30 Januar 2009

Freuen - jetzt!

Ich freue mich. Über alles mögliche.
Heute zum Beispiel habe ich mich darüber gefreut, dass ich mir nicht den Wecker gestellt habe, sondern von allein aufgewacht bin. Die Luft war schön, kalt, sibirisch der Wind, und ich bin sehr schnell gegangen, damit mir nicht noch kälter wird. Das hat sich großartig angefühlt, und ich habe mich über den kalten Wind auf meinem Gesicht gefreut und die Musik in meinem iPod, der ich erlaubt habe, den Rhythmus meiner Schritte zu bestimmen.
Über den iPod habe ich mich auch gefreut, denn den habe ich mir erspart und vor dem Urlaub selbst zum Geschenk gemacht.
Der Zug war angenehm temperiert. Das hat mich gewärmt und gefreut.

Arbeiten hat sehr viel Spaß gemacht heute, die Resonanz war gut, und ich hatte das Gefühl, meine Freude (mit-) teilen zu können. Mit vielen.

Natürlich war da auch heute wieder diese Zicke, bei deren Anblick ich mir jedes Mal einen schalldichten Raum und Boxhandschuhe wünsche - Boxhandschuhe für mich, schalldicht wegen ihrer Schmerzensschreie. Ja, ich würde mich freuen, wenn ich eines Tages die Gelegenheit hätte, ihr Arroganz und Ignoranz aus dem wohlgeformten Leibchen prügeln zu dürfen.
Freuen kann einseitig sein.

Nach Feierabend einen Sekt mit der Lieblingskollegin und Heimfahrt mit "meinem" Lieblingstaxifahrer, einem Menschen, bei dem ich das Gefühl habe, er ist zufrieden mit sich und seinem Leben. Kommt selten vor und macht attraktiv.

Erst habe ich im falschen Auto gesessen, aber einem mit einem anderen Lieblingstaxifahrer drin. Einem blueshörenden, breit lächelnden und manchmal (wie mir die Kollegen berichteten) cholerischen Taxifahrer. Dort habe ich eine junge Frau getroffen, die vor ca. 7 Jahren einen Kinderselbstverteidigungskurs bei mir besucht hat und jetzt HipHop tanzt.
Solche Begegnungen sind erFREUlich.

Jetzt freue ich mich über den sehr leckeren Spätburgunder in meinem neuen Weinglas und darüber, dass ich aus einer selbstgewählten Versenkung auftauche.

Wirklich, es gibt unglaublich viel zum Freuen - fragen Sie die fuerteventuranischen, aus Nordafrika eingewanderten Erdhörnchen! Wenn nicht gerade jemand auf sie schießt, freuen die sich auch. Was sich in zwanghafter und lustvoller Vermehrung und Auf-Oberschenkeln-Sitzen ausdrückt.

Naja - vermehren muss ich mich nicht. Werde auch bei meinem aktuellen Übergewicht lieber nicht auf fremden Oberschenkeln Platz nehmen. Aber die Äpfel und Mohrrüben, mit denen ich mich selbst füttere, schmecken großartig. ErFREUlich großartig.

21 Januar 2009

Wind und Guagua

... haben den heutigen Tag bestimmt. Der Wind war irgendwie überall, egal in welche Richtung ich mich bewegt habe. Geregnet hat es auch, aber daran habe ich mich inzwischen gewöhnt. Beim Laufen bin ich fast irre geworden, weil der Gegenwind so heftig war, und durch den Regen wurde auch der Sand zu einer echten Herausforderung für meine Waden.
An der Promenade hatten sich tiefe Pfützen gebildet, und ich habe etwas getan, was ich schon lange nicht mehr getan habe: Mit Anlauf und beiden Füßen gleichzeitig in Pfützen springen. Das war sehr vergnüglich.
Zwischendurch hat dann auch mal wieder die Sonne geschienen, und ich habe meine Laufeinheit mit ein paar Turnübungen auf dem öffentlichen Trimmplatz an der Promenade und einem begehrlichen Blick auf den ebenfalls dort herumturnenden Adonis abgerundet.

Weil ich aber keine Lust hatte, wieder einen Nachmittag in gebückter Haltung unter irgendwelchen Felsen zu verbringen, habe ich beschlossen, mit dem öffentlichen Bus (Und die heißen auf den Kanaren "GuaGua".) eine kleine Inselrundfahrt zu machen. Der Sprachkurs war inklusive, denn sobald der Bus die Küstenregion verlassen hatte, wurde nur noch Spanisch gesprochen.

Puerto del Rosario, die "Hauptstadt" von Fuerteventura, ist grottenlangweilig, und überall gibt es Gegenwind. Die Rückfahrt an der Küste entlang war nett und hat mich in der richtigen Wahl meines Urlaubsortes bestätigt.

Weil ich der Ansicht war, zumindest kurz im Wasser gewesen sein zu müssen, habe ich mich dann noch einmal an den Strand begeben und bin bis zum Bauch hineingegangen. Schnatter. Auf dem Rückweg lief mir dann noch ein splitterfasernackter männlicher Mensch mit zwei riesigen Piercings an meiner Ansicht nach extrem schmerzhafter Stelle über den Weg, bewunderte meine Tattoos, war Fahrlehrer aus Westlondon und wollte abends mit mir ausgehen. Dazu hatte ich aber keine Lust, sondern bin stattdessen nach dem Abendessen noch einmal an den Strand gegangen, um mich von Insel, Meer und Sand zu verabschieden.

Fazit meines Urlaubs bis hierher: Wunderschöne, spannende Insel, großartige Farben, sehr nette Menschen. Und: ICH HASSE WIND!!!

20 Januar 2009

Nass, nasser, egal.

Heute war wieder ein An- und Ausziehtag. Ich war gerade in "meiner" Steinburg angekommen, hatte mich entblättert und es mir mit einem genüßlichen Seufzer auf meinem Handtuch bequem gemacht, da zogen auch schon die ersten Wolken auf und ich mich unter einen kleinen Felsvorsprung zurück. Habe in zusammengekauerter Haltung und mit immer kälter werdenden Füßen darauf gewartet, dass es aufhört zu regnen, was es nach einer halben Stunde auch tat.
Also Regenjacke wieder ausziehen, Handtuch ausbreiten, hinlegen. Kurz.

Nach zwei Stunden habe ich aufgegeben und bin im leichten Nieselregen, angetan mit Badeanzug und Regenjacke (Das kommt Ihnen bekannt vor? Mit Recht, und ich finde, die Fuerteventura-Reiseführer sollten diese Form der Bekleidung unbedingt in ihre Empfehlungen aufnehmen.) langsam zurückgegangen. Glücklicherweise ist man irgendwann so nass, dass es egal ist, ob man noch nasser wird, und dann fängt es an, Spaß zu machen. Also habe ich die Füße ins Wasser gesteckt und laut gesungen. Letzteres für den Fall, dass noch der eine oder andere Strandabschnitt evakuiert werden muss.

Kurz darauf musste ich mich wieder in die Dünen stürzen. Die Kraniche kennen mich inzwischen. Mit Namen.

19 Januar 2009

Ein weiterer perfekter Urlaubstag

Bin heute morgen lange gelaufen - in der SONNE! Habe mich ausgiebig gedehnt, die SONNE und den Anblick eines äußerst wohlgeformten jungen Herrn genossen, der sich ebenfalls sportlich betätigt hat, freundlicherweise mit freiem Oberkörper.
Später Yoga auf der Terrasse und in der SONNE. Gefrühstückt, die SONNE und den Blick auf den Sicherungskasten genossen.
Dann Strand. Habe eine schöne Steinburg gefunden, "Nachtzug nach Lissabon" zuende gelesen, mir in der SONNE ein paar Pilates-Übungen gegönnt, etwas Small-Talk mit einem netten Herrn aus Birmingham gemacht, der mir erklärte, sein body sei "in a bad shape", womit er recht hatte (Um das zu ändern, habe ich ihm gleich einen Urlaubstrainingsplan erstellt.), mir einen Apfel mit zwei Erdhörnchen geteilt, die mir auf die Oberschenkel gestiegen sind. Ich durfte sogar einer kleinen Eidechse beim Sonnenbaden zusehen.

Auf dem Rückweg dann mit Wellen und Sand gespielt, Kraniche und Esel geguckt, die auf einmal auf dem geschützten Stück zwischen Strand und Straße auftauchten. (Die habe ich allerdings eher zufällig gefunden, weil ich mich in Ermangelung der bereits erwähnten öffentlichen Toiletten sehr schnell und sehr verzweifelt in ein zum Naturschutzgebiet gehörendes Gebüsch geworfen habe.)

Werde mich jetzt sonnenuntergangfein machen und noch ein wenig spazierengehen.

18 Januar 2009

Gucken

Schreibwütig war ich heute. Nach Laufen und Yoga bin ich über die Einkaufspassage nach Morro Jable geschlendert. Habe bei der Gelegenheit erstaunt festgestellt, wieviele Menschen wirklich blödsinnige Dinge kaufen. Wer braucht zum Beispiel ein Plüschtier, das sich nach dem Aufziehen in einen Ball verbeißt und wie wild herumkugelt?

An der Promenade auf einer Bank gesessen, Leute geguckt und einen ersten Entwurf für die Einleitung zu "Prinzessinnen und andere Plagen" geschrieben. Dann hat es - man will es kaum glauben! - angefangen zu regnen, ich bin dem Beispiel einiger anderer nasser Urlauber gefolgt und habe mich auf die überdachte Terrasse eines geschlossenen Restaurants gesetzt.
Dann hat es wieder aufgehört, ich bin ein Stückchen weitergegangen, habe auf einer Mauer Platz genommen und Meer und Wolken geguckt. Der Anblick des Wassers, das in großen Wellen an den Strand gerannt kam, darüber ein Himmel, auf dem sich Wolken in allen möglichen Farben und Formen tummelten, hat mir tatsächlich die Tränen in die Augen getrieben. Irgendwie fand ich die zeitweisen Wolkenbrüche auch nicht mehr so schlimm - immerhin macht das Wetter ja diesen unglaublich schönen Anblick.

Der Genuss wird ein bißchen dadurch eingeschränkt, dass ich in sehr kurzen Abständen auf die Suche nach öffentlichen Toiletten gehen muss. Viel trinken ist ja gesund, aber... Seltsamerweise geht mir das nur nach dem Genuss von mehreren Litern kanarischen Wassers aus Plastikflaschen so (die müssen da irgendwas untermischen), nach dem abendlichen San Miguel stellt sich das Toilettenproblem nicht.

Irgendwann hatte ich dann genug gesessen, habe mich mit noch mehr Wasser und etwas Cola eingedeckt, bin ein paar Kilometer am Strand entlanggelaufen und habe mir eine ruhige und vor allem windstille Ecke gesucht, dort gelesen, Wolken geguckt, Meer gehört, die Sonne genossen, wenn sie da war und gefroren, wenn sich eine Wolke davorgeschoben hat. Festgestellt, dass ich für meine Verhältnisse relativ wenig lese, dafür aber viel gucke.

17 Januar 2009

Viel Wetter

Das Wetter war heute muy durchwachsen. Weil es schon wieder den ganzen Vormittag geregnet hat, bin ich in der Mittagspause mit dem Bus nach Costa Calma gefahren. Dort sah es etwas besser aus, und ich habe mir die Wanderstiefel ausgezogen, um ein wenig am Strand entlangzulaufen. Es war irre windig (glücklicherweise von hinten), aber die Sonne hat sich auch wieder herausgewagt.

Mit dem Gedanken im Hinterkopf, vielleicht die ganze 18 km lange Strecke bis nach Jandía zu Fuß zu gehen, bin ich in Richtung Süden gelaufen, vorbei an diversen Cafés, Liegestühlen und anderen Spaziergängern. Habe mich, weil es immer wärmer wurde, irgendwann meiner Klamotten entledigt und bin im Badeanzug weitergegangen.
Nach ein paar Kilometern dann Surfcenter René Egli; die bunten Segel der Kitesurfer waren schon von weitem eine Augenweide. Aus der Nähe sah es noch schicker aus, und für einen Moment ging mir der Gedanke "Ich kapere mir einen Surfer!" durch den Kopf. Habe deswegen einen kurzen Zwischenstopp in der zum Surfcenter gehörigen Bar eingelegt und festgestellt, dass die Jungs und Mädels irgendwie anders sind als ich und meine Kaperpläne wieder verworfen. Wahrscheinlich passe ich auch nicht ins Beuteschema solch eines Sahneschnittchens im Gummianzug.

Also bin ich weitergelaufen, immer an der Nehrung entlang. Das war schon mehr als nur beeindruckend: Eine endlose Sandfläche, vorn türkis- weiter hinten dunkelblau gefärbtes Meer, rechts die Berge, über mir ein Himmel mit sich gegenseitig überholenden Wolkentürmen und herumtaumelnden Möwen. (Die haben wahrscheinlich einen Abstecher auf das eine oder andere lanzarotenische Weingut gemacht, so wie die flogen.)

Ich wäre auch weitergegangen, wenn da nicht auf einmal so ein Priel gewesen wäre und meine Feigheit sich zurückgemeldet hätte. Irgendwie hat sich der Sand in der Nähe des Priels wie Treibsand angefühlt, und es machte unheimliche Geräusche, als ich mit Mühe meine Füße wieder herausgezogen habe. Also bin ich ein Stück zurückgelaufen in der Hoffnung, irgendwo festeren Boden zu finden.
Inzwischen fand aber auch der Himmel, dass er seine Farbe in dunkelgraublau ändern möchte.

Also bin ich umgedreht und habe mich fröstelnd, schimpfend und in gebeugter Haltung gegen den Wind anrennend zurück nach Los Gorriones (ein Ort, der eigentlich nur aus einem häßlichen Riesenhotelklotz besteht) gekämpft. Am Eingang stand ein Schild, dass nur Gäste Zutritt hätten, und ich hatte das Gefühl, jeder könnte mir ansehen, dass ich mich eingeschlichen habe.

Bin dann blöderweise zweieinhalb Kilometer zur Hauptstraße gelatscht, weil ich der Rezeptionistin nicht geglaubt habe, dass der Bus direkt vor dem Hotel abfährt. Auf dem Weg dorthin kam mir der Bus entgegen.
Also bin ich wieder zurückgelatscht, mittlerweile deutlich schlechter gelaunt als noch vor einer Stunde. Inzwischen war es nämlich arschkalt und machte den Eindruck, als wollte es die nächsten hundert Jahre regnen, und ich hatte ja immer noch nur meinen Badeanzug plus Bergstiefel an, weil meine anderen Sachen nicht nass werden sollten.
An der Bushaltestelle vor dem Hotel (die ich vorher nicht gesehen hatte) angekommen, war auch die Sonne auf einmal wieder da, es wurde kuschelig warm und meine Laune wieder besser.

Also habe ich mir meine warmen Sachen wieder angezogen (es hätte sicher für Irritationen gesorgt, wenn ich mit Badeanzug und Bergstiefeln in den Bus gestiegen wäre...), still vor mich hingeschwitzt und auf den nächsten Bus gewartet.

Der kam dann nach knapp einer Stunde. In Jandía war dann wieder Scheißwetter.

Fazit dieses Tages: ICH HASSE WIND!!!

16 Januar 2009

Halbzeit

Bin heute fast zwei Strandrunden gelaufen, habe lautstark über Gegenwind und Regengüsse geschimpft und mir später warme Klamotten gekauft. Dann kurz die Frau im Netto-Markt mit meinen frischerworbenen Spanischkenntnissen belästigt und ansonsten von drinnen den Regen draussen angeguckt und still vor mich hingefroren.
Leider war Training in dem kleinen Fitnessraum auf der Anlage nicht möglich, weil der Eingangsbereich unter Wasser stand. Habe mich stattdessen ausgiebig mit der puscheligen roten Katze unterhalten.

Die erste Woche ist tatsächlich schon vorbei!

Fazit: ICH HASSE WIND!!!

15 Januar 2009

Abenteuerliche Gedanken bei abendlichem TV-Konsum

Konjunkturpaket für Deutschland, Thorsten Schäfer-Gümbel sitzt Probe auf einem günstig zu erwerbenden Sofa in einem Gebrauchtwarenkaufhaus und steigt anschließend in die gepanzerte Luxuslimousine, in Zimbabwe sterben eine Menge Menschen an Cholera.

Ich trinke derweil einen sehr leckeren lanzarotenischen Rosado und verfluche die Tatsache, dass es in meinem Appartment erstens einen Fernseher gibt und ich das Scheißding zweitens angeschaltet habe. Dschungelcamp, Hessenwahlkampf, Horrornachrichten, "Der letzte Samurai" ist wegen ausgiebiger Werbeunterbrechungen auf fast dreieinhalb Stunden angeschwollen, und in Leipzig wird "In aller Freundschaft" die heile Welt operiert.

Aber die Werbepausen geben Raum für werbefreie Gedanken: Gerade ist mir durch den Kopf geschossen, dass ich für das, was ich mir wünsche, zu feige bin. So würde ich beispielsweise unglaublich gern ins Everest-Basislager oder durch Kreta wandern, einen Trans-Europalauf mitlaufen, drauflos verreisen... Habe die Hoffnung, dass ich noch ohne Gehwägelchen vorankomme, wenn ich Höhenangst, Angst vor wilden Ziegen, allein im Wald sein, Faulheit und Pauschalreisevirus im Griff habe.

14 Januar 2009

Bergwanderung

In Deutschland wurden gestern -13° gemessen - hier ist es etwas wärmer. Ich habe eine spontane Wanderung durch das Grande Valle gemacht, einen unbeschreiblich schönen Ausblick auf Cofete (ist ein winziger Fischerort mit vielleicht 7 Häusern und einer Kneipe), die Villa Winter (eine geheimnisumwitterte, burgartige Anlage, die - Sie werden es nicht erraten! - von Deutschen bewohnt wurde) und die gesamte Barloventoseite (dem Wind zugewandt) Jandías genossen. Einsamkeit pur, trotz einiger weniger anderer Wanderer, Stille bis auf Ziegengemecker und Schafsgemähe. Und zwei kichernde Krähen.
Ich habe meine Höhenangst niedergerungen und das "Gipfelkreuz" berührt. Kurz. Sehr kurz. Soweit, dass ich den Abstieg gewagt hätte, ist mein Mutanfall dann aber doch nicht gegangen.

Jetzt bin ich grottenmüde, meine Füße und Beine tun weh, die Waden sind aufgebläht, und mir ist etwas kühl.

13 Januar 2009

Ein perfekter Urlaubstag

Fast windstill. Warm. Habe eine freie Burg gefunden, mich nackig gemacht und sonnengebadet. Viel geschrieben, viel gelesen. Später im Zeitlupentempo mit den Füßen im Wasser zurückgegangen, eine Strandbar gefunden und ein eisgekühltes Bier genossen.
Abends am Strand getanzt und meinen Zeigefinger in den Himmel gestreckt.

So sehen runde Tage aus. Für mich.

11 Januar 2009

Bob der Baumeister macht Urlaub auf Fuerte!

Wir Deutschen sind schon ein putziges Völkchen: Zuhause ziehen wir einen Jägerzaun um unser Grundstück, befestigen ein Schild "Warnung vor dem Hunde" (egal, wie groß oder klein der Hund ist bzw. ob es überhaupt einen gibt) daran und stellen ganze Zwergenarmeen im Vorgarten auf. Im Urlaub an der Nordsee wird als Erstes ein Strandkorb für den gesamten Aufenthalt angemietet und sofort nach Bezug mit einer Sandmauer umgeben. Wer Fähnchen in den Nationalfarben mitgebracht oder am Urlaubsort käuflich erworben hat, bringt diese an.
Das gibt es auch auf Fuerteventura. Und da wir seit unseren letzten fehlgeschlagenen Invasionsversuchen neue Erkenntnisse gewonnen haben und uns nicht wie Rommel, der Wüstenfuchs, durch den Sand wühlen wollen, wurden auf Fuerte keine Sandburgen, sondern Steinburgen gebaut. So geschehen am Strandabschnitt zwischen Jandía Playa und Esquinzo.
Das hat man sich ungefähr so vorzustellen: An dem Teil des Strandes, der nicht von der Flut geflutet wird, wurden Steinkreise aufgebaut, manche größer, manche kleiner, manche direkt am Hang, andere eher in Wassernähe. Diese werden dann für die Dauer des Urlaubs bezogen, dekoriert und auf unterschiedlichste Art gegen fremden Zugriff abgeschottet. Manche haben zwischen den Steinen Metallstäbe in die Mauer eingelassen, auf denen leere Wasserflaschen aufgepflanzt wurden, andere am Eingang ein Schildchen befestigt, auf dem zu lesen ist: "Vom 07.01. - 21.01. besetzt", die Dauerurlauber haben ihre Namen und ein drohendes "Privado!" mit leuchtend weißer Farbe direkt an die Steilwand gepinselt.
Die aktuelle Ausgabe des auf der Insel erhältlichen Anzeigenblättchens (selbstverständlich in deutscher Sprache!) informiert, dass es ein ungeschriebenes Gesetz ist, niemals, aber auch wirklich niemals (!!!) solch eine als besetzt kenntlich gemachte Steinburg zu betreten. Die einzigen, die das wagen, sind aus Nordafrika eingewanderte Erdhörnchen - Asylanten, die unsere Sprache nicht beherrschen und gnädig von den Burgherren und -damen gefüttert werden unter der Voraussetzung, dass sie sich possierlich posierend fotografieren lassen.

Aber schön ist es in so einer Burg. Ich habe kurzerhand eine verlassene besetzt, ein wenig aufgeräumt und Sonne und Windstille genossen. Als ich am nächsten Tag zielstrebig "meine" Burg ansteuerte, war sie besetzt worden - von irgendeinem ignoranten Briten. Aber die haben ja schon immer aus der Reihe getanzt...

10 Januar 2009

Ich habe das Wetter gefunden - jedes.

Wind, Wolken, blauer Himmel, Sonne, Regen. Hat es heute alles gegeben, und zwar in so rasend schnellem Wechsel, dass ich mit An- und Ausziehen kaum hinterher gekommen bin: Jacke an, Jacke aus, Hose an, Hose aus, Jacke wieder an, Hose in Rucksack, Hände in Jackentasche, weil kühl, Schuhe kurz aus, dann schnell wieder an. Regenschirm hätte nichts genützt wegen des starken Windes - fuerte ventura eben.

Mein Geist ist doch noch nicht angekommen - er will immerzu irgendetwas tun: Lernen, Spanisch sprechen, Fachbücher lesen, all sowas. Dabei tue ich doch genug! Und wieso habe ich es nötig, mich vor einem Geist zu rechtfertigen, der noch in Hannover am Flughafen sitzt und Kaffee trinkt? Mistkerl! (Da stellt sich mir wieder eine Frage: Kann der Geist einer Frau überhaupt männlich sein? Denn meiner ist ein Kerl, das ist eine unbestreitbare Tatsache.)

Eines ist sicher: Ich habe entschieden zuviel Bücher und zuwenig warme Klamotten eingepackt. Ein Fleecepullover wäre fein. Und dicke Socken.

08 Januar 2009

Schöner Strand! Flauschige Katzen! Schickes Appartment!

Noch vor knapp fünf Monaten habe ich meinen Sonnengruß auf einem lanzarotenischen Appartmentbalkon mit Blick aufs Meer machen dürfen - hier muss ich mich mit einem liebevoll bepflanzten Sicherungskasten zufrieden geben.

Das wird allerdings dadurch versüßt, dass es eine Menge Katzen gibt. Einige von ihnen haben bereits bei meinem ersten Rundgang über die Anlage festgestellt, dass ich eine prima Dosenöffnerin und Pelzkraulerin bin. Die graugetigerte war besonders niedlich. Die schwarzweiße aber auch. Die rotgetigerte ebenso. Und erst dieses mitteilungsbedürftige, flauschige, schildpattfarbene Etwas!

Um den Sicherungskasten herum befinden sich diverse Pools, ein tropischer Garten mit Pfauen und sonstigem sehr zutraulichen Federvieh, der Supermarkt, der San Miguel im Angebot hat, ist gleich neben dem Ausgang rechts, der Strand noch ein paar Schritte weiter. Sonnenuntergang habe ich schon einmal geguckt. Ist schön. Bunt. Und auf knapp 18 Kilometern Strand findet sich auch das eine oder andere ruhige Eckchen für mich und meinen Geist, der freundlicherweise sofort und ohne Widerworte mit mir zusammen in den Bus gestiegen ist. Braver Geist!

Interessant ist, dass es im Appartment einen Fernseher gibt. Falsch. Nicht das Gerät an sich ist interessant, sondern die Tatsache, dass es ca. zwei Armlängen von der Couch entfernt steht, man sich aber trotzdem gegen eine Kaution von 25 € eine Fernbedienung ausleihen kann.
Das wirft zwei Fragen in meinem Kopf auf. Erstens: Wer klaut Fernbedienungen für einen nicht besonders neuen, spanischen Fernseher? Zweitens: Gibt es wirklich Menschen, die lieber eine Kaution für eine Fernbedienung hinterlegen als ihren Hintern ein paar Zentimeter nach vorn links zu bewegen???

A...kalt - immer noch

Hannover, Flughafen, ca. 10.30 Uhr. Das Thermometer zeigte heute morgen -25° an, und ich bin sehr froh, mich für das Taxi entschieden zu haben. Als ich mit dem freundlichen Fahrer, der seit der Verladung meiner (wie ich später herausgefunden habe) 22 kg schweren Reisetasche über Rückenprobleme klagt, an der Bushaltestelle der bereits mehrfach lobend erwähnten Gesellschaft vorbeifuhr, standen dort ca. 15 Kinder, teilweise festgefroren, teilweise wild herumhüpfend und Grimassen schneidend.
Der Bus hätte eine halbe Stunde vorher abfahren sollen. Hapüh.

Irgendwie geht alles rasend schnell. Mein Flug wird gerade aufgerufen, dabei bin ich doch noch gar nicht richtig weg! Was wollen die jetzt schon von mir?

Mir geht es ein bisschen wie diesem Indianer, der sich nach einer Zugfahrt neben die Gleise setzt und darauf wartet, dass auch sein Geist ankommt. Meiner schläft noch. Oder geht im Schnee spazieren. Er will gar nicht ins Warme, der blöde Geist!

Andererseits: Machen, was ich will, laufen, wann ich will, nur ich und er - das sollte ihn doch dazu bringen, mit mir zusammen in den Flieger zu steigen.

(Beim Blick in die Runde stelle ich fest, dass wir den Altersdurchschnitt am Flugsteig gerade um 15 - 20 Jahre gesenkt zu haben scheinen...)

07 Januar 2009

Bin wech.

Da habe ich jetzt schon zweimal darüber geschrieben, wie schön die Kälte ist! Man sollte meinen, ich will nichts anderes.

Naja, will ich eigentlich ja auch nicht... Nicht so...

Uneigentlich freue ich mich darauf, morgen früh in den Flieger nach Fuerteventura zu steigen und dort rennenderweise meinen Gedanken freien Lauf zu lassen.

Wahrscheinlich wollen Sie nicht wissen, dass dort 20° (+) sind? Der Trost: Hier schien die Sonne doch bis gestern auch!

Wie auch immer: Ich bin mal für zwei Wochen am sehr, sehr langen Sandstrand. Werde garantiert einen Haufen guter Gedanken mitbringen und für Sie etwas Wärme.

Und wünsche allen Hierbleibenden trotz (oder wegen?) des gerade stattfindenden Winters eine wunderschöne Zeit!

06 Januar 2009

Weiß

Der Himmel ist unglaublich klar, am Nachmittag war er quietschblau. Aus dem Zug konnte ich ein Reh sehen, das vor irgendetwas weglief. (Vielleicht war es auch ein sehr großer Hase; ich bin relativ kurzsichtig inzwischen.)
Ich mochte nicht den üblichen Weg an der Straße entlang nehmen
und ging durch die Felder. Das dauert ein bisschen länger, ist aber viel ruhiger.
Normalerweise gehe ich schnell und bleibe auch nicht stehen. Das ging heute nicht. Es war einfach viel zu schön. Ich durfte einem Sperber beim In-der-Luft-stehen zusehen, der Sonne beim Weg in den Horizont, konnte den Flug einer Gabelweihe verfolgen, habe dem Knirschen meiner Schritte im Schnee zugehört und die Kälte gerochen.
Meine Haare waren auf einmal weiß vom Reif, und mein Atem gefror vor meiner Nase.
Wann hat es das letzte Mal so wunderschöne Wintertage gegeben?
Ich MUSSTE stehenbleiben. Mich bedanken für dieses Bild, der Kälte sagen, dass sie einzigartig ist.

Sie frieren sich den Arsch ab? Sie hassen die Kälte? Die letzten beiden Tage haben Sie Stoßgebete zum eiskalten Himmel geschickt, dass Ihr Auto anspringt? Ihr Nachbar hat nicht gestreut?

Hören Sie für einen Moment auf zu schimpfen. Gehen Sie auf den Balkon oder vor die Haustür, wenn Sie keinen haben. Schauen Sie nach oben. Da sind Millionen von Sternen, die nur darauf warten, Ihnen Wesentliches zu zeigen. Strecken Sie Ihren Zeigefinger nach oben. Atmen Sie die klare, kalte Luft. -18,5°. Schauen Sie, wie der Dampf aus den Schornsteinen senkrecht zum Himmel steigt.
Und wenn morgen wieder eine dunkelrote Sonne den Reif auf Bäumen, Büschen und Feldern zum Leuchten bringt, haben Sie vielleicht Lust, einmal hinzuschauen. In Farben zu baden, Kälte auf der Haut zu spüren, vielleicht sogar die nackten Füße einmal kurz in den Schnee zu stellen? (Vergessen Sie nicht, vor dem Barfußlauf ein paar Nüsse und Rosinen einzustecken für den einen oder anderen Vogel, der Lust auf Frühstück haben könnte.)

Wenn Sie allerdings gerade auf einer vollkommen anderen Landkarte unterwegs sind, Schnee und Kälte hassen wie die Pest und es Ihnen scheißegal ist, ob und wo irgendwelche Vögel unterwegs sind, und falls Sie mich draußen beim Herumrennen, -stehen oder Staunen erwischen, dürfen Sie mir gern eins in die Fresse hauen. Und mir, während ich beeindruckt am Boden liege, sagen: "Mir doch egal, ob Du Schnee toll findest! ICH friere mir gerade den Arsch ab!"
Aber dafür müssen Sie raus!

Die Rache des Froschs

Der Frosch hat einen Plan: Er verkauft den TT, denn er wird so tun, als sei er ein echter Frosch und kein verzauberter Märchenprinz.

Er setzt sich an den Brunnen und wartet auf die Prinzessin, die wie jeden Tag auf ihrem Spaziergang auch dort vorbeikommt. Noch bevor er den "Küss-mich-Quatsch" daherquaken kann, hebt sie ihr Schwert über den Kopf, um ihn ebenfalls zu liquidieren.

Der Frosch lässt sich rückwärts in den Brunnen fallen, klammert sich am nächstbesten Stein fest und hält die Luft an.

Die Prinzessin verliert das Gleichgewicht, stürzt hinterher und ersäuft.

Der Frosch setzt sich auf ihr lebloses Gesicht und quakt: "Tod allen Prinzessinnen!"

04 Januar 2009

Tote Frösche

Der Frosch fährt einen Audi TT.
Behindertengerecht.
Seine Beine sind zu kurz.

Die Prinzessin hält ein blutbeflecktes
Schwert
in der Hand.
Frosches Bruder hat sie schon
geköpft.

Thanks for Inspiration!

Cleaning out my closet - Eminem
Egoist - Falco
Ti sento - Matia Bazar
Amour - Rammstein

"Die Liebe ist ein wildes Tier
sie atmet dich
sie sucht nach Dir
nistet auf gebrochnen Herzen
geht auf Jagd
bei Kuss und Kerzen.
Saugt sich fest an Deinen Lippen
gräbt sich Gänge durch die Rippen.
Lässt sich fallen, weich wie Schnee.
Erst wird es heiß,
dann kalt,
am Ende tut es weh." Rammstein
Songs from the key of life - Stevie Wonder.

Landkarten

Ein paar Erklärungen vorweg: Ich bin NLPlerin. Schon lange. NLP heißt wörtlich übersetzt
"NeuroLinguistischeProgrammierung"
oder
"NeuroLinguistischeProzessentwicklung".

Das kann auf vielfache Weise erklärt oder interpretiert werden. Eine ist z.B.


"(...) die Methode, diejenigen Modelle, auf denen exzellentes Tun anderer Menschen beruht, zu erkunden, nachzubilden und lehrbar zu machen." Wikipedia
oder
(...) "ein Modell der zwischenmenschlichen Kommunikation und Sammlung unterschiedlicher psychologischer Verfahren und Modelle, die zu einer effizienteren zwischenmenschlichen Kommunikation und Einflussnahme führen sollen." auch Wikipedia
Wichtig ist, dass es im NLP einige Grundannahmen gibt. Eine davon, die ich mir immer bewusst mache, wenn es eigentlich schon wieder zu spät ist und ich mich völlig verausgabt habe: "Wenn etwas nicht funktioniert, versuche nicht mehr desselben, sondern etwas anderes." Ist schwierig für Widder. Warum sollte ich nach einer Tür suchen, wenn ich doch so schön gegen die Wand anrennen kann?

Die Annahme, um die es mir heute geht, heißt: "Die Landkarte ist nicht das Gebiet.", was soviel sagt, wie: "Es gibt kein IST. Es gibt nur ein Bild vom IST, und das mache ich mir selbst aufgrund meiner Erfahrungen, Einschätzungen und Einstellungen." Du auch übrigens. Oder Sie. Oder Sie.

Und so kann es gehen, mit oder ohne NLP-Kenntnisse: Da latscht man (oder frau) gemütlich auf der eigenen Landkarte vor sich hin und ist der festen Überzeugung, es sei die einzige, die es gibt. Und dann kommt einem auf einmal jemand entgegen und sagt irgendetwas. Vielleicht sagt er: "Das Wetter ist grauslich heute!" Auf meiner Landkarte schneit es aber, und ich liebe Schnee. Deswegen antworte ich: "Aber nein, es war doch wahnsinnig schön heute! Bist Du mal draußen gewesen? Und überhaupt, was machst Du auf meiner Landkarte?" Jetzt fängt er an, ausgiebig zu erklären, was er unter grauslichem Wetter versteht und warum es für ihn absolut unverständlich ist, dass ich es schön finden kann.

So etwas kann unendlich weitergehen. Solange ich mir das Wetter auf meiner Landkarte ansehe und er (oder sie) sich auf seiner (oder ihrer), werden wir keinen Schritt weiterkommen. Wir werden für den Rest unserer Tage in unterschiedlichen Wettern unterwegs sein.

Jetzt fragen Sie sich vielleicht: "Und wo steht der Bus?"*
Gleich dahinten, an der letzten Haltestelle auf Ihrer Landkarte! Und dann gibt es noch einen, der am Busbahnhof auf meiner parkt. Die Kunst besteht darin, die Busse aneinander vorbeifahren zu lassen, unfallfrei, und den FahrerInnen die Möglichkeit zu geben, kurz miteinander zu plaudern.
Oder anders ausgedrückt: Wenn ich ein Gespräch suche, nicht die Auseinandersetzung, sondern einen AUSTAUSCH, wäre es sinnvoll, wenn ich die Tatsache, dass mein Gesprächspartner Schnee Scheiße findet, als gegeben akzeptierte. Denn das ist die Straße, auf der ich meinen Bus lenke. Seine Straße. Er will nicht wissen, ob ich Schnee mag, er will sich auskotzen über das Wetter. Und wenn wir uns dann irgendwann später darüber einig sind, dass man im Schnee ganz schön frieren kann, könnte ich vorsichtig anmerken, dass ich nicht so fröstelig veranlagt bin und Schnee recht gern mag. Denn jetzt weiß mein Gesprächspartner ja, dass ich ihn verstanden habe.
Es ist dabei übrigens völlig wurscht, ob ich Schnee nun mag oder nicht. Ebenso wurscht ist es, ob ich an alle Endungen ein -Innen anhänge, weil ich mir das irgendwann einmal angewöhnt habe.

Das ist die lange Version, die, die von Verständnis und dem tiefen Wunsch, mit den Mitmenschen in friedlichem Miteinander zu leben, zeugt.

Ich könnte ihm natürlich auch einfach eins in die Fresse hauen und erklären: "Mir doch egal, wenn Du Dir den Arsch abfrierst! Meiner ist warm!"

Mir persönlich würde Variante 2 wesentlich mehr Spaß machen. Sagen Sie es bitte nicht weiter!

*Für Landkartenunkundige (Jedenfalls, wenn es um meinen Falk-Plan der Welt geht.): "Wo steht der Bus mit den Leuten, die das wissen wollen?" muss es korrekt heißen. Und bedeutet soviel wie: "Und warum erzählst Du mir den Scheiß?"

Music for nightpeople

Ich bin gerade "nightpeople". Es ist einer dieser Tage oder besser Abende, an denen der Weg ins Bett irgendwie viel zu weit erscheint. Es gelüstet mich eher nach einem nächtlichen Spaziergang, und nur die Angst vor einer weiteren Erkältung hält mich davon ab. Überhaupt ist die erste Zeit nach all diesen Feiertagen irgendwie schwierig. Ich befinde mich noch mitten in einer Findungsphase. Immerhin hatte ich ja in der Zeit, in der ich mich eigentlich hätte finden und dann sortieren wollen, den Schnupfen. Dabei sortiere ich mich so gern in diesen ruhigen Tagen.

Damit sind nicht die vielzitierten und -belächelten "Guten Vorsätze" gemeint - die habe ich nicht. Aber es ist spannend, einerseits zurück zu schauen und das, was an Wünschen und Zielen da war mit dem zu vergleichen, was ich auch erreicht habe, vielleicht festzustellen, dass da sehr viel fremdbestimmt war und neue Wünsche zu formulieren.

Das einzige, was ich am 31.12. kurz vor Mitternacht beschlossen habe, als ich in inniger Umarmung mit einem sehr knorrigen und sehr alten Apfelbaum stand, den klaren Sternenhimmel, die Kirchenglocken und den Geruch der Kälte genossen habe, war: "2009 wird MEIN Jahr!" Im besten Sinn.
In letzter Zeit gab es das Jahr der Rezession, das Wahljahr, das Jahr der Konsolidierung oder des Aufschwungs, das Jahr des deutschen Films... Meine Jahre haben auch auch Motti. Das letzte hatte die Überschrift "Das Jahr der Fremdbestimmung", davor gab es ein Jahr der Leichtigkeit, davor ein Jahr der Befreiung. Das nächste Jahr wird einfach nur MEINS. Soll so. Will ich so. Die fremdbestimmenden Faktoren sind ausgeschaltet.

Vor ein paar Wochen bin ich die gleiche Strecke gelaufen, die ich früher auch vom Studio in "die Stadt" gegangen bin. Habe mich an das Gefühl einer Knast-Freigängerin erinnert, das ich jedesmal hatte, wenn ich für ein paar Minuten aus "dem Laden" entfliehen konnte.

Wenn ich jetzt von A nach B oder von C nach D laufe, sehe ich Frost auf den Bäumen, sehe einen wunderschönen, klaren Winterhimmel, sehe Wolken, die vielleicht Schnee bringen werden, sehe meine Nachbarn, die ihre Vorgärten neujahrsfein gemacht haben, sehe morgens Licht im Fenster "meiner" Friseurin und denke: "Aha, die Pausenzigarette!".

Manchmal schließe ich die Augen und horche. Dann höre ich, gerade jetzt, mitten in der Nacht, Stille. Auf dem Dorf gibt es keinen Krach, und nur, wenn der Wind von Osten weht, höre ich ein leises Summen der nahen Autobahn. Stille ist schön. Aber auch "Music for the nightpeople" auf iTunes ist schön

Riechen oder schmecken ist auch schön. Ich schmecke diesen unglaublich leckeren Spätburgunder; heute abend habe ich jeden einzelnen Bissen Feldsalat genossen, schon die Zubereitung war Sinnenfest.

Jetzt hat iTunes-Radio irgendwie den Geist aufgegeben und ich höre einen wunderschönen Brief.

Ja, man kann Briefe hören, Gefühle riechen, Sterne fühlen, Kälte schmecken und dem eigenen Tanz zuschauen!

Bin immer noch nicht sortiert. Müde auch nicht. Habe mindestens sieben Glücksmomente gesammelt. Und festgestellt, dass das Leben unglaublich gut riecht, einen schönen Klang hat, in tiefem Blau erstrahlt, nach Wildlachs schmeckt und sich wie kühler Wind anfühlt.

Spätpubertäres bzw. nochnichtmenopausierendes Herzrasen

Ja, ja, ich habe geschrieben, dass ich ins Bett marschieren werde. Ich habe gelogen! Daran ist ein Kerl schuld. Nein, ich rede nicht von mehr oder weniger real anwesenden Personen, das wäre viel zu einfach. Nein, der Mann, bei dessen Anblick mir immer wieder das Herz aufgeht, der mich dazu bringt, sabbernd vor meinem Laptop (und früher vor dem Fernsehgerät) zu sitzen, der mir Seufzer, Augenaufschläge, Herzrasen entlockt, ist nicht real. Er ist richtig genommen ein Märchenprinz, nur kein besonders gut erzogener. Im Restaurant kann er sich nicht benehmen, wenn sie ihm sagt: "Je t'aime!", grunzt er "Hä?", er hat eine unübersehbare Affinität zu heftigstem Schmuddel, und wenn man ihm einen Chateau Lafitte Schlagmichtot anbietet, fragt er, ob er nicht lieber ein Bier haben kann. In Unterhose und Cowboystiefeln sieht er lächerlich aus, und ich fand männliche Brustbehaarung nie sonderlich attraktiv, aber das hat mich nicht daran gehindert, ihn beim Universum zu bestellen. Lieferung direkt in meine Küche, bitteschön! Er hat quietschblaue Augen, springt mit einem geliehenen Motorrad über eine Polizistenkette, sieht unglaublich gut aus in schmutzigen Jeans, halbzerrissenem T-Shirt und Hosenträgern, und wenn jetzt die gute Fee käme und mir nur einen einzigen Wunsch gewährte, müsste ich nicht eine Sekunde nachdenken. Wahrscheinlich würde ich ihn nach spätestens zwei Wochen entsetzlich finden und die Lust verlieren, ihm seine Wäsche hinterher zu tragen. Aber bis dahin würde ich mich ergötzen an einem Körper, dem man den betriebenen Kult ansieht, würde ihm dabei zusehen, wie er von meinem Balkon in den nächsten Apfelbaum hechtet (natürlich unbekleidet) und so tun, als wäre ich sehr zart und sehr schutzbedürftig. (Auch das würde mir nicht lange gelingen, fürchte ich...) Inzwischen ist er zwar ein wenig älter geworden, sieht aber immer noch gnadenlos gut aus, ist nicht korrumpierbar (hoffe ich zumindest), und steckt nach wie vor alles in die Tasche, was so an männlichen Wesen kreucht und fleucht. Finde ich jedenfalls. Da fällt mir ein: Ich brauche ja gar keine Fee! Da ist doch Papa Teufel, der zwar noch nichts von meiner Existenz weiß, aber sich ja schon einmal um einen adäquaten Bruder kümmern könnte. DEN hätte ich gern:

Und wenn er genau dasselbe macht und genauso aussieht wie im Film, brauche ich nichts weiter, um das eventuell auf mich wartende Fegefeuer mit einem glücklichen Lächeln zu ertragen.

Es läuft alles darauf hinaus, dass ich irgendwann mein Leben beim Sortieren meiner sehr großen Schimanski-Sammlung aushauchen werde. Aber es gibt Schlimmeres, finde ich. Schließlich belästige ich nur Sie damit, und das ist immer noch besser, als ein- oder aufzumarschieren. Sie können mein Geschwafel mit einem Mouseklick beenden.

03 Januar 2009

Marschieren. Ein, Auf und Ab

Dies ist die aktuelle Reihenfolge der Schlagzeilen bei Google News:

Israels Truppen marschieren in Gaza ein

Friedlicher Protest gegen Neonazi-Aufmarsch in Passau

Europäer befürchten Gas-Engpass

Winter macht Deutschland schön - und gefährlich

Barca baut Erfolgsserie im Endspurt aus

Zum Tod Johannes Mario Simmels

Zuzahlungen bei 300 weiteren Medikamenten entfallen


Ob das Zufall ist? Man fragt sich als geschichtsbewusste deutsche Bürgerin ja schon, warum der Einmarsch Israels direkt über dem Aufmarsch der Nazis steht. Die einen marschieren also ein, die anderen auf, und gegen das Aufmarschieren protestieren marschierenderweise wieder andere. Übrigens ist das Aufmarschieren von einem deutschen Gericht in zweiter Instanz erlaubt worden - auch Nazis haben ein Recht zu marschieren. Der Einmarsch wird von Protesten der arabischen Welt begleitet und innerhalb Deutschlands, dem Land, das den Nazis das Aufmarschieren erlaubt, dürfen andere Demonstranten gegen den Einmarsch protestmarschieren.
Irgendwie scheint die halbe Welt auf den Füßen zu sein - aus welchen Gründen auch immer...

Und das, obwohl es doch angesichts des drohenden Gas-Engpasses und des noch immer in einer dunklen Ecke der Wetterkarte lauernden Winters sinnvoller wäre, auf der Suche nach Brennmitteln durch den nahen Forst zu marschieren, statt irgendwo auf oder ein. Allerdings habe ich keine Ahnung, wie das Wetter in Israel ist; vielleicht haben sie es dort warm genug zum Marschieren.

Auch Barca marschiert - in den Erfolg. Gerade haben síe ihre Serie ausgebaut. Johannes Mario Simmel marschiert nicht mehr. Der ist gestorben. Was verständlich ist angesichts eines drohenden Winters mit Schnee und Minusgraden und wegen Gasmangel (An dem übrigens indirekt unser modebewusster Ex-Kanzler beteiligt ist; immerhin wurde er unmittelbar nach dem Ende seiner Kanzlerschaft und für ein wärmendes Honorar Vorstandsmitglied bei Gazprom. Oder berät sie. Oder so. Weil nämlich Wladimir, der lupenreine Demokrat, seinem alten Kumpel Gerd noch schnell etwas Gutes tun wollte, bevor beide in die Untiefen der Geschichte marschieren.)

Für alle, die sich beim Ein-, Auf- oder Herummarschieren einen Schnupfen geholt haben, ist hier noch eine gute Nachricht: Bei 300 Medikamenten fällt die Zuzahlung weg. Schnupfenmittel müssen die gesetzlich Versicherten allerdings schon lange selbst zahlen.

Ich marschiere jetzt ins Bad und danach ins Bett und wünsche allen LeserInnen eine ruhige und friedliche Nacht ohne Schlafmarschiererei.