Weg an den PC gefunden, nörgelte er, dass er Hunger hätte. Vollwertkost sollte es sein, bitteschön. Ich also in die Küche, Gemüse und Salat geschnippelt und sehr lange und ausgiebig vollwertig gegessen. Danach musste natürlich die Küche geputzt werden. Und wenn wir (Schweinehund und ich) schon einmal dabei waren...

Eine unendliche Geschichte, die Sie möglicherweise aus Ihrem eigenen Leben kennen?

Aber heute früh habe ich ihn ausgetrickst! Gleich nach Yoga und Laufen und Duschen und vollwertigem Frühstück habe ich mich an den PC begeben - und siehe da! Ich schreibe! Zwar nicht am Roman, und von 1500 Wörtern bin ich meilenweit entfernt, aber ich betrachte es trotzdem als den Sieg in einem kleinen Scharmützel meines Kampfes gegen den Schweinehund.

Gerade flüstert mir mein kleiner Psychologe ins rechte Ohr: "Vielleicht solltest Du Deinen Schweinehund nicht bekämpfen, sondern mit ihm zusammenarbeiten!"
Recht hat er! Ich nehme beide mit zur Arbeit.

17 März 2009

Das Bett

Dies ist die Geschichte eines Bettes und seiner zwei Matratzen und Lattenroste. Es ist eine Geschichte voller Höhen und Tiefen, sie erzählt von Nähe und Distanz und dem verzweifelten Versuch zweier Menschen, zueinander zu finden.

Vor langer, langer Zeit kamen mein Liebster und ich in die unerquickliche Situation, sowohl über unsere Schlafzimmereinrichtung als auch unser Schlafverhalten nachdenken zu müssen. Die ältere Dame, die über uns wohnte, hatte dem etwas übergewichtigen Ehepaar, dessen Schlafzimmer sich über ihrem befand, ein neues Bett verordnet. Das alte quietsche, erklärte sie damals, und es sei völlig ausreichend, wenn der weibliche Ehepaarteil ähnliche Laute des Vergnügens von sich gäbe. (Die wir übrigens jeden Sonntagmorgen gegen 10.00 Uhr zu übertönen versuchten.)

Der Liebste und ich dachten nach, horchten am Ofenrohr, wenn der Wäschetrockner direkt unter unserem Schlafzimmer lief, um herauszufinden, wieviele Geräusche nach oben dringen könnten, und befanden, auch für uns sei es höchste Zeit für ein neues Bett. Zwar quietschten wir nicht; trotzdem waren wir in Sorge, dass unsere Nachbarin sich wie in einem Stundenhotel fühlen könnte, wenn es über ihr quietschte und unter ihr knatterte.

Wir beschlossen also, eine neue Schlafgelegenheit anzuschaffen. Größer sollte sie sein und mit zwei Matratzen, damit der Liebste nicht durch meine damaligen Raucherinnenhustenanfälle mitgeschaukelt werden würde. Weil unser Geld nicht für Bett, Matratzen und Lattenrost reichte, kauften wir nur das Gestell und bastelten den Rest aus unseren Jugendzimmer- und Beziehungsüberbleibseln selbst zusammen.

Heraus kam ein bunt zusammengewürfeltes Bett von 1,80 m Breite. Ich hatte noch einen alten Lattenrost aus meiner Jugendzeit in Mutters Keller gefunden und legte der Einfachheit halber so ein altes Federkerndings gleichen Alters darauf. Mein Liebster, der etwas empfindlicher war, entschied sich für den ausrangierten Lattenrost von Papa plus schicker, aber etwas zu langer Latexmatratze.
So hatten wir beide, was wir brauchten. Eigentlich.

Aufgrund der unterschiedlichen Höhen unserer Bettstätten lag ich ca. 5 - 1o cm höher als der Liebste. Das war nachts kein Problem; wir schliefen seit eh und je auf unseren äußersten Ecken des Bettes, aber morgens, beim ersten Kaffee im Bett, saß er immer sehr tief, und ich musste jedesmal kichern, wenn ich zu ihm hinuntersah.

Irgendwann zog ich aus. Das Bett blieb, zusammen mit dem Sorgerecht für Katzen und Zimmerpflanzen, zunächst beim Liebsten.

Eines Tages jedoch beschloss er, dringend ein neues haben zu wollen. Das alte Bett sollte zum Sperrmüll. Ich intervenierte, lieh mir vom aktuellen Liebsten einen Transporter und beförderte Bett samt Lattenrosten und Matratzen in meine neue Wohnung. Und lag diesmal tiefer als der aktuelle Liebste, weil ich mich für den teuren Lattenrost und die Latexmatratze entschieden hatte.

Die Liebsten kamen und gingen. Die unterschiedlichen Höhen blieben.

Ich habe häufig darüber nachgedacht, wie dieses Problem zu lösen sei. Erfolglos. Ich habe gerechnet, was mich eine 180-cm-Matratze mit Lattenrost kosten würde und bin zu dem Entschluss gekommen, dass es nicht wirklich wichtig sei.

Beim letzten Bettbeziehen sprang mich eine geniale Idee an: Was wäre, wenn ich alten Lattenrost unter Latexmatratze und schicken Lattenrost unter altes Federkerndings lege?

Ich hatte Zeit, probierte es aus... et voilà!, das erste Mal seit sechs oder sieben Jahren hat mein Bett eine einheitliche Höhe!

Seitdem schlafe ich quer.

15 März 2009

"Para conocernos un poco"



... ist Spanisch und bedeutet in etwa: "Lernen wir uns etwas näher kennen."

Es gibt ja immer Bilder, aber manchmal frage ich mich, ob die einem Menschen wirklich gerecht werden können. Immerhin zeigen sie ja nur eine Person. Wenn ich aber davon ausgehe, dass ich nicht nur eins, sondern viele bin, von denen ich einige noch gar nicht kennengelernt habe und andere noch auf dem Weg zu mir sind, kann ich nur unter großer Mühe sagen, wer auf dem aktuellen Foto gerade zu erkennen ist.

Oben rechts hätten wir zum Beispiel die Diva. Sie ist immer ein bisschen zickig, weiß nie so recht, was sie mit ihrer rechten Hand anfangen soll, und lässt sie deswegen viel zu oft albern hängen, sie tanzt gern, liebt es, auf der Bühne zu stehen (böse Zungen behaupten, sie sei eine Rampensau), und kommt mir immer dann in die Quere, wenn ich keine Lust habe, mittags meinen Schlafanzug auszuziehen. Die Diva braucht Bewunderung und Körperpflege, möglichst ununterbrochen und aus ganzem Herzen. Sie hasst es, wenn jemand vor ihr steht. Oder größer ist. Oder genausoviel Platz beansprucht wie sie.
Die Diva rufe ich immer dann, wenn ich "nach vorn" muss. Sie ist diejenige, die schon "vorn" geboren ist und sich gar keinen anderen Platz vorstellen kann.


Das da links ist der Kerl. Ja, auch Frauen sind Kerle! Und sie dürfen das genauso, wie Männer manchmal Mädchen sein dürfen. Mein innerer Kerl ist relativ furchtlos, wenn es nicht um Höhen geht, er legt sich gern einmal mit drei oder mehr halbwüchsigen Jugendlichen (mit oder ohne Migrationshintergrund) an, die nicht ausweichen wollen, er kommt zu spät zu Verabredungen, weil er nicht anhält und nach dem Weg fragt, und ihm geht einer ab, wenn er 300 g mehr stemmt als der Nebenkerl. Mein innerer Kerl ist cool, und er liebt meinen Schlafanzug. Ihn frage ich immer dann um Rat, wenn ich das Gefühl habe, dass mein jeweiliges Gegenüber die klassisch weiblichen "Tugenden" von Empathie, Sanft- und Zartheit doch arg überstrapaziert. Oder wenn mir Jugendliche mit oder ohne Migrationshintergrund nicht ausweichen wollen oder so ein Halbaffe meine Hantelbank belegt.

Abschließend möchte ich noch das Kampfschwein vorstellen. Kampfschwein und Kerl haben eine Menge gemeinsam: Beide tragen sehr gern Baseballkappe und Sonnenbrille, beide freuen sich über jede Kleinigkeit, die sie stärker als den Nebenmann oder die Nebenfrau erscheinen lässt und hassen all die Schnarchtatzen, die auf der Straße oder in der Fußgängerzone vor ihnen herschleichen.
Das Kampfschwein ist allerdings eher neutral. Derjenige, der uns einmal "Rampensau" genannt hat, meinte wahrscheinlich das Kampfschwein. Es steht ebenfalls gern vorn oder auf der Bühne, es liebt Herausforderungen, und wenn beim geplanten Regenerationslauf in 500 m ein anderer Läufer entdeckt wird, gibt es Vollgas - und Scheiss auf die Regeneration!
Das Kampfschwein nehme ich immer mit, wenn ich zu irgendeinem Volkslauf aufbreche, im Fitnessclub steht es sogar vor mir am Hantelständer, und wenn ich Gefahr laufe, meiner Höhenangst nachgeben zu wollen, tritt es mich in den Hintern und brüllt: "Beweg Dich, Du Weichei!"

Sie wollen auch die anderen kennenlernen? Bleiben Sie dran, lesen Sie mein Blog und kaufen Sie mein Buch - Anna K. ist eine von ihnen! und erhältlich bei www.amazon.de)

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Spiegelneurone, Empathie oder Hellsichtigkeit?

Aber vielleicht auch guter, alter, nachvollziehbarer Zufall?

Ist es Zufall, wenn ich nach langer Zeit auf einen Menschen treffe, mit dem ich wichtige Erkenntnisse geteilt habe?
Sind es die Spiegelneurone, die diese zwei unterschiedlichen Leben manchmal ähnlich erscheinen lassen?
Ist es Empathie, wenn ich mich mit Haut und Haar in die Gefühle des Gegenübers versetzen kann?

Warum geschehen bestimmte Dinge zu bestimmten Zeiten?
Warum finde ich im Nachhinein so oft heraus, dass es genau die richtige Zeit war?

Manchmal kreuzt ein anderer Mensch meinen Weg, wir gehen gemeinsam bis zum nächsten Abzweig, und unsere Wege trennen sich wieder.
Kurz darauf treffen wir uns an einer neuen Kreuzung wieder und stellen fest, dass wir nicht noch einmal zusammen gehen werden.
Was ist passiert zwischen Kreuzung eins und Kreuzung zwei?

Manchmal bleibe ich an einer Abbiegung stehen und unterhalte mich mit einem anderen Wanderer.
Jahre später sieht man sich vielleicht in einer vollkommen anderen Gegend wieder und setzt das Gespräch fort, als wäre niemals soviel Zeit vergangen.

Manchmal treffe ich liebenswerte Menschen und fühle, dass sie für längere Zeit Begleitung sein werden.
Manchmal treffe ich Energieräuber und merke viel zu oft viel zu spät, dass sie keine Begleitung, sondern ein Klotz am Bein sind.
Manchmal treffe ich auf Herausforderungen und wünsche mir, durchgehalten zu haben.
Manchmal gehe ich längere Zeit allein. Dann spreche ich vielleicht mit Vögeln. Insekten. Bäumen. Katzen.

Manchmal komme ich an und weiß nicht, warum ich so lange gelaufen bin.

14 März 2009

Aschenputtel ist auch nicht mehr die Jüngste

Heute abend war ich tanzen. Nach der Arbeit. Fast zwei Stunden lang. Die Veranstaltung heisst "Rock gegen Rheuma" und findet im Zwei-Wochen-Rhythmus in der Göttinger Musa statt. Das letzte Mal war ich vor sehr, sehr langer Zeit dort, was daran lag, dass ich erstens nicht motorisiert und darum auf Fahrrad oder den nicht sehr gut funktionierenden Öffentlichen Personennahverkehr angewiesen und zweitens immer kurz vor dem Aufbruch feststellen musste, dass ich eigentlich viel zu müde zum Tanzen war.

Heute war ich nicht zu müde. Ganz im Gegenteil, trotz 14 Kilometern in recht flottem Tempo und sechs Stunden Arbeit schrie alles in mir nach Bewegung. Also bewegte ich mich und mein Auto gegen 21.30 Uhr zum Ort der Rheumabekämpfung. Die Tanzfläche war relativ leer, und gleich beim zweiten Lied fanden meine Füße, dass es jetzt losgehen muss. "I heard it through the grapevine" von Marvin Gaye war mein Entrée. (Kennen Sie nicht? Dann gehen Sie besser nicht zu "Rock gegen Rheuma", sondern lieber zur Studi-Party. "Rock gegen Rheuma" ist für Erwachsene.)

Im weiteren Verlauf des Abends hoppste ich mich durch "Let the sunshine in" (Hair), "Sympathy for the devil", "Gamma Ray" und Artverwandtes. (Kennen Sie alles nicht? Fast jeder Sportverein bietet Bewegungsfrüherziehung an; vielleicht versuchen Sie es dort einmal?)

Und dann, nach "Gamma Ray", ausgespielt und mit einem großartigen Trommelsolo des DJs, beschloss ich, dass es nun an der Zeit sei, den Heimweg anzutreten.

Hier ist der Zusammenhang zur Überschrift zu suchen: Ich hatte zwar weder Erbsen noch Linsen sortiert, war auch nicht auf einem königlichen Fest, sondern einer Party für ältere Menschen über 30, und auf der Suche nach einem Prinzen bin ich schon überhaupt nicht, aber ich fühlte mich trotzdem wie Aschenputtel. Meine Schuhe habe ich zwar anbehalten, als ich ging. Es ist immer noch sehr feucht draußen. Tauben habe ich auch keine entdecken können. Aber trotzdem: Ich habe gearbeitet, bin zum Tanzen gegangen und dann schnell nach Hause gefahren. Wie Aschenputtel eben. Nur dass mein Pferd vier Räder und einen Dieselmotor hat.

Jetzt sitze ich in meiner Hütte - keine Tauben, keine Prinzen, aber auch keine Erbsen. Und die Fee darf nur dann kommen, wenn Sie mir ein Häuschen auf Kreta, ein Rennrad, einen neuen Laptop (bei diesem ist die Leertaste irgendwie berührungsunempfindlich), einen Hund, einen Esel, einen Verlag und einen Peugeot 206 cc schenkt.


Wie, die Fee behauptet, es gäbe gerade nur Prinzen? Weil Aschenputtel auch einen haben wollte und sie sich jetzt darauf eingestellt hat? Na und? Aschenputtel könnte meine Tochter sein! Soll die blöde Fee doch ihr den Prinzen geben und mir etwas Ordentliches!

13 März 2009

Sexappeal

... und Corsage lassen mich nicht los. Ich hätte nicht gedacht, dass soviel Interpretationsspielraum in einer grammatikalisch verkrüppelten Anzeige stecken könnte. Nachdem ich mich wegen "das Sexappeal" etwas beruhigt und den Text noch einmal in Augenschein genommen habe, stellen sich weitere Fragen.

Wenn ich dem Versprechen glaube, dass "mein echtes Sexappeal" - falls vorhanden - verstärkt werden kann und mich entscheide, bei "Hier günstig! " Hilfe zu suchen: Was teste ich dort? Die Corsage oder den Sexappeal? Gibt es bei denen einen Kerl, der mich sofort anspringt, wenn ich die Corsage anziehe und mir damit meinen neu erworbenen Sexappeal beweist? Oder ist die Corsage günstig, und testen muss ich dann selber?

Vielleicht arbeitet "Hier günstig!" ja mit FriendScout24 oder Parship zusammen; dann muss ich nach dem Kauf der Corsage dort auf Partnersuche gehen und gleich beim ersten Treffen mit einem potentiellen Tester mein neues Lieblingsdessou gemeinsam mit meiner Haut zu Markte tragen.

Angenommen, der Tester ist begeistert: Woher weiß ich, dass es an der Corsage liegt? Vielleicht hätte mein Sexappeal ja auch ohne ausgereicht?

Oder anders: Er mustert mich mit erschreckten Blicken und tut so, als sei er nicht mit mir verabredet. Liegt das dann an der Corsage, die er ja noch gar nicht gesehen hat oder daran, dass ich von vornherein keinen zu verstärkenden Sexappeal hatte? Das könnte ich nur herausfinden, indem ich mich nur mit der Corsage bekleidet zum ersten Treffen begebe. Und das wiederum könnte auf Seiten des Testers möglicherweise für Irritationen sorgen.

Für den Fall, dass der Tester aussieht wie eine Karre Mist: Reicht mein durch die Corsage verstärkter Sexappeal für zwei, oder sollte ich sicherheitshalber noch ein paar Gläser Scotch trinken? Oder darf ich um einen neuen Tester bitten?

Fragen über Fragen.

Am besten behalte ich meinen Schlafanzug an.

Das Sexappeal

Gerade sprang mich bei gmx.de diese Schlagzeile an:

Corsagen verstärken Ihr echtes Sexappeal!

Testen Sie einmal die Wirkung dieser erotischen Dessous hier günstig!

(Die Hervorhebung ist von mir.)

Ist es nicht schön, dass wir Frauen endlich unser echtes Sexappeal verstärken können? Das Sexappeal meins hat das auch dringend nötig. Es weiß nämlich nicht, ob es männlich, weiblich oder gar sächlich ist.

Bisher hatte ich immer gedacht, mein Sexappeal hätte keins Verstärkung not, aber nach Lesen dieses Anzeige bin ich klüger. Sexappeal meiniges braucht Corsage dringend. Kann es dann viel besser auf das Mann von gegenüber mit das sehr großes Sexappeal wirken.

Ich gehe jetzt nachn Aldi, gucken nach Corsage. "Zu Aldi!" "Echt, jetzt schon?"

09 März 2009

Brief an eine Kuh, die keine Liegestütz machen will

Liebe Kuh!
Blocksatz
Vor einigen Tagen hast Du mir gesagt, dass Du viel lieber eine Ziege wärest. Dein Euter nervt Dich, der Hängebauch auch, und auf diese ewige Widerkäuerei hast Du eigentlich auch schon lange keine Lust mehr. Sagst Du.

Du hast sogar im Brustton der Überzeugung behauptet, dass Du versuchen willst, Dich zu bemühen. Das finde ich großartig! Kühe sind normalerweise nicht so schnell von ihrer Wiese herunter zu bekommen. Das ist so ähnlich wie bei Deinen Verwandten, den Stieren: Bis sich so ein Stier bewegt, kann auch schon die eine oder andere Eiszeit ins Land ziehen.

Aber Du, Kuh, willst jetzt endgültig keine Kuh mehr sein. Du willst schlank sein. Nichts mehr mit auf der Wiese herumlungern und Gras fressen, nein, einen Ernährungsplan willst Du haben. Jetzt. Sofort!

Ein paar Wochen später allerdings stehst Du mir gegenüber, der Ernährungsplan hat irgendwie nicht funktioniert, weil direkt gegenüber Deiner Wiese so ein McDonalds ist und daneben eine Tankstelle mit einem viel zu großen Schokoladenangebot, und fragst mich, was Du tun sollst.

Ich sage: "Mach Liegestütz! Das macht zwar nicht sofort dünn, verarbeitet aber die vielen Würste besser."

Du fragst: "Geht das nicht netter?" und schaust mich vorwurfsvoll an.

Ich erkläre Dir sehr freundlich, dass eine unausgesetzt fressende Kuh, die keine Liegestütz macht, nun einmal früher oder später beim Schlachter landet. Weil sie fett genug ist, um das eine oder andere Würstchen abzugeben.

Du brüllst herum, dass Du mir gerade eine Mörderkohle bezahlt hast, um keine Liegestütz machen zu müssen.

Liebe, liebe Kuh - Du brauchst keine Liegestütz zu machen! Du darfst die Welt weiter mit Deinen dunkelbraunen Kuhaugen anschauen und bewegungslos in der "Tote-Kuh-Stellung" verharren. Aber wenn Du Deinen Kopf freundlicherweise ein ganz klein wenig mehr in den Nacken legen könntest... ?

10 Kilometer mit Kampfschwein

"Oh verdammt, das gibt nix mit der guten Zeit!" höre ich meinen Nachbarn rechter Hand stöhnen. Ich folge seinem Blick und denke mir: "Naja, vielleicht doch." Eigentlich denke das nicht ich, sondern das in mir wohnende Kampfschwein, das gerade die erste Steigung begutachtet.

Kurz darauf stellen wir beide fest, dass man erstaunlich schnell schwere Beine bekommen kann, ganz besonders, wenn man den Start fast verpennt hat, weil die Unterhaltung mit eben diesem Nachbarn rechter Hand so nett war, und sich jetzt durch den Pulk der am Anfang vernünftigerweise langsam laufenden TeilnehmerInnen hindurchwühlen muss. Was übrigens völlig vernünftig ist. Das Langsamlaufen am Anfang. Gerade habe ich gelesen, dass das Gehirn schnell zu dem Entschluss kommt, den Körper schonen zu müssen, wenn man es zu schnell angehen lässt. Kampfschwein ist da völlig anderer Ansicht. Es findet nämlich, dass wir am Anfang ordentlich Gas geben sollten, um überhaupt erstmal in Stimmung zu kommen. Bisher hatte es immer einen guten Riecher (obwohl es ein Kampf- und kein Trüffelschwein ist), also überlasse ich ihm die Führung und kämpfe mich durch den Matsch am Wegesrand weiter nach vorn. Meinen Nachbarn zur Rechten lasse ich zurück. Kurz.

Zwischen Kilometer 1 und 2, ich stelle fest, dass ich immer noch zu langsam bin, überholt er mich wieder. Wortlos. Mistkerl. Er hätte ja wenigstens "Hallo!" sagen können. Hat wahrscheinlich schon keine Puste mehr.


Es geht weiter bergauf. Wenn das so bleibt, wird es nix mit der guten Zeit, teile ich meinem Kampfschwein mit. Das antwortet: "Schnauze halten! Laufen!" Wir laufen.

Die ersten 7 Kilometer machen Spaß. Leider ist nur wenig Publikum an der Strecke, und die Diva in mir fängt an zu maulen. "Wofür tun wir uns das an, wenn keiner guckt?" "Naja, vielleicht wartet der Ex am Ziel, und der lobt uns bestimmt." erkläre ich ihr freundlich. "Und wozu soll das gut sein? Das ist der Ex!" antwortet Diva erbost. Kampfschwein erwidert: "Schnauze, alle beide! Lauft!" Wir laufen.

Angesichts eines längeren Bergabstücks bitten die Knie höflich, aber bestimmt um Schonung. "Du weißt, dass Du morgen arbeiten musst. Außerdem ist dies nur ein Testlauf. Also mach langsam!" Wir halten uns alle daran. Bis wir den Nachbarn zur Rechten in einiger Entfernung entdecken. Kampfschwein legt einen Zwischenspurt ein. Wir überholen. Wir sagen "Hallo!" im Vorbeilaufen. Soll er doch sehen (und hören), dass wir noch genug Puste haben.

Kurz nach Kilometer 7 (Der Statistiker in meinem Kopf hat gerade ausgerechnet, dass wir bei dieser Geschwindigkeit unter 50 Minuten bleiben können.) werden die Beine schwer. Passenderweise folgt ein längeres Stück bergauf mit Gegenwind. Mist. Schweinehund beißt die Zähne zusammen und kämpft sich hoch. Die Knie haben jeden Protest aufgegeben und funktionieren klag- und fast reibungslos. Die Diva schmollt. Guckt ja immer noch keiner. Ich gebe mich meinen diversen Anteilen hin und unterstütze unseren Kampfesmut mit der Filmmusik von Rocky IV - "There's no easy way out". Wir werfen jedenfalls keine Handtücher! Wir nicht!

Der letzte Kilometer. Das Ziel ist immer noch nicht zu sehen. Sind wir versehentlich auf die Halbmarathonstrecke geraten?

Vor mir läuft ein kleines Grüppchen in recht flottem Tempo. "Los, die schaffen wir noch!" schreit Kampfschwein mir ins Ohr. Ich renne weisungsgemäß schneller, und meine Atmung muss inzwischen wie das Schnaufen einer sehr alten Dampflok klingen. Das Grüppchen schaut auch recht erschreckt zur Seite. "Nein, Leute, ich sterbe nicht! Das klingt immer so, wenn ich mich anstrenge!"

Da, das Ziel! Nur noch zwei Läufer vor mir. "Los, gib Gas, Du Weichei, die schaffen wir auch noch!" schreit das Kampfschwein. Mit letzter Kraft lege ich noch einen Zahn zu. Aber die Jungs hatten auch Kampfschweine dabei.

06 März 2009

Ich habe zu schwere Schuhe gekauft!

Irgendwie sind meine Beine schwerer geworden seit gestern. Oder ich älter. Oder irgendjemand hat kleine Bleigewichte in meinen Schuhen versteckt.

Warum eigentlich berücksichtigen diese blöden Laufpläne nicht, dass der oder die Läuferin auch im Hauptberuf dauernd herumrennt? Wenn das nämlich so wäre, hätte niemand heute 16 Kilometer von mir verlangt. Garantiert nicht. Ich schon gar nicht.

Aber man kann ja auch nicht mittendrin aufhören. Wie sieht das denn aus? Dann denken doch alle, man wäre ein nichtsnutziges, präventionskursschnorrendes Weichei!

Also was? Also cool gucken, Steigung rein, Geschwindigkeit erhöhen und kurz sprinten. War zwar nicht der Plan, aber das weiß das meditierende, präventionskursschnorrende Weichei neben mir ja nicht!

Aua.

Elfenaufstand

Elfe 1: "Och nö, da kommt dieser blöde Peter Pan schon wieder und will spielen! Da hab ich jetzt aber echt keinen Bock drauf!"

"Hallo, ich bin's, Peter, der Junge, der nicht erwachsen werden möchte! Spielt Ihr mit mir?"

Elfe 1 (dreht sich um und denkt): "Wenn ich so tue, als ob ich ihn nicht sehe, geht er vielleicht wieder weg."

Elfe 2: "Verpiss Dich, ey!"

Peter Pan: "Aber Ihr müsst mit mir spielen! Ihr seid Elfen, und Peter Pan spielt mit Elfen. Sonst funktioniert ja das ganze Märchen nicht mehr!"

Elfe 1: "Mir doch egal! Ich will nicht mit Dir spielen. Ich will überhaupt nicht spielen! Ich will meine Ruhe!"

Peter Pan verzieht das Gesicht.

Elfe 2: "Fang jetzt bloß nicht an zu heulen, Du Weichei, sonst kriegste inne Fresse!"

Elfe 1 sehr leise zu Elfe 2: "Wollen wir den mal richtig piesacken?"

Elfe 2 sehr laut: "Au ja!"

Peter Pan: "Hä?"

Elfe 1 und Elfe 2 piesacken Peter Pan. Peter Pan heulend ab.

Elfe 1: "Komm, lass uns verstecken, dann findet uns keiner!"

Und so erklärt sich das Vorhandensein von dichtem Nebel - den haben Elfen gemacht, die keine Lust mehr auf Menschenjungs hatten und lieber allein spielen wollten.

05 März 2009

Nebellauf

Mit ein wenig gutem Willen ist da Sonne erkennbar. Wirklich. Gut, dass ich gestern nicht gelaufen bin; heute fühlen sich meine Beine viel besser an, haben sich erholt und wieder Lust auf Bewegung.

Rechts, da, wo immer dieser unentschlossene Hund erscheint (unentschlossen, ob er nett sein will oder lieber beißen), liegt heute eine kuhgefleckte Katze. Ich erkläre ihr, dass sie nicht weglaufen muss, auch wenn ich so hungrig schnaufe. Sie schaut mich skeptisch an, bleibt aber liegen.

Am Berg kann ich nichts mehr von der Umgebung erkennen; der Nebel hat seinen Weg nach unten gesucht und gefunden. Bäume sehe ich erst, wenn sie direkt vor mir auftauchen, und wo ich mich befinde, weiß ich nur, weil ich diese Strecke schon so oft gelaufen bin.

Die Gedanken rasen in meinem Kopf. Im iPod gibt es "Father and Son", und ich singe laut und inbrünstig mit. Der Typ vom Lieferservice, der am Eingang des Gänsehofes, der irgendwie gerade ohne Gänse, aber mit Pferden ist, steht, schaut erschreckt in meine Richtung. Ja, Hase, ich weiß, ich kann nicht singen! Aber ich singe gern! Lade einfach Deinen blöden Sprinter aus und fahr weiter!

Zwischen Gladebeck und Parensen schreien dann Rammstein in meine Ohren: "Mein Herz brennt!". Ich höre auf zu singen und werde lyrisch:

Mein Herz gehört mir.
Ich werde es nicht verschenken,
trotzdem mit dem Herzen denken.
Mein Herz ist nicht zu kaufen,
nicht zu gewinnen,
nicht zu verleihen.
Mein Herz gehört mir.
Nur mir.
Wage nicht, es zu stehlen!


Auf einmal erscheint im Nebel eine Gestalt. Noch so ein bekloppter Läufer. Wir lächeln uns kurz an, formen ein "Hallo" mit den Lippen und rennen aneinander vorbei. (Der muss neu auf der Strecke sein. Oder immer morgens laufen.)

Langsam macht es Spaß, den Nebel einzuatmen. Ich biege in den Feldweg ab, weiche einem wildgewordenen Trecker aus und singe wieder laut mit, als Robbie von "Eternity" erzählt. Irgendwo dahinten wohne ich.

Ich renne an den renitenten Gänsen vorbei, die ich schon ermordet und ausgeweidet auf den Tellern übergewichtiger Großfamilien wähnte. Sie zischen immer noch, und sie glauben mir immer noch nicht, dass ich sie nicht essen will.

Zuhause. Auspusten. Dehnen.

01 März 2009

Sport? Ich? Wieso?

Aha, da bin ich jetzt also. Der Rückenkurs. Die Frau, die da in den Raum gerast kommt, macht mir irgendwie Angst. Sieht erschreckend tatendurstig aus. Hoffentlich will die nicht, dass ich mich bewege; ich habe den ganzen Tag hinter der Theke gestanden und Gebäck verkauft. Mein Rücken tut weh, meine Beine sind schwer, und ich will liegen. Nichts sonst.

Och nö, jetzt erklärt die, dass wir uns irgendwelches "Handwerkszeug" holen sollen. ICH WILL MICH NICHT BEWEGEN! Jedenfalls nicht mehr heute. Kann die den Kram nicht einfach erzählen, und ich mache ein wenig die Augen zu?

"Zeigt mir doch mal, wie Ihr eine Kiste hochhebt."

Sie hat mich nicht angeguckt. Am besten halte ich mich weiter bedeckt.

"JETZT!!!"

Was schreit diese blöde Kuh so rum? Ich habe gearbeitet! Ich hatte keine Zeit, in irgendeinem Fitnessstudio Kaffee zu trinken und mich ein bisschen zu unterhalten. Ich habe die ganze Zeit gestanden. Nicht rückenschonend! Und ich werde den Teufel tun und jetzt noch irgendwelche albernen Bretter aufheben. Ich will liegen!

Nee, ne! Jetzt will die auch noch, dass wir alle Liegestütz machen. Weil wir ja diese albernen Muskeln brauchen. Habe ich gesagt, dass ich aussehen will wie diese Zicke? Will ich Muckis oder die? Nein, ich will keine, ich will meine Ruhe und dabei halbwegs brauchbar aussehen. Nicht so ausgezehrt und sportlich, nein, ich bin eine Frau, und ich stehe dazu! Und die Kisten trägt sowieso mein Männe. So!

Und wieso guckt die mich jetzt so böse an? Habe ich ihr irgendwas getan? Letzte Woche, bei der Entspannung, habe ich sie sogar gelobt, weil sie so schön monoton geredet hat. Aber heute... Die ist doch nur Fitnesstrainerin geworden, weil es für ein Zahnarztstudium nicht gereicht hat. Für einen normal arbeitenden Menschen hat die doch gar kein Verständnis. Und angeben tut sie auch noch mit ihrer Fitness. Ich wäre auch fit, wenn ich nicht den ganzen Tag hinter der Theke stehen müsste! Zicke!

Wenn ich bloß erst meine Krankenkassenbescheinigung hätte und hier raus wäre! Zwei Monate im Jahr müssen reichen. Echt jetzt.