29 September 2009

Super-Learning

Ich habe mir eine CD gekauft. Darauf sei das gesamte Wissen versammelt, dass ich für die Überprüfung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie brauche. Heisst es. Auch die Kritiken derer, die "es" bereits geschafft hatten, waren durchweg positiv.
Super-Learning funktioniere deswegen so gut, weil sofort mit der akustischen Information in entspanntem Zustand (die ganze Zeit dudelt eine leise Musik im Hintergrund) ein geistiges Bild verknüpft werde.

"Großartig! Das ist Lernen für Faule!" dachte ich mir, und bestellte.

Möglicherweise funktioniert es auch. Leider kann ich es nicht überprüfen, weil ich nicht weiss, wie ich die Speicherkapazität meines Unterbewusstseins einzuschätzen habe. Noch weniger kann ich sagen, was mein Unterbewusstsein abgespeichert hat.

Hochmotiviert habe ich mir die CD auf meinen iPod kopiert und lege mich seit drei Tagen für 45 bis 60 Minuten (wetterabhängig) entweder auf den Balkon oder die Couch, um mir das erforderliche Wissen anzueignen. In der Einleitung heisst es nämlich: "Entspannen Sie sich, und hören Sie zunächst nur zu."

Habe ich gemacht. Beim ersten Hören kam ich über die Einleitungsentspannung nicht hinaus, weil ich umgehend eingeschlafen bin.
Beim zweiten Hören habe ich mir einen Schattenplatz auf meinem Balkon gesucht und mir suggeriert, dass ich jetzt nicht hier liege, um zu schlafen, sondern um zu lernen.
Das hat für ein paar Minuten großartig funktioniert, und bevor mein Erinnerungsvermögen aussetzte, habe ich darüber nachgedacht, was ich auf die Frage: "Warum wollen Sie Heilpraktikerin für Psychotherapie werden?" (Die anderen vier Fragen habe ich vergessen...) antworten würde.

Heute wären die ersten Teile der Multiple-Choice-Fragen drangewesen. Den Einleitungsteil habe ich sicherheitshalber übersprungen, weil die Entspannung möglicherweise wieder in Bewusstlosigkeit geführt hätte.

Als es um Anorexia Nervosa ging, wurde ich wach. Und wusste, dass ich die gesamte Abhandlung zur Psychoanalyse, Neurosen, Zwängen, Ängsten und Phobien verpasst hatte.

Glücklicherweise liegt der CD auch ein Heft bei, in dem man nachlesen kann, was man gerade wieder verpennt hat.

28 September 2009

Der Hund hat das Huhn gefressen!

Normalerweise war der kleine Racker immer an ihrer Seite, gleichgültig, was sie tat. Der Racker war ein vier Monate alter Schäferhund, der seit zwei Monaten alles Lebende im und um das Haus herum terrorisierte, zerkaute, was nicht in zwei Metern Höhe verstaut war und an dem die meisten Erziehungsversuche noch relativ spurlos vorübergegangen waren. "Sitz!" funktionierte recht gut, "Platz!" noch nicht, auf "Aus!" reagierte er, allerdings nicht allzu schnell und eher zufällig, wie böse Zungen behaupteten.

Heute, die Sonne schien, der ostfriesische Wind wehte über die vereinzelten Häuser, hatte sie beschlossen, ihre Wäsche nicht im Trockner, sondern an der frischen Luft zu trocknen.
Das hatte zwei Gründe: Erstens gab es dort, wo der Trockner stand, kleinfingergroße Käfer, zweitens fand sie den Geruch luftgetrockneter Wäsche angenehmer und hatte die Idee, dass auch der Sozialpartner eher dem Ruf eines nach frischer Luft duftenden Kissens als dem eines nach Weichspüler stinkenden folgen und - betört von "Eau de la Campagne" - seinen ehelichen Pflichten nachkommen würde.

Nach dem dritten Handtuch fiel ihr auf, dass es verdächtig ruhig war, niemand an ihren Füßen kaute, im Weg herumstand oder versuchte, ihr mit den Zähnen die Schuhe auszuzuiehen.

Sie schaute sich um. Der Racker war nicht zu sehen. Und das bedeutete in 90% aller Fälle Ungemach.

Sie verließ die Wäsche, ging ums Haus herum, warf einen Routineblick in den Hühnerstall und stellte fest, dass eines fehlte. Racker weg. Huhn weg. Sie sandte ein kurzes Stoßgebet in den quietschblauen Himmel: "Bitte lass es da keinen Zusammenhang geben!" und stürzte um die Ecke.

Und dort lag er, der Racker, hatte das Huhn wie einen Kauknochen zwischen seinen Vorderfüßen und war gerade dabei, dem Federvieh Bein Nummer eins auszureissen.

Frauchen brüllte siebenmal "Aus!", und als er das Bein amputiert hatte, gehorchte er prompt, ließ die Hühnerleiche liegen, wo sie war und marschierte ins Haus zum Fressnapf. Wahrscheinlich hatte die Beinkauerei Appetit auf eine ordentliche Mahlzeit gemacht.

Frauchen betrachtete den dahingeschiedenen Eierlieferanten, beschloss, Leichenbeseitigung sei Männersache und wandte sich wieder ihrer Wäsche zu, natürlich nicht, ohne den Racker wegzusperren. Die Leiche sollte möglichst im Ganzen bestattet werden.

Allerdings fand sie schon, dass das blöde Huhn selbst schuld hatte an seinem Tod - immerhin hatte es ja niemand dazu gezwungen, aus dem Hühnerstall auszubrechen und sich damit in Gefahr zu begeben.

Eine Obduktion wurde nicht vorgenommen, und so blieb die Todesursache zweifelhaft. Für Frauchen war jedoch klar, dass das Huhn sich beim Sprung über den Hühnerstallzaun den Hals gebrochen hatte und dem Racker schon tot vor die Füße gefallen war. Vielleicht war es auch einem Herzversagen erlegen. Einen Zweikampf Huhn gegen Hund, bei dem Huhn unterlegen war, hatte es mit Sicherheit nicht gegeben. Der Racker mochte Hühnerbeine ausreissen, ein psychopathischer Mörder war er garantiert nicht!

Diese kleine Geschichte ist eine ostfriesisch-südniersächsische Co-Produktion. Die mündliche Überlieferung stammt aus dem Norden, die Bearbeitung und einige (selbstverständlich unwahre) Ausschmückungen wurden im Süden Niedersachsens vorgenommen.

Nachtrag: Inzwischen ist man der Ansicht, das Huhn sei über den Zaun und direkt in den Rachen des mordlustigen Rackers gehüpft - es war nämlich nicht das erste Federvieh, mit dem er spielen wollte.

27 September 2009

Soviel Tag!

Eigentlich hat mein Tag spätabends auf der Autobahn angefangen. Erst ein Hörbuch, später, als ich das Gefühl hatte, ich sei so konzentriert, dass ich darüber einschlafen könnte, ACDC. Laut. Sehr laut. Dann piepte mein Tankstandsanzeiger, und ich fuhr mitten in der Nacht auf einen Autohof.

Nächtliche Autohöfe sind unglaublich spannend! Aber darum geht es gerade nicht.

Also tanken und weiterfahren, bewaffnet mit Coke Zero, was angeblich eine "Männercola" sein und ansonsten keinerlei Unterschiede zu Coke Light aufweisen soll. Die kretische Coke Zero ist nicht mit Aspartam kontaminiert, für das deutsche Etikett reicht mein Sehvermögen nicht aus.

Nach dem Tanken Weiterfahrt bei NDR Info, die gerade die unglaublich geniale Idee hatten, unkonventionelle Musik zu spielen: Viel Technik, Experimentelles, irgendwie gerade das, was ich zur Zeit höre, um mich zu entspannen, zu kochen oder zu essen.

Später, zuhause, habe ich nicht ins Bett gefunden, meine Lesung mit einem Glas Sekt gefeiert und online geflirtet. Die ganze Zeit gewusst, dass ich nicht früh aufstehen muss. Großartiges Gefühl.

Heute (gestern) morgen von allein wachgeworden, sehr viel Sonne, sehr viel blauer Himmel, der Bäckereiwagen war schon weg. Also nach 10.00. Völlig ungewöhnlich für meine Verhältnisse. Aber dieses Blau... Und diese Sonne...
Telefoniert, mit Mutter und Ehemalsliebstem. Lange. Fingernägel gemacht. Irgendwie alles genossen.

Dann gelaufen. Die ganze Zeit gegrinst, weil es schon wieder so unglaublich unbeschreiblich schön war. Spätsommerlich, abgeerntete Felder, ein paar Zuckerrüben, sehr viel Mais, ein zu leise, weil meinen iPod nicht übertönender, plätschernder Bach. Ein alter Herr auf einer Bank. Alle, die mir entgegenkamen, lächelten. (Das findet man in der Göttinger Fußgängerzone eher selten, weil so viele so angespannt kaufen, um sich etwas Gutes zu tun.) Einen neuen Weg gefunden. Immer noch gegrinst. 5.55 min. pro km - auch nicht schlecht für einen Genusslauf.

Nachmittags Premiere: Tupperparty. Habe die eventuell folgenden Vorstellungen unmittelbar danach abgesagt. Kaffeetrinken war nett; aber diese Tupperfrau hat unglaublich gestört. Trotzdem - es scheint eine Menge Menschen zu geben, die ihre Vorräte in rattenteuren Plastikdosen aufbewahren, statt einfach Frischhaltefolie drumherum zu wickeln. Ich habe mir einen Stampfer gekauft. Für Kartoffelpü und Möhrenmatsch. Dann saue ich meine Küche vielleicht nicht so ein wie mit dem Pürierstab.

Später war ich einkaufen und dann spazieren und Deko sammeln. Ich habe Eicheln gefunden, mit sehr viel Mühe ein paar Kastanien und so ein paar hagebuttenähnliche Sträucher. Und Birnen und einen Maiskolben.
Unterwegs einen Bekannten getroffen und gequatscht. Mitten auf dem Feldweg. Er saß im Auto.

Es ist Halbmond. Hinter mir war Sonnenuntergang, vor mir der Mond.

Auf dem Rückweg beim Feuerwehrfest vorbeigeschaut, ein Bier gekauft und drei getrunken wg. unermüdlicher Integrationsbemühungen meiner Nachbarn. Es gibt nichts Schöneres als ein Dorf, in dem soviele Vereine aktiv sind wie in "meinem". (Ich elende Verräterin bin immer noch Mitglied im Sportverein Ellierode, der mit der Wolbrechtshäuser Damengymnastikabteilung gar nichts zu tun hat!)

Zuhause Schnittchen gemacht und Gemüse kleingeschnippelt, zwei sehr gute Filme geschaut und etwas Sekt getrunken.

Unglaublich viel Tag für einen Tag, finden Sie nicht???

24 September 2009

Kleines Eigenliebe-Gebet

Ich bin großartig,
so, wie ich bin.
Alles, was ich tue,
tue ich für
MICH.
Vieles von dem,
was ich tue,

tut
ANDEREN gut.

Vielleicht merken sie es nicht.
Gleich.

Vielleicht habe ich meine Perlen
vor eine Sau
geworfen.
Dann mögen sie verstaubt sein,
aber sie haben nicht
an Wert verloren.

Ich BIN die Perle!
Ich BIN die Rose!

Und Rosen duften, ganz gleichgültig,
ob
jemand an ihnen schnuppert.

ICH bin gut,
wie ich bin!


Für die Chefin. (Schon aber auch für mich...)

Nicht gesnoozt!

Und was bin ich stolz darauf!

Für den Fall, dass Sie als disziplinierter Mensch keine Ahnung haben, was Snoozen ist: Fast jeder Wecker hat eine Wiederholungsfunktion, je nach Modell meist 5 oder 10 Minuten. Wenn er das erste Mal klingelt/fiept/miaut/brüllt, drückt man auch die "Snooze"-Taste, und er klingelt/fiept/miaut/brüllt 5 oder 10 Minuten später wieder.
Das kann man endlos fortführen.
Und wenn Sie meinen Ex fragen, wird er Ihnen bestätigen, dass ich eine Meisterin im endlosen Fortführen bin.

Der Trick beim Snoozen besteht nämlich darin, den Wecker auf eine völlig utopische Zeit zu stellen. Dunkel sollte es sein, und selbst auf dem Dorf sollten die Hähne noch schlafen. Sagen wir 4.07 Uhr. Ist das utopisch genug? Gut.

Um 4.07 Uhr klingelt/fiept/miaut/brüllt also der Wecker. Man öffnet ein Auge, sieht, dass es eine viel zu utopische Zeit ist, um aufzustehen, freut sich unbändig, dass man noch etwas schlafen kann und drückt auf die "Snooze"-Taste. Das geht so, bis der Arbeits- oder sonstige Zwänge einen aus dem Bett treiben. Und das geht nur mit tolerantem oder besser ohne Partner. (Es sei denn, der Partner wäre ebenfalls ein Snoozer; dann könnte man die Wecker sogar aufeinander abstimmen. Solche Paare kenne ich nicht.)

Gäbe es eine "Snooze-Bundesliga", die albernen Reporter von SAT 1 Ran würden sich einiges aufreissen, um mich zu interviewen, denn ich wäre die Königin aller Snoozer.

Heute jedoch war alles anders. Weil ich gestern einen Vortrag gehört habe: "Raus aus den alten Schuhen!". Und weil ich beschloss, dass es leichter wäre, Kleinkram zu ändern als gleich meine geliebten alten Treter zu verklappen.

Mein Wecker klingelte um 5.45 Uhr. Ich drückte auf die "Snooze"-Taste, besann mich sofort eines Besseren, sprang aus dem Bett, raffte meinen Yogakram zusammen und absolvierte ein paar Sonnengrüße, gefolgt von noch mehr 5 Tibetern. Inklusive Morgenmeditation und Atemübung.
Um 6.30 Uhr saß ich am PC, um 6.35 hatte ich das erste Spiel gewonnen.

(Okay, an dem, was ich tue, nachdem ich ungesnoozt aufgestanden bin, muss ich noch arbeiten...)

22 September 2009

"Geschenkte Zeit"

Zeit ist ein Geschenk!
Jede Stunde, jeder Tag,
jedes Erwachen.

Denn wenn ich heute abend
schlafengehe,
weiß ich nicht,
ob ich morgen
aufwache.

Also ist Morgen
ein Geschenk,
eine universale Überraschung.


Das Heute-Geschenk
habe ich bereits
ausgepackt:
Es war sonnig,
blau,
waldgrün
und
mondhell.

Mein erster Gedanke heute morgen:
"Scheiße, zu spät wachgeworden!"
Der zweite:
"Wachgeworden!"
Der dritte:
"Danke!"

inspiriert von Xenos

"Kleine Schwester"

... sang einst Ulla Meinecke und beschwerte sich darüber, dass die Freundin nur anrief, wenn ihr Mann nicht konnte. Früher habe ich Ähnliches gefühlt.

Heute müssen wir uns nicht anrufen, meine Schwester und ich. Denn manchmal hat sie keine Lust zu telefonieren, manchmal bin ich maulfaul. Aber wir wissen, dass wir füreinander da sind. Mit allen Konsequenzen, mit Herzblut, mit Liebe und Mitfühlen.

Riefe sie mich jetzt an, um mir zu sagen, dass sie mich braucht, ich würde mir eine Kanne Kaffee in den Kopf gießen, mich ins Auto setzen und 400 km fahren. Einen verärgerten Auftraggeber in Kauf nehmen wegen der spontanen Absage.

Und ich weiß, dass sie Gleiches täte. (Vorausgesetzt, sie müsste nicht fliegen... Aber auch das traue ich ihr im Notfall zu.)

Sie ist der Mensch, mit dem ich seit der Grundschule teile. Antipathie am Anfang, irgendwann Leben. Wir haben zusammen gehungert, weil wir nicht genug Geld in unserem ersten Urlaub dabei hatten, wir haben aus den gleichen Autos gekotzt, weil der letzte Cola-Rotwein irgendwie nicht mehr gut war, wir haben gemeinsam erst "Winnetou I - III", dann "Tarzan", später, etwas erwachsener, "Freundinnen" und "Grüne Tomaten" angeschaut und geheult, wir haben miteinander getanzt nach "Hotel California". Sie war die erste (und wahrscheinlich die letzte) Frau, die ich geküsst habe.

Müsste ich mich entscheiden zwischen einem Mann, der glaubt, mich eventuell lieben zu können, wenn ich so bin, wie er es sich wünscht, und ihrer bedingungslosen Freundschaft, müsste ich nicht nachdenken. Es gibt 3 Milliarden Männer auf dieser Welt - SIE gibt es nur einmal... Ganz davon abgesehen, dass sie der einzige Mensch ist, mit dem mir Tanzen wirklich Spaß macht.

Sie ergreift meine Partei, obwohl ich es weder verlange noch erwarte. Sie findet mich gut, so wie ich bin. Sie erwartet nichts von mir.

Sie ist der Mensch, für den ich singen würde, wenn ich nicht wüsste, dass ich sie damit quäle.

Kleine Schwester, mich rufst Du an,
auch ausser Plan.
Schön, Dir beim Leben zuzusehn,
so nett, mit Dir auszugehn!

Dich zu lieben gibt es jeden Grund!

Für Silke

Gierige Küsse in die Nacht

Während ich auf der Suche nach Inspiration Google News durchstöbere, miaut mein Mobiles. (Da ich den klassischen Mitteilungseingangston eines Tages langweilig fand, habe ich auf Katzenjunges umgestellt und erschrecke mich jedesmal, wenn ich eine SMS erhalte.)
Ein Unbekannter schickt mir per SMS gierige Küsse.

Was genau sind gierige Küsse? Und wie kann ich an jemanden, den/die ich überhaupt nicht kenne, Küsse versenden? Sind diese Küsse irgendetwas wert? Was wäre, wenn ich ihm gegenüberstünde? Würde er dann immer noch küssen wollen, oder würde er lieber rennen?


Andererseits sind mir die gierigen Küsse immer noch lieber als die Sonderangebote von o2 oder GMX. Oder ein Anruf von Bertelsmann.

Trotzdem... Sind wir möglicherweise schon soweit im www versunken, dass wir nicht mehr "in echt" knutschen können? Was wäre, wenn wir dem Unbekannten, dem wir im Chat all unsere Geheimnisse offenbaren, mitten auf der Straße um den Hals fielen und ihm unsere Liebe geständen? Wenn wir ihm in die Augen sähen und sagten: "F... mich! Jetzt!"
Vor allem: Was würde der Unbekannte sagen? Vielleicht wäre er es ja gar nicht?

Gierige Küsse... Hat er sich in meine Telefonnummer verliebt? In meine Website? Meine E-Mail-Adresse? Wenn ja, wen genau küsst er jetzt?

Ich spüre nichts.

21 September 2009

Nahtoderfahrungen einer Heuschrecke

Heuschrecken gehören auf die Wiese, ins alte Ägypten oder nach Australien, wo sie zusammen mit all ihren Freunden biblische Plagen verursachen dürfen. Das ist ihr Job. Auf gar keinen Fall jedoch haben Heuschrecken etwas in einem Straßencafé mitten in der Göttinger Innenstadt zu suchen.

Diese wusste das scheinbar nicht und spazierte unter meinem Tisch herum. Ich konnte gerade noch rechtzeitig meinen Fuß heben, sonst wäre sie direkt in den Heuschreckenhimmel übergegangen. Ich nahm die Speisekarte, hielt sie unter den Tisch und forderte das verirrte Tier auf, Platz zu nehmen, auf dass ich sie wenigstens zum nächsten Baum tragen könnte. Es weigerte sich. Ich schob sacht die Karte unter die Heuschrecke, sie hüpfte hoch, landete auf einem liegengebliebenen Strohhalm und kam ins Stolpern.

Haben Sie schon einmal eine Heuschrecke stolpern sehen? Für mich war es auch das erste Mal.

Sie rappelte sich wieder auf und putzte hektisch ihre Hinterbeine. Ich wandte die Aufmerksamkeit wieder meinem Gesprächspartner zu, der von dem Drama, dass sich direkt vor seinen Füßen abspielte, noch nichts mitbekommen hatte, und mich fragte: "Warum kriechst Du unter dem Tisch herum?"
"Ich muss eine Heuschrecke retten." antwortete ich.
"Alles in Ordnung bei Dir?"
"Bei mir schon, aber bei der Heuschrecke nicht. Sie ist gerade über einen Strohhalm gestolpert."
"Heuschrecken stolpern nicht."
"Doch. Ich hab's genau gesehen."
"Willst Du etwas essen?" Möglicherweise dachte er, ich hätte Hungerphantasien. Dabei esse ich keine Heuschrecken.

Ich kroch wieder unter den Tisch und hielt Ausschau nach dem Insekt. Sie saß noch immer an der gleichen Stelle, direkt auf dem Strohhalm. Vorsichtig nahm ich diesen auf und trug Strohhalm und Heuschrecke zum einzigen Fleckchen Grün auf dem Platz, einer depressiven Kübelpalme. "Das passt!" dachte ich und setzte beide ab.

Heute nacht habe ich geträumt, dass sie auf meinem Nachttisch sitzt und schnurrt.

"Heuschrecken schnurren nicht!", finden Sie? Warum sollten sie das nicht tun, wenn sie schon über Strohhalme stolpern und mit depressiven Kübelpalmen anbandeln?

Und reden Sie mir gefälligst nicht in meine Träume hinein!

19 September 2009

"12.00 Uhr auf meiner Liege!"

lautet die unmissverständliche Anweisung, der ich unwidersprochen Folge leiste. Das Vorgespräch ist kurz. Dann ziehe ich fast alles aus und lege mich auf den Rücken. Er streicht meine Haare beiseite, legt die Hände unter meinen Hinterkopf. Ich schließe wohlig die Augen. Seine Hände verweilen, und ich spüre seine Finger auf meiner Haut.
Der Druck wird fester, mein Atem geht etwas schneller. Trotzdem bin ich noch immer völlig entspannt. Finde ich.
"Du musst jetzt nicht mit mir kämpfen!" sagt er, als könnte er Gedanken lesen. "Mache ich nicht!" antworte ich entrüstet.
"Dann überlass mir für einen Moment Deine Halswirbelsäule!"
"Okay..." maule ich, lehne mich an ihn und denke an England.
Ein Ruck, es knackt - und ein mäandernder Wirbel ist wieder an seinem Platz.
Wenn er nicht schon vergeben wäre, würde ich ihm auf der Stelle einen Heiratsantrag machen.
Meine Welt jedenfalls ist in Ordnung, solange es den Physiotherapeuten gibt!

18 September 2009

Sehr langer Lauf

Es ist schon erstaunlich, welche Gedanken auf 20 Kilometern durch den Kopf schießen, sich dort festkrallen oder ihn rasch wieder verlassen. Meist sind sie unsortiert, und leider vergesse ich oft die Ideen, die mir beim Laufen kommen. Allerdings gehe ich davon aus, dass die guten zurückkehren und die anderen sich irgendwo im Universum mit ihresgleichen vereinigen. Oder auf dem Friedhof der verlassenen Gedanken enden, wo sie irgendwann wiederbelebt und in einen neuen Kopf gesetzt werden. (Um Fragen vorzubeugen: Es geht mir gut. Ich bin ausgeschlafen und klar im Kopf und überall sonst.)

Ich lasse ein paar unsortierte Gedanken hier; vielleicht gefällt Ihnen ja der eine oder andere. Dann nehmen Sie ihn gern mit. Sie dürfen ihn auch umdenken. Falls Sie Blödsinn oder Banalitäten wahrnehmen: Ignorieren und liegenlassen. Man muss nicht jeden Mist mit sich herumschleppen, bloß weil er kostenlos war.

Was ist das schön, auf gerader Strecke zu laufen!
Warm isses.
Puls ist gut.
Ich muss noch zur Post.
In zwei Wochen ist schon der Halbmarathon.
Wo will ich meinen ersten Marathon laufen?
Spätsommer ist irgendwie angenehmer als heisser Sommer.
Werde ich alt?
Nö.
Arschloch! Erschrick mich nicht so! (Ein Auto ist viel zu dicht an mir vorbeigefahren.)
Die Farben sind wunderschön!
Weiches Licht, Hagebutten, die Blätter färben sich. Irgendwann die Woche werde ich sammeln gehen für die Herbstdeko.
Ob mir die Vermieterstöchter ein paar Kastanien mitbringen?
Arbeiten macht Spaß.
Bin gerade für alles mögliche dankbar: Himmel, Sonne, Farben, Spätsommer, Laufen. Es grinst in mir vor Freude.
Was gucken die so komisch? (Dann fiel mir ein, dass ich pinke Kompressionsstrümpfe trage und das für den Durchschnittsmenschen seltsam aussehen mag.)
Ich kann im Stehen pinkeln!
Mit Blick auf die Leine (ein Flüsschen) macht das direkt Spaß.
Hoffentlich kommt jetzt keiner. (Ich singe laut "Father & Son" von Cat Stevens mit.) Ist aber auch egal.
Erstaunlich, wie schnell ich wieder angekommen bin. Aber schön. Irgendwie ist alles schön.
Ob ich nachher noch meinen Kurs schaffe? Was esse ich bloß? Boah, habe ich Hunger!
Mein rechtes Bein ist schwerer als mein linkes.
Robert Betz spukt in meinem Kopf herum. Ist eine eindringliche Vorstellung, dass alles, was es in mir denkt, auch geschieht. Denn wenn ich Schönes denke, geschieht das ja auch. Gefreut hätte ich mich heute sowieso, aber mit der Vorstellung, dass Freude sich selbst verstärkt, macht das noch mehr Spaß.
Eine Radfahrerin. Boah, die weicht aus und lächelt! Sofort zurücklächeln! Hoffentlich hat sie das noch gesehen - bin ja ziemlich martialisch unterwegs mit Kopftuch und dicker, schwarzer Sportbrille.
Lauf mal ein bisschen lockerer! Arme entspannen!
Nur noch ein paar Kilometer.
Laufen ist das Schönste, was man tun kann. Jedenfalls meistens.
Aua.

17 September 2009

Genug!

Einst bin ich gegangen
aus Angst.
Bin zurückgekehrt
mit Liebe.

Bin geblieben,
mit Angst.
Das Bleiben hat
meine Liebe gefressen.

Geh.
Lerne Dich lieben.
Ich bleibe
bei mir.

inspiriert by Xenos

Kommos Beach und der 2. Sonntag auf der Insel

Da ist dieses Paar, das jeden Nachittag etwa um die gleiche Zeit vorbeikommt. Sie trägt ein enges, pinkes Kleid und hat ein Beautycase in der Hand. Beide benutzen schweres Parfum, und wenn der Wind falsch steht, bleibt der Geruch schwer, süß und lange in der Nase.
Sie hat ein Hündchen, das so nahe wie möglich bei Fuß zu laufen versucht und dabei immer in Gefahr ist, von ihr getreten zu werden.

Sie und der Mann gehen immer hinter-, niemals nebeneinander, und ich habe sie bisher noch nicht miteinander reden hören.

Und obwohl das Meer gerade diesen Schimmer von flüssigem Teer bekommt und sich die Wellen weiß und gewaltig an den Strand werfen, schauen beide zu Boden.

Das Hündchen tut mir ein bisschen leid.

Abends, Agia Galini

Im Restaurant "Lava", neu und direkt am Strand, gibt es Entenküken. Sie rennen dem Besitzer und seinem kleinen Sohn hinterher. Manchmal sitzen sie auch an bzw. auf der Theke. Allerdings habe ich noch nie gesehen, dass sie trinken.

Abstinente Enten.

Etwas später, Zwischenstation am Hafen

Gemeinsamkeit ist nicht mein Bedürfnis.
Nähe suche ich nicht.
Will auch nicht gefunden werden.

Bleibe.
Hier.
Fern.

Carlos Ruiz Zafón; Spiel des Engels

... ist eines der schönsten Bücher, das ich seit langem gelesen habe. Sätze, die so voller Wortkunst sind, dass ich sie mir mehrmals laut vorgelesen habe, eine Geschichte, die sich völlig frei, als gäbe es keine Genres, zwischen Mystik, Liebe, Mord- und Totschlag, dem Teufel, Barcelona und dem Schreiben bewegt.

Und wenn dann noch soviel Glück ist, dass dieses Buch in warmem Sand liegend und begleitet von brüllenden Wellen, vor allem aber ohne Unterbrechung gelesen werden darf, gibt es nichts mehr zu wünschen.

Ich war im Barcelona der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts, ich habe ebenfalls erst in einer elenden Bude gehaust und Groschenromane geschrieben und meine Seele dann für den einen großen Roman dem Teufel verkauft.

Es gibt einen Friedhof der verlassenen Bücher in diesem Barcelona, und ich werde mich nächstes Jahr in mein Auto setzen, Anna K. im Gepäck, und diesen Friedhof suchen. Wenn ich ihn nicht finde oder nicht hereingelassen werde, lasse ich Anna in Barcelona. Ist ein guter Platz für eine Borderlinerin.

Die ist einer der vielen Sätze, die ich mir aufgeschrieben habe:
"Ich darf noch nicht sterben (...). Ich habe noch etwas zu erledigen. Danach werde ich das ganze Leben zum Sterben haben."

Bei Dir

Ich habe Dich
bei mir,
wenn ich
alte Wege beschreite.

Ich fühle Dich
an mir,
wenn ich
vergangene Gedanken denke.

Ich wünsche Dich
mit mir,
während ich
allein weiter gehe.

Für Sam.

28. August - Matala, Red Beach

Ich habe meinen Namen gefunden. Jemand hat ihn auf der rechten Buchtseite in den weichen Kalkstein geritzt. Darüber sind zwei Herzen, eines davon mit Pfeil. Mittendurch.
Was mag derjenige im Kopf, im Herzen gehabt haben, als er meine Namensvetterin verwewigt hat?

Ich nehme das Geschenk gern an, auch wenn es nicht für mich bestimmt gewesen sein mag. Es ist schön, dass mein Name an dem Ort steht, der für mich Meditationsplatz, Ruhelager und Inspiration war, an dem mein inneres Kind sich frei bewegen konnte und oft die Führung übernahm.

Jetzt geht das - zumindest in der Hauptsaison - nicht mehr; es gibt zuviele Regeln und Menschen dort.
Und wo man sich früher selbst seinen Weg über den Berg und durch Geröll bahnen musste, um den Strand zu erreichen, ist jetzt der ganze Berg mit roten Pfeilen bepflastert, damit auch der letzte Flip-Flop-Träger die neu eingerichtete Strandbar findet, die sogar Zimtlimonade anbietet.
Außerdem ist der Strand jetzt zweigeteilt: Auf der einen Seite Liegen, Sonnenschirme, Badebekleidung, auf der anderen FKK. Wenn ein Nackedei von der einen zur anderen Seite zu wandern versucht, pfeift der Liegestuhlverleiher und Tugendwächter mit einer Trillerpfeife. Will man also in die bekleidete Zone, heisst es, das entweder unter Wasser zu tun oder sich rasch in die Badehose zu werfen.
Solche Zustände sind Mystik und Meditation nicht zuträglich, glauben Sie mir!

Glücklicherweise weiß ich, wie Red Beach sein kann. Menschenleer. Nur Meer und Steine. Dann sind die Götter überall, die während der Saison wohl einen anderen, ruhigeren Platz auf der Insel gesucht haben.

16 September 2009

27. August - Matala, Red Beach

Es ist schön, einfach die Zeit verstreichen zu lassen. Wind hören und spüren, Sonne auf der Haut. Schönen und weniger schönen Menschen bei dem zusehen, was sie tun oder nicht tun. Die Wellen beim Kräuseln beobachten, den Sand beim Wandern und das Leben beim Geschehen.
Allein dieses Gefühl, dass Leben geschieht, in jedem Augenblick und mit geballter Wucht lohnt jede Reise, wohin auch immer. Es kann auch die Reise ins Innere sein.

Heute habe ich mich bedankt für die vier Jahre, in denen ich nicht hier war. Es waren gute Jahre. In jedem hat es Liebe gegeben, Lernen, Leben. Jede Träne hatte Grund, jeder Atemzug, jedes Drama, jeder Mensch, der meinen Weg gekreuzt hat. Sie alle haben mich gelehrt, geführt, mein Leben bereichert. Ist genug Grund für Dankbarkeit.

Und jetzt darf ich hier sein. Götter gucken.

15 September 2009

Matala. Lions Bar.

Als ich das erste Mal hier war, gab es noch den philosophierenden Käpt'n.

Jetzt ist ein sehr nettes Paar im Besitz der - für mich - schönsten Strandbar in Matala.

Aus dem Café rechts unten ertönt Livemusik so wie vor vielen Jahren schon. Wenn jemand sich bewegt, fühlt es sich an wie ein kleines Erdbeben. Die ganze Terrasse schwingt mit.

Ich habe Blick auf den Strand, die berühmten Höhlen, Paximadia und im Dunst verschwimmende Berge irgendwo südwestlich von hier.

Ob es den Maler noch gibt, der sein Haus am Ende der Straße hatte? Als ich vor einigen Jahren auf seine Terrasse stolperte, der festen Überzeugung, dies sei eine weitere Kneipe, begrüßte er mich auf Englisch: "Nimm Dir Ouzo aus dem Kühlschrank, setz Dich und halt die Klappe."
Als er fertig gemalt hatte, erklärte er mir, Acrylfarbe würde sofort eintrocknen, wenn man die Arbeit unterbricht. Dann unterhielten wir uns, und er zeigte mir seine Bilder.

Ich könnte einfach nachsehen gehen. Zeit bis zum letzten Bus ist noch genug.
Aber die Galerie, in der unter anderen er seine Bilder ausgestellt hat, ist jetzt ein Modegeschäft. Auch die vielen Katzen, die immer davor auf der Treppe lagen, sind nicht mehr da.

Ich gehe nicht nachsehen.

Mein Herz brennt nicht

Eine Hand
auf meinem Herzen,
liege ich im
verlöschenden Licht.

Kann mich nicht fühlen.

Rotes Licht

legt sich
auf die Berge
gegenüber.

Ich mag Rot.
Es ist dramatisch.
Rot eben.

Berührt
bin ich nicht.
Mehr.

26. August: Schwer bewaffnet

Auf dem Rückweg von Agios Georgios (Das ist ein recht netter Strand, den der gemeine Urlauber mit dem Auto erreicht und der ambitionierte zu Fuß. Es geht quer durch ein paar kleinere Hügel, Steinmännchen und Plastikflaschen auf Zäunen weisen den Weg.) finde ich sehr große, leere Patronenhülsen mitten auf dem Pfad und hoffe, dass mich hier niemand mit einem Kaninchen oder - schlimmer! - der Angehörigen einer verfeindeten Familie verwechselt.

Kurz darauf sehe ich einen Mann am Wegesrand stehen. Er kehrt mir den Rücken zu und wirkt nicht sonderlich vertrauenserweckend.
Ich hebe einen Stein auf, entschlossen, mich meiner vermeintlichen Unschuld notfalls mit Gewalt zu erwehren.

Als ich näher herankomme, sehe ich auch das Gewehr, das er vor dem Bauch hält. Mein Stein kommt mir jetzt ein bisschen albern vor.
Ich gehe grußlos an ihm vorbei, entschlossen, trotz meiner mangelhaften Bewaffnung zu schmeissen, sobald er schießt, wohlwissend, dass ich ein Scheunentor nicht treffe, wenn ich davorstehe. Aber das weiß er ja nicht.

Ich komme ungemordet an ihm vorbei. Ein paar Meter weiter steht die ältere Ausgabe, ebenfalls mit einem beeindruckenden Karabiner im Arm. Diesmal sage ich freundlich "Kalispéra!" und verwickle ihn in ein Gespräch. Wer redet, schießt nicht. Hoffe ich.
Er fragt mich auf Griechisch, ob ich von Agios Georgios komme. "Né!" nicke ich und frage ihn auf Englisch, was er schießen will. Er beschreibt mir, wiederum auf Griechisch, den Weg nach Agia Galini. Ich sage höflich "Efcharistó polí!" und gehe meines Weges.

Schüsse fallen nicht.

Nicht heute.

14 September 2009

Zwischendrin: Abschied

Ich habe versucht,
Dich zu finden.
Habe meine Augen
weit
aufgerissen,
um Dich
zu sehen.

Doch Du bist fort.

War jemals
mehr von Dir
als
dahingekritzelte
Worte?

23. August, Agia Galini: Begrüßung

Das Schild am Ortseingang steht noch. Irgendwie passiert trotzdem nichts in meinem Kopf. Der Fahrer deutet stolz von noch relativ weit oben im Berg nach unten und sagt: "Agia Galini!" Ich nicke und sage "I know."

Beim Anflug auf Heraklion hatte ich kurz ein paar Tränchen der Wiedersehensfreude im Auge. Danach war ich zu sehr mit Schwitzen beschäftigt.

Die Begrüßung im Hotel ist herzlich. Die Wirtin hat Raki und Wasser. und eine Umarmung für mich. Es ist kurz nach halb eins. Mittags.

Nach meinen ersten beiden Raki trifft das Ehepaar X samt Wirt ein. Große Begrüßung. Schnittchen und noch mehr Raki. Ich beschließe, dass es jetzt auch ein Bier sein darf, um den Raki hinunterzuspülen.

Gegen 16.00 finde ich, dass es Zeit für ein Mittagsschläfchen sei, schleppe mich ins Zimmer, werfe mich aufs Bett und entschlummere.

Kurz vor Mitternacht war ich dann wieder wach und beschloss, dass Strand und Meer jetzt auch noch eine Nacht warten könnten, packte meine Koffer aus, besorgte mir noch etwas Bier und ging zurück ins Bett, lesen.

Eingeschlafen bin ich kurz vor dem Morgendämmern.

24. August, Agia Galini: Es ist heiss. Wen wundert's?

Vor mir dümpeln drei Damen im Wasser. Eine mit Hut, eine mit Schildkappe, die dritte mit Sonnenbrille. Kaffeekränzchen im Meer.

Wenn sie schwimmen, halten sie ihre Köpfe starr aus dem Wasser, damit die Accessoires nicht nass werden. Ein wenig erinnern sie mich an die Stadtbadfraktiogang früherer Jahre, die sich aus mehreren Ruheständlern beiderlei Geschlechts zusammensetzte. Die Damen trugen blütenbesetzte Plastikbadekappen, für die Herren gab es diese Stoffdinger mit buntem Streifen in der Mitte. Manchmal wurden während der körperlichen Ertüchtigung Rezepte ausgetauscht.

Ich spüre immer noch nichts. Vielleicht passiert es ja später auf der Hafenmole.

13 September 2009

Wichtige Vokabeln

Man verzeihe mir, wenn ich die lateinischen Buchstaben vorziehe - meine Tastatur kann Griechisch nur unter größten Verrenkungen.

Also. Das waren die ersten 10 Wörter bzw. Redewendungen, die ich wichtig fand und am Strand auswendig gelernt habe, und die immer auf der Silbe, die einen Akzent trägt, betont werden wollen:

chorís eleas - ohne Oliven (die mag ich nämlich nicht)
lipáme - es tut mir leid (falls man jemandem Rucksack oder Tasche versehentlich um die Ohren haut)
mu aréssi pára polí - es gefällt mir sehr
óla kalá - alles in Ordnung
málista - in Ordnung (und Super-Füllwort, um so zu tun, als hätte man alles verstanden)
sighá-sighá - langsam (sehr, sehr wichtig)
áspro páto - auf Ex (das Bier, den Raki...)
epísses - gleichfalls (falls jemand einen schönen Tag wünscht, was häufig passiert)
mía chorá - sehr gut (auf die Frage, wie es einem geht)
símfoni - einverstanden
endáxi - okay, in Ordnung, wird gemacht, einverstanden, alles klar...

Rückkehr?

Hatte ich meinen Urlaub ordnungsgemäß angekündigt? Wenn nicht: Ich war in Urlaub. Auf Kreta. Wer eine Idee bekommen möchte, was diese Insel mit ihren BesucherInnen machen kann, ist herzlich eingeladen, sich in einem meiner älteren Blogs, den "Kretischen Träumen", umzuschauen.

Nach vierjähriger Pause sollten es dieses Jahr drei Wochen werden. Sind es drei Wochen geworden. Irgendwie war vieles anders und manches wie immer. Geschrieben habe ich für meine Verhältnisse sehr wenig, weil ich so damit beschäftigt war, mit meinen Füßen Sandburgen zu bauen und die Leihbücherei meines Hotels leer zu lesen, aber das Wenige möchte ich Ihnen/Euch nicht vorenthalten. Immerhin hatte ich ja lange genug Sendepause.

Und los gehts.

23. August frühmorgens: Abflug.

Am Flughafen Hannover gibt es neuerdings "Raucherdenunziationsstationen". Das sind kleine Plastikkabuffs, in denen sich die Süchtigen versammeln, um - von anderen Fluggästen mehr oder weniger mitleidig beäugt - ihrer Lust auf eine letzte Zigarette vor dem mehrstündigen rauchfreien Flug nachzugeben.
Ich habe ebenfalls geäugt und versucht, mich trotz einer viel zu kurzen Nacht meiner Vorfreude hinzugeben.

Rückkehr nach vier Jahren... Mein letzter Gedanke beim letzten Besuch war: "Werden wir uns wiedersehen?"
Jetzt frage ich mich, was sich geändert haben mag. Ist die befürchtete Schnellstraße in den Süden schon im Bau oder gar fertig? Gibt es gescheiterte Träume? Wie wird er sich anfühlen, der erste Blick auf den kleinen Ort, noch von weit oben? Steht das Schild "Welcome back home" am Ortseingang noch?
Der Anblick hatte stets etwas Symbolisches für mich und meinen Liebsten, als wir noch gemeinsam waren und verreisten.

Boarding.