31 Juli 2009

So ist Läbben!

Stürmisch war es gestern. Erst blau, dann kühl. Bedeckt. Es hat meine im Werden begriffenen Zitronenbäume durchgeschüttelt.

Abends beruhigte es sich. Die Sonne kam unter den Wolken hervor, der Wind wurde zum lauen Lüftchen. Es gab ein Fest, und Hoffnungslosigkeit und Vergessenwerden wurden von zuhause mitgenommen mit der Idee, sie irgendwo auf dem Weg abstellen zu können.

Mitgenommen wurde auch die beste Freundin, die immer noch zur gleichen Zeit die gleichen Stimmen hört und ähnliche Gedanken denkt; da waren andere, die noch Freunde werden wollen. Belanglosigkeiten. Trotzdem Austausch.

Heute schien der Himmel blau, und es tat, als wollte es ein Sommertag werden. Mittags kühlte es ab. Abends war es kühl. Aber es gab immer noch die gedankenlesende Freundin und die anderen. Gemeinschaft. Leben. Wärme trotz sommerlicher Kälte. Die Idee, dass Leben reduziert werden kann auf das, was es bietet:

Es schenkt Bierzapfen, Freundinnen, Wetter. Es schenkt Liebe. Diese Liebe wird manchmal erwidert. Manchmal auch nicht. So ist Leben. Es ist manchmal schön. Manchmal auch nicht. Meistens ist es. Und manchmal ist es sehr.

Wal, da bläst er!

Manche Menschen sehen auf dem Rücken liegend wie gestrandete Wale aus. Und sind ebenso hilflos, wenn es um Bewegung geht.
Im Grunde bräuchten sie einen selbstlosen Greenpeace-Aktivisten, der sie erlöst und mit all seiner Liebe zur Welt und dem auf ihr Kreuchenden und Fleuchenden in die Senkrechte befördert.

Gibt es jedoch gerade keinen selbstlosen Greenpeace-Aktivisten in der Nähe, ist die Fitnesstrainerin gefragt. Wobei niemand sie fragt, ob sie gefragt werden wollte, und ob sie nicht viel lieber einen knackigen 20-jährigen Körper noch hübscher machen möchte statt sich mit einem aussichtslosen 50-jährigen herumzuquälen. Nein, sie soll den aussichtslosen 50-jährigen Körper schön machen. Stark und begehrenswert. Und die Brille muss auch ab.

Das ist so wie Häuser bauen ohne Steine. Oder Auto fahren ohne Auto. Oder laufen ohne Füße. Oder so. Finden Sie Ihr eigenes Bild.

Da ist also dieser Wal. Dieser vergessliche Wal. Denn alles, was ihm heute geraten wird, hat er morgen wieder aus seinem Gedächtnis getilgt. Dieser Wal ist irgendwie strotzdoof. Schön sein will er trotzdem.

Was würden Sie mit diesem Wal machen?

Meine Idee: Lebertran. Der ist gesund und schmeckt wirklich besch... Das passt zum Wal: Der ist groß und dick und sieht wirklich besch... aus.

Und wenn Sie jetzt rufen: "Wal, da bläst er, und er trägt Pink!" wird der Wal Sie nicht mehr liebhaben.

Was tun?

Ich bin noch immer für Lebertran - angeblich soll man auch damit putzen können.

30 Juli 2009

Namenloser Liebhaber

Ich fühle Deine Arme
um mich herum,
spüre Deine Wärme
auf meiner Haut.

Kühle Wärme.

Ich lasse mich fallen
in diese Umarmung.
Bin ich.
Bin bei Dir.
Fühle Dich,
Vertraue Dir.

Du trägst mich,
flüsterst mir Liebesworte
ins Ohr,
bist bei mir,
wenn ich Dich brauche.

Ich breite meine Arme aus
und überlasse mich
Deiner Liebkosung.
Du bist.
Du bleibst.
Du wirst nicht fortgehen.

Du wartest auf mich,
gleichgültig, wie lange ich unterwegs bin.


Du kennst mich nicht.

Doch Du lässt mich
auf Deinen Wellen schwimmen.

29 Juli 2009

Fühlen?

Manchmal,
wenn ich mir vorstelle,
wie ich alle Gedanken

fallen lasse,
kann ich Dich fühlen.

Aber meine Gedanken
sind bei mir.
Immer.
Sie fallen nirgendwohin.
Ich fühle nichts.

Wer bist Du?

Wo?

Bist Du?

Ein wenig?

Wenn ich mich ruhig verhalte,
bin ich die,
von der Du träumst.
Vielleicht nur ein wenig.

Darf ich sein,
wer ich bin,
oder sollte ich mich besser ändern?
Ein wenig schon.

Du möchtest mich spüren,
erleben, wer ich wirklich bin.
Aber nicht zuviel.
Nur ein wenig.

Du willst von mir träumen,
doch Du siehst eine Andere.
Traumfrau?
Ich?
Weniger als ein wenig.


Xenos, Danke für die Inspiration!

Tod eines Fitnesstrainers

Er ist durchtrainiert. Er ist klug. Er weiß alles. Er redet unausgesetzt. Er ist gut. Der Beste. Er versteht die Frauen. Ein Blick von ihm, und sie liegen zu seinen Füßen, wahlweise ohnmächtig oder per Kniefall, denn er ist schön, charmant und eloquent.

Glaubt er.

Sie glaubt das nicht. Sie ist noch nie auf die Knie gefallen, wenn er den Raum betrat, und das findet er suspekt. Er ist verunsichert. Was hat er falsch gemacht? Alle anderen liegen doch schon? Sie muss böse sein, denn sie steht noch. Seine treuen Augen blicken traurig. Was hat er falsch gemacht?

Nichts.

Nichts, was er zu ändern in der Lage wäre.

Sie jedoch wird seinen Fehler korrigieren.

Als er das nächste Mal den Fitnessclub betritt, bittet sie ihn mit einem schüchternen Lächeln und einem bewundernden Augenaufschlag, doch nach Feierabend noch etwas zu bleiben, um die Differenzen auszuräumen. "Ich fand Dich schon immer großartig!" haucht sie. "Du bist stark, schön und eloquent, und ich bedaure es zutiefst, das nicht längst erkannt zu haben!"

Nachdem das letzte Mitglied den Club verlassen hat, verschließt sie die Tür, schenkt ihm ihr süßestes Lächeln und bittet ihn um Hilfe beim Aufräumen. "Danach würde ich sehr gern mit Dir essen gehen." strahlt sie ihn an.

Er ist ein Womanizer. Er weiß, was zu tun ist.

Sie bittet ihn um ein freundschaftliches Sparring. Er ahnt nicht, dass sie in ihrem Boxhandschuh Gewichte versteckt hat und geht schielend zu Boden. Jetzt muss sie ihm nur noch die Kehle mit dem Obstmesser durchschneiden und warten.

Er stirbt langsam. Röchelnd. Zweifelnd.

Später wird sie ihn gemeinsam mit der Reinigungskraft im Restmüll entsorgen. Die mochte ihn auch nicht.

28 Juli 2009

Du riechst schlecht.

Ich habe das falsche Duschgel gekauft! Es hieß, dass es wachmachen soll. Und das ist bei Menschen, die nach seniler Bettvermeidung frühmorgens aufstehen wollen oder müssen, sehr wichtig!
Heute habe ich es das erste Mal benutzt. Unter der Dusche roch es gut, nach Pampelmuse, Zitronengras und noch mehr erweckendem Gedöns.
Aber jetzt, eine halbe Stunde nach dem Abtrocknen, riecht es nach Dir!
Und ich sitze hier, trocken, unangenehm riechend und voller Mordlust. Wegen Dir. Mein Unterarm riecht nach Dir, die Ellbogenbeuge und der Oberschenkel. Irgendwie alles an mir. Oder anders ausgedrückt: Um mich herum ist DEINE Dunstwolke!

Wer hat dieses Zeugs erfunden? Soll ich ihn umbringen oder doch besser Dich? Der Erfinder kann ja nichts dafür.
Er hat garantiert niemals an Dir gerochen, denn dann wüsste er, dass Du nach schlechter Laune, Griesgrämig-, Wehleidig- und Erfolglosigkeit riechst und genau deswegen ein übler Neidhammel bist. Niemand will so riechen. Ich schon überhaupt nicht.


Wie würdest Du riechen, wenn Du tot wärest? Vermodert? Alt? Nach Laub? Herbsterde?

Egal. In diesem Moment, in dem ich mich sauber, frisch und bettfertig fühlen sollte, rieche ich nach Dir. Also kann ich nicht musikhörend ins Bett gehen. Ich muss aufstehen, mich verkleiden, mein altes, aber noch immer scharfes Küchenmesser und Deinen aktuellen Wohnsitz finden, um mich von Deinem Geruch zu befreien.

Du wirst mir die Tür öffnen - Du bist ein arroganter Mistkerl und wahrscheinlich der festen Überzeugung, ich wolle Dich und Deinen Geruch zurück.

Aber niemand wird Dich vermissen, wenn ich Dich erlegt habe. Auch Dein Geruch wird schnell vergessen sein.

"Eau de Griesgram" wird aus dem Programm genommen und durch "Misthaufen deluxe" ersetzt werden.

Du wirst keine Spuren hinterlassen. Nicht bei Douglas. Und schon überhaupt nicht in mir.

23 Juli 2009

Senile Bettflucht

... ist ja eigentlich die Bezeichnung für frühes Aufstehen älterer Menschen. Ich finde gar nicht erst den Weg hinein. Muss man das jetzt als "senile Bettverweigerung" bezeichnen?
iTunes spielt "Piano Music to Quiet Your World". Meine World ist extrem quiet, immerhin wohne ich auf dem Dorf, und die einzigen, die jetzt noch Krach machen, sind rivalisierende Katzenherren, denen man die Eier gelassen hat. Oder deren Geschlechtsgenossinnen im Kampf um das Vögelchen. Ansonsten ist es dunkel. "Dunkel wie im Bärenhintern", wie meine geschätzte Frau Mama zu sagen pflegt.

Und weil ich nicht schlafen kann bzw. will, schreibe ich. Möglicherweise völligen Blödsinn, Sätze, die die Welt nicht braucht. Da müssen Sie jetzt durch. Aber Sie können auch jederzeit beschließen, dass Sie nicht den Sinn Ihres Lebens mit Rest füllen wollen, sondern lieber den Rest Ihres Lebens mit Sinn. Dann sollten Sie aufhören, einen Sinn in meinen verbalen Bettfluchten zu suchen und irgendetwas tun, was Sie weiterbringt auf Ihrem Weg, wohin auch immer Sie gerade unterwegs sind.

Ich schreibe derweil mal einfach weiter. Meine beste Freundin hat mir vor ein paar Minuten geraten: "Geh ins Bett, und stell den Veterano wieder in den Schrank!" Blödsinn! Jetzt, wo ich nicht mehr telefoniere, merke ich auch nicht, dass das eine oder andere Wort nicht mehr völlig akzentfrei über meine Lippen kommt. Aber ohne den Veterano wäre mir jetzt schlecht. Ich war nämlich aus. Chinesisch. Und hatte - wie immer - einen brüllenden Hunger. Nachdem ich also dafür gesorgt hatte, dass morgen schönes Wetter ist, weil ich absolut alles aufgegessen habe, eine längere Strecke zu meinem Auto gelaufen bin und dabei eine Trainingstasche mit mir herumschleppen musste, in der irgendein übelwollender Zeitgenosse Wackersteine versteckt hat, und ohne einen nennenswerten Unterschied zwischen "Gib mir das Pfefferminzplätzchen, und ich platze." oder "Ich trinke noch schnell meine Cola Light aus und platze dann." feststellen zu können, fand ich, dass ein Verdauungsgetränk dringend notwendig sei.

Ich hatte die Wahl zwischen Wein, Sekt, Veterano, Sojamilch, Kaffee und Möhrensaft. Was hätten Sie gewählt kurz vor dem Schlafengehen?

Schade ist, dass es kein Gewitter gibt. Gestern abend war ich schon im Bett, als es weltuntergangsdonnerte. Ein Teil von mir wollte wieder aufstehen und Blitze gucken. Der größere wollte liegen bleiben. Und hat gewonnen.
Heute haben mir die KollegInnen berichtet, dass ich ein nahezu biblisches Gewitter verpasst habe. Blöd.
Aber immerhin hat es sich inzwischen etwas abgekühlt.

Jetzt stehe ich vor der Frage, ob ich mir eine Motivations-CD in den CD-Player packe, ins Bett gehe und auf eine ordentliche Arbeit meines Unterbewusstseins hoffe, iTunes weiterlaufen lasse und nachher von "Piano Music to Quiet Your World" geweckt werde, oder ob ich alle elektrischen Geräte ausschalte, mein Schlafzimmerfenster auflasse und darauf hoffe, trotz des Veterano eventuelle Anzeichen eines zweiten biblischen Gewitters wahrzunehmen. Was unwahrscheinlich ist. Wenn ich schlafe, schlafe ich. Versuchen Sie gern, das Haus unter meinem Glutaeus Maximus abzubauen - ich werde Sie nicht daran hindern, sondern allenfalls sacht schnarchen.

Sie fragen sich, warum Sie bis hierher durchgehalten haben und wo die Pointe ist?

Ich habe nie eine versprochen. Aber ein Test der persönlichen Durchhalte- und Leidensfähigkeit kann nie schaden...

21 Juli 2009

Desolate Körperteile

Der Oberschenkel tut weh. Myogelosen heissen die Verursacher. Die Achillessehnen zwicken auch. Schimpft sich "Chronisches Achillessehnensyndrom". Ist aber nicht so schlimm mit Kompressionssocken. Und zwickt nicht so oft wie der Oberschenkel.
Hatte ich den Rücken erwähnt? Großes Au! Wegen Hyperlordose und Osteochondrie. Oder so.

Den Kopf? Schwarze Leere! Namenlos.

Das Gehirn? Zugemüllt.

Glücklicherweise geht es der Leber großartig, und alle meine Sinne nehmen das Prasseln des Regens auf meinem Dachfenster wahr.

Aber das Allerallerbeste: Ich habe fast überhaupt keine Pickel. (Nur, wenn ich ganz genau hinsehe.)

Wo bist Du?

Bewegen.
Rennen.
Fühlen.
Mich.


Sagen.
Hören.
Verstehen. Fühlen?
Dich?

18 Juli 2009

Ein Anruf aus dem Off

Hier: Regen. Sturmböen.
Dort: Sonne. Geschichte.
Hier: 2fel.
Dort: 1amkeit.
Hier: Nur ich.
Dort: Nur Du.
Hier: Dunkelheit.
Dort: Sonne.
Hier: Schwere.
Dort: Leichtigkeit.

Ist es nicht immer besser dort, wo man gerade nicht ist?

Wer bist Du?

Fühlst Du mich?
Verstehst Du mich?
Hörst Du mich?
Siehst Du mich?

Sind Deine Worte meine?
Fühle ich Deine Welt?
Kennst Du meine?

Wer bist Du?

16 Juli 2009

Wer bin ich, und warum spielen meine Hormone verrückt?

Heute tobten in mir die männlichen Anteile. Trotz geflochtener Zöpfe. Ich habe die klassische "Tussi" gefunden und betitelt - sie stand mir im Weg; McDonalds-Speck mittschiffs, grenzdebiler Blick, hochhackige Schuhe und Wurst-in-Pelle-Leggings.

Mann, was war ich froh, dass ich ein Kerl bin!

Kurz darauf, männlich, um die 20 und im Doppelpack. Vor mir. Auf meinem Weg und mitten im Weg. Habe sie weggewedelt.

Was war ich froh, dass ich über vierzig bin und männliche Anteile habe!

Heute abend, eine Menge Hitzegeschädigter in der Sporthalle. Ich war nett. Sehr nett. Sehr ruhig. Sehr sanft.

Was war ich froh, dass ich Frau bin.

Noch später, rennend mit den neuen Kompressionssocken. Schnell. Ein wunderschöner Sonnenuntergang. Gedanken an den Liebsten, Freunde und Mama.

Schön, dass in mir Kerle und Frauen sind!

Gewünschte Traumpläne

manchmal,
wenn ich mir träume,
was ich mir wünschen
könnte,
oder
wenn ich plane,
was erträumt war,
wenn ich den Mut hätte
zu wünschen,
wird mir angst und bange.

denn was ich träume,
wünsche,
plane,
sind
träume,
wünsche,
pläne.

Ich bin Ich.
Wunschlos.
Planlos.
Ungeträumt.

15 Juli 2009

Stöckchenziehen und Fahrradschieben

... sind anstrengend, und das beweisen die angestrengten Gesichter der Entgegenkommenden.

Die Nordischen Spazierer, die Stöckchen hinter sich herziehen, sind besonders angespannt. Versuchen Sie einmal, einen Nordic Walker zum Lachen zu bringen! Das geht nicht, jedenfalls nicht, während er nordic walkt.
Erstens ist er damit beschäftigt, Körper und Stöcke irgendwie miteinander bekannt zu machen, und zweitens hat er gerade eine Mörderkohle für ein Equipment ausgegeben, das keine Krankenkasse bezuschusst. Das ist nicht zum Lachen!
Ganz davon abgesehen ist ihm natürlich bewusst, dass Sie sich gerade über ihn lustig machen.
Warum?
Weil das jeder tut, der nicht nordic walkt!

Dann gibt es die Familienverbände auf dem Rad: Papa, Mama und zwei bis drei Kinder. Papa ist normalerweise recht entspannt. Er fährt ja auch vorn, gibt das Tempo an, dem Mama und die Kinder nicht folgen können und ist deswegen immer als Erster zuhause bei Würstchen und Bier. Die Kinder sind verstört, weil sie so einen albernen Helm aufsetzen müssen und Papa nicht. Außerdem haben sie Kinderfahrräder und sind in ihren Körpern noch nicht zuhause. Also strampeln sie wild vor sich hin und haben dabei so ein diffuses Gefühl von "Ich kann das nicht. Warum kann Papa das?"
Mama hingegen bleibt bei ihrer Brut und hat einen Helm auf. Das erklärt, warum Mama nicht gut drauf ist. Sie fährt langsamer, als sie könnte, der Helm ist nicht kleidsam, und der Sozialpartner ist viel zu schnell. Sie weiß, dass sie für Verpflegung, Schwächeanfälle und das Erklären der StVO zuständig ist. Dabei kennt sie die nicht einmal.
Mama guckt, als würde sie nordic walken. Mama ist nicht glücklich.

Ich schon. Ich fahre in meiner Wunschgeschwindigkeit helmlos und stockfrei Fahrrad, wohlwissend, dass zuhause ein gekühltes Bier auf mich wartet und ich nicht gefragt werde: "Warum fährst Du so langsam, Mama?" oder "Was machst Du mit den Krücken? Du bist doch gesund!"

Tonexperimente

Die Töne tröpfeln noch immer.

Wenn ich meine Augen schließe,
kann ich sie sehen.
Morgenrötend.

Wenn ich meine Ohren öffne,
kann ich sie hören.
Abenddämmernd.

Wenn ich meinen Mund halte,
kann ich sie spüren.
Sommerwindig.

13 Juli 2009

La Guapa sei auf der Flucht

... wird behauptet. Dabei kämpfe ich gegen Knie, Hüftbeuger, debil grinsende N-heimer in tiefergelegten Gölfen und mit "Er-tut-doch-nichts-und-das-hat-er-noch-nie-gemacht!-Hunden" ohne Leine, winde mich durch pubertierende junge Damen in Presswurst-Jeans ohne Kontrolle über ihre Muskelfunktionen, schreie "Wech!!!", "Blödmann!" und "Augen auf, Schwachkopf!".

Aber ich bin nicht auf der Flucht! Dazu bin ich nicht schnell genug. (Ich wäre gern schneller, aber der Gegenwind lässt mich nicht.) Ich dölmere gemütlich vor mich hin.
Laufen geht nicht wegen irgendwelcher Knötchen im Illiopsoas. (Sie wollen wissen, wer das ist? Wollen Sie nicht!)


Ich hätte gern einen Hund. So einen kleinen, hyperaktiven. Dann könnten wir gemeinsam unser ADS pflegen: Er Hunde-ADS, ich Erwachsenen-ADS.

ADS? Erstens "Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom". Zweitens gern genommen, wenn die Kinder wieder nicht aufpassen. Dann gibt es eine ordentliche Portion Retalin, und schon funktionieren sie, die Gören.

Warum singt mir niemand ein Schlaflied?

Sie suchen nach einem Sinn? Einer Botschaft?

Gibt es nicht - ich dölmere nur vor mich hin. Retalin war aus.

11 Juli 2009

Seeleneinigkeit?

Wo bist Du,
während Du tust,
was ich sehe?

Was tust Du,
während Du siehst,
was ich fühle?

Wer bist Du?


Bist Du?

Wo?

Inspiration

Deine Töne
erspielen meine Worte.

Heute
spreche ich,
was Du spielst.

Ich schreibe,
was Du fühlst.

Ich fühle,
was Du berührst.

07 Juli 2009

Umschrieben ist schon fast umschifft

"Oben steht in großen Lettern "Hoffnungslosigkeit", und direkt darunter befindet sich eine Kiste Bier."
ist doch eine sehr schöne Beschreibung von
"Es geht mir beschissen, und deswegen saufe ich."

Ebenso funktioniert
"Das Glück rennt immer hinter mir her, aber ich bin zu schnell."
statt
"Ich habe nie Glück!"

Möglicherweise ist
"Er weiss noch nicht, dass er mich liebt."
besser für das Selbstwertgefühl als
"Er nimmt mich nicht wahr, obwohl ich immer direkt vor ihm liege."

Was halten Sie von
"Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluss."
im Vergleich zu
"Ich bin Beamter und mir ist langweilig!"

Oder
"An materielle Werte fühle ich mich nicht gebunden."
anstelle von
"Ich bin pleite und der ALG-II-Antrag ist noch nicht durch."

Alles geht schöner, besser, bequemer - ist nur eine Frage der richtigen Wortwahl.

Um tagesaktuell zu bleiben: "Michael Jackson war ein Genie." statt "Michael Jackson ist einsam und möglicherweise nicht besonders glücklich gestorben."

Noch aktueller: "Die Talsohle ist erreicht.", will heissen: "Jetzt geht es der Wirtschaft so richtig beschissen."

Allgemeiner? "Alles wird gut.", nicht "Jetzt ist es schlecht."

01 Juli 2009

Ich? Wer?

Gedanken. Ich und ein Schatten.
Ich vor langer, langer Zeit.
Eine Andere.
Voller Energie.
Lebensliebe.
Geschwindigkeit.
Das war damals.

Heute
bin ich
anderswo.

Töne in mir

Töne in meinem Körper,
gedankenverloren.
Hände fliegen über Schwarz und Weiss,
die Augen sind geschlossen.
Ich spüre die Wärme Deiner Fingerspitzen
auf meiner Haut.
Traurig.
Lebendig.

Kunst.
Kunst ist.
Kunst ist Herz.

Musik in meinem Kopf,
gedankengesammelt.
Hände streichen über Tasten,
der Körper in Bewegung.

Ich spüre den Rhythmus Deiner Hände
auf meinem Herzen.
Lebendig.
Glücklich vielleicht.

Musik.
Musik ist.
Musik ist Bauch.

Ich kann nicht anders:
Ich höre Dich
und spüre meine Tränen.