30 Juni 2009

Übersprungkrams

Kennen Sie das? Sie sollten sich mit X auseinandersetzen, finden das aber entschieden zu anstrengend und beschränken sich auf U. Oder O. Oder irgendwas anderes.

Das ist in etwa so, als sollte eine Auftragsarbeit abgegeben werden: Erst starrt man stundenlang aus dem Fenster. Dann stellt man fest, dass genau dieses Fenster dringend geputzt werden muss. Und wenn man schon einmal dabei ist, kann man doch alle anderen gleich mit putzen. Und die Küche. Und das Parkett neu versiegeln. Was ist mit dem Auto? Braucht das nicht dringend Politur?

Was soll ich sagen? X wäre gerade sehr wichtig. Aber wenn ich mich damit auseinandersetze, könnte Z dabei herauskommen, und das will ich auf gar keinen Fall. Z könnte all meinen Problemen den Grund entziehen. Ich brauche meine Probleme!
Also kein X.
Vielleicht so ein klitzekleines Bisschen Q? Das tut nicht weh, und ich könnte so tun, als wäre es beabsichtigt. Mich so richtig hineinsteigern in dieses Q. Q könnte meine Rettung sein. Q ist besser als jeder blöde Prinz.
Oder doch lieber bei A bleiben? A kann ich. Vor allem weiss ich, dass nach A B folgt, und das vermittelt eine gewisse Sicherheit.
Was wäre mit G? Braucht kein Mensch.
Ich putze weiter Fenster.

Wenn ich diese Tätigkeit auf mein KfZ erweitere, könnte ich sogar für einen Sinn sorgen: Auto ist sauber, ich bin G. G ist so gut wie jeder andere Buchstabe auch.

Und wenn es dabei warm bleibt, wird mir endlich F.

29 Juni 2009

Prinz oder was?

Gestern abend, Blockhaussauna. Vor der Tür stehen keine Latschen, also werde ich die Einzige sein, mich wohlig ausbreiten, meine Füße hochlegen und sehr still vor mich hinschwitzen.
Ich öffne die Tür, lasse meinen Blick schweifen und bin etwas irritiert, als er an einem männlichen Wesen hängenbleibt, irgendwo zwischen 25 und 35 (Ich bin erstens kurzsichtig und zweitens ist es bekanntermaßen in Saunen dämmerig.), dunkelhaarig, einigermaßen gut beieinander. Ich sage trotzdem brav: "Hallo." Er ist ebenfalls brav und grüßt höflich zurück, womit meiner Ansicht nach genug Konversation betrieben wurde. Ich lege mich hin und schließe die Augen.

Tür auf. Romms. Tür zu. Romms. "Guten Abend!" kräht es unüberhörbar. Ich hebe kurz ein Lid und erblicke den Bademeister mit neuem Holz unter dem Arm. Warum muss der so brüllen? Er könnte doch einfach das Holz möglichst lautlos in den Ofen werfen und sich dann wieder verkrümeln. Ich schließe mein Auge wieder.
"Bitteschön!" kräht es kurz darauf. "Dankeschön!" antwortet das männliche Wesen etwas leiser.

Ruhe kehrt ein. Kurz.

"Sie haben aber ein schönes Tattoo." kommt es aus der Ecke gegenüber. Welches meint er? Und warum siezt er mich? Denkt er, ich bin eine überarbeitete Gymnasiallehrerin?
"Danke." antworte ich mit geschlossenen Augen.
"Hat das weh getan?" Nö, ne! Will er auch noch wissen, wie lange es gedauert hat und welche Geschichten dranhängen? Wie blöd ist das denn?
"Nein, kaum." antworte ich mit fest zusammengekniffenen Augen.
"Was issn das? Ne Schlange?" Er gibt nicht auf. Muss ich ihm erst so eine Kopfstütze vor den seinen werfen, damit Ruhe ist?
"Blumen. Große." Nein, ich mache meine Augen nicht auf!

Ruhe kehrt ein. Kurz.

"Ich hätte ja auch gern sowas. Aber das geht ja dann nicht wieder ab." Ups, da habe ich es doch tatsächlich mit einem kleinen Einstein zu tun. Ich muss kurz an Annett Louisan und einen Refrain denken: "Du hättst nur besser nichts gesagt!" In dem Lied geht es um ein männliches Wesen, das von begnadeter Schönheit, aber leider strotzdoof ist. "Ich halte still, Du hältst den Mund." singt sie weiter.
Allerdings werde ich nicht stillhalten! Im Gegenteil, vor meinem inneren Auge fangen die schon mehrfach erwähnten Äxte, Macheten und Kettensägen an zu kreisen. Aber ich halte meinen Mund. Ich schon!
Wenn das wenigstens ein ordentlicher Prinz wäre, knapp über 90 und mit viel Geld und ohne Angehörige. (Dass einer dieser schönen, tapferen Jungs auf dem weissen Pferd vorbeigeritten kommt, für mich den einen oder anderen Drachen bekämpft, Königreiche erobert, mit Juwelen um sich wirft, ein göttlicher Liebhaber ist und trotzdem mit mir in die Kiste will, kann ich mir nicht vorstellen.)

"Oh, meine Zeit ist um!" sprichts von Gegenüber. "Fein!" denke ich und halte weiterhin die Klappe. Bloß nicht ermuntern, das geht garantiert nach hinten los.

Er steht auf. Ich öffne ein Auge. Schöner Arsch. Aber der spricht ja leider nicht.

Ruhe kehrt ein. Endlich.

Kriegerinnen und Königinnen

Eigentlich heisst es "Krieger" und "König", und es geht um die männlichen Archetypen. Weil aber auch in mir ein Kerl steckt, übernehme ich sie einfach. (Das ist das Schöne an der Emanzipation: Wir nehmen uns, was uns passt und überlassen Abwasch, Müll raustragen und Geld ranschaffen den Jungs.)

Ein Krieger steht am Beginn der Reise. Er kämpft, opfert, leidet möglicherweise. All das tut er für ein bestimmtes Ziel.

Das mache ich auch. Ich gehe zwar nicht in den Wald, um dort zu grunzen und an wehrlosen Ästen zu rütteln, aber ich renne mir die Hacken ab für eine Minute schneller beim nächsten Halbmarathon, versetze am Steuer träumende Hausfrauen in Furcht und Schrecken und schüttele meine Faust gegen starrsinnige Rentner im Opel Vectra.

So ein Krieger ist beim Banküberfall vergleichbar mit dem zwischenhirngesteuerten Räuber: Er ist zuständig für Angst, Schrecken, Mord- und Totschlag. Er fuchtelt mit der Waffe und brüllt: "Alle auf den Boden, Gesicht zur Wand!" (Oder so ähnlich.)

Wenn er dann aber allein mit sich ist, kann es einem Krieger durchaus passieren, dass er bei Licht schlafen möchte, weil er sich dann sicherer fühlt oder sich versteckt, wenn jemand etwas von ihm verlangt, das er nicht zu können glaubt. Da er das natürlich nicht zugeben wird, manipuliert, trickst und schwindelt er.

Der König hingegen zweifelt, hadert und manipuliert nicht. Er hat es geschafft. Er gebietet über sein Reich und schaut seinem Gegenüber in die Augen, während er fordert, was ihm seiner Meinung nach zusteht. (Bestimmt kann er auch handeln...)

Der König hält immer sein Wort, und irgendwie ist er göttlich. Er ist derjenige, der den Banküberfall geplant hat, sich bei den Geiseln für die Unannehmlichkeiten entschuldigt, vom Bankdirektor freiwillig den Tresorschlüssel ausgehändigt bekommt und am Ende die sterblich verliebte Schaltermaus am Hacken hat.

Gut. Oder auch nicht.

Denn während der König herrscht, bin ich immer noch damit beschäftigt, ein Gebiet zu finden, über das ich herrschen könnte. Oder noch schlimmer: Mich zu fragen, ob ich denn ein Gebiet finden möchte, über das ich herrschen könnte, oder ob ich nicht viel lieber morgens ausschlafen will.

Zusammenfassend: Wenn es um Rennen, Boxen und Autofahren geht, bin ich eine echt großartige Kriegerin. Will jemand, dass ich ein noch nicht vorhandenes Gebiet verteidige, ziehe ich grunzend den wehrlosen Ast im Wald vor.

Königin? Ich? Nö.

Ist irgendwie noch zu früh.

Noch ein paar Schlagzeilen zur Steuererhöhung


CDU/CSU: Einig über Steuersenkungen

FOCUS Online - ‎Vor 48 Minuten‎
Die CDU- und CSU-Vorstände sind am Sonntag zusammengekommen, um über das gemeinsame Programm zu beraten. Laut Horst Seehofer sind sich beide Parteien darüber einig, in der nächsten Legislaturperiode die Steuern zu senken.

Merkels Fehlstart in den Wahlkampf

Financial Times Deutschland - ‎Vor 2 Stunden‎
von Claudia Kade (Berlin) und Peter Ehrlich (Washington) CDU und CSU wollten mit der frohen Botschaft von Steuersenkungen die Bundestagswahl gewinnen. Nur glauben sie selbst nicht daran.

Das spricht für sich und muss nicht kommentiert werden.

28 Juni 2009

Jahrestag

Wie jedes Jahr wandere ich langsam und in Gedanken versunken zu "unserer" Lichtung.
Wie jedes Jahr lege ich neue Steine auf Dein Grab.
Wie jedes Jahr halte ich kurz inne und gedenke Deiner.
Egoistischer Mistkerl.
Schmarotzer.
Versoffenes Arschloch.
Wie jedes Jahr beglückwünsche ich mich.
Wie jedes Jahr würde ich Dir gern
noch einmal
die Kehle
zerfetzen
und Dir
Dreck
in den
schreckensweit aufgerissenen
Schlund
schaufeln.

27 Juni 2009

Schlagzeilensammlung III - selbstgemacht

An der Fulda bei Kassel weidet gerade eine Schafherde, die nur aus Mutterschafen und Lämmern besteht. Und die Lämmer sind echt süß!

Auf dem Kerstlingeröder Feld bei Göttingen gibt es weisse Kühe, eine wunderschöne Bauernhofruine und sehr, sehr viel Ruhe.

Thomas Haas hat in Wimbledon das Viertelfinale erreicht - trotz seines hohen Alters von 31 Jahren und diversen Operationen und Verletzungen.

Menschen können sich ändern. Wenn sie es wollen. Das ist gut.

Laufen war großartig heute: Nicht zu warm, trotzdem immer mal wieder etwas Sonne zwischen den Wolken, kommunikative Kühe und nicht so kommunikative, aber inspirativ debile Spaziergänger mittleren Alters. (Ich tippe auf Northeimer Ureinwohner, die sich auf der Suche nach dem Wieterturm verlaufen haben - duck und renn.)

Garantiert sind heute eine Menge gesunder Kinder geboren worden.

Und vielleicht hat ein netter Mensch Oscar Lafontaine verprügelt. Oder Gerhard Schröder vor einen Phaeton geschubst. Oder Joschka Fischer zum Dauerlauf ohne Publikum gezwungen.

Angela Merkel und Barrack Obama haben sich lieb und beschlossen, das Klima zu retten. Vielleicht werden also doch ein paar Eisbären überleben.

Zum Schluss noch eine Bitte: Wenn Sie auf der neuen Egnatia-Autobahn in Nordgriechenland unterwegs sind, fahren Sie bitte langsam und halten Sie Ausschau nach Bären. Fünf (davon ein 15 Monate altes Junges) sind schon überfahren worden. Und Sie mögen doch auch Bären?
Besser: Fahren Sie gar nicht erst los. Bleiben Sie hier. Das ist gut für die griechischen Bären (Sie werden nicht von Ihnen überfahren.) und gut für die Eisbären (Weil Sie auf dem Fahrrad dem Klimaschutz und damit dem Erhalt der Eisschollen dienen.). Und hier ist doch auch sehr schön. Jedes Hier. Ist alles eine Frage der Sichtweise.

Schlagzeilensammlung II

Bei Quelle reicht es nicht mal für Telefon und Strom

WELT ONLINE - ‎Vor 3 Stunden‎

Das ist meines Wissens das alltägliche Geschäft eines Obdachlosen. Der Unterschied zu Quelle liegt in ein paar Peanuts. (Für Spätgeborene: Von "Peanuts" sprach der damalige Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef, als es darum ging, die in den Sand gesetzten Millionenkredite an einen gewissen Herrn Schneider zu rechtfertigen.) Natürlich sind auch die paar Millionen, die Quelle bräuchte, um wieder telefonieren zu können, für den aktuellen Chef, Herrn Ackermann (das ist der mit dem V-Zeichen), Peanuts.

Aber kommen wir zum Obdachlosen zurück. Möglicherweise hat auch er sein Leben ganz allein in den Sand gesetzt. Trotzdem kann er weder mit einer staatlichen Bürgschaft noch einem Milliardenkredit oder gar mit einer Erfolgsprämie des insolventen Ex-Arbeitgebers rechnen.

Wie ich auf den Vergleich mit Obdachlosen komme? Die sehe ich genauso häufig wie die Schlagzeilen über insolvente Konzerne und Ermittlungen wegen Korruption. Und glaube nicht, dass der bearbeitende ARGE-Beamte auf die Idee kommen könnte, dem scheidenden Vorstandsvorsitzenden die Bezüge zu kürzen - ganz im Gegensatz zum ALG-II-Empfänger, der tunlichst vermeiden sollte, sich eine bezahlte Tätigkeit zu suchen, wenn er nicht das Existenzminimum unterschreiten will.
Nein, ich bin und werde keine Linke-Wählerin! Zumindest dem ersten Augenschein nach beherrschen auch in den dortigen Führungsetagen Designeranzüge, Bodyguards und S-Klassen das Bild, was die Vertrauenswürdigkeit nicht signifikant erhöht.

Schlagzeilensammlung I

Guttenberg: Steuererhöhung ist Wachstumsbremse

sueddeutsche.de - ‎25.06.2009‎

Wirtschaftsweise erwarten Steuererhöhung nach der Wahl

ZEIT ONLINE - ‎25.06.2009‎

Unionsspitze fürchtet Debatte über Steuererhöhungen

ZEIT ONLINE - ‎25.06.2009‎

Kauder ruft die Union im Steuerstreit zur Ordnung

RP ONLINE - ‎Vor 19 Stunden‎

CSU-Chef Seehofer schließt Steuererhöhung aus

WELT ONLINE - ‎Vor 9 Stunden‎

Abgaben-Debatte „Die Steuererhöhung wird kommen“

FAZ - Frankfurter Allgemeine Zeitung - ‎Vor 2 Stunden

Ich erspare mir einen Kommentar und überweise sicherheitshalber ein paar übriggebliebene Euro auf mein Steuersparbuch, das ich 1990, als ein gewisser Herr Kohl versprach, die Deutsche Einheit könne ohne Steuererhöhungen finanziert werden, angelegt habe.

26 Juni 2009

Nachlese: 10.450 m Endorphinausstoß

Die Rede ist vom Göttinger Altstadtlauf. Die geschätzten MitleserInnen wissen, dass ich recht verzweifelt versucht habe, mein Übergewicht möglichst punktgenau loszuwerden und kläglich an meiner eigenen Disziplinlosigkeit gescheitert bin.
Natürlich habe ich prompt den Anmeldeschluss verpennt. Ich war ja damit beschäftigt, mit mir, meinem Schicksal und den überflüssigen drei Kilo zu hadern.
Am Sonntag vor dem Lauf entschied ich mich dann, trotzdem zu laufen, und sch... auf mangelhafte Vorbereitung und Übergewicht! Möglicherweise kann man ja auch Spaß haben, ohne in die Nähe der inoffiziellen Zielzeit zu kommen?

Nachmeldungen waren laut Käseblatt ab 16.15 möglich, also verabredete ich mich mit dem Lieblingsex in einem Straßencafé direkt vor den aufzubauenden Zelten. Um ganz sicher zu sein, dass ich wirklich nur für Spaß und nicht für Zeit laufe, bestellte ich mir einen großen Getreidemilchcafé und kippte alle Zuckertütchen hinein, die ich finden konnte. Als Lieblingsex dann mit der üblichen 20-minütigen Verspätung (gefühlt, vielleicht waren es auch nur 15, und er hatte mich gewarnt...) auftauchte, hatten wir beide Hunger. Ich entschloss mich erneut für "Mars Attacks" und "Schnappt Shorty", letzteres wegen der erhofften Spuren von übriggebliebenen Vitaminen.

Dann, später, meldete ich mich nach. Und weil ich arbeiten musste und noch keine Vordrucke vorhanden waren, tat ich das auf einem abgerissenen Zettel. Ich steckte die Startnummer in meine Tasche und vergaß die ganze Sache. Gehirn und Restkörper waren mit Verdauen beschäftigt. Örk.

Im Laufe des Abends tauchte dann - überpünktlich, weil kein Künstler - Lieblingsex Nr. 2 auf (Die Nummerierung der Liebsten ist übrigens eine ganz andere Geschichte, die auf gar keinen Fall erzählt werden will.) und behauptete, ich sei aufgeregt. Völliger Blödsinn! Mein Puls war noch unter 100!

Anklötern, Pulsmesser überprüfen, eine Menge trinken und mindestens dreimal den Waschraum aufsuchen lasse ich jetzt aus und mache beim Start weiter.

Da ich schon den einen oder anderen Lauf auf dem Buckel habe, starte ich aus psychologischen Gründen lieber weiter hinten. Es ist nämlich viel schöner, zu überholen als überholt zu werden.
Am Mittwoch klappte das nicht. Irgendwie war ich sehr weit vorn eingekeilt und hatte ernsthafte Sorge um meine Füße. Außerdem stand neben mir eine extrem untergewichtige (die Glückliche!) Dame, die sich kurz vor dem Lauf frisch parfümiert und onduliert haben musste. Sie roch, als wohnte sie in dem Laden, in den man hineinkommen und wieder herausfinden soll ("Douglas: Come in and find out!"), und mir wurde schwindlig.

Startschuss. Alles schoss an mir vorbei. Ich blickte auf meinen Pulsmesser und führte einen verzweifelten Dialog mit meinem Kampfschwein. "Okay, ich weiß, Du willst hinterher! Aber wenn Du jetzt ruhig bleibst, überholen wir die alle auf der letzten Runde! Versprochen!" Das war natürlich gelogen, aber Kampfschwein hat mir geglaubt und bis zur 6. Runde die Klappe gehalten.

Irgendwann zwischendrin fand so ein Schnösel, er müsse mir mitten in der Kurve den Weg abschneiden, um etwa eine Zehntelsekunde vor mir zu sein. "Arschloch! Hau ihn um!" schrie das Kampfschwein. "Den kriegen wir noch." erklärte ich. "Auf der Zielgeraden, wenn es ihm am meisten wehtut, dass ein kleinerer und weiblicher Mensch an ihm vorbeirennt und ihm heimlich den Stinkefinger zeigt..."

Bei Runde 2 dachte ich, dass ich mein Übergewicht merke, es aber trotzdem irgendwie sehr nett ist.
Bei Runde 3 dachte ich, dass ich jetzt gern ein Bier hätte.
Bei Runde 4 fand ich, dass es nur zwei schöne Orte gibt: Das Bett und die Massageliege.
Bei Runde 5 hoffte ich, dass ich mich verzählt hätte und aufhören dürfte.
Runde 6 war großartig. Ich bin gerannt, als wären drei Säbelzahntiger hinter mir her. In meinen Ohren dröhnte "Fame", und direkt vor mir war der Schnösel.

Das Ergebnis: 3 Minuten langsamer als letztes Jahr, was meine Übergewichtstheorie beweist, ein Lieblingsex Nr. 2, der mir erklärte, dass ich nur dann ökonomisch laufe, wenn ich renne und ein unglaublich leckeres Veltins (und noch eins und noch eins und noch eins) in der Badewanne.

Geblieben sind drei offene Fragen und eine Entdeckung:

  1. Warum überholt dieser Volltrottel so halsbrecherisch, wenn es doch um nichts geht?
  2. Wie kann ich auch langsam ökonomisch laufen?
  3. Wer nimmt meine überflüssigen 3 Kilo? (Ich lege auch gern eine Tafel Joghurette drauf!)
  4. Der Endorphinausstoß hält zwei Tage.

23 Juni 2009

Fremde Köpfe

Manchmal frage ich mich, was in manchen Köpfen vorgeht.
Doch es ist unwahrscheinlich,
dass ich es je erfahre.
Die meisten sind schon seit langer Zeit
mit Isolierband
umwickelt.

Aufstand der Pelzigen und Stachligen

Zur Zeit rennt ja gerade alles, was Beine hat, auf die Straße: Die Erzieherinnen, weil sie beschissen bezahlt werden, rennen zu Recht, wie ich finde. Herr Bsirske, BlocksatzFrau von der Leyen, Herr Gysi und Konsorten rennen auch, aber mehr wegen des Wahlkampfes.
Im Iran rennt man gegen einen eventuellen Wahlbetrug an und läuft Gefahr, erschossen zu werden, was ich sehr mutig finde. (Nicht das Erschossenwerden, sondern das Trotzdemrennen.)
Greenpeace rennt auf einen Reaktor und enthüllt ein Transparent. Gut so. Hätten sie das Mistding gleich abgeschaltet, wäre ich noch ein wenig zufriedener.

Ich renne auch, allerdings nicht auf die, sondern auf der Straße. Morgen ist Altstadtlauf. Ich werde versuchen, trotz Übergewicht, Spätfolgen der bereits erwähnten eingesprungenen Liegestütz (Und nein, La Guasa, ich wollte nicht im FlicFlac auf dem neuen Bürgersteig der Umgehungsstraße durch Galaxie Nr. 7 landen!), Trainingsrückstand und viel zu später Startzeit erstens überhaupt noch einen Startplatz zu ergattern, sondern auch noch entspannt, mit viel Spaß und freundlichem Gesichtsausdruck meine persönliche Bestzeit zu laufen.

Aber das meine ich alles nicht. Nachdem ich heute erst einen toten Igel am Straßenrand der B 3 entdeckt habe und dann eine junge Katze nur knapp dem Unfalltod durch einen Opel Corsa entgangen ist, habe ich ein wenig vor mich hin philosophiert.

Wäre es nicht schön, wenn auch die Pelzigen auf die Straße gingen? Den Verkehr blockierten?

Auf Kreta passiert so etwas dauernd: Auf einmal steht man mitten in einer Schaf- oder Ziegenherde und muss abwarten, bis alle eine ordnungsgemäße Wiese oder leckere Büsche gefunden haben.

In Kassel gibt es bereits marodierende Waschbärenbanden.

Stellen Sie sich doch einmal vor, Sie fahren zu schnell durch eine Tempo-30-Zone, und auf einmal sitzt ein Rottweiler auf Ihrer Kühlerhaube, knurrend und sabbernd. Und während Sie bibbernd auf Ihr Mobiles einhacken, kommen seine Kumpel: Pudel, Schäferhunde, Jack Russels, Rauhhaardackel, Labradore und haufenweise Mischlinge. Sie zerbeissen die Reifen Ihres Fahrzeuges und schicken sich dann an, die Scheiben zum Bersten zu bringen.
Was sollen sie auch sonst tun, um sich verständlich zu machen? Sie würden sie ja gar nicht beachten. Immerhin hätten Sie gerade fast einen Rottweiler überfahren, Sie elender Mistkerl!

Vielleicht tun sich demnächst auch Hasen und Kaninchen zusammen, suchen sich ein kleines Stück Landstraße und kötteln es voll, auf dass eine Menge Autos auf der Sch... ausrutschen und die Straße für ein paar Wochen gesperrt wird.

Statt Jagd auf Mäuse zu machen, könnten die Füchse sich in Mountainbikereifen verbeissen, die ihr Jagdgebiet zerfurchen. Möglicherweise finden sie ja auch Geschmack am gestürzten Radler?

Marder wären mit vereinten Kräften in der Lage, die Hälfte der Fahrzeugpopulation lahmlegen.
Harmlose Stubentiger werden zu Kampfkatzen, weil sie diese blöde Schmuserei nicht mehr ertragen.
Wellensittiche vernichten Müslivorräte.
Kanarienvögel sauen mit Honig herum.
Papageien fressen sich durch Antiquitäten.
Nerze werden wieder lebendig und würgen ihre Trägerinnen.
Igel bekommen härtere Stacheln, bringen Autoreifen zum Platzen und sorgen für natürliche Auslese unter den Autofahrern.

Eisbären fressen Forscher.
Grizzlys vergnügen sich mit Touristen.
Eichhörnchen fallen Kleingärtner an.

Also - ich fahre jetzt immer 30, wenn das irgendwo steht. Und ich bremse nicht nur für Männer, sondern auch für Tiere. Halten Sie also besser Abstand, wenn Sie hinter einem Peugeot mit Northeimer Kennzeichen herfahren, der erstaunlicherweise nicht tiefergelegt und ohne Spoiler ist, aber aus dem in voller Lautstärke "Faster. Harder. Scooter." dröhnt. Das bin dann ich.

20 Juni 2009

Nachgereicht: Leben eben

Leben auf meiner Landkarte

... ist ein langer Lauf am Fluss entlang.
... ist eine Schafherde, die nur aus Muttertieren und Lämmern besteht, fast frisch geschlüpft. Die Lämmer.
... ist ein dunkeloranger Sonnenuntergang vor meinem Dachfenster.
... ist Gegenwind, auf den ich schimpfen kann.
... ist ein Glas Blanc de Noir in der Badewanne.

Manchmal ist es auch eine Hand auf meinem Rücken, eine Kassiererin, die mir in die Augen schaut und lächelt, während sie "Hallo" sagt.
Es sind die vier faul herumliegenden Katzen auf dem Hof einer Freundin oder die sich unter meinem Balkon prügelnden Nachbarstöchter.

Glücklicherweise findet Leben auch bei schlechtem Wetter statt, vorausgesetzt, meine Augen können durch Regenschauer hindurchsehen, und ich fühle auch bei eiskaltem Ostwind Wärme auf der Haut.

Kitschig?
Möglicherweise.

Leben eben.

19 Juni 2009

Einbestellte Botschafter

Eine Nachricht des heutigen Tages macht mich nachdenklich. In der heutigen Onlineausgabe der Zeit steht geschrieben:
"Die britische Regierung bestellte den iranischen Botschafter in London ein. Damit reagiere man auf Chameneis Rede, in der dieser Großbritannien als "das Böse" bezeichnet hatte, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in London."
Dabei geht es mir nicht darum, dass irgendein Ayatollah irgendein westliches Land als "das Böse" bezeichnet hat. Das ist an der Tagesordnung, und solange besagter Ayatollah mit "das Böse" Freiheit, Unabhängigkeit, Emanzipation und freie Partnerwahl ohne vorheriges Kopftuchtragen meint, hebt sich nicht einmal eine meiner Augenbrauen.

Spannend finde ich das Einbestellen des Botschafters. Herr Steinmeier hat nämlich letzte Woche auch schon einmal einbestellt.

Finden Sie nicht auch, dass allein das Wort "Einbestellen" ein schlechtes Gewissen macht?

Ich persönlich denke dabei an erzwungene Gespräche mit dem Konrektor, weil ich mit dem Luftgewehr aus dem Toilettenfenster auf einen mir unangenehmen Lehrkörper gezielt habe und dabei erwischt wurde oder an das Einbestellen meiner Mutter in die Schule mit dem Vorsatz, ihr einzureden, ich könne nicht logisch denken. (So geschehen durch meinen ehemaligen Mathematik- und Physiklehrer, dessen Experimente des Öfteren den naturwissenschaftlichen Trakt der Schule in Gefahr brachten.)
Beim Zahnarzt wird man auch einbestellt und muss sich dann Wurzeln und Nerven und Zähne ziehen lassen, bevor die Spritze gewirkt hat.

"Einbestellen" ist kein schönes Wort.

Trotzdem würde es mich brennend interessieren, welcher Zahn einem einbestellten iranischen Botschafter, dessen Überzeugung rein beruflich die von der bösen abendländischen Gesellschaft sein muss, gezogen werden soll. Oder anders: Wie lange muss man ziehen, um eben diesen Zahn irgendwann samt Wurzel in der Hand halten zu können?

Ich bleibe dabei: Erstens möchte ich auf gar keinen Fall iranische Botschafterin (in welchem Land auch immer) sein, und zweitens will ich unbedingt wissen, wie mit einbestellten Botschaftern verfahren wird.

Vielleicht trinken die Jungs ja auch nur Tee, futtern Schnittchen und schimpfen auf Alice Schwarzer??

17 Juni 2009

Magenkribbeln

Da kribbelt etwas. Meine Vermieter haben inzwischen mit Erfolg Nexalotte Ameisenköder aufgestellt, also muss dieses spezielle Kribbeln in meinem Magen stattfinden.

Was könnte mir ein kribbelnder Magen sagen?

"Ich bin sternhagelvoll, und gleich spucke ich alles aus, was Du heute in mich hineingeschüttet hast! Plus fester Nahrung!"
"Ich war schon immer empfindlich, also pflege, kose, schone mich!"
"Ich habe Hunger!"

Vielleicht sagt er aber auch:

"Hast Du den gesehen?"
"Der hat Dich angelächelt!"
"Der flirtet!"
"Echt jetzt!"

Worauf der Teil meines Gehirns, der sich für Zwischenmenschliches zuständig fühlt, laut brüllt:

"Hinterher! Sofort!"
"Lächeln! Auf der Stelle! Nein, nicht dieses Scheissegalgrinsen, sondern ein ermunterndes, freundliches Lächeln!"
"Rede nicht soviel - gleich hier drüben steht ein Fettnapf! Sei einfach still und lächle weiter!"
"Augen auf, Wimpern drüber, klimpern!"
"Arschwackeln. Jetzt!"

Wäre alles möglich. Ist aber nach einem Butterbrot mit Käse in besagtem kribbelnden Magen höllisch anstrengend und wird deshalb vorerst unterlassen.

Schlafen oder Wachen? Kartoffelspalten?

Die zweite Frage habe ich mir heute Mittag gestellt, als ich mit knurrendem Magen und auf den chronisch verspäteten Ex wartend die Reste der 200g Zucker, die ich in meinen Getreidemilchkaffee getan hatte, auslöffelte. Eigentlich sollte es ja gesund sein heute. Vitamine, Spurenelemente, Mineralstoffe, das ganze Gedöns.
Trotzdem zogen mich die Worte "Mars Attacks", die für Kartoffelspalten in Kräuterschmand stehen, magisch an.
Ex kam und erklärte, dass er gerade gefrühstückt hätte. Ich verkniff mir die Frage, warum ich dann die mich umgebenden 300 Quadratmeter mit meinem Magenknurren belästigt hatte, und bestellte mir den Kompromiss: "Mars Attacks" und "Schnappt Shorty", den kleinen gemischten Salat.
Örk.
Aber sehr, sehr lecker.

Nach regem Austausch von Liebeslust und -frust und einem weiteren Getreidemilchkaffee rannten wir zum Auto. Er war in Eile. Ich auch.
Und was passiert, wenn zwei Personen in Eile sind? Eine dritte ist es nicht. Die Hausfrau, die vor uns an jeder Stelle, die für einen Schwertransporter mit Überbreite möglicherweise hätte eng werden können, eine Vollbremsung machte, hatte ebensoviel Zeit wie der Frührentner im Ford Escort, der der Ansicht war, dass drei Meter Abstand viel zu wenig seien, um einen Müllwagen zu überholen.
Ex fluchte und schickte sich an, sein Fahrzeug zu verlassen, um den Frührentner zu verhauen. Ich erklärte schüchtern: "Aber ich kann doch zur Not laufen!"
Glücklicherweise bewegte sich der Müllwagen, und wir konnten den Frührentner passieren.

Kurz darauf stürzte ich in die Praxis, erklärte (noch relativ atemlos), warum mir jetzt andere Körperteile weh taten als die ursprünglich zu bearbeitenden (nämlich wegen der albernen Liegestütz) und überließ mich der Kompetenz des Menschen, der meinen Leichtsinn und meine gnadenlose Selbstüberschätzung ausbügeln sollte.

Ich hätte so schön schlafen können, wenn er erstens nicht immerzu gefragt hätte, wie es sich gerade anfühlt und ich zweitens nicht so sehr damit beschäftigt gewesen wäre, meinen Bauch einzuziehen und "Mars Attacks" in Begleitung von "Schnappt Shorty" zu tarnen. (Nichts gegen Entspannung, aber wenn es dabei sichtbar wöbbert und ich nichts dagegen tun kann, lebe ich lieber mit einer Verspannung als mittschiffs größere Hautfalten zu versammeln.)

Zugegeben, verpassen wollte ich auch nichts.

Also wach bleiben. Bauch einziehen. Vorteilhaft aussehen. Trotz Kartoffelspalten.

Das Leben kann anstrengen, insbesondere solch reflektierte und ausschließlich auf innere Werte bedachte Menschen wie mich.

Außerdem macht Atmen bei eingezogenem Bauch keinen Spaß...

Eingesprungene Liegestütz und Akzeptieren der natürlichen Auslese

Wenn alles normal laufen würde und es keine hochattraktiven Osteopathen mit heilenden Händen gäbe, wäre ich längst Madenfrühstück, denn ich habe meinen sportlichen Zenit überschritten und leide an den Folgen.

Das hat mich allerdings nicht daran gehindert, mit meiner offensichtlich nicht mehr vorhandenen Körperbeherrschung angeben zu wollen: Im Rahmen einer Übungsstunde beschloss ich, meinen ehrfürchtig staunenden Teilnehmerinnen zu zeigen, wie eine eingesprungene Liegestütze früher, als mein Körper mir noch gehorchte, ausgesehen hatte.

Leider kann ich sie nicht mehr, weil eben dieser Körper seit geraumer Zeit meinem Kopf die Gefolgschaft verweigert.

Nachdem ich elfengleich durch die Luft gesegelt war, schlug ich auf - und die Erschütterung bohrte sich in meine Wirbelsäule wie der Dolch des Königsmörders. Es schepperte und krachte rückwärtig, und mein erster Gedanke war: "Au." Der zweite: "Die Wahrscheinlichkeit, dass ich jetzt nicht wieder hoch komme und meine Teilnehmerinnen mich in genau dieser entwürdigenden Position in die Notaufnahme tragen werden, ist relativ groß."

Dann aber kämpfte ich mich lächelnd in eine aufrechte Position zurück und verließ ebenso lächelnd und mit der Versicherung, alles sei in bester Ordnung und ich probierte nur einen neuen Gang für Germanys übernächstes gealtertes Topmodel die Halle und den Ort meiner Kapitulation vor dem Alterungsprozess.

Zur Zeit übe ich die Stufenlagerung, drücke ein in der Mikrowelle erwärmtes Körnerkissen in mein Kreuz und hadere mit einem Schicksal, dass mir zwar eine Menge Ehrgeiz, aber keinen dem entsprechenden Körper mitgegeben hat.

Aber sobald ich mich wieder bewegen kann, übe ich Liegestütz! Versprochen.

16 Juni 2009

Projekt: 4 Kilo in 18 Tagen

... ist beendet. Erstens hatte ich Hunger, zweitens habe ich bei diesem Mistwetter ohnehin keine Lust zu laufen und drittens macht nur das dick, was mit schlechtem Gewissen gegessen wird.

Die Chips zur DVD waren unglaublich lecker! Auch die Puddingschnecke hatte etwas Tröstendes. Außerdem ist abnehmender Mond.

Guten Appetit!

13 Juni 2009

Man kann nicht immer abnehmen, ab und zu muss man dichten. Frau auch.

Du kannst tun, was Du willst.
Du kannst sein, wer Du willst.
Du kannst sagen, was Du willst.
Du kannst gehen, wenn Du willst.
Du kannst geben, was Du willst.
Du kannst sein, wo Du willst.
Du kannst glauben, was Du willst.
Du kannst bleiben, wenn Du willst.

Ich bin.
Bei Dir.

Projekt: 4 Kilo in 18 Tagen. 7. Tag.

Verständlicherweise sorgt mein Kreisen um Gewichtsverlust für Irritationen. Die Erklärung ist ganz einfach: 2 min. 44 sec.
Das ist die Zeit, die mich mein Übergewicht kostet, berechnet auf meine aktuelle 10-km-Bestzeit. Und deshalb müssen diese 4 kg oder 2 min. 44 sec. weg bis zum Göttinger Altstadtlauf. Der ist am 24. Juni, und ich habe eine äußerst genaue Zielvorgabe.

Nein, ich möchte nicht auf den 1., 2. oder gar 3. Platz! Das wäre auch völlig unrealistisch; die Jungs und Mädels laufen in einer anderen Liga. Es geht um meinen ganz persönlichen Ehrgeiz und meinen noch viel persönlicheren Wettkampf mit mir selbst.

Sie laufen auch? Dann stellen Sie sich doch einmal vor, dass Sie beim Laufen 4 Kilo zusätzlich mitschleppen müssten. Das ist das, was ich tue. Und deswegen probiere ich die Bier-und-Bananen-Diät.

Bei der Gelegenheit musste ich heute feststellen, dass keine Bananen mehr da waren. Und dass Auberginen ein äußerst hinterhältiges Gemüse sind. Da steht ganz unschuldig im Rezept: "Die Auberginenscheiben in heissem Öl anbraten.". Verschwiegen wurde, dass die Dinger Öl aufsaugen wie ein trockener Schwamm. Und damit jeden Abnehmversuch verhindern, weil in jeder Scheibe (und ich hatte ca. 20!) auch ein paar Milliliter Öl stecken.
Aber lecker war es!

Doch das ist ein anderes Thema und soll ein andermal ausgiebig diskutiert werden. Für heute sind zwei Dinge wichtig:

  1. Ich bin nicht essgestört, sondern nur ein wenig gaga!
  2. Nachdem ich die Waage ein paarmal in der Wohnung herumgetragen habe, hat sie kapituliert und zeigte - trotz fettgetränkter Auberginenscheiben - 62,8 kg.
2a) Morgen kaufe ich neue Bananen und mehr Bier.

11 Juni 2009

Projekt: 4 Kilo in 18 Tagen. 6. Tag.

6. Tag, morgens: Ich steige auf die Waage, nachdem ich allen Ballast von mir geworfen habe. 61,7 kg. Großartig! Alles wird gut! Ich bin doch nicht fett!
6. Tag, späterer Vormittag: Anruf bei ER Nr. 1. Er glaubt mir nicht. Oder will er mir nicht glauben, weil er mehr auf barocke Formen steht? Mistkerl! Mir doch egal!
6. Tag, gegen Mittag: Wollte eigentlich gelaufen sein. Aber bei dem Dauerregen bekomme ich mich nicht motiviert.
6. Tag, früher Nachmittag: HUNGER! Da war doch dieses leckere Möhren-Walnuss-Brot. Nüsse sind gesund. Und wenn ich Honig drüberschmiere, sind sie bestimmt noch viel gesünder. Sollte ich diese Erkenntnis mal twittern, damit all die übergewichtigen Mittvierzigerinnen eine Chance haben, den teuren Termin beim Fettabsauger abzusagen?
6. Tag, nachmittags: Da waren doch noch so ein paar unglaublich leckere Vollkornbutterkekse? ... Hab sie!
6. Tag, früher Abend: Meine KursteilnehmerInnen leiden unter meinem Abnehmwahn. Aber solange sie nicht weglaufen oder umfallen, geht es ihnen gut. Hoffe ich.
6. Tag, etwa zur Tagesschauzeit: Gut, dass ich mein Auto dabei habe! Damit fahre ich jetzt ins Fitnessstudio und renne auf dem Laufband. Ist netter als nasse Natur.
6. Tag, in der Fitnesshalle: Boah, was isses hier voll! Und dann hat auch noch mein iPod beschlossen, ohne Strom zu sein. Spaß macht das ja gerade überhaupt nicht. Da ist nichtmals ein netter Glutaeus Maximus vor mir... Hunger. Aber nicht so doll. Vielleicht knacke ich ja morgen die 61 kg?
6. Tag, späterer Abend: Bin immerhin 40 Minuten gelaufen. Ohne Musik. Und habe mir vorgestellt, wie mein 45-jähriger Körper aussehen würde, wenn ich so einen makrobiotischen Scheiß essen würde wie Madonna. Bäh. Dann doch lieber die Bananen-Bier-Diät. Die funktioniert immer.

10 Juni 2009

Projekt: 4 Kilo in 18 Tagen. 5. Tag.

5. Tag, frühmorgens: Der Wecker klingelt. HUNGER!
5. Tag, 10 Minuten später: Wenn ich jetzt nicht sofort etwas zu essen bekomme, werde ich töten.
5. Tag, 2 Minuten nach den 10 Minuten später: Die Waage zeigt einen Gewichtsverlust von 1 Kilo seit Tag 1. (Dafür habe ich so gelitten?)
5. Tag, früher vormittag: Ich fahre mit dem Fahrrad zur Arbeit. Das gibt nochmal 200 Kalorien pro Strecke.
5. Tag etwas später: Es regnet. Dann nehme ich doch besser das Auto.
5. Tag, später Vormittag: HUNGER! Ich esse ein Müsli, obwohl ich kein frisches Obst habe. Aber das kann man ja durch einen ordentlichen Löffel Honig ersetzen. Ist auch vollwertig. Definiere ich wider besseres Wissen.
5. Tag, früher Nachmittag: Habe gerade Bananen, Kirschtomaten und Trinkjoghurt gekauft.
5. Tag, etwas später: Trinkjoghurt war lecker. Aber so ein Burger... (Innere Stimme: "Schnauze! Du bist Vegetarierin!!!" Wirkt hysterisch, die innere Stimme.)
5. Tag, noch etwas später: Milchkaffee mit dem Lieblings-Ex. Den Zuckerstreuer habe ich gleich verhaftet. Und den Keks des Ex solange fixiert, bis er ihn mir freiwillig überlassen hat.
5. Tag, abends: Eigentlich hätte ich ja jetzt noch gelaufen haben wollen... Uneigentlich will ich jetzt viel dringender ein Feierabendbier. Oder zwei. Oder drei.
5. Tag, kurz vor dem Schlafengehen: Kefir, Trinkjoghurt, zwei Bananen, zwei Cocktailtomaten und vier Bier - wehe, ich habe morgen nicht abgenommen!

Projekt: 4 Kilo in 18 Tagen. 4. Tag.

4. Tag, viel zu früh morgens: Der Wecker klingelt. Was soll der Scheiss?
4. Tag, 10 Minuten später: Ich habe gesnoozt. Eigentlich könnte ich aufstehen. Sieht auch relativ freundlich aus draussen. Vielleicht mal morgens laufen?
4. Tag, vormittags: Naja, war auch nicht so dringend mit dem Laufen. HUNGER!
4. Tag, später Vormittag: Der Mensch, der sich diese Mengenangaben ausgedacht hat, muss ein Asket sein. Ich habe gerade eine 4-Personen-Portion Porridge mit zwei Bananen, sehr viel Honig und einem Honigbrot zum Nachtisch gefrühstückt. Was völlig in Ordnung ist. Ich mache ja heute viel Sport. Später.
4. Tag, früher Nachmittag: Spiegelei hatte ich auch schon lange nicht mehr. Sport mache ich dann später.
4. Tag, später Nachmittag: Blödedämlichermistgegenwind! Bei dem Wetter sollte niemand laufen müssen. Schon gar nicht mit so einem Hunger!
4. Tag, früher Abend: Habe tapfer durchgehalten. Kein Alkohol, nur eine halbe Packung lecker Vollkornbutterkekse (Aber die habe ich mir wieder abgelaufen. Echt jetzt!) und ein Riesenloch im Magen. Bin stolz auf mich.
4. Tag, später Abend: Immer noch alkoholfrei. Ovomaltine war aus. Nutella habe ich gestern ausgelöffelt. Ab ins Bett, von Currywurst träumen!
4. Tag, nachts: HUNGER!!!

09 Juni 2009

Projekt: 4 Kilo in 18 Tagen. 3. Tag.

Tag 3, sehr früh morgens: Hunger!
Tag 3, immer noch sehr früh: Er macht Milchkaffee. Den Zuckerstreuer gebe ich nicht wieder her! Und wo ist die Sahne?
Tag 3, vormittags: Schon wieder Hunger. So wird das nie was mit dem Abnehmen. Andererseits - Hunger ist ein Zeichen dafür, dass ich zuwenig gegessen habe. Und das ist ja wieder gut.
Tag 3, später Vormittag: Nach ausgiebigem Einkauf vieler gesunder Lebensmittel entscheide ich mich für ein Nutellabrot. Ein zweites wäre ja auch nicht schlecht... Nach dem dritten gebe ich auf und hole mir einen Teelöffel.
Tag 3, fast schon Mittag: Nutella ist aus. Örk.
Tag 3, früher Nachmittag: Schnell zum Sport. Habe schon wieder Hunger.
Tag 3, beim Sport: Blöd. Habe meine Musik vergessen. Ohne Musik ist Sport blöd und macht keinen Spaß. 30 Minuten müssen reichen.
Tag 3, Feierabend: Da waren doch noch irgendwo Nudeln? Und wo ist diese leckere vegetarische Bolognese? Für den Fall, dass ich nicht satt werde, mache ich sicherheitshalber sehr, sehr viel Parmesan drauf. So ein Burger wäre ja auch fein. Aber ich bin doch eigentlich Vegetarierin???
Tag 3, etwas später: Örk. Dabei wollte ich doch Salat essen. Blöd. Dann kann ich mir jetzt auch die Ovomaltinedose aus der Küche holen. Ist jetzt eh egal.
Tag 3, Schlafengehenszeit: Naja, soviel gegessen habe ich auch nicht... Trotzdem - die Waage lasse ich morgen lieber weg. Es gibt keinen Ort, der weniger als zuviel anzeigen wird.

Projekt: 4 Kilo in 18 Tagen. 2. Tag.

Tag 2, irgendwann morgens: Boah, wat war dat anstrengend gestern! Und beim Skat verloren habe ich außerdem! Wieviel Blödsinn entsprang meinem alkoholisierten Gehirn?
Tag 2, noch etwas später: Mir ist nicht gut.
Tag 2, eher Mittag: Das war gut! Aber jetzt bin ich wieder müde... Und hungrig...
Tag 2, früher Nachmittag: Frühstück, bestehend aus als Vollkorn verkleideten Brötchen, Butter, 2 Eiern, viel Marmelade und noch mehr Milch. Natürlicher Fettanteil. In der Milch. (Na gut, nach so einem Abend ist man eben willenlos.)
Tag 2, nachmittags: Kaffeetrinken. Mit selbstgemachtem Erdbeerkuchen. Leider schaffe ich nur ein Stück, weil mir immer noch so kodderig ist. Trainieren fällt aus. Will schlafen.
Tag 2, später Nachmittag: Mir ist nicht gut.
Tag 2, früher Abend: HUNGER!
Tag 2, etwas später: Wo in dieser verdammten Stadt gibt es eine Tankstelle, die Pizza, Cola und Chips verkauft? Und Eis?
Tag 2, abends: Örk.
Tag 2, später Abend: Habe Rückenschmerzen wg. stundenlangem Rumliegen auf jetzt nicht mehr bequemer Couch. Ob ich ein paar Erdbeeren esse? Oder ein paar Löffel Ovomaltine?
Tag 2, noch später: Bin müde. Weil Vollmond ist, kann ich nicht schlafen. Hunger habe ich außerdem. Ich gehe lieber erstmal nicht auf die Waage.

Projekt: 4 Kilo in 18 Tagen. 1. Tag.

Was machbar ist, wenn man es hält wie Reneé Zellweger: Mit Spaß anfressen und mit Kohlsuppe wieder loswerden.
Nicht meine Lösung. Erstens hatte ich beim Anfressen ein permanent schlechtes Gewissen und zweitens kann ich den exzessiven Genuss von Kohlsuppe den Menschen in meiner näheren Umgebung nicht zumuten. Und davon gibt es viele, wenn ich nicht zuhause bin.

Tag 1: Gut. Viel bewegt, wenig gegessen. Keinen Hunger.
Immer noch Tag 1: Vielleicht ein kleines Bierchen zum Feierabend? Das ist in Ordnung, wenn ich nur eine Banane dazu esse. Wirklich!
Tag 1, später am Abend: Habe ja schon lange nicht mehr Skat gespielt. Und dann dieses unglaublich leckere, natürtrübe Bier aus der Flasche mit Bügelverschluss! Prost!
Tag 2, früher Morgen: Müde. Trunken. Örk. Nix gegessen, aber ca. 72.000 Kalorien in flüssiger Form eingenommen. Nochmal Örk.

05 Juni 2009

Erinnerungen

Ich erinnere mich.
Erinnerst Du mich auch?

Dämmerung

Der Himmel
weigert sich,
diese Welt zu verlassen.
Und sei es nur
für eine Nacht.

Er verlässt den Raum,
rotgolden,
verschwommenblau.

Später kehrt er zurück,
sternenschwer.

Es dämmert.

Und da ist es passiert: Mir fällt nichts mehr ein. Viel lieber möchte ich ins Bett gehen mit diesem Stephen King, der vielversprechend anfing und den ich nur fertiglese, weil es eben ein Stephen King ist und ich hoffe, von seiner Schreibe lernen zu können.

Vor meinem Dachfenster malt der Himmel gerade in einer Mischung aus Picasso und Dali.

In meinem Kopf sind ein paar wirklich schöne Gedanken.

In meinem Glas befindet sich noch für kurze Zeit ein unglaublich leckerer portugiesischer Vinho Verde.

Ich würde gern so schreiben können wie eine gute Malerin. Dann hätte ich Worte für das, was ich gerade sehe.

Schreibdruck

Ich muss jetzt ganz viel schreiben.

Allein dieser Satz beinhaltet eine Menge Probleme. Erstens fängt er mit "Ich" an. Das tut man nicht. Im ersten Satz darf man irgendwo weit hinten ein Ich unterjubeln, aber nicht im ersten Wort. Da weiß doch gleich jeder, dass man ein egoistisches Wesen ist, das sich für den Rest der Menschheit nur dann interessiert, wenn dieser einen roten Teppich ausrollt und vor Verzückung in Ohnmacht fällt.
Bisher sind erst zwei Menschen wegen mir in Ohnmacht gefallen: Beides waren Teilnehmerinnen, die zuwenig gegessen hatten und trotzdem der Ansicht waren, wild herumspringen zu müssen.

Zweitens kenne ich mindestens einen Menschen, dem diese Eröffnung bestätigt, dass ich eine echt üble Rampensau bin, die sich niemals nach anderen umsieht und immer nur darauf achtet, gut auszusehen.
Glücklicherweise kennen Sie mich nicht, sonst hätten Sie mich schon mehr als einmal vor einem Schaufenster ertappt, während ich die Dicke meiner Rettungsringe überprüfe.

Drittens muss ich jetzt schreiben. Müssen ist immer irgendwie anstrengend, und ich will mich nicht anstrengen. Gar und überhaupt nicht.

Viertens verlangt dieser Satz kreativen Einsatz von mir. Und von Kreativität bin ich gerade soweit entfernt wie von meinem Idealgewicht, einer guten Zeit beim 10-km-Lauf oder meiner Jugend.

Also wundern Sie sich bitte nicht, wenn ich ab jetzt nur noch Mist schreibe. Es geht ausschließlich um die Quote. (Und hier nähern wir uns dem Europaparlament.)

P.S.: Wussten Sie übrigens, dass Frau Dr. Silvana Koch-Mehrin, die für die FDP mit dem Slogan "Leistung muss sich wieder lohnen!" kandidiert, als Debatten-, Ausschuss- und Parlamentsschwänzerin enttarnt wurde? Liebe berufstätige Mütter, machen Sie sich keine Sorgen, dass Sie nicht leistungsfähig wären - Ihr einziger Fehler besteht im Nichtvorhandensein eines Parteibuches und einer Kinderfrau. Lassen Sie sich das von Frau Koch-Mehrin oder Frau Von der Leyen erklären.

01 Juni 2009

Das Brötchen

Heute habe ich das erste Mal seit sehr langer Zeit "richtig" gefrühstückt. Mit Brötchen, Ei, Butter, Käse, Marmelade und allem Gedöns. Mein Frühstückspartner hatte die sehr interessante und mir bis dato noch unbekannte Angewohnheit, seine Brötchen nicht nur in Ober- und Unterhälfte zu unterteilen, sondern die entstandenen Hälften noch einmal durchzuschneiden. Dann könne er mehr verschiedene Leckereien ausprobieren, erklärte er mir.
Das fand ich klug. Ich dagegen beschmiere mir ein Brötchen mit dem, wonach mir gerade der Sinn steht, atme es ein und giere schon nach dem nächsten. Vorausgesetzt, man hat keine Gewichtsprobleme, ist das eine sehr gute Taktik: Man isst einfach so schnell, dass der Körper keine Chance hat, irgendwelche Sättigungssignale auszusenden und kann so ebenfalls eine Menge Leckereien ausprobieren.
Nachdem ich zwei Brötchen vertilgt hatte, fand mein Frühstückspartner, dass er eigentlich satt sei, aber sehr gern noch etwas naschen würde. Zum Beispiel ein halbes Brötchen. Ich erklärte mich bereit, die zweite Hälfte zu übernehmen. Er fragte mich, ob ich oben oder unten bevorzuge. Ich erklärte ihm, dass es mir egal sei. (Wenn man so schnell isst wie ich, ist es das wirklich.) Das konnte er sich nicht vorstellen, und er fragte noch einmal nach. Es war mir immer noch gleichgültig. Allerdings kam mir der Gedanke, dass ich die Nahrungsaufnahme beschleunigen könnte, wenn ich mich für eine Hälfte entschied, statt auf ihn zu warten.
Als ich gerade "Unten!" sagen wollte, erklärte er mir: "Also, ich möchte Dich ja nicht drängen, aber ich habe mir gerade überlegt, dass ich eigentlich lieber Unten mag, aber das ist ja nicht soviel, weil ich so ungleichmäßig durchgeschnitten habe. Ich bin zwar nicht mehr so sehr hungrig, aber doch mehr, als dass mir Unten reichen würde. Oben ist irgendwie fluffiger und fülliger und vermittelt mir den Eindruck, als wäre es etwas mehr. Könntest Du Dir trotzdem vorstellen, Unten zu nehmen? Ich weiß, das ist weniger, aber es sind ja noch genügend Brötchen da, und es würde Dir kein Schaden entstehen. Wenn Du immer noch Hunger hast, nimmst Du einfach noch eins. Andererseits - wenn Du natürlich lieber Oben haben willst, nehme ich auch gern Unten, weil ich das ja ohnehin viel lieber mag, und schneide stattdessen noch ein weiteres Brötchen an, von dem ich Dir dann Unten geben würde, wenn Du willst. Was meinst Du?"
Ich habe nicht geanwortet. Ich konnte nicht antworten. Ich war ohnmächtig geworden, weil ich so lange nichts mehr gegessen hatte.